Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 42 (15.10.1909)
- Date
- 1909-10-15
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 731 Die Anschauungen der Propheten von der Sittlichkeit von Max Wiener. Schriften der Lehranstalt für die Wissenschaft! des Judentums. Mayer L Müller, Berlin 1909. Die Stellung der Propheten im Altertum laßt sich durch keinen analogen Begriff irgendwie kennzeichnen. Es war ein ganz eigenartiges Gemisch von Sehertum und Politik in ihnen. Sie waren, um es so zu nennen, Gesandte Gottes, die aber gleichzeitig im Judentum die weltliche Rolle von Statthaltern spielten. Mit naiver Leichtigkeit vermochten sie es, einen unmittelbaren Verkehr mit Gott und politische Arbeit ineinander zu verschmelzen. In ihnen lebte eine vom wiffenschaftlichen Begriff weit entfernte Ethik, die gleichzeitig die einzige Führerin in der Aufstellung ihrer sittlichen Forderungen war. Von Postulaten war jedoch bei ihnen keine Spur. Sie erfüllten einfach die Stimme Gottes, die sie in sich glaubten, nicht gerade kritiklos, sondern häufig nach einer Prüfung durch ihren eigenen Verstand und durch ihr Rechtsempfinden, aber ohne eine systematische Erziehung des Volkes zustande zu bringen. Ihre Moral war regellos, dokttinfrei, aber dabei doch so weitsichtig, daß sie die Volksnotwendigkeiten mit richtiger Hand anpackten. Von einer Sittenlehre kann Wohl nicht gesprochen werden, aber die prophetischen Forderungen insgesamt erfüllten in allen jeweiligen Fragen den Zweck einer solchen. Das Buch ist ungemein gründlich und mit anerkennenswerter Sachlichkeit geschrieben. Näher darauf einzugehen, ist hier ganz unmöglich. Es sei nur noch erwähnt, daß es für die Kenntnis der Morallehre im alten Judentum eine große Orientierungsmöglichkeit bietet. Thekla Blech-Merwin. Aus einer stillen Welt. Erzählungen aus der modernen jüdischen Literatur. Band 1, Band 2 enthält Erzählungen, Novellen, Humoresken von: Abramowitsch, Perez, Braudes, Steinberg, Asch, Spector, Pinsky, Weißenberg, Reisen, Scholaum Aleichem, Nomberg, Onachi. Eingeleitet und übersetzt von Theodor Z l o c i st i. Zwei Bände in künstl rischer Ausstattung, Band 1, drosch. M. 3.—, Band 2, drosch. M. 2.50, beide Bände in elegant. Leinenband M. 6.50. Das Werk ist durch jede Buchhandlung und durch den Verlag Winz & C o., G. m. b. H., Berlin S. 42, zu beziehen. Zum erstenmale wird in den deutschen Leserkreis ein Werk eingeführt, das die Aufmerksamkeit auf eine vollkommen unbekannt gebliebene Literatur lenkt. Erst der große Erfolg des Dramas „Der Gott der Rache" hat eine Ahnung dieses versprengten Restes der mittelhochdeutschen Sprache gebracht. Die Sprache, einst in Deutschland gesprochen, hat sich mit mannigfachen Idiomen vermengt im Osten Europas erhalten. Die Germanisten haben sich schon feit langem mit ihr beschäftigt. Die Literaturgeschichte ist aber an den meisterhaften Werken dieser Sprache achtlos vorübergangen. Hier fetzt das neue Buch ein. Es bringt in historischer Folge Novellen, Erzählungen, Stimmungsbilder und köstliche Humoresken der modernen Meister dieser Literatur in einer den Eigenarten der Ursprache angepaßten hochdeutschen Nachdichtung. Eine verschloffene Welt voller intimster Poesie und reich an seltsamen Menschen mit wunderlich engen, verträumten Seelen, wird hier aufgetan: Das Ghetto des Ostens, das vielgeschmähte und arg verkannte, die Heimat starker Talente, die in der Freiheit bedeutende Männer wurden. In der Enge zerreißen tiefe Tragödien, die aus dem Eindringen moderner Kultur sich ergeben, die Stille. Aber auch ein ergötzliches Lachen und ein pikanter Geist haben im Ghetto ihre Stätte. Die Dichter dieser Literatur haben ein Anrecht, zu den klaffischen Künstlern der kleinen Erzählung gerechnet zu werden. Sie wendet sich an alle, die Sinn für erlesene, zarte, nicht alltägliche künstlerische Genüsse haben. In das Werk führt Theodor Zlocisti, einer der besten deutschen Kenner dieser Literatur, mit einer umfangreichen Einleitung ein, in der in großen Zügen die Geschichte der jüdisch-deutschen Sprache und Kunst im psychologischen Zusammenhang mit den politischen und literarischen Strömungen behandelt wird. Neue Bücher. Oft und West. Illustrierte Monatsschrift für modernes Judentum. Herausgegeben von Leo Winz. Verlag Ost und West. Berlin W 8. Organ der Deutschen Konferenzgemeinschaft der „Alliance JsraSlite Universelle". IX. Jahrgang, Heft 10, Oktober 1909. Inhalt: Paul Goodman», London: Die internationale Bedeutung der englischen Juden. Paul Werth ei me r: Die Judenstadt (Tunis) Gedicht. Ernst Altkirch: Benedictus Spinoza (mit 3 Jllustr.). David Pinsky: Lustige Brüder. Alfred Graetzer: Russischer Jude. Judenkopf und Abraham Neumann (mit 12 Jllustr.) Leon Scheinhaus, Memel: Synagogen- und Gemeindeleben im Mittelalter. Max Schacherl: Kulturkuriosa. Literarische Rundschau. Revue der Revuen. Mitteilungen aus dem Deutschen Bureau der „Alliance Jsraelite Universelle" : I. Zur Jahreswende. II. Die politische Lage in Schiras. III. Die Schulprüfung in Sasfi und Jaminas. IV. Notizen. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden. Redaktion: Dr. Arthur Ruppin und Dr. Bruno Blau. Berlin-Halensee, Johann Sigmundstraße 3. 5. Jahrgang. Oktober 1909. Heft Nr. 10. Inhalt: I. Abhandlungen: 1. Dr. Sara Rabinowitsch-Margolin, St. Petersburg: Die Heiraten von Juden im europäischen Rußland vom Jahre 1867 bis 1902. 2. Dr. L. Sofer, Wien: Palästina im Lichte der neuen Ausgrabungen. II. Statistisches Archiv. Die Bewegung der jüdischen Bevölkerung in Frankfurt a. M. im Jahre 1908. Ueber die Zahl der Juden in der Schweiz. HI. Literatur. Sichel. Die Geistesstörungen bei den Juden. Alsberg: Militäruntauglichkeit und Großstadteinfluß. Nord au: Zionistische Schriften G erstmann: Kultur- und Bildungsfortschritte unter den Juden Palästinas. Körperliche Renaissance der Juden. IV. Zeitschriftenüberficht. Kriefkafterr« Robb Prof. Stark, Prag-Weinberge. Der Einwand, daß die Eide und Gelöbnisse der Ännuffim, als gegen das Religionsgesetz verstoßend, im Sinne und nach den Bestimmungen der Halacha ohnehin ungiltiq und unwirksam waren, ist ohne Belang, denn der Text des „Kol-Nidre"-Gebetes, auch in jeder anderen Auffassung und in jeder Lesart, steht ohnehin nicht im Einklang mit den Gedankengängen der Halacha, wie schon jene alten von uns in Nr. 40 wörtlich zitierten Autoren nachdrücklich betont haben. Ist es in der Zeit und in den Ländern der Westgothenherrschaft entstanden, so war damals die Halacha noch flüssig, der Talmud noch nicht schriftlich fixiert. Ueberdies wußten die Kirchenbehörden den eidlichen Zusicherungen der Zwangstäuflinge Formen zu geben, die das Gewissen immerhin schwer belasteten. Im Uebrigen muß man in das ganze liturgische Stück, in die Eigenart und in die Reihenfolge der in ihm zusammengestellten Bibelverse, sowie in die Art ihrer Rezitation ohne traditionelle Vorurteile sich vertiefen und man wird von feiner Entstehungsgeschichte die richtige Ueberzeugung gewinnen. Sch. T. Das englische Parlamentsmitglied O'Connor hat in englischen Blättern behauptet, Lord Tweedmouth, der kürzlich verstorbene Erste Lord der britischen Admiralität, an welchen bekanntlich der Deutsche Kaiser politisch sensationelle Briefe schrieb, sei jüdischer Abkunft gewesen, worauf schon feine äußere Erscheinung hingewiesen habe. Lord Tweedmouth würde sich dann den be>ühmten englischen Staatsmännern Disraeli, John Bright und Sir Charles Dille anreihen, die ebenfalls jüdisches Blut in ihren Adern hatten, bezw. noch haben. S. K. Der getaufte Student Stefan Mittler ist der einzige Sohn eines Herrn Julius Mittler, der Direktor, Prokurist, Geschäftsführer toturn factum der Zuckerfabriken und des bedeutenden Nachlaßvermögens des verstorbenen, gut jüdischen Millionärs Benies. Es soll also nicht unvermerkt hingenommen werden» wenn sich der einzige Sohn eines solchen Mannes, der aus g u t j ü d i s ch e m G e l d e feine herrschaftlicheErziehung genießt, ohne Grund und Ursache taust und den jüdischen Glauben wie ein schurutziges Hemd von sich wälzt. H. E. i» Sereth. Der 6. April 1858 war Freitag, der 25. Nissan. Die angefragte R- Sch ist keine Jüdin. A. F. Der Vater des populären Schauspielers Franz T e w e l e entstammte dem jüdischen Volke. Auch Johann Strauß' Vater war der Sohn einer jüdischen Familie. Ei« alter Abomreut. Die naturwissenschaftliche Diskussion neuerdings aufzunehmen, ist kein genügender Anlaß. Otto Herlirrger, Comptoirist, geb. 16. Jänner 1887 zu Wien, wohnhaft XIV/2, Schwendergasse 1. Wir konstatieren, daß Sie mit dem in unserem Blatte vom 8. d. M. als aus dem Judentum ausgetretenen notierten Otto Herlinger, Schuhoberteilherrichter, geb. 24. Dezember 1885, wohnhaft XIV., Benedikt-Schellingergasse 10, weder identisch noch verwandt find. I/Ve-M* mit vorzüglicher Matuia und I\i All. absolviertem Abiturientenkura der Handelsakademie übernimmt passende Lektionen, geht eventuell als Hofmeister. Beste Refeienzen. Anfragen unter „Artlmr" an die Administration dieses Blattes.