Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 40 (1.10.1909)
- Date
- 1909-10-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 690 Dr. Blochs Wochenschrift. Ni. 40 eine eigene Gesellschaft zur Förderung der Landwirtschaft im türkischer Reiche ins Leben zu rufen. Sobald diese neue Gesellschaft die Genehmigung der Regierung erlangt hat, wird mit der Arbeit begonnen werden. Der Generalinspektor der Kolonien der Ica hat dieser Meldung zufolge bereits den Auftrag erhalten, sich für eine Reffe nach Mesopotamien bereit-zu halten. Die Statuten Her neuen GSeilschaft sind vom Konstcmtinopler Vertreter der Ica Chevalier Jsaac Fernande; der türkischen Regierung schon überreicht und am letzten Sonntag vom Ministerrat in Beratung gezogen worden. Die Stimmung im Minffterrat soll eine für den Plan günstige sein. Mehrere Minister haben sich dahin geäußert, daß hie Voffchläge der Ica in Verbindung mit dem Memorandum Israel Zangwills über die Besiedlung Mesopotamiens erledigt werden sollten. Nach dieser Meinung soll sowohl Israel Zangwill, wie der Ica türkischerseits nahegelegt werden, ihre Arbeiten in Mesopotamien zu vereinigen. Mit Rücksicht auf den nunmehr vorliegenden Bericht Sir WMam Willcock's über die dringendsten Bewässerungsanlagen in Mesopotamien wird in türkischen Kreisen eine baldige Erledigung der mesopotamischen Besiedlungsfrage erwartet. Der Generalsekretär der türkffchen Finanzkommission. Bekanntlich haben die europäischen Mächte zum Zeühen ihres Vertrauens zur Neugestaltung der Dinge in der Türkei die mazedonische internationale Fiinanzkommffsion aufgelöst. Die türkische Regierung beschloß nun, im Finanzministerium eine eigene türkische Reichsfinanzkommission zu schaffen und zu deren Generalsekretär unseren Glaubensgenossen Vitalis Effendi Stroumza zu ernennen. Jüdffche Zöglinge in türkffchen Militär-Erziehungsanstalten. Im Sinne der neuen türkffchen Wehrbestimmungen werden von nun ab in die Militär-Erziehungsanstalten auch Nichtmohammedaner aufgenommen. Für diese hat, wie aus Konstantinopel berichtet wird, der Ministerrat folgende Bestimmungen erlassen: 1. Die nichtmohammedanffchen Zöglinge der Militär-Erziehungsanstalten genießen den Freitag als reglementären freien Tag, gleich allen mohammedanischen Zöglingen. 2. Es wird ihnen zu Weihnachten und Ostern ein je zweitägiger Urlaub gewährt werden, ebenso ein eintägiger Urlaub am Neujahrstage. An Sonntagen werden ihnen zwei Stunden freigegeben, um an dem Gottesdienste ihrer Gemeinde tellnehmen zu können. Den israelitischen Zöglingen werden fünf Tage im Jahre freigegeben und überdies die Erlaubnis erteilt, an Samstagen an ihrem Gottesdienste in einer Synagoge teilzunehmen. Die Lage der Juden in Sibirien. Der Dumadeputierte Beleussow, der soeben von einer Reise durch Sibirien nach Petersburg zurückgekehrt ist, hat einem Journalisten interessante Daten über die Lage der Juden in Sibirien mitgeteÄt. Wie der genannte Deputierte erzählt, nimmt die Austreibung der Juden jtms Sibirien immer größere Dimensionen an. Die Lage' der Juden in Sibirien wird noch dadurch schlechter, weil dort erst seit 12 Jahren ein Rabbinat mit geregelter Matrikenführung besteht, so daß die Matrikenverhältnisse überhaupt nicht in Ordnung sind. Viele jüdische Hochzeiten, Kinderbeschneidungen, die vor 12 Jahren in Sibirien stattgefunden, sind in den MatrLenbüchern überhaupt nicht oder nur sehr mangelhaft verzeichnet. Die Administration ihrerseits hält sich strikte an die Matrikel und daher kommt es nur zu häufig vor, daß ganze Familien auseinandergerissen werden. Jüdffche Reservisten an den hohen Feiertagen. Das Odessaer Rabbinat wandte sich an die russische Militärverwaltung mit der Bitte, den jüdischen Reservisten, die zu sechswöchentlicher Waffenübüng einberufen wurden, die ^drei hohen Festtage, Rosch-Haschonoh und Jomkippük freizügeben. Die Militärbehörde hat das Gesuch abschlägig erledigt. Diese Maßregel trifft die Odessaer Juden um so härter, als aus Odessa allein gerade jetzt über 500 jüdische Reservisten, durchwegs Familienväter, zur Waffenübung einherufen wurden. Erste Ausstellung jüdischer Farmprodukte. Wie aus Newyork berichtet wird, findet daselbst,vom 2. bis 7. Oktober d. I. die erste Jahresversammlung des im Vorjahre gegründeten Verbandes jüdischer Farmer in Amerika statt. Mit der Jahresversammlung ist auch die Eröffnung der ersten Ausstellung jüdische' Farmprodukte verbunden. Es sind 100 Preise für die besten Erfolge sowohl auf dem Gebiete der Produktion als auch auf dem Gebiete der farmtechnischen Fortschritte und des landwirtschaftlichen Unterrichtes ausgesetzt. An der Ausstellung nehmen auch die Baron Hirsch'sche Agrikulturschule in Woodbine, sowie die meisten allgemeinen landwirtschaftlichen Anstalten der Vereinigten Staaten teil, an denen jüdische Schüler in größerer Zahl vorhanden sind. Im Rahmen der Jahresversammlung soll auch ein allgemein zugängliches Meeting abgehalten werden, in welchem über die Notwendigkeit, daß Juden sich dem Farmwesen zuwenden, Vorträge gehalten werden sollen. vermischtes. KranzablöfrmgSfpenden zugunsten der Chewra-Kadtscha in Wien I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. David O e h l e r: Von Hermann Oebler K 100.—, Samuel Oebler 50.—, Bernhard Hohenberg 20.—. Edmund Jmmergüt 20.—, Leo Brill 20.—, Sigmund Drab K 10.—. Zusammen K 220.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Charlotte Steiner: Von Julius Schwarz K 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Komm.-Rat Dr. Sie gm und Singer: Von Dr. Ignaz Kornfeld und Frau X 100.—, Ernst,, Moriz, Walter Kornfeld 60.—, Dr. Felix Kornfeld 30—, Hermine Singer 100.—, kais. Rat Sigm. Haurowitz 50.—, Dr. Hugo Kallberg 30.—, Wilhelm Hirsch 30.—, Rudolf Haurowitz 30.—, Paul Baron Kornfeld 20.—, Dr. Gustav Rosauer 30.—, Dr. S. M. Singer K 30 —. Zusammen K 510.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Sigmund Kohn: Von Antonie Chalupa, Brünn K 10.—. Ferner als Spende von „So baleS XIII" K 10.—. Richtig ft ellung deS Ausweises vom 3. August 1908: Anläßlich deS Ablebens des fel. Jakob Squarenina Bon S. Duschinsky K 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel. kais. Rates Ignaz Fluß: Von Julius Philippson K 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Bernhard THeumann: Von Josef Unger K 10.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Emilie Pick: Von Sigm. Geiduschek K 20.—. Wien. (Wilhelm Freyberg.) Am 26. d. ist hier der Realitätenbesitzer Wilhelm Freyberg im Alter von 74 Jahren gestorben. Der Verstorbene war durch seinen Wohltätigkeitsfinn in.allen Schichten der Bevölkerung bekannt; er war Vorstandsmitglied vieler humanitärer Vereine und betätigte sich als solches in hervorragender Weise. Zahlreiche gemeinnützige jüdische Unternehmungen verlieren in ihm einen großmütigen Förderer uud Unterstützer. Zum Leichenbegängnis, welches am 28. d. stattgefunden, haben Humanitätsanstalten, denen Freyberg im Vorstande angehört hat, Abordnungen entsendet. Unter den Trauergästen befanden sich ferner Hoftat Prof. Adam Politzer, Frau Profeffor Dr. S. Ehrmann, der erste Vizepräsident der