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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-10-15 · 42 (15.10.1909) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
42 (15.10.1909)
Date
1909-10-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 714 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 42 schöpfende Quelle des Reichtums findet. Die antisemitischen Politiker, die dem kleinen Manne etwas vorlügen und ihn dann von den Agrariern ausrauben lassen, während sie damit beschäftigt sind, für ihre Freunderln und Verwandten Pfründen und Stellungen zu versorgen. Die Stadtväter, welche die Steuerschraube bis zur letzten Windung anziehen. Die Journalisten endlich, welche sich vom Ertrag der Stampiglien und der Ritualmordmärcheu Häuser bauen und für die Verdummung des Volkes mit Sachverständnis arbeiten. Sie alle bilden zusammen einen ungeheuren Sumpf, auf dem die Korruption, der Nepotismus, die Geschästspolitik üppig wuchern und alle Ideale des Volkes ersticken. Nie hat es so viel Skandalprozesse gegeben, als in der Aera der antisemitischen Herrschaft, nie so viele grob bemakelte Männer, welchen man alle Gesinnungslumperei, Profitmacherei, ja sogar Verbrechen des Strafgesetzes verziehen und sie an der Macht gelassen hat, weil sie alle diesen Schmutz mit antisemitischen Lügen zu verdecken wußten, die Blicke des Volkes von der eigenen auf das Phantom der jüdischen Korruption abz'ulenken verstanden. Kein Generalisieren! Was wir Juden so oft verlangten, könnten vielleicht unsere Feinde anläßlich des Berliner Erpresserprozesses von uns verlangen. Wenn wir aber von einigen wenigen klerikalen Blättern absehen, wo sind die zehn Gerechten Sodom und Gomorrhas? Rußland ist das Reich des Antisemitismus und der Korruption zugleich und Rumänien ist seine verkleinerte "Ausgabe. Wenn bei uns irgendwo eine antisemitische Bewegung entsteht, versammelt sich um ihre Fahne Alles, was anderswo moralisch untergegangen ist, alle fadenscheinigen, verdächtigen Existenzen, die sich vor dem Gerichtssaale retten, indem sie in die Partei hineinkommen, in welcher der Ehrlichste den Grundsatz hat, keine Grundsätze zu haben. In Berlin hat man ein paar gar zu frech und unvorsichtig Gewordene erwischt, denen das gewöhnliche antisemitische Geschäft zu langsam ging und die deshalb auch Leute überfielen, die nicht so schutzlos dastehen, wie die armen Juden. Wollte der Staatsanwalt eine Massenrazzia nach Leute veranstalten, deren Beruf das Verdächtigen, Lügen, Verfolgen ist, er müßte rein alle Quartiere der Partei ausheben, deren Devise lautet: non ölet! Ist die Schaff««- jüdischer Maislkurien nützlich?*) Von Dr. Oswald Byk. Anläßlich der Verhandlungen über die Landtagswahlreform in der Bukowina war das Bestreben der, oder richtiger gesagt, des Führers der Bukowinaer Judenschaft auf die Erlangung jüdischer Wahlkurien, oder wie die Zionisten sagen, „jüdisch-nationaler" Wahlkurien gerichtet. Da dieser Führer der Bukowinaer, oder richtiger gesagt, der Czernowitzer Judenschaft zugleich auch der Obmann der reichsrätlichen, aus (ihn selbst mitgerechuet) vier Köpfen bestehenden Zionistenpartei ist, so deckt sich dies sein Bestreben mit jenem seiner reichsrätlichen Parteigenoffen und im weiteren Sinne mit jenem aller seiner Parteigänger — der Zionisten urbi et orbe. Tatsächlich haben ja die Zionisten Galiziens anläßlich der durch die neue Wahlreform bedingten Wahlkreiseinteilung im Jahre 1906 den dringenden Wunsch nach Schaffung eigener jüdischer Wahlkurien erhoben, wobei sie Jeden, der gegenteiliger oder überhaupt nicht ihrer Ansicht war, als einen Verräter an der jüdischen Sache verschrieen. Selbstverständlich war in diesem Sinne Dr. Emil Byk als Gegner jüdischer Wahlkurien der größte Verräter, derselbe Dr. Byk, deffen hauptsächlichstes Streben die Verbefferung der Lage der Juden und die Hebung ihres kulturellen Niveaus *) Wir geben vorstehender Zuschrift des hochgeehrten Oberstabsarztes Herrn Dr. Oswald B y k in der „Oesterreichischen Wochenschrift" Raum, ohne daß wir uns mit seinen Ausführungen identistzieren. Die Redaktion. gewesen ist, derselbe, dem die Juden Galiziens bedeutende Errungenschaften auf ethischem, politischem und wirtschaftlichem Gebiete zu verdanken haben. Doch dies nur nebenbei bemerkt, wollen wir die durch die Diskussion der Landtagswahlreform in der Bukowina angeregte Frage, ob eine Schaffung jüdischer Wahlkurien für die Juden nützlich sei, im Nachstehenden rein sachlich erörtern. Die jüdische Wahlkurie soll bezwecken: 1. Die Sicherung des in dieser Wahlkurie zu vergebenden Mandates nur für einen Juden, oder, wie es die Anhänger dieser Idee dokumentieren, für einen „Nurjuden". 2. Der so gewählte „nurjüdische" Vertreter müßte stets und allerwärts nach ungezählten „Errungenschaften" für die Juden streben, solchermaßen deren Los verbessern, und die politischen Rechte derselben immer mehr erweitern, bis sie „eine selbständige Nation", ein Staat im Staate wären.- Ad 1. Was die Schaffung ausschließlich jüdischer Wahlkurien betrifft, so könnte dieselbe natürlich nur in solchen Wahlbezirken geschehen, in denen die jüdische Wählerschaft sich in der Majorität befindet. In einem solchen jüdischen Wahlbezirke müßte, so sollte man glauben, der jüdische Kandidat seines Mandates sicher sein! Allein wie ganz anders gestalten sich die Dinge in dieser Welt, namentlich bei Wahlen, als fie sich in den Köpfen der Zionisten malt. Dies haben die letzten Reichsratswahlen in Galizien zur Genüge erwiesen. Im Wahlbezirke Stryj-Kalusz, wo die jüdischen Wähler in der Mehrzahl sind, wurde ein jüdischer Kandidat mit Zustimmung der polnischen Rada . narodowa (Nationalrat) aufgestellt; aber trotzdem ging der auf eigene Faust kandidierende Sozialdemokrat als Gewählter aus der Urne hervor, da die Stimmen der jüdischen Sozialdemokraten für ihren Parteigenossen den Ausschlag gaben. In Brody, wo die Juden Alleinherrscher find, ging ein Zionist nach hartem Kampfe als Sieger hervor. Derselbe hatte jedoch seine Wahl den Zionisten, beziehungsweise den Juden allein nicht zu verdankeu, sondern konnte nur mit Hilfe der Ruthenen, die damals im schroffen Gegensätze zu den Polen standen, gewählt werden. Aus diesen beiden Fällen ist zu ersehen, daß selbst rein jüdische Wahlbezirke den Juden nicht gesichert sind, wenn fie nicht als solche geschlossen, sondern als Parteigänger verschiedener Richtungen stimmen. Werden die Juden — nach dem Wunsche und Streben der Zionisten — separatistische Wege wandeln, so werden fie nicht bloß auf politischem Gebiete Enttäuschungen erleben, sondern in wirtschaftlicher Beziehung, wie in jener des so wichtigen Unterrichtswesens und in vielem anderen Zurückbleiben, da ihnen die mächtige und fördernde Stütze des ausschlaggebenden Kulturelementes des jeweiligen Landes fehlen würde. So würde die politische Absonderung der Juden hemmend auf ihre Kulturentwicklung wirken. Die Geschichte ist bekanntlich die beste Lehrmeisterin. Und fie beweist uns, daß die Juden in Polen, so lange sie dort ausgedehnte Autonomie — fie hatten autonome Verwaltung, ja sogar eigene Jurisdiktion rc. — befassen, in der Kulturentwicklung weit hinter den Juden in den westlichen Ländern zurückblieben. Erst als fie den Gesetzen des Staates unterworfen wurden und dieser anfing, sich um sie zu bekümmern, begann auch unter den Juden Polens Kultur einzudringen. Wir halten daher auch von diesem Gesichtspunkte aus, wie von allen anderen die Entscheidung des Ministeriums für gerechtfertigt: „daß die Juden in der Bukowina den Deutschen anzugliedern seien im Interesse der Juden." (!!) In noch höherem Maße gilt dies für die Juden Galiziens, welche die Geschichte, die Pflicht der Dankbarkeit, das politische nicht minder, wie das wirtschaftliche und kulturelle Interesse darauf hinweist, daß wir keinen anderen Weg gehen dürfen und können, als uns eng an das Kulturelement des Landes — in Galizien an das polnische — anzuschließen. Nun kommen wir zum Punkte 2 : Welche Errungenschaften könnte ein solcher als „Nurjude" gewählter Abgeordneter ohne Unterstützung seitens einer einflußreichen Partei im Parlamente erlangen? Die Antwort hierauf geben uns die

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