Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 41 (8.10.1909)
- Date
- 1909-10-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 41 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 705 Entstehung, darunter ein großer Teil des Viertels bei der Votivkirche, die Landwehrkaserne in Wien, der Erweiterungsbau des Rothschild-Spitals, das Palais Rothschild in der Heugasse und andere. Um die Ausgestaltung des Rathausviertels hat er sich durch die Erbauung mehrerer Arkadenhäuser in hohem Grade verdient gemcht. Zifferer war ein rühriger Verfechter der fortschrittlichen Grundsätze und die fortschrittliche Partei im 9. Wiener Gemeindebezirke entsandte ihn im ersten Wahlkörper des Alsergrund in den Gemeinderat. Der fortschrittliche Parteiverband wählte ihn zu seinem Obmannstellvertreter, und in dieser Stellung verblieb er. bis ihn seine Krankheit dazu zwang, auf sein Mandat zu verzichten. Eine rege und verdienstvolle Tätigkeit entwickelte Donat Zifferer auf philanthropischem Gebiete. Er war einer der Schöpfer des Philanthropischen Vereines und gehörte dem Exekutivkomitee desselben als Obmannstellvertreter an. Seit vielen Jahren stand er an der Spitze des „Jüdischen Handwerkervereines" und entwickelte als Präsident eine segensreiche Tätigkeit. Sechzehn Jahre war er Mitglied des Kuratoriums der Baron Hirsch-Stiftung, darunter 7 Jahre als Schatzmeister. Das Heim für obdachlose Familien, der Verein zur Förderung des Handwerks, die Kaiser Franz Josephs-Jubiläumsstiftung für Volkswohnungen, der Verein zur Ausspeisung hungernder Schulkinder und zahlreiche andere humanitäre Vereine find in ihrem Entstehen und Gedeihen zum großen Teil aus seine tatkräftige Initiative zurückzuführen. Auch in seiner Heimat Holleschau und in Bistritz am Hostein hat er sich durch humanitäre Stiftungen ein dauerndes Andenken geschaffen. Donat Zifferer lebte in langjähriger glücklichster Ehe mit Frau Rosa Zifferer geborenen Schüler, einer überaus feinsinnigen, geistig hochstehenden Dame, die sich namentlich auch als Präsidentin des Vereines „Frauenhort" in ihren philanthropischen und humanitären Bestrebungen mit ihrem nunmehr verblichenen Gatten vereinigte. Aus dieser Ehe entstammten zwei Söhne, von denen der eine der Fabrikant Erwin Zifferer ist, der andere Dr. Hans Zifferer, der sich der juridischen Laufbahn zugewendet hat, und eine Tochter Else, die Gattin des Architekten Ernst v. Gotthilf. Der „Frauenhort" hat das Andenken des Verblichenen durch Einberufung einer Trauerfitzung am 30. September geehrt, in der die Vizepräsidentin Frau Regine K o p st e i n einen ergreifenden Nachruf hielt. Vom Giebel des Kaiser Franz Josephsheimes in Sebenstein wehte zum erstenmal eine Trauerfahne. Von der Zeremonienhalle der israelitischen Abteilung des Zentralfriedhofes aus fand am 1. d. M. um 3 Uhr, (am Vortage von Z i f f e r e r s 64. Geburtstage), nachmittag das Leichenbegängnis statt. Bei der Leichenfeier waren die vielen humanitären Vereine, an deren Gründung und Erstarkung Zifferer Anteil genommen, durch Abordnungen vertreten. Es waren erschienen: Sektionschef a. D. Dr. L i h a r z i k, Vizepräsident der Israel. Kultusgemeinde Doktor Gustav K o h n mit den Vorstandsmitgliedern Max Frank, Dr. F e l i x K a tz a u, Dr. Leopold K o h n, kaiserlicher Rat Sachs, Kommerzialrat Leopold Simon, kaiserlicher Rat Jonas Weil, Emannel Grünwald und Gemahlin, erster Sekretär kaiserlicher Rat Dr. Lieben, dann in Vertretung der Kaiser Franz Josephs-Jubiläumsstiftung für Volkswohnungen Hofrat Dr. Maresch, Oberbaurat Koch und Sekretär kaiserl. Rat Spiegel und Gemahlin, der Vorstand des Heims für obdachlose Familien mit dem Verwalter Gromann, die Gemeinderäte A l l m e d e r, Dr. Ritter v. D o r n, F u ch s i k, Dr. Hein und Dr. Mittler, der ehemalige Gemeinderat Helbig, Bezirksrat Dr. Schnep, die ehemaligen Abgeordneten Dr. Josef S. Bloch, N o s k e und Dr. B o g l e r, in Vertretung des Vereines „Frauenhort", um den sich Z i f fe r e r und seine Gemahlin die größten Verdienste erworben haben, sah man die Damen Johanna Fröhlich, Klotilde Benedikt, Regine B e t t e l h e i m, Laura K o h n, Regine K o p st e i n, Landau, Quittner, Geisenheimer, Glogau, Schnepp, Deutsch, Frösche!s, Schefftel, Bunzl, Hirsch, Martha Stiaßny, die Beiräte F a n t o, Doktor Glogau und Bezirksrichter Bettelheim; vom Jngenieur- und Architektenverein Präsident Ziffer, Obermagistratsrat A s p e r g e r, Magistratsrat a. D. Trabauer, Magistratssekretär a. D. L ö wy, die Schriftsteller Dr. Schüler (Berlin), Dr. Julian Sternberg, Doktor Paul Zifferer, Balduin Bricht, Vinzenz Chiavacci und Gemahlin, Adolf Gelber, Bernhard Münz, Moritz N e u d a Polizeibezirksarzt Dr. Robitschek, akademischer Maler Isidor Kaufmann und Gemahlin, die Advokaten Dr. Max Neuda, Doktor Daum, .Dr. Julius Baumgarten, Dr. Ehrenteil, Dr. Hermann F i a l l a, Dr. Geza Winter und Dr. Richard Reis, Med.-Dr. Pins, Konsul S t i a ß n y, Oberbaurat Fellner, Baurat Louis v. Wurm, von der Baron Hirsch- Stiftung Direktor Moriz K o r i t s ch o n e r, Dr. Ad. Stein, Theodor Cohn, Generalsekretär Dr. Arnold Ascher mit dem gesamten Beamtenkörper, Sekretär Dr. Schornstein, die kaiserlichen Räte Anninger, Dr. Johann Anspitzer, Arnold Fröhlich, Naumann Schefftel, Ignaz, Wilhelm, Konsul S t i a ß n y und Karl Hirsch, die Präsidenten der Tempelvereine Gottlieb Bettelheim (9. Bezirk), Hermann Beck (8. Bezirk), Adolf H o f m a n n (4. und 5. Bezirk), und der Obmann des israel. Humanitätsvereines im X. Bezirk Herr Emanuel Schidrowitz, Präsident B r o d vom Verein zur Hebung der Gewerbe, Präsidentin Jda Diamand vom israel. Altersversorgungshaus, Direktor Lindenthal, Direktor Regen („Providentia"), Vizepräsident der Verkehrsbank kaiserlicher Rat Langer, Direktor Dub (Versicherungsgesellschaft gegen Einbruch), Finanzier Max H i l l e r, vom Vorstand der „Israelitischen Allianz" die Vizepräsidenten Dr. Wahrman und Wilhelm Pappenheim, der Bethausvorstand Julius K o p st e i n, die Industriellen Theodor Reitlinger, Baurat Karl Redlich, Fröhlich, Ludwig Bunzl, Max H i l l e r, Abordnungen der jüdisch-akademischen Verbindungen, der Zöglinge des israel. Handwerkervereines, des Vereines für Hausarme, die Präsidentinnen Frauen Dr. H e r z l und B a ch st e g, Frau Doktor Weiß (Brigittenauer Wohltätigkeitsverein), für den Frauenwohltätigkeitsverein des 8. Bezirkes und des Rekonvaleszentenheim „Philantropia" Präsidentin Amalie Beck, Frau Johanna Beck und Frau Bertha Rosenbaum, Deputationen des Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhorts, des Floridsdorfer Frauenvereines, Direktor Ludwig Horch rc. Oberkantor Don Fuchs versah unter Affistenz des I. Kantors M a t y a s mit dem Tempelchor den kantoralen Teil der Trauerfeier. Dann hielt Dr. Max N e u d a dem Dahingeschiedenen im Namen des Vereines „Zukunft" einen warmen Nachruf. Für die politischen Freunde sprach Gemeinderat Dr. Ritter v. D o r n, für den philanthropischen Verein Dr. D a u m, für den Israelitischen Handwerkerverein Dr. Richard Reis. Eine Anregung. Hochgeehrte Redaktion. Gestatten Sie einem der Trauergäste, die in der letzten Festwoche teuere Freunde zur letzten Ruhe geleiten mußten, auf einen llebelstand aufmerksam zu machen, der neuerdings wieder Angehörige und Leidtragende von Verstorbenen, deren Ableben gerade in die Festtage fiel, aufs tiefste schmerzen und verwunden mußte. Wenn es unser einziger Trost bei dem Hinscheideu unserer Lieben sein kann, daß wir mit Anspannung aller unserer seelischen Kräfte und mit allen Opfern das Begräbnis zu einem würdigen und feierlichen gestalten, wie unsagbar muß unser Schmerz sein, wenn wir teuren und hochverdienten Toten aus rituellen Gründen die durch nichts zu ersetzende Ehrung versagen muffen, die in der erbauenden Grabrede unserer Rabbinen und Prediger liegt. Gewiß, die Hinterbliebenen, welche diese Trostworte entbehren mußten, haben ihr Leid doppelt und dreifach empfunden. Es ist begreiflich, daß von den Rabbinern nicht verlangt werden kann, daß sie den Weg zum Zentralfriedhof zu Fuß zurücklegen, wie es in diesen Tagen die Herren Kantoren und Sänger, so wie