Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 41 (8.10.1909)
- Date
- 1909-10-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 700 Dr. Blochs Wocheiffchrist. Nr. 41 unter dem Titel „Eine Million Dollars für Palästina", in der er die Juden Amerikas auffordert, größere Beiträge für Landankauf in Palästina zu leisten. Die jüngste hier stattgehabte Zionistenkonferenz beschäftigte sich mit der Frage, ob nicht die „Federation of American Zionists" die Sammlungen offiziell übernehmen solle. Es wurde ein besonderes Komitee für die Sache eingesetzt und Mr. Goldmann zum Präsidenten der Zionistischen Palästinakommission Amerikas gewählt. Die bisherigen Erfolge Goldmanns sind recht befriedigend. Unter dem Namen „Ha'achusah" sind derartige Gesellschaften in St. Louis, Newyork und Brooklyn bereits gebildet worden. Im ganzen ist die Gründung von zwanzig Korporationen mit je 50,000 .Dollars Kapital, in Anteilen von 200 Dollars — zusammen also eine Million Dollars — geplant. Ein erstklassiger Agronom soll als Sachverständiger nach Palästina entsendet und ein tüchtiger Geschäftsführer engagiert werden. Dieses Vorgehen verdient auch Nachahmung seitens der europäischen Juden. Bei dem großen Interesse, das Palästina für die gesamte Judenheit hat, ist zu hoffen, daß auch Nichtzionisten sich an solchen Korporationen beteiligen würden, umsomehr als Palästina jetzt, nach der Neuordnung der politischen Verhältnisse in der Türkei, eine sichere rechtliche Basis und gute ökonomische Aussichten für landwirtschaftliche und industrielle Unternehmungen bietet. Ein jüdischer Forscher. Im „Pester Lloyd" vom 26. September bespricht der Universitätsdozent Dr. Mar Schächter die Ergebnisse des in Budapest stattgehabten Aerztekongresses. Wir entnehmen dem Aufsatze die folgenden Schlußbemerkungen : „Und noch eines großen Schmuckes an dem wissenschaftlichen Bau des Kongresses müssen wir an dieser Stelle gedenken: des Vortrages' des amerikanischen Professors Loeb, dem in seinem deutschen Vaterlande konfessionelle Unduldsamkeit die Lehrkanzel verschlossen und der aus dem Laboratorium der kleinen kalifornischen Universität in Berkley die Welt erobert. Er hat es zustande gebracht, das Geheimnis der ersten Entwicklung der Lebewesen zu lüften. Es ist ihm gelungen, mit Hilfe ganz eigener, aber einfacher chemischer Prozeduren das Ei des Seeigels zur Entwicklung zu bringen und was die Wissenschaft bereits in das Reich der Mythe verwiesen, die Parthenogenese mit dem Experiment zu beweisen. Der Vortrag wurde in den Spalten dieses Blattes getreu und überaus verständlich reproduziert. So verständlich, wie ihn der bescheidene und große Mann vor dem großen Auditorium hielt, an dessen Tete der Kultusminister Ungarns eine Stunde lang den Ausführungen des Lebenerforschers lauschte. Kein Wort der Phrase, rein sachlich und doch jedem klar und verständlich. Keine Hypothesen, lauter zwingende Beweise. Und dieser Mann, der uns den Einblick in das Werk der Schöpfung machen läßt, der den Keim des Lebens mit Fettlösungen und Seewasser ohne spezielle göttliche Hinzutuung erweckt. . . ein glaubenstreuer Jude. Und der Kultusminister Ungarns, Graf Apponyi, der diesen großen Lehren der Wissenschaft Gehör schenkt und auch nicht abgeneigt wäre, dem Professor Jacques Loeb, der soeben von drei europäischen Universitäten zum Ehrendoktor erwählt worden, an der Universität Ungarns eine Lehrkanzel zu errichten. . . Kein geringer Posten in der großen wissenschaftlichen, menschlichen Bilanz dieses Kongresses. Aus den wissenschaftlichen Stätten der alten Welt verscheucht, kommt über die Laboratorien der neuen Welt die alles besiegende Wissenschaft zurück. Immer wiederholt es sich nicht als Phrase, sondern als Tat. . . 6 pur si muove.“ Der Herr Bürgermeister. Man schreibt der „Frankfurter Zeitung" aus Wien: Und ist die Lage noch so düster und sind die Verhältnisse noch so drückend, der liebe Herrgott gibt uns Wienern doch immer Stoff zur Unterhaltung. Tut's ein geschickter Postdieb nicht, macht's die Regierung oder irgend jemand anderer. Gegenwärtig machen die erst kürzlich bekannt gewordenen Aeußerungen eines unserer Stadtoberhäupter die Runde in Wien und erwecken allerseits lebhafte Heiterkeit. Man weiß zwar hier, daß der erste Vizebürgermeister und Stellvertreter Doktor Luegers, Dr. v. Neumeyer, in seinen offiziellen Reden zuweilen erbärmliche Gixer macht und sich nicht ganz einwandfreier Wendungen bedient. Was sich aber der gute Mann während der letzten Reise des Wiener Gemeinderates nach dem Südosten der Monarchie geleistet hat, verdient der Kuriosität halber auch weiteren Kreisen zur Kenntnis gebracht zu werden. Einige seiner Nedeblüten will ich Ihnen hier in Kürze Mitteilen. War da während der Fahrt der Wiener Gäste von Triest nach San Pellagio auf dem Dampfer ein Bankett. Natürlich hält der Herr Vizebürgermeister dabei seine obligate Rede. Er begann: „Wir sind hier Gäste der Stadt Triest . . ." Mehrere Wiener schüttelten verneinend mit den Häuptern. „Wir sind hier Gäste der Stadt und der Gemeinde Triest," begann Dr. v. Neumeyer von neuem. Wieder bedenkliches Kopfschütteln. „Ja, meine Herren," verbesserte sich der Redner, der sich mittlerweile erinnert haben mochte, daß die Stadt Triest ihren eigenen Gemeinderat und Landtag besitzt, „wir sind hier Gäste der Stadt und des Landes Triest. „Beides war falsch. Die Wiener waren eben Gäste des Oesterreichischen Lloyd, der ihnen einen eigenen Dampfer zur Verfügung gestellt hatte. Viel schlimmer erging es dem Herrn Vize während eines anderen Banketts, das die Stadt Sarajewo den Wiener Gästen im Bade Jlidze gab. Herr v. Neumayer lobte die Schönheit des Landes, sprach aber regelmäßig von der „Herzegowina und Bosnien", während die umgekehrte Reihenfolge am Platze gewesen wäre. Dabei passierte ihm ein Lapsus, der viel belacht wurde. Er schloß nämlich seine Rede mit den Worten: „Ich erhebe mein Glas auf das Wohl der Stadt — Czernowitz!" Der geniale Redner hatte einfach die Landeshauptstadt von Bosnien mit jener der Bukowina verwechselt.... Einen ftommen Wunsch brachte der Herr Vize der Stadt Wien für die Einwohner der alten Königsstadt Jajce zum Ausdruck. „Ich wünsche", lautete u. er. seine Antwort auf die Begrüßungsansprache eines dortigen Notablen, „daß die gegenwärtige Verwaltung dieser ruhmreichen Stadt für alle Zeiten unter dem gegenwärtigen Bürgermeister bleiben möge!" . . . Man erzählt sich noch viele andere Ausschreitungen des gewaltigen Wiener Redners. Eine aber, die er sich nach seiner Rückkehr nach Wien zuschulden kommen ließ, setzt seinen bisherigen Leistungen auf dem weiten Gebiete der Entgleisungen die Kröne äuft Jüngst waren die Mitglieder des Nürnberger Sängervereines „Liederkranz" in Wien zu Besuch. Sie waren auch Gäste der Stadt Wien und wurden im großen Rathaussaale bewirtet. Und da hielt Herr Dr. v. Neumeyer wieder einmal eine gelungene Rede. Er sprach von den Beziehungen der Wittelsbacher zu den Habsburgern und schloß mit folgenden Worten: „Drum werden Sie alle mit mir einstimmen in den Ruf: Hoch lebe Kaiser Wilhelm — der Erste!" Unsere deutschen Brüder haben sich dabei köstlich amüsiert. Die Freiheit und das Glück der rumänischen Inden. in. Die Juden, die zumeist auf den Handel angewiesen sind und Fähigkeiten besitzen, welche die Industrie des Landes heben könnten, werden in bezug auf Handel, Gewerbe und Industrie in jeder Weise gehemmt, was aus folgenden Reglements und Gesetzen leicht ersichtlich ist. Reglement, betreffend die Verwaltung und den Vertrieb der Staatsfischereien, vom 19. August 1900 mit den Abänderungen vom 25. Mai 1904. 13. Die Verwalter können unter den Fischerei-Inspektoren gewählt werden. a) Der Verwalter muß Rumäne oder naturalisierter Rumäne sein. Reglement vom 4. Dezember 1905 über die Bedingnugen, welche die Kapitäne, Obersteuermänuer, Mechaniker und Pileten auf den Handelsschiffen unter rumänischer Flagge erfüllen müffeu. 3. Um zu der Prüfung für eine wesentliche Stelle im, See- und Flußschiffahrtsdienfte, für den Posten eines Mechanikers, zugelassen zu werden, müssen die Kandidaten folgende Bedingungen erfüllen: 1. Sie müssen Rumänen oder naturalisierte Rumänen sein.