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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-10-15 · 42 (15.10.1909) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
42 (15.10.1909)
Date
1909-10-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 42 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 721 tiven Vergrößerung und Regulierung unserer geistigen Produktion und Konsumtion. Mein Optimismus findet in manchen Entwicklungserscheinungen der letzten Zeit seine Begründung. Das Interesse für die jüdische Kultur wächst. Die Literaturvereine in Deutschland, welche unter Gustav Carpeles' Leitung standen, werden immer zahlreicher: das jüdische Mustum in Wien, unter dem Präsidium Stiasn i s, die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums mit Martin Philippson an der Spitze, die in den Großgemeinden gegründeten Bibliotheken blühen. Die hebräische Bewegung, die Jargonistenbewegung, die Propagandareise für das Hebräische Brainins in Galizien und Rußland, Lewins in Amerika, der gesicherte Fortbestand des' von Moser beschenkten hebräischen Gymnasiums in Jaffa, das zunehmende Interesse für den hebräischen Dichter V i a l i k, für die Erzähler Abromovitz und Peretz, für den Lyriker Rosenfeld, für den Humoristen Schulem-Alechem und den Dramatiker Asch und die Aufnahme der jüdischen Kultur in das Programm der Bundisten und Poale-Zion sind Symptome des Fortschrittes der jüdischen Eeistesbewegung. Auf allen Linien ist eine sich steigernde Würdigung des kulturellen zu verzeichnen und ist es zu hoffen, daß auf kulturellem Gebiete die Basis für die V e r st ä n d i g u n g der verschiedenen Organisationen gefunden werden wird. Das Ideal einer jüdischen Gesamtorganisation, der Plan einer Allianz der Allianzen, worüber in letzter Zeit viel diskutiert wurde und wofür die in Deutschland so heilvoll versöhnend und vereinigend wirkenden, von Timendorfer, Maretzky, und Bergel geführten „Bnei Brith" eintreten, könnte auf geistigem Gebiete verwirklicht werden. Eine Akademie für alle müßte durch die hauptsächlichen Vertreter aller gegründet werden — und eine Plattform für eine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbindende Vereinigung abgeben. VIII. Eine Iabnehakademie sollte durch, eine Kommission ins Leben gerufen werden, in der die Organisationen Allisraels vertreten sind. Dem Komitee zur Gründung einer Iabnehakademie müßten folgende Vertreter des Judentums und der Iudenheit angehören: 1. Die Leiter der Hochschulen der Wissenschaft des Judentums ohne Unterschied der Richtung. 2. Die Führer der jüdischen Grotzorganisationen. 3. Die erstklassigen Förderer der Wissenschaft, Literatur und Kunst, welche zumeist die Führer der erstrangigen Gemeinden sind. Die Gelehrten werden die Mitglieder der Akademie ernennen und die finanzkräftigen Komiteemitglieder werden den Bestand der Akademie materiell sichern. Selbstverständlich entscheidet in praktischenFragen die Situation und nicht ein Programm a priori Es ist auch im Dienste der Sache, wenn ich die Organisationsfrage bloß berühre und mich auf einige Punkte beschränke. Der administrative und finanzielle Teil würde einem Kuratorium zufallen, welches auch in bezug auf die anderen mehr oder weniger von der Akademie abhängigen Gründungen eine große Rolle hätte. Kuratoren werden die Edlen an Geist und Herz sein, welche moralisch oder materiell die Entstehung und den Fortbestand der Akademie fördern werden: Mitglieder der Akademie können nur Gelehrte und Intellektuelle ersten Ranges sein, als außerordentliche Mitglieder werden alle diejenigen figurieren, die in den Hilfsgesellschaften der Akademie geistig wirken werden. Die Akademie wHd in verschiedene Sektionen geteilt sein — den Bedürfnissen der Wissenschaft, Literatur und Kunst entsprechend — und nur die Benennungen und Titulaturen können die Mystik und Poesie der Tradition berücksichtigen. Um den interterritorialen Charakter der Akademie zu wahren, sollten die verschiedenen Sektionen und Kommissionen in den wichtigen Großgemeihden der alten und neuen Welt ihren Sitz haben. Als Ideal bleibt es freilich, Jerusalem zur Hauptresidenz der Akademie zu machen. In den ersten Jahrzehnten wird die Akademie doch in der Diaspora bleiben und ihr Hauptbureau in Europa errichtet werden müssen, — bis diese große, vielverzweigte Institution An Judentums festen Boden gefaßt und alle Anfangsschwierigkeiten überwunden haben wird. Man könnte ein genaues, detailliertes Organisationsprogramm entwerfen, allein es ist Zeit, daß wir Juden das Wort Friedrichs des Großen beherzigen, der meinte, daß das Unglück Kaiser Josefs darin bestand, den zweiten Schritt noch vor .Vollendung des ersten unternommen zu haben. Der erste Schritt auf dem Wege zu einer modernen Iabnehakademie ist die Propaganda für ein kulturelles Alljudentum. Korrespondenzen Zur Landtagswahlreform in der Bukowina. Das „Deutsche Bolksblatt" vom 6. Oktober bringt einen vehementen Kampfartikel gegen den Minister des Innern wegen seiner Weigerung, eine Judenkurie in der Bukowina einrichten zu lassen: „Es geschehen manchmal Dinge, zu deren Beurteilung die allgemeinen logischen Grundsätze absolut nicht ausreichen, ja, die denselben direkt zuwiderlaufen und sie auf den Kopf stellen. Ein solcher Fall liegt heute wieder einmal vor. Gestern erschienen die Mitglieder des Vorstandes des Jüdischen Nationalvereines in Oesterreich beim Minister des Innern Baron Haerdtl, um ihm eine Bitte vorzutragen. Diese jüdische Deputation beklagt sich ausnahmsweise einmal nicht über angebliche Verfolgungen und Unterdrückungen, welchen das Judentum ausgesetzt ist, sie erhob keine Beschwerden über Verletzungen der Gleichberechtigung, sondern sie kam mit einem Peritum, das von arischer, wie auch von antisemitischer Seite unbedingt unterstützt werden kann. Sie verlangte nämlich die Schaffung einer jüdischen Kurie für den Bukowinaer Landtag. Wer die Zahl und die Bedeutung der Juden in diesem Kronlande kennt, wird zugestehen müssen, daß das Verlangen des Jüdischen Nationalvereines kein unberechtigtes ist, zumal sich dasselbe zweifellos mit dem Wunsche der christlichsozialen Bevölkerung der Bukowina trifft, die es mit größter Freude begrüßen würde, wenn sie bei den Wahlen in den Landtag nicht wie bisher gemeinsam mit den Juden zu wählen hätten, sondern durchaus selbständig Vorgehen könnten, wobei natürlich dafür gesorgt werden müßte, daß die Juden, die ohnehin zu einer eigenen Wahlgruppe vereinigt wären, nicht auch noch ihren großen wirtschaftlichen Einfluß bezüglich der Besetzung der übrigen Mandate ausüben könnten. Wie lautete nun — und damit kommen wir zu der Veranlaffung dieser Zeilen — die Antwort, die Minister Baron Haerdtl der jüdischen Deputation erteilte? Der gegenwärtige Verweser des Refforts des Ministeriums des Innern sagte Folgendes: „Die Regierung könne, fußend auf dem Staatsgrundgesetze, dem Wunsche nach Schaffung einer jüdischen Kurie deshalb nicht Nachkommen, weil dies als ein Akt der Feindseligkeit gegen die Juden angesehen und so aufgefaßt werden könnte, als ob die Regierung die politischen Rechte der Juden von ihrer konfessionellen Zugehörigkeit abhängig machen wollte, was dem Staatsgrundgesetze widersprechen würde. Die Regierung lege den größten Wert darauf, daß ihr solche Absichten nicht imputiert werden. Dagegen anerkenne die Regierung, daß praktisch das Bedürfnis nach jüdischen Jnterefsenvertretern vorhanden und daß es berechtigt sei. Diesem Bedürfnis könne aber auf andere Art, etwa durch die Schaffung von Minoritätsmandaten, entsprochen

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