Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 43 (22.10.1909)
- Date
- 1909-10-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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.. ... I1",! ..fl.. «I "flII iiiNIml iliiliiMlii Nr. 43 Dk. Blochs Wochenschrift. Seite 737 besonderer Berücksichtigung des Texasgebietes via Galoeston. Zangwill war in der Lage, mitzuteilen, daß in Amerika sich ein äußerst seriöses Komitee mit Jakob H. Schiff an der Spitze gebildet habe, welches die GalVeston-Jmmigration auf breiterer und sicher fundierter Grundlage-systematisch organisiert. Die bisherigen Erfolge auf diesem Gebiete haben sich sehr ermunternd gezeigt. Es sei charakteristisch, daß der Fall eines einzigen Emigranten unter Tausenden, der als arbeitsscheues Individuum das ihm zugewiesene Arbeitsfeld verließ und die amerikanische gelbe Presse mit Vorwürfen gegen die „Jto" überhäufte, den Gegnern der „Jto" genügte, um die ganze Galveston-Arbeit diskreditieren zu wollen. Redner weist darauf hin, daß er bei dieser Gelegenheit die Londoner Konferenz mit der Unhaltbarkeit der jüdischen Emigrationszustände in Galizien bekannt machte, indem er darauf verwies, daß gerade Galizien, das sich allmählich als eminentes Auswanderungsgebiet herausgebildet hat, bis heute von allen jüdischen Emigrations-Organisationen in auffallender Weise vernachläffigt wurde. Er schilderte die vielen wichtigen und unaufschiebbaren Arbeiten, die in Oesterreich gemacht werden müßten und er erzielte auch ein vollständiges Verständnis für alle Vorschläge. Nun geht Redner gleich auf den zweiten Punkt der Tagesordnung: „Stellungnahme zum Emigrationskongreß" über. Nach einer eingehenden Schilderung der unhaltbaren Zustände der Emigrationsverhältnisse berichtet Referent über die verschiedentlichen Besprechungen, welche im Frühjahre mit den verschiedenen Wiener Kreisen gepflogen wurden. In diesen Konferenzen ist über die wesentlichen Punkte der Frage eine Einigung erzielt und beschlossen worden, vorerst bezüglich der Abhaltung der Referate und der Beteiligung der maßgebenden, ausländischen Kreise im Wege einer unverbindlichen Rundfrage Informationen einzuholen. Obgleich nun vom Wiener Komitee bisher noch keine offizielle Verlautbarung hinausgegangen ist, find bereits von Kultusgemeinden und Emigrationsorganisationen, sowie anderen jüdischen Gruppen Rußlands, Amerikas und der Schweiz Resolutionen eingelaufen, in welchem die Notwendigkeit eines solchen Kongresses betont und die Bereitwilligkeit, den Kongreß moralisch und materiell zu fördern, ausgesprochen wird. Referent schließt seinen mit Aufmerksamkeit und Beifall aufgenommenen Bericht mit dem Antrag, die nachfolgende Resolution anzunehmen: R eso lution: „Die am 18. Oktober 1909 vom Zentralverein der jüdisch-territvrialistischen Organisation für Oesterreich einberufene Versammlung begrüßt mit großer Befriedigung die Einberufung eines allgemeinen jüdischen Emigrations- Kongresses nach Wien und erklärt sich bereit, diesen Kongreß, von welchem sie die Schaffung einer einheitlich arbeitenden Weltorganisation zur Regulierung der jüdischen Auswanderung erwartet, nach jeder Richtung zu fördern." . Diese Resolution wurde einstimmig angenommen. Hierauf erhält Herr Bertholdi, ein Führer der rußländischen S. S., das Wort: Redner begrüßt die Resolution mit großer Genugtuung, konstatiert, daß die Wiener „Jto" durch ihre Aufklärungsarbeit bisher sehr wertvolle praktische Arbeit geleistet habe, daß sie aber auch schon infolge ihrer geographischen Lage am berufensten sei, positive Arbeit zu leisten. In Rußland erwartet man von der Wiener „Jto" und von dem Kongresse sehr viel. Er spricht die Hoffnung aus, daß die österreichischen Juden sich ihres Berufes bewußt werden und die Hoffnungen, die man in sie jetzt setzt, rechtfertigen. Jetzt heiße es, stramm an die Arbeit zu gehen, und zu dieser Arbeit wünsche er ihnen viel Glück. Der Mitarbeit der maßgebenden russischen und amerikanischen Kreise können sie sicher sein. (Beifall.) Nach dem Schlußworte des Obmannes, der nochmals auf die große Wichtigkeit der Regulierungsarbeit auf dem Gebiete der Emigrationsarbeit hinwies und die Anwesenden zur Mitarbeit aufmunterte, wurde die Versammlung geschloffen. Kattowitz—Bafel. Vor 25 Jahren wurde in Kattowitz eine allgemeine Konferenz in Angelegenheit der Kolonisation Palästinas mit Juden abgehalten, wobei die weitaus überwiegende Zahl der Teilnehmer aus dem benachbarten Rußland kamen, nur wenige auS Preußen, und daS rumänische Zentralkomüee (Galatz) war bloß durch mich vertreten. Diese Konferenz war wohl nicht die erste ihrer Art, ihr gingen zwei in Rumänien voran, und zwar in Fokschan und in Jaffy. Letzterer wohnte auch Oliphant bei. Aber auch in Kattowitz selber ging dieser großen Konferenz eine kleinere voran, die im Hause des sel. Herrn M. Moses abgehalten wurde und an der ich ebenfalls als Delegierter Rumäniens teilnahm. Im allgemeinen habe ich viermal Kattowitz in der zionistischen Bewegung besucht. Etwa drei Jahre zuvor wurde ich vom Galatzer Zentralkomitee mit der Miffion nach Paris zur Alliance delegiert, um von dort Hilfe und Beistand für die rumänischen Kolonien Samarin (jetzt Sichron Jakob) und Geome (jetzt Rosch Pinah) zu erwirken, mit der Marschroute, Kattowitz (zu Herrn Moses), Dürkheim (Solvendi), Paris, Wien (Ahavas Zion, Dr. Bloch). Auf meiner Reise zum 4. Kongreß nach London hielt ich mich einige Stunden in Kattowitz auf, um mit Moses Rücksprache zu halten. Herr Arnold Wiener in Kattowitz begeht einen Akt rührender Pietät, ein verdienstvolles Werk mit seinem Aufrufe, das 25jährige Jubiläum dieser Konferenz und das Andenken ihrer Teilnehmer zu feiern und beide der Bergeffenheit, der sie anheimzufallen drohen, zu entziehen. Herr Wiener meint ganz richtig in seinem Aufrufe: diese Konferenz bildete den Ausgangspunkt für alle (?) modernen Bestrebungen zur Rückkehr der Juden in ihr altes Heimatland, an welche späterhin d e r H e r z l'sche Zionismus angeknüpft hat. Rur scheint der letzte Passus nach meiner eigenen Erfahrung nicht ganz richtig. Ich kenne solche Anknüpfungspunkte nicht, wenn ja, müßten sie sehr locker gewesen sein. Herzl hörte nicht gern von der Kattowitzer Konferenz und konnte an sie nicht anknüpfen. Die Tendenz des Herzl'schen Zionismus hatte zu wenig mit der Kattowitzer gemein. Eine meiner Sünden, wodurch ich mir seinen Unmut zugezogen habe, ist ja eben meine geäußerte Ansicht, daß, wenn kein Kattowitz gewesen wäre, vielleicht auch kein Basel gewesen wäre. Aber auch die Bemerkung im „Zionistischen A B C", ad vocem Kattowitzer Konferenz (S. 91) ist nicht richtig, wo es heißt: Weil aber heute die Mittel als verfehlt angesehen werden mußten, haben die Ergebnisse der Konferenz nur mehr historisches Jntereffe. Das heute ist nur mehr ein Anachronismus, das Gesagte dürfte vielleicht solange im Schoße des Zionismus den Anschein von Wahrheit gehabt haben, als man noch am weiland Baseler Programme (vom Charter pluS 250 Miüionenbank) festhielt. Seitdem aber dieses Luftschloß sich verflüchtigt hat, gelangte auch im Schoße des Kongreß-Zionismus nolens volens der Jdeengang der Kattowitzer Konferenz samt ihrer verspotteten Infiltration zur alleinigen Geltung. Aber es ist gar nicht richtig, daß die Ergebniffe der Beratung der Kattowitzer Konferenz je außer Geltung waren. Die palästinische Bewegung steht und fällt nicht mit dem Baseler Programme. Alles, waS auf dem Boden Palästinas vor Herzl und während seiner Führung zu Stande kam, geschah ohne, außer und gegen das Baseler Programm, auf dessen Grundlage während der Leitung Herzl's weder ein Dunam Boden daselbst erworben, noch ein jüdischer Fuß dahin verpflanzt wurde. Was bisher auf dem Boden Palästinas geleistet wurde, wurde im Sinne der Kattowitzer Konferenz geleistet, d. h., es wurde und es wird im heiligen Lande Boden erworben, um für das Judentum ein Heim zu gründen, wo es sich in nationaler Weise ausleben kann, ohne Herrschsucht, aber auch ohne äußeren störenden Einflüffen ausgesetzt zu sein. Heute, d. i. nach Aufgeben des Baseler Programms, stellt sich auch der (ehemals Herzl'sche) Zionismus auf das Resultat der Beratung der Kattowitzer Konferenz. In diesem Sinne dürfte auch am 9. Kongreß das neue (Hamburger) Programm abgefaßt werden. Heute haben die Ergebniffe der Kattowitzer Beratung das