Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-10-08 · 41 (8.10.1909) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
41 (8.10.1909)
Date
1909-10-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021818-3021860--18695-3043637
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 708 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 41 Lex posterior derogat priorem — das sechzigjährige Hofdekret ist durch das Gesetz über die Gleichberechtigung derogiert, denn da die Juden in allem mit ihren andersgläubigen Brüdern gleichberechtigt erscheinen, dürfen sie nicht bei der Eidesleistung vor Gericht zurückgestellt und darf ihre Wahrheitsliebe nicht in Zweifel gestalt werden. Es ist eine ganz nebensächliche Frage, ob zur Durchführung dieser Gleichberechtigung ein besonderer Erlaß der Regierung oder bloß ein Bescheid der Banaltafel erforderlich ist — die Hauptsache ist, daß mit der Regelung dieser Frage nicht bis zur Reform der Prozeßordnung gewartet werden darf. Juramentttm more jttdaico kann in seiner Unannehmlichkeit jeden Tag jeden von uns treffen, und da er täglich bei Gericht das Gefühl der Ungleichberechtigung hervorruft, so trifft er uns Juden alle. So wie der Landtag und die Regierung bei allen Anläffen ohne Widerrede unsere Gleichberechtigung anerkannt haben, so werden alle beteiligten Faktoren auch gerne das letzte Zeichen der mittelalterlichen Verfolgungen der Juden in der Rechtspflege entfernen, wenn nur aus unserer Mitte der Ruf erhoben wird. Morgen am Bersöhnungstage ermahnet in traditioneller Weise in der Synagoge der Rabbiner seine Gläubigen auf die Heiligkeit des Eides, darum möge auch außer der Synagoge der Ruf «schallen, daß mit dem more judaico in Kroatien ein Erü»e geschähe. Wir selbst müssen trachten, daß unsere Gleichberechtigung überall zum Ausdrucke kommt. Dr. Lavoslav Schick." Die Begrützungsadresse -er Londoner Sephardffchen Gemeinde an den König von Portugal. Wie aus London berichtet wird, hat die dortige fpaniolffch-portugiefifche Gemeinde in ihrer letzten Vorstandssitzung beschlossen, König Manuel von Portugal anläßlich seines Besuches am englischen Hofe, im Monate November, durch eine Abordnung zu begrüßen und ihm eine Adresse zu überreichen. Dieser Beschluß erweckt in Kreisen der übrigen Juden umso größeres Befremden, als man noch nicht vergessen hat, welchen Empfang die Londoner Spaniolen beim spanischen König Alfonso anläßlich seines letzten Besuches in London halten. Auch damals erschien eine Deputation beim König, auch damals wurde eine Adresse überreicht, aber der jugendliche Monarch des Landes, in welchem sich die traurigsten Kapitel der jüdischen Geschichte abgespielt hatten, hatte für die schönen Worte und die herrliche Adresse nicht einmal ein verbindliches Wort der Höflichkeit für die Juden, deren Vorfahren aus seinem Lande vertrieben wurden. Oskar Straus' erster Iomkippur in Konstantinopel. Der neuernannte amerikanische Botschafter in Konstantmopel hat bereits seinen Posten angetreten. Türkische Blätter verzeichneten die interessante Tatsache, daß Botschafter Straus am Iomkippur in der Haidar-Pacha-Synagoge dem Gottesdienste anwohnte und fast den ganzen Tag über in der Synagoge verweilte. Merkwürdigerweise hätte Botschafter Straus gerade am Iomkippur vom Sultan behufs lleberreichung des Akkreditierungsschreibens sollen empfangen werden. Mr. Straus bat jedoch, mit Rücksicht auf den heiligen Tag, die Audienz zu verschieben, welchem Ansuchen auch bereitwilligst Folge gegeben wurde. Die jüdffche Kvlonialbank und die türksschen Konzessionen. Der „Petersburger Fraind" erfährt von ^.unbedingt sicherer Quelle", daß die zionistischen Finanzinstitute in der letzten Zeit das erstemal in die Lage gekommen seien, wertvolle Konzessionen in Palästina zu erwerben, doch wäre es infolge der Unzulänglichkeit der den Zionisten zur Verfügung stehenden Kapitalien zu keinem Vertragsabschlüsse gekommen. Es handelte sich um die Konzession zur Erploitierung des Hafens in Jaffa und die Bewässerungsanlagen in Iudah. Das erforderliche Kapital für beide Konzessionen soll im ganzen 16 Millionen Franken betragen. Die Jüdische Kolonialbank habe sich um diese Konzessionen beworben, da sie jedoch nicht in der Lage gewesen sei, den Nachweis ihrer Kapitalskräftigkeit zu erbringen, sollen die Verhandlungen türkischerseits abgebrochen worden sein. Nun ist für die Erlangung dieser Konzessionen ein öffentlicher Konkurs ausgeschrieben, dessen Termin am 15. Oktober d. I. abläuft. Die besten Chancen habe jetzt eine eigene zu diesem Zwecke gebildete deutsche Gruppe. Die Wichtigkeit dieser beiden Konzessionen, die den Besitzern derselben die Regulierung des ganzen Imports nach Palästina und der Bodenbewegung im Lande in die Hände spielt, braucht nicht erst bewiesen zu werden. Strenge Gesetze gegen die Ausforstnng des Libanon. Der Zedernwald des Libanon war, wie ein Jerusalemer Blatt schreibt, einst einer der größten Wälder der Erde. Schon im Buche der Könige wird erzählt, daß König Salomo 80,000 Menschen beschäftigt habe, um vom Walde des Libanon Zedern zum Baue seines Königspalastes zu gewinnen. Die Geschichte erzählt auch von einem assyrischen König, der eine Unmasse.Zedernbäume zum Baue seines Palastes vom Libanon holen ließ. Auch Herodes hat den Libanon stark ausforsten lassen, sowie auch spätere Herrscher für ihre fürstlichen Bauten, Tempel usw. mit Vorliebe Zedern des Libanon verwendeten. Es ist nun kein Wunder, daß dieser berühmte Wald allmählich ausgeforstet wurde, so, daß heute kaum mehr als vierhundert Zedern am Libanon stehen. Um nun diese noch wenigen, immer seltener werdenden Ueberbleibsel des einst berühmt gewesenen Waldes vor Vernichtung zu retten,,, hat „der,...Gouverneur vom Libanon, Rustem Pascha, gegen die Beschädigung oder das Fällen dieser Bäume strenge Verordnungen erlassen. Die Verordnung verbietet aufs strengste, daß Karawanen in der Nähe dieser Bäume lagern, Feuer anzünden oder Vieh weiden lassen. Selbst für das Abbrechen von Zweigen als Andenken sind schwere Strafen ausgesetzt. Das Vieh, das während der Weide am Libanon erwischt wird, verfällt der Beschlagnahme. Um diesen Verordnungen Geltung zu verschaffen, hat der Gouverneur einen eigenen Wachposten am Libanon ins Leben gerufen. Juden in der türkischen Militärakademie. Wie Konstantinopler Blätter melden, befinden sich in den rekonstruierten türkischen Militärkapellen auffallend viele jüdische Freiwillige. Dies wird damit erklärt, daß viele Juden, die sich freiwillig zum Militärdienst meldeten, dann in die Militärkapellen zur Dienstleistung kommandiert wurden. Der Sinn für Musik ist bei den türkischen Juden überhaupt stark ausgeprägt. Jede jüdische Schule und auch jeder jüdische Verein hat seine eigene „Fanfare israelite". Diese Fanfaren haben auch bei allen patriotischen Festen und Demonstrationen der letzten zwei Jahre eine wichtige Rolle gespielt. Die Mitglieder solcher „Fanfares israelites" eignen sich nun vortrefflich auch für die Militärmusik, zu welcher sie nunmehr herangezogen wurden. Eine jüdffche Reform-Gemeinde in Petersburg. Aus Petersburg kommt die Nachricht, daß dort demnächst eine jüdische Reform-Gemeinde ins Leben gerufen werden soll. Ein Herr Peperkowitsch fordert in russischen Blättern zum Beitritt auf und teilt mit, daß die Konstituierung der Gemeinde stattfinden werde, sobald sich 100 Mitglieder gemeldet haben werden. Als

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.