Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 40 (1.10.1909)
- Date
- 1909-10-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 40 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 687 kais. Rat Weil, dann Erster Sekretär kais. Rat Doktor Lieben und Dr. Adler mit dem gesamten Beamtenkörper, alle Bethausvorstände und Vorsteher der Chewra-Kadischa rc. Der Präsident der türkisch-israelitischen Gemeinde Licco Adutt, beinahe alle Vorstände der israelitischen Bethäuser in Wien, Oberrabbiner Dr. Güdemann mit sämtlichen Rabbinen Wiens, der Präsident des Bethausvereines IX. Bezirk Gottlieb Bettelheim und kaii. Rat Jg. Wilhelm, der Präsident des Bethausvereines Mariahilf Dr. Jakob Engel, Direktor Ignatz Zolles, die Vorsteher der Chewra-Kadischa Fünfhaus Präses - Stellvertreter Jakob D u s ch i n s k y, Kassier Josef Löwy, Max Haas und Moritz Weiß, der Obmann der Bezirkskommission der Bezirke XII. bis XV. Samuel Mohr und Obmann-Stellvertreter Anton P i cf, der Vorsteher des Bethausvereines „Montefiore" Jakob Weiß, die Hofräte und Professoren Dr. Pollitzer und Dr. D. H. Müller vom Kuratorium des „Jüdischen Museums", Dr. Ludwig, Pro'. Dr. Zuckerkand! in Begleitung des Dr. Fleischmann und des Verwalters Dr. K o r a n y vom Spital der israelitischen Kultusgemeinde; in Vertretung des Ingenieur- und Architektenvereines Präsident E. A. Ziffer, Hofrat M r a s e k, Baurat M ü h l f o r t, Direktor Ritter v. G u n e s ch, der Prokurist des Bankhauses S. M. v. Rothschild Kultusvorsteher Emil Horner, Obermagistratsrat Asperger, Magistratsrat Dr. Koniakowski, Magistratsrat a. D. Trabauer, Oberbaurat S y k o r a, Obermagistratsrat Dr. Nüchtern, die Architekten Gärtner und Modern, Baumeister Melcher, die ehemaligen Reichsratsabgeordneten Doktor Vogler, Noske und Dr. Bloch, Gemeinderat A l l m e d e r, Gemeinderat Architekt F u ch s i k, die Gemeinderäte Dr. Hein, K l e b i n d e r, Dr. Mittler, Dr. Reisch und T o m o l a, die ehemaligen Gemeinderäte H e l b i g und Seiler, kais. Rat Dr. S. K r ü g e r, der Direktor der israelitischen Kinderbewahranstalt Fischer, Professor Joseph S u l z e r, die Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Adolf Stei n und Dr. Kienberg, in Vertretung der Israelitischen Union Präsident Sigmund Mayer und Sekretär Siegfried Fleischer, in Vertretung des Handwerkervereines Emil Jelinek, die Industriellen Karl Lemberger und kais. Rat Naumann Schefflet, die Bankiers Schloß und Maximilian Paul-Schiff, Börsenrat Feldmann, vom Verein „Frauenhort" die Vorstandsdamen Frau Regina K o p st e i n, Frau Dr. Philippine G e l b h a u s, die Präsidentin des Vereines „Ferienheim" Frau Dr. Sofie G r ü n f e l d mit den Vorstandsdamen Frau Doktor Adele Zins und Frau Antonie Graf, die Vizepräfidentin des Vereines „Bikur Cholim" Frau Rosa Stransky. Einige Minuten vor 11 Uhr fuhr Bürgermeister Dr. L u e g e r mit Magistratsrat Dr. B i b l beim Friedhof vor und wurde vom Bruder des Verblichenen Hermann Ritter v. Goldschmidt begrüßt und in den Zeremoniensaal geführt, wo man den Bürgermeister einen Sessel anbot, doch Dr. Lueger blieb während des Zeremoniells stehen. Oberkantor kais. Rat Singer, begleitet von den Oberkantoren Bela Guttmann und Don Fuchs, den Kantoren Jurberger, Menkes und dem Chorpersonal beider israelitischer Tempel, trug die Trauerpfalmen vor. Dann wurde der Sarg gehoben und unter Bortritt von vier städtischen Ratsdienern in Galalivree mit schwarzen Schärpen zur Familiengruft getragen. Oberrabbiner Dr. Güdemann trat tief ergriffen an die Bahre und sagte, daß die lange Krankheit Ritter v. Goldschmidts die Schatten des Todes auf die sterbliche Hülle treten ließ, daß sie aber nicht seinen Namen zu bedecken vermochte; denn seine Persönlichkeit trete plastisch vor Augen. „Wenn er auch", fuhr Dr. Güdemann fort, „in seinem Leben wenig oder nichts erreicht hat von dem, wonach die Menschen zu streben pflegen und was ihnen in den Augen der Welt Auszeichnung verleiht, so sei das in seiner Bescheidenheit im Leben begründet gewesen. Bon ihm gelle das, was im dieswöchentlichen Wochenabschnitt vom Stamme Levi gesagt sei: „Segne, Ewiger, sein Wirken und mögest Du immer Gefallen finden an ihm." Wer ihn gekannt hat, der mußte sagen, daß Gott und die Menschen an seinem öffentlichen Wirken, an seinem Auftrete» Gefallen finden konnten, lim ihn ganz kennen zu lernen, muß man ihn bei der Wurzel fassen, bei seiner Abstammung." Redner erwähnt Goldschmidts Bruder und Vater, Menschen, von denen man sagen könne, daß sie durch den wahren Adel der Seele ausgezeichnet, durch vornehme Gesinnung, durch eine edle, reine, auf das Gute gerichtete Handlungsweise sich betätigten. Der Adel habe auch den Dahingeschiedenen ausgezeichnet. Das beweise auch, daß seine Bahre Männer aus den Kreisen der Techniker, der Kunst und Wissenschaft, der Wohltätigkeit, der städtischen Verwaltung und der Gemeinde umstehen. Auf jedem Gebiete hat er sich ganz eingesetzt mit seiner Persönlichkeit, weil er eben nichts anderes tun wollte, als der Sache dienen und der Sache nützen! Was er im Gemeinderate gewirkt und geleistet, dafür ist ihm von der berufensten Persönlichkeit, die auch durch ihre Anwesenheit ihn besonders auszeichnet, bei seinem letzten Gange, das volle Lob gespendet worden. Eine Aufzählung der wohltätigen und künstlerischen Werke, die er unterstützte, müßte zu weit führen. Redner schloß mit dem Hinweis, daß in ihm alle guten Eigenschaften vereint waren: er war der beste Charakter, er war ein echter Wiener, er war ein guter Mensch und ein guter Jude. Das alles zusammengefaßt — das ist der Ehrenkranz, den ich ihm auf den Sarg lege. Sein Name wird unter uns immer gesegnet bleiben. Amen! Nun ergriff der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern das Wort. Er sagte: Es ist eine geweihte Stätte, auf welcher wir uns hier befinden. Wenn der Tote, der hier im Sarge ruht, zum Leben erstehen und sprechen könnte, würde er mit dem Patriarchen sagen: „Hier habe ich meinen Vater begraben, hier ruht die teure Mutter, hier ruht mein unvergeßlicher Bruder, hier will auch ich ruhen, nachdem ich in deren Spuren gewandelt bin, ihr Lebenswerk gefördert habe". Und daß dem so war und ist, bezeuge ich als Präsident unserer Kultusgemeinde, in deren Namen ich hier spreche. Zwei Generationen, sechzig Jahre der Geschichte unserer Gemeinde ziehen an uns vorüber. Ihren ververdienstvollen, in unserem Gedächtnisse unvergänglichen Gründern, als dieselbe durch ein kaiserliches Machtwort ihre autoritative Selbständigkeit erlangte, gehörte der hier ruhende Vater an. Die Ordnung des Haushaltes unserer Gemeinde war die Sorge des hier ruhenden Bruders und die Ausgestaltung der Organisation unserer.Gemeinde, als dieselbe sich machtvoll entwickelt hatte, war eine der Aufgaben, welche det Verstorbene, unser Vize-Präsident Theodor von Goldschmidt, sich stellte und unermüdlich förderte. Und nebst dem, was er da nach administrativer und technischer Richtung geleistet hatte, war es insbesondere unsere Wohltätigkeitspflege, der Glanzpuntt unserer Verwaltung, in welcher sein Wirken mit innigstem Danke anzuerkennen und zu rühmen ist. Seiner Initiative verdantt eine Institution unserer Gemeinde, von welcher wir uns noch reiche Segnungen erhoffen, das zum Andenken an unsere Kaiserin errichtete „israelitische Kaiserin Elisabeth Pflegerinnenheim", ihre Entstehung. Ebenso wirtte er mit bei der Gründung des Verbandes verschiedener Vereine, behufs Pflege der Wöchnerinnen. In unserem Attersversorgungshause, in unserer Armenanstatt, in dem KönigsbergMen Erziehungsinstitute, in unserer Kinderbewahranstalt, in allen diesen und noch anderen Anstalten war er Mitglied der Verwaltungsausschüffe und seine Mitgliedschaft war nicht etwa bloß eine nominelle, mit vollem Heiden widmete er sich den Agenden aller dieser Anstalten. Ein letztes Werk war die Ausgestaltung einer schon vor Dezennien begründeten und im Laufe der Zeit erhöhten und bereicherten, nach den verschiedensten Richtungen in unserer Gemeinde wohltätig wirkenden Familienstistung zugunsten armer Studierender, Gewerbetreibender, Krankenwärterinnen und Hilfloser. Und so hat der nun Heimgegangene getreu fortgesetzt das Werk seiner hier ruhenden Angehörigen. Und so wird auch sein Andenken in unserer Gemeinde ein gesegnetes sein und bleiben.