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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-10-01 · 40 (1.10.1909) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
40 (1.10.1909)
Date
1909-10-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 40 Dr. Blochs Wochenschrift. alle hier weilenden Minister, die Vertreter der anderen Glaubensbekenntnisse, die Militär- und Zivilwürdenträger und zahlreiche geladene Gäste. Um halb 11 Uhr vormittags erschien das Königspaar, welches in der Vorhalle von dem Großrabbiner Herrn Doktor Ehrenpreis mit der bei diesem Anlässe üblichen religiösen Begrüßung in hebräischer und bulgarischer Sprache empfangen wurde. Frau Dr. Ehrenpreis überreichte Ihrer Majestät der Königin bei diesem Anlaffe ein prachtvolles Bouquet. Sodann wurde das Königspaar zum Altar geleitet, wo der Präsident der hiesigen Kultusgemeinde, Herr Avram Davitschon Levy, nach kurzer Ansprache Seiner Majestät dem König eine Schere überreichte und ihn bat, das Seidenband, welches den Altar umfaßt, als Symbol der Eröffnung der Synagoge durchzuschneiden. Während dieser Zeremonie intonierte der gut geschulte Chor hebräische Psalmen. Hierauf begann der feierliche Gottesdienst, welcher von dem Großrabbiner unter Affistenz der gesamten Geistlichkeit zelebriert wurde. Sodann hielt der Großrabbiner Herr Dr. Ehrenpreis in bulgarischer Sprache folgende schwungvolle Rede: Euere Majestäten! Sehr geehrte Herren! Andächtige Festversammlung! Mit Gotteshilfe erlebten wir diesen denkwürdigen Tag, an welchem unsere langjährigen Hoffnungen in Erfüllung gehen, ein würdiges Gotteshaus zu erbauen für die in der Hauptstadt Bulgariens lebenden Juden. Grenzenlos ist unsere Freude, daß es uns beschieden war, dieses geheiligte Werk glücklich zu vollenden, das wir vor vier Jahren begonnen haben. Unsere Freude ist umso inniger, als diese Feier gekrönt ist durch das seltene glückliche Ereignis — die allerhöchste persönliche Teilnahme Seiner Majestät, unseres geliebten Königs und Ihrer Majestät, unserer geliebten Königin. Deshalb wird der heutige Feststag für alle Zeit unvergeßlich bleiben in der Erinnerung unser aller. Dieses monumentale Gotteshaus, geschaffen zur Verherrlichung des göttlichen Namens, allwo unsere Herzen sich in Reinheit zu Gott erheben werden, ist das Ergebnis einer langen geschichtlichen Entwicklung. Seit fast tausend Jahren leben Juden in dieser Stadt, aus verschiedenen Gegenden und zu verschiedenen Zeiten hierhergekommen; im 10. Jahrhundert aus Byzanz, im 14. Jahrhundert aus Deutschland und gegen Ende des 15. Jahrhunderts in zusammenhängenden größeren Gruppen aus Kastilien und Aragonien. Stets gruppierten sie sich in gesonderten Synagogen, welche den Namen der Ursprungsorte ihrer Begründer trugen. Diese unsere Stadt hat im Wechsel ihrer eigenen Geschichte viele ähnliche Synagogen entstehen und verschwinden gesehen. Erst unserer Generation war es vorherbesümmt. zum erstenmal dieses allgemeine Gotteshaus für unsere Glaubensgenoffen in dieser Stadt zu schaffen» ein monumentaler und unvergänglicher Mittelpunkt, ein Sammel- und Einigungspunkt, ein würdiges Heim für die ewigen Wahrheiten des Glaubens und der Gesittung; hier werden in ' uns lebendig werden die Kräfte der menschlichen Liebe, Güte und Wahrhaftigkeit. Hier wird in unseren Herzen die Treue für den ererbten Glauben unserer Väter, hier wird in uns genährt und gestärkt werden die Liebe zum Vaterland und zur Dynastie, sowie der unbegrenzte Opferstnn für ihr Wohlergehen, hier soll der Unglückliche Trost finden, der Verzweifelte neues Selbstvertrauen, der Geguälte Ruhe, der Verirrte Klarheit, der Verirrte den rechten Weg des Lebens. Von diesem Gotteshaus kann man die Worte des Patriarchen Jakob wiederholen, welcher auf dem Wege von Bur-Sewa nach Haram im Traum eine Leiter sah, welche auf den Boden reichte und deren Ende bis zum Himmel emporragte und als er erwachte, rief er aus: Wie gewaltig ist dieser Ort, dies ist das wahre Gotteshaus, dies ist das Tor zum Himmel. Wie die Leiter Jakobs steht dieses Gotteshaus auf der Erde, aber feine obersten Enden ragen zum Himmel empor. Der Grundgedanke, welcher in diesem Bau lebt, die Stimmungen, die sich in uns auslösen, die Gottesnähe, welche wir hier empfinden, erheben uns weit über das Alltägliche und bringen uns in die höheren reineren Sphären der geläuterten Erkenntnis und der seelischen Reinheit. Und dies ist die Pforte zum Himmel. Wenn wir uns vom Staub' der Erde reinigen wollen, wenn wir den Lärm der Straße fliehen wollen, die Enge und Kleinlichkeit des alltäglichen Lebens mit seinen Sorgen und Kämpfen, wenn unsere Seele von Sehnsucht nach dem Himmel erfaßt wird, dies ist die Sehnsucht nach dem Ewigen, dem Erhabenen, dem Weite t, dann werden wir Zuflucht suchen in diesem Gottesdause und hier werden wir die Pforte des Himmels geöffnet finden, hier werden wir den beglückenden Weg finden, von der Niederung in die Höhe, von der Enge in die Weite, dom Vergänglichen ins Ewige. Dieses Gotteshaus, das uns mit vergangenen Geschlechtern verbindet, wird von uns erzählen denjenigen, die nach uns kommen werden. In die kommenden Jahrhunderte wird es hineinragen, ein Seite 688 Stück von uns selbst, von unserer Arbeit, von unserer Begeisterung, ein Denkmal unseres Gemeinfinnes, unserer Opferfreudigkeit, ein Denkmal des Idealismus all jener, welche unermüdlich gearbeitet haben am Zustandekommen dieses Gotteshauses mit Hinansetzung ihrer eigenen Interessen und ihrer Ruhe. Diesen bescheidenen. Männern, welche es vermocht haben, in aller Stille dieses große Werk zu Ende zu führen, mag von dieser Stelle und in dieser Stunde Dank und' warme Erkenntlichkeit gesagt fein. Möge sie Gott belohnen für dieses edle Werk. Dieser Bau ist gleichzeitig ein unvergängliches DenkmalB für die Toleranz unseres hochherzigen Herrschers, deffen väterlich: Liebe alle Söhne dies Landes ohne Unterschied des Glaubens und der Raffe gleichmäßig beschützt, unter deffen weisen Szepter alle Bekenntnisse sich frei entwickeln und zur vollen Blüte gedeihen können. Dank dieser Freiheit der Bekenntnisse, welche in diesem schönen Lande herrscht, ein wirkliches Merkmal vorgeschrittener Kultur, dank den brüderlichen Gefühlen des edlen bulgarischen Volkes, welches,, selbst nach voller Freiheit strebend, die Freiheit aller Söhne Bulgagariens gleich in Ehren hält — konnte dieses Gotteshaus errichtet werden, als Wahrzeichen der Glaubensduldsamkeit, der Gleichberech-, tigung und der wahren bürgerlichen Freiheit, die in diesem Lande herrschen. In diesem feierlichen Augenblicke, indem wir zum ersten Male die Schwelle dieses Gotteshauses betreten haben, lapet uns ein inniges Gebet zum Himmel richten, das aus der Tiefe unserer Seele quillt. Möge dieses Gotteshaus ein unversiegbarer Quell der' Erhebung und Erbauung, des Trostes und der Ruhe, des Friedens und der Brüderlichkeit sein. Möge Gott die Fülle seines Segens spenden dem Herrscher dieses Landes, der das Vaterland von Erfolg zu Erfolg führt, seiner Allerhöchsten Gemalin, der hilfreichen Mutter aller Leidenden, und der ganzen königlichen Dynastie. Gott segne unser schönes Vaterland, an dem wir in kindlicher Liebe hängen. Gott segne das bulgarische Volk, an dessen Freuden und Leiden wir teilnehmen. Gott segne diese schöne, blühende Stadt, deren Glück und Gedeihen wir innig wünschen, Gott segne alle Jene, die an diesem Bau gearbeitet haben und für deffen Erhaltung sorgen werden. Amen! Beim Verlassen des Tempels drückte ^e. Majestät der König dem Großrabbiner seine große Zufriedenheit über den vorzüglichen Verlauf der Zeremonie aus und versicherte ihn seines Wohlwollens und Interesses, welche er stets für das Wohlergehen der jüdischen Bevölkerung des Landes hegt, lieber die vom Herrn Großrabbiner gehaltene Rede äußerte sich Se. Majestät der König, daß sie in eindrucksvoller Weise feine Gesinnungen dem jüdischen Volke gegenüber zum Ausdruck bringe und daß dieselbe als ein ehef d’oeuvre in dieser Hinsicht verdient in alle Sprachen übertragen zu werden. Se. Majestät der König bewunderte den prachtvollen Bau und sagte, daß derselbe eine schöne Zierde der Hauptstadt bilde. Der König verabschiedete sich in sehr liebenswürdiger Weise und äußerte zum Schluffe, er sei von der Andacht, Solidarität und dem Zusammenhalten aller Juden entzückt und werde er die schönsten und unvergeßlichsten Eindrücke von diesem Feste zurückbehalten. Se. Majestät der König spendete bei diesem Anlaffe 1000 Francs für die armen Juden der Hauptstadt. Polizeichef Israel. Wie uns aus Saloniki berichtet wird, wurde das bisherige Mitglied des dortigen Tribunal Correctionel I. Israel zum Chef des neuen Polizeikommandos in Pera, einer Vorstadt, Konstantinopels, ernannt. Die Zustände in Pera haben die Errichtung einer eigenen Polizeidirektion für diese Vorstadt notwendig gemacht und es ist ein Zeichen besonderen Vertrauens zu den Fähigkeiten des als Kriminalisten auch über die Grenzen der Türkei bekannten Mr. S. Israel, wenn er auf diesen verantwortungsvollen Posten gesetzt wird. Polizeichef Israel hat sich auch als Fachschriftsteller mit Erfolg betätigt. Kolonisationsversuche der Fca in Mesopotamien. Wie von verläßlicher Seite gemeldet wird, hat der Conseil der Ica den Beschluß gefaßt, in den fruchtbaren Gegenden Mesopotamiens Kolonisationsversuche vorzunehmen. Um ihre Arbeiten ungestört und ohne Hindernisse seitens der Regierung und im Einklänge mit den türkischen Gesetzen durchführen zu können, hat die Ica den Plan gefaßt, mit eigenen Mitteln in Konstantinopel

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