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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-10-08 · 41 (8.10.1909) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
41 (8.10.1909)
Date
1909-10-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 704 Dr. Vlochs WochenschM. Nr. 41 12. a) Sammlungen modernerStudien über Talmud und Midrasch. b) Sammlungen sö z ialp o litis ch er Reden und Schriften von Juden und über Judentum. e) Hebräische und jüdische Antologien. d) Musterkollektionen aus der jüdischen Journalistik mühten erscheinen. 13. Ein „Predigt-Midrasch" könnte konstruiert werden. Wie die spanische und polnische Epoche einigermaßen wichtige Bemerkungen homiletischer Natur zu einem Midrasch oder Jalkut verdichtet haben, so sollte ein moderner Midrasch entstehen — aus den Predigten und Reden der Meister. Salomon, Kley, Sachs, Manheimer, Geiger, S. R. Hirsch, Philippson, Stein, Plesner, Jellinek, Joel, Wolf, Einhorn, Lilienthal, Wise, Kayserling, Friedman, Zadec-Kohn, Maybaum, Schwartz, Hirsch-Chikago, Adler, Gaffer, Schmiedel usw. 14. Ein hebräisches Wörterbuch, welches auf der Höhe der Entwicklung des Hebräischen stehen soll, mühte nicht das Werk eines Gelehrten, sondern vieler, von der Bedeutung eines Ben Jehudä, sein. 15. a) Die jungjüdischen Hauptwerke im Hebräischen und im Jargon sollten der Weltliteratur zugeführt werden, was einerseits infolge der Eigentümlichkeiten der Originalsprachen schwer ist, andererseits auf Erfolg rechnen darf, da doch viele Juden in der Weltliteratur eine Vermittlerrolle haben. b) Die Verbreitung der jungjüdischen Literatur unter den Juden nach dem Beispiel der russischen Gesellschaften „Achiasoph", „Teschuja" usw., des jüdischen Verlages in Berlin, des Sinai-Verbandes, sollte ununterbrochen gefördert werden. 16. Ein wirklichjüdisches Theater mühte entstehen. a) Das von Goldfaden in Rumänien gegründete Theater hat sich dürch das dramatische Wirken von Männern wie Gordin, Lateiner, Asch, Pinsky zu höheren Formen entwickelt. Wie mir Schulem-Alechem erklärt hat, hat er sich es zur Aufgabe gestellt, das jüdische Theater zu Newyork national, ethisch und ästhetisch zu reformieren. Ob diese Mission seinem sonst so großen Talente zukommt, ist noch zweifelhaft. Allenfalls gilt eZ, das Jargon-Theater zu einem jüdischen Kunst-Institut zu erheben. b) Auch ein hebräisches Theater liegt in der Entwicklungslinie der Zukunft. c) Ein jüdisches Theater in den verschiedenen Sprachen ist denkbar; ein in der deutschen Sprache zu Berlin gemachter Versuch bestätigt das. Aus vielen Gründen war unsere Literatur nicht reich an Dramen. Die dramatischen Arbeiten von Herzl, Nordau, Heyermans. Nossig, Roneti Roman usw. lassen ein jüdisch-nationales Drama erwarten. Es ist zu hoffen, daß in der Zukunft Dramatiker wie Fulda, Schnitzler, Blumenthal ihr Können in der jüdischen Literatur zur Geltung dringen werden. 17. Die jüdische Kunst mühte im großen Stile gefördert werden; es mühten in verschiedenen jüdischen Grohgemeinden jüdische Museen entstehen, die in einem Generalmuseum in Palästina ihr Zentrum haben sollen. Im Jahre 1906 fügte ich in der rumänischen Zeitschrift „Egalitatea" folgende Punkte hinzu. 18. a) Die Jabnehakademie sollte die jüdische Real- Encyllopädie vom Englischen ins Deutsche, Französische, Russische, Polnische, Ungarische, Spanische und Türkische übersetzen, b) eine hebräische Encyklopädie des Judentums nach dem Plane des Achad Haam, (inzwischen erscheint ja der „Var Jisrael", Eisenstadt, Newyork, Herausgeber), e) ein hebräisches Konversations-Lerikon, nach dem Projekte Sokolows, d) und ein allgemein-jüdisches Archiv nach dem Muster des für Deutschland mit Hilfe der Bnei Brith herausgegebenen, schaffen. 19. Ein Jahrbuch, nach der von Goldstein in „Ost und West" vorgeschlagenen Art, das ein Resumat der wichtigsten Arbeiten der Juden auf den Gebieten der allgemeinen Wissenschaft und Literatur umfassen soll, dürfte sich nicht auf die deutsche Geisteswelt beschränken, sondern mühte Gesamtisrael und das Weltreich der Kultur berücksichtigen. 20. Rubin Brainin setzte mir die Notwendigkeit einer periodischen Zeitschrift auseinander, welche in hebräischer Sprache das wichtigste von dem in verschiedensten Sprachen über Juden und Judentum Publizierten wiedergeben soll. Ich formulierte diesen Vorschlag so, daß nach dem Muster des in Deutschland erscheinenden „Echo" eine hebräische Zeitschrift gegründet werde, die für die späteren Generationen ein modernes „Vath-Kol" sein könnte. 21. Die Kunstkommission hätte die Aufgabe, sich mit der jüdischen Musik zu befassen und die jüdischen Melodien zu sammeln, was Professor Steinthal befürwortet hat. 22. Die wichtigste Aufgabe der Jabnehakademie wäre, eine jüdische Geschichte herauszugeben, welche die Kultur, Politik und Oekonomie in gerechter Weise berücksichtige und nach den Theorien und Methoden der Geschichtswissenschaft bearbeitet werden soll. Seit Graetz hat die Geschichtswissenschaft große Fortschritte gemacht; die von ihr aufgestellten Gesetze und behandelten Probleme haben im Reiche der jüdischen Geschichtsforschung noch nicht vollständige Geltung erhalten. 23. a) Trotzdem es eine Gesellschaft für jüdische S t a t i st i k gibt, Nossig, Nuppin,- Ton und andere wertvolle Schriften aus diesem Gebiete geliefert, hätte auch eine Akademie nach dieser Richtung Aufgaben zu erfüllen. b) Die Volkskunde, auf Israel angewandt, die in Grunwald eine bedeutende Kraft hat, würde auch besondere Förderung finden. 24. a) Die mosaische, talmudische und rabbinische Gesetzgebung mühte immer mehr Anerkennung in der Wissenschaft der Jurisprudenz erringen. b) Aus der jüdischen Religionsphilosophie könnte eine Philosophie der Juden herausgeschält werden. Es könnten noch wichtige Punkte hinzukommen. (Schluß folgt.) Korrespondenzen Tod des ehemaligen Gemeinderates Donat Zifferer. In seiner Wiener Wohnung, Maximilianplatz 6, ist am 29. September morgens der ehemalige Gemeinderat, Stadtbaumeister Donat Zifferer, im Alter von 64 Jahren gestorben. Der Tod bedeutete für diesen hochverdienten trefflichen Mann eine Erlösung von schweren physischen Leiden. Donat Zifferer war am 2. Oktober 1845 in Bistritz am Hostein geboren und trat nach Absolvierung seiner Studien im Jahre 1872 in die Dienste der Leopoldstädter Baugesellschaft. Rachem er längere Zeit im Dienste dieses Institutes gestanden war, machte er sich selbständig und entwickelte als Baumeister und Architekt eine überaus fruchtbare und erfolgreiche Tätigkeit. Zifferer hat mehrere hundert Häuser in Wien gebaut. Private und öffentliche Bauten verdanken ihm seine

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