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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-10-08 · 41 (8.10.1909) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
41 (8.10.1909)
Date
1909-10-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 41 Dt. Blochs Wochenschrift. Seite 699 So ist wörtlich in der Protestantischen Realenzyllopädie zu lesen! Die frommen Dozenten der theologischen Wissenschaft in Czernowitz haben es unterlassen, von dieser Anmerkung, welche dem Originaltext angefügt ist, irgendwie Erwähnung zu" tun! Waren sie aber nicht verpflichtet, die um eine Uebersetzung des Kol Nidre ansuchende Schriftleitung zu verständigen, daß in allen Gebetbüchern der Text eine solche Anmerkung enthält? Gewiß werden die Herren wiederum antworten: „Von uns wurde nur eine authentische Uebersetzung des Kol Nidre verlangt, infolgedessen fühlten wir uns nicht verpflichtet, die Anmerkung hinzuzufügen". Ob es aber je ein klassischer Philologe oder ein weltlicher Orientalist, wenn er beauftragt würde, irgend einen sprachfremden Text zu übersetzen, gewagt hätte, eine Anmerkung, welche den Text begleitet, zu verschweigen? Mit Recht würde jeder ein solches Verfahren ebenso sehr als Verletzung der Wahrheit wie als Versündigung gegen die Wissenschaft weit von sich weisen. Den Herren, welche in Czernowitz gr.-or.- Theologie dozieren, sind derartige Bedenken und Skrupel nicht aufgestiegen. Der akademische Senat und das Professorenkollegium der weltlichen Fakultäten mögen wohl mit Unmut und Beschämung erfüllt sein, daß der Name und die Ehre der Universität von antisemitischen Preßbuben durch, die Gossen geschleift, zu gemeinen Lügen und giftigen Verleumdungen mißbraucht werden, sie stehen indeß den Geschehnissen ohnmächtig und wehrlos gegenüber. Es wäre endlich an der Zeit, die theologischen Fakultäten aus dem Verbände der ausschließlich der reinen Wissenschaft geweihten Universitäten zu entlassen. Vom Jahrmarkt des Lebens. Ein russisch-jüdischer Kongreß. Petersburgs Das Ministerium des Innern hat den geplanten allrussischen Kongreß der Vertreter der jüdischen kommunalen Verbände zur Beratung der inneren Fragen des jüdischen Lebens gestattet. Der Kongreß wird Ende Oktober in Grodno zusammentreten. An dem Kongreß werden teilnehmen die Vertreter der jüdischen Gemeinden, der Bildungsvereine, der kommunalen Organisationen und andere -hervorragende Vertreter des jüdischen Volkes. Die Hauptaufgabe des Kongresses soll sein, über die gegenwärtige Lage und die Bedürfnisse des russischen Judentums Klarheit zu schaffen und den Zusammenschluß der kommunalen Elemente zu bewirken. Den Veranstaltern des Kongresses gehen zahlreiche Briefe aus der Provinz zu, welche Zeugnis von dem großen Interesse ablegen, das der Kongreß hervorruft. Als Pendant zu den antisemitischen Feuilletons in der „Arbeiter-Zeitung" bringt ein Budsapester Blatt folgendes Geschichtchen: Ein Zeitungsverleger aus einer kleinen Provinzsladt kam vor einigen Tagen nach hier und besuchte bei dieser Gelegenheit das Eafee „Newyork", in dem sich Schriftsteller und Journalisten zu treffen pflegen. Der Verleger war einst ein armer Jude, seit er aber zur alleinseligmachenden Kirche gehört, ist er eben nicht arm, da doch der Bischof sein Taufpate ist. Als er da ruhig seinen Kaffee trinkt, tritt ein alter Bekannter, ein angesehener Journalist, ein. Sie begrüßen sich gegenseitig. Auf die Frage, wie es ihm in der Provinz gehe, erwidert der Zeitungsverleger stolz: „Gott sei Dank, ich kann mich nicht beklagen. Mit manchem hauptstädtischen Berufsgenossen möchte ich nicht tauschen. Hören Sie, alter Freund, Sie sollen auch sehen, wie gut es mir geht. Schreiben Sie einen Leitartikel für mein Blatt, ich bezahle ihn so teuer, wie Sie es selbst wünschen!" „Hundert Kronen", sagte der Journalist. ,;Topp, da haben Sie das Geld! Die Herren Schriftsteller sollen wissen, daß auch wir Provinzler etwas gelten. Und noch eines. Der Artikel muß antisemitisch sein. Wissen Sie, ich freue mich stets, wenn wir der Judenbagage einen Seitenhieb geben rönnen. . ." Der Schriftsteller winkt zustimmend und steckt die 100 Kronen in die Tasche. „Sie können ganz beruhigt sein", — sagte er, — „der Artikel wird antisemitisch, sehr antisemitisch sein. . ." Nach einigen Tagen, als der Zeitungsverleger an die Sache kaum mehr dachte, kam der Artikel an. Der Empfänger freut sich ungemein, eilt in die Redaktion seines Blattes und liest den Artikel dem verantwortlichen Redakteur vor. „Wir können von dem mangelhaften moralischen Empfinden unserer jüdischen Mitbürger wieder beredtes Zeugnis liefern. Dieses wird unsere geehrten Leser noch inniger in ihrer Ueberzeugung — daß der Jude ein nichtswürdiges Geschöpf ist — befestigen können. Der Verleger dieses Blattes, der noch bei seinem 20. Lebensjahre Jude war, zahlt 100 Kronen Honorar für einen Artikel, in dem seine einstigen Glaubensgenossen beschimpft werden sollen. Gibt es noch eine größere sittlich-moralische Verderbtheit? Haben jene nicht Recht, die ebenso, wie wir es seit Jahren tun — die Korruption dieser elenden Rasse an den Pranger stellen? . . ." Der Verleger rennt ins Telegraphenamt und sendet dem Autor des Artikels ein beleidigendes Telegramm. Das Ende der Geschichte ist nun ein Prozeß. _ Nyitra. Folgender Fall, der allenthalben lebhaftes Aufsehen macht, ereignete sich im hiesigen Komitate: Vor einigen Jahren lernte in Tyrnau ein katholischer Bezirksnotar die Tochter eines angesehenen und reichen jüdischen Kaufmanns kennen. Das Ende der Bekanntschaft war, daß das Mädchen, um die Gatkin des Notars zu werden, zur katholischen Religion über trat. Der Vater verweigerte anfangs die Herausgabe einer bedeutenden Mitgift: — doch schließlich gab er den Bitten der Tochter nach, ja, das väterliche Haus blieb ihr auch dann noch wie vorher offen. Die jungen Gatten lebten, so lange die Mitgift herhielt, in liebevollem Einvernehmen, doch als das Geld zur Neige ging, begann das Märtyrertum der Frau. Prügel und Schelte waren an der Tagesordnung, und nur die namhaften Geldsendungen, die von zuhause kamen, konnten auf kurze Zeit Frieden schaffen. Am 16. d. M. — der jüdische Neujahrs tag kümmerte doch nicht mehr die abgefallene Jüdin — reiste nun die Frau Notarin zu ihren Ellern, um ihre unglückliche Ehe wieder durch eine Geldsumme auf eine erträgliche Basis zu bringen. Sie erhielt wohl das Geld: — doch reiste mit ihr auch ihr Bruder, ein junger Jurist, zurück, um dem Schwager ein für allemal zu erklären, daß das Pumpsystem nicht weTker in Anwendung kommen könne, weil die Familie zugrunde gerichtet sei. Es kam zu einem heftigen Wortwechsel. Der Bruder der Notariu ergriff in seiner Erbitterung einen geladenen Revolver und feuerte vier Schüsse auf den Notar, der tödlich getroffen niedersank. Sodann richtete er gegen sich die Waffe und blieb auf der Stelle tot. Der Notar ringt noch mit dem Tode. Der junge Advokat wurde Sonntag begraben. Eine Million Dollar für Palästina. Aus Newyork wird der „N. I. K." von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Ein nachahmenswertes Vorgehen ist von einem amerikanischen Juden, Mr. Simon Goldmann in St. Louis, zwecks Aufbringung größerer Summen für Palästina inauguriert worden. Er veröffentlichte eine Broschüre

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