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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-10-15 · 42 (15.10.1909) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
42 (15.10.1909)
Date
1909-10-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 42 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 723 Israel. Der Unbildungs-Protz, der mit seiner Stupidität prahlt, seiner Feder am Hut, hat sich im Laufe der Jahrhunderte nicht geändert, und auch seine inneren Instinkte find die gleichen geblieben. Interessant ist überdies, daß dieser. selbe Herr M. Hammer von seiner Radau-Gesellschast bei einer der letzten Kultuswahlen den jüdischen Wählern Wiens als Kandidat für das Vorsteheramt zugemutet wurde!!! Verein zur Förderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten. Der Vorstand des Vereines zur Förderung derHandwerke unter den inländischenJsraeliten hielt am 6. Oktober eine Plenarsitzung ab, in welcher der Vorsitzende Vizepräsident Herr Emil Horner dem verstorbenen Präsidenten Donat Zifferer folgenden Nachruf, welchen die Anwesenden stehend anhörten, widmete. „Der Verein zur Förderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten hat einen schweren, einen unersetzlichen Verlust erlitten durch das Ableben seines hochverdienten Präsidenten Donat Zifferer. Was Zifferer dem Handwerkerverein war, was er überhaupt jeder Körperschaft war, in deren Dienst er seine hervorragende Tätigkeit stellte, ist charakterisiert durch seine Persönlichkeit selbst. Er war eine ausgesprochene Individualität, ein Vollmensch. Durch seinen Beruf innig verwachsen mit dem Handwerke, hat er mit wahrer Liebe und Begeisterung, mit der ihn auszeichnenden Energie und Tatkraft, mit Herz und Verstand den Verein, dessen Vorstande er durch 30 Jahre angehörte, ein Jahrzehnt als Präsident geleitet und ihn mit kraftvoller zielbewußter Hand in modernem, den veränderten Anforderungen der Zeit entsprechendem Sinne umgestaltet. Welche Fülle von Anregungen hat er uns gegeben und wie hat er das, was er als richtig erkannte, mit wahren Feuereifer sofort in die Tat umzusetzen gewußt. Soll ich aus seiner reichen Wirksamkeit nur einige Marksteine hervorheben, so möchte ich vor allem der Schaffung des Lehrlingsheimes aus Anlaß des 50jährigen Vereins-Jubiläums gedenken, welches er zu einem erhebenden ehrenden Gedenktage unseres Vereines zu gestalten wußte. Ein unvergängliches Verdienst um den Verein hat er sich dadurch erworben, daß er das Interesse des verewigten Baron Hirsch für denselben zu erwecken wußte und in langen Verhandlungen ihn schließlich dazu bestimmte, dem Vereine eine Jahressubvention in der Höhe unseres gesamten Einnahme-Budgets zu gewähren, wodurch wir mit einem Schlage in die Lage versetzt waren, die Zahl unserer Zöglinge zu verdoppeln. Wohl hat die späterhin erfolgte Entziehung der Subvention ihm schweren Kummer gebracht, doch nimmer rastend wie er war, hat er auch hier Rat zu schaffen gewußt. Er hat es verstanden, den Vertrauensmann des Baron Hirsch dazu zu bewegen, daß die Entziehung der Subvention nur langsam auf Jahre verteilt erfolgte, und so gewann er Zeit, um durch sein geradezu erfinderisches Talent der Heranziehung stets neuer Einnahmsquellen den Verein davor zu behüten, daß er die Anzahl seiner Zöglinge wieder wesentlich reduziere. Noch in jüngster Zeit, als seine Hünengestalt bereits gebrochen, als er nur mehr ein Schatten der kraftvollen Persönlichkeit von früher war, hat er im Mittelstandskongreß in beredten Worten gegen die einseitig spezialifierende Ausbildung der Lehrlinge seine Stimme erhoben und hiedurch eine höchst wertvolle Anregung gegeben, die hoffentlich auch einmal zeitigen wird. Was Zifferer uns als Kollege, was er als Mensch war, darüber bin ich berufen, ein Wort zu sprechen, habe ich doch mit ihm auf dem reichen Felde der Humanität an 30 Jahre gearbeitet. Seine hervorragenden Herzens- und Charaktereigenschäften; sein durchdringender Verstand, sein Organisationstalent und seine Beredsamkeit machten den Umgang mit ihm mir stets zu einem wahren Herzensbedürfnisse und bangen Gemüts müssen wir uns mit dem Gedanken vertraut machen, einen solchen Menschen und Freund für immer verloren zu haben. Das Hinscheiden dieser von mir in kurzen Worten skizzierten Persönlichkeit unseres Präfidenten reißt in unseren Verein eine unersetzliche Lücke und es wird des Zusammenwirkens von uns allen, des Einsetzens des besten Wissens und Könnens jedes Einzelnen von uns bedürfen, um den Verein auf jener Höhe zu erhalten, auf die unser verblichener Präsident ihn gebracht hat. Sein Andenken in unserem Vereine, sowie in unser aller Herzen wird stets ein gesegnetes sein." — Hierauf wurden folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Diese Trauerkundgebung dem Sitzungsprotokolle einzuverleiben. 2. Unter den Vorstandsmitgliedern als Ersatz der Kranzspenden eine Sammlung zu veranstalten, deren Ergebnis dem Vereine zuzuführen und alljährlich in den Berichten als Donat Zlffcrer-Fond auszuweisen ist. 3. Unter Heranziehung der Zöglinge unseres Vereines im Gotteshause eine Trauerfeier zu veranstalten. 4. Von diesen Beschlüssen der Frau Gemalin nebst den Angehörigen der Familie des Verblichenen Mitteilung zu machen. Der Vorsitzende dankt Herrn Dr. Reis für den am Sarge gehaltenen wirkungsvollen Nachruf und gibt bekannt, daß er der Familie auch persönlich Mitteilung von diesen Beschlüssen machen und bei diesem Anlasse Gelegenheit nehmen werde, um ein Bild des Verstorbenen für unseren Sitzungssaal zu bitten. Schluß der Sitzung 7 Uhr. Eine Anregung. Geehrte Redaktion! In der Nr. 41 Ihres geehrten Blattes vom 8. Oktober d. I. erscheint unter der Überschrift: „Eine Anregung" eine mit „6. B.“ gezeichnete Einsendung publiziert, in welcher die Einrichtung einer Amtswohnung für einen Rabbiner am Zentralfriedhofe zu dem Zwecke propagiert wird, damit auch an israelitischen Festtagen ein Prediger zur Funktion bei Leichenbegängnissen verfügbar sei. Demgegenüber beehre ich mich, darauf hinzuweisen, daß bekanntlich das Halten von Grabreden an jüdischen Festtagen nicht gestattet ist. Mit vorzüglicher Hochachtung vr. Id. L. (Name und Adresse des Einsenders vorstehender Zuschrift sind der Redaktion bekannt.) Ans dem „Jüdischen Kulturverein" in Budapest. Am 12. d. M. fand die erste Frauenversammlung des neuen „Jüdischen Kulturvereines" statt, mit welcher der Versuch eingeleitet worden ist, auch die Damen zur Propaganda heranzuziehen, ein Versuch, der anscheinend gelungen sein dürfte, da sehr viele aus jenen Kreisen da waren, von denen man mit Recht sagen kann: „Ils font la pluie et le beau temps.“ Es wurde das Programm des Präsidiums, im Laufe der Saison eine Serie von 20 bis 25 Vorlesungen verschiedenster Art zu halten, angenommen und auch die Abhaltung einer Kultur-Matinee zum Abschlüsse unter Mitwirkung von Künstlern zum Beschlüsse erhoben. In Abwesenheit der Präsidentin Frau Baronin Wilhelm G u t m a n n wurde die Sitzung von Frau Hofrat Amslie N e u m a n n geleitet und mit nachstehender Ansprache eröffnet: „Geehrte Damen! In Abwesenheit der Präsidentin bin ich so glücklich. Sie anläßlich unserer ersten Vereinigung auf das Herzlichste zu begrüßen. Die erfreuliche Tatsache, daß Sie so zahlreich erschienen, läßt die freudige Hoffnung in meiner Seele wach werden, daß es uns durch Ihre mächtige Mithilfe vielleicht gelingen dürfte, die uns zugefallene große Aufgabe wenn auch nur halb und halb zu verwirklichen. Denn, meine geehrten Damen, wir stehen

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