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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-10-01 · 40 (1.10.1909) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
40 (1.10.1909)
Date
1909-10-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Lette 686 Dr. Blochs Wochenschrift -kr. 40 Aus den gemachten Ausführungen geht hervor, daß so manches Werk zu gleicher Zeit einigen Nationen gehört. Wie es zweifellos ist, daß so mancher Geistesschatz einer bestimmten Nation und zugleich der Weltliteratur gehört, so kann ein und dasselbe Geisteserzeugnis den Literaturen zweier Nationen eingereiht werden. I)ie lateinisch geschriebenen Schriften Spinozas sind ein Quell der Weisheit für die stammte gebildete Menschheit und gehören zur jüdischen Literatur. Heinrich Heine gehört der deutschen und der jüdischen Geisteswelt. Der jüdische Geist wirkt mächtig im Unbewußten der Denker und Dichter jüdischer Abstammung. Besonders im Unbewußten der jüdischen Künstler herrscht der jüdische Genius mehr als man allgemein glaubt. (Fortsetzung folgt.) Morrespondenzen Theodor Ritter v. Goldschmidt. Am 23. September d. I. verschied nach längerem Leiden im Sanatorium zu Hacking im 73. Lebensjahre Baurat Theodor Ritter v. Goldschmidt, Gemeinderat der Stadt Wien und zweiter Vizepräsident der Wiener israelitisch-« Kultusgemeiude. Was Ritter v. Goldschmidt im öffentlichen Leben und innerhalb des Wiener Judentums war und wirkte, braucht nicht erst hier in längeren Artikeln gesagt zu werden. Im Jahre 1837 e nem der altehrwürdigsten und vornehmsten Patrizierhäuser entstammend, hatte er das große Glück, frühzeitig eine sorgfältige, verständnisinnige Erziehung zu genießen, Sinn und Verständnis für alles Schöne, Große und Edle zu gewinnen, in seinen Angehörigen edle Vorbilder zu sehen und von ihnen im echten Geiste des Judentums erzogen zu werden. Mit allen Vorzügen des Geistes und Herzens ausgestattet, war er eine interessante Erscheinung, eine stark ausgeprägte Individualität. In seiner Hünengestalt mit dem großen Kopfe, in welchem eine hohe Denkerstirne saß und zwei freundliche, geistigen Augen blitzten, fiel er allgemein auf. Im Auslande, Frankreich, England und Belgien, woselbst er viele Jahre verlebte, hatte er vielfach Gelegenheit, sich, ein reiches Wissen und mehrere ftemde Sprachen anzneignen, die er auch vollkommen beherrschte. Seine vielseitigen, gründlichen Kenntnisse und reiche Erfahrung hatte er in den Dienst des allgemeinen Wohles selbstlos gestellt. Im Jahre 1879 wurde er Mitglied des Wiener Gemeinderates. Was er hier in seiner Eigenschaft geleistet, das hat der Bürgermeister Dr. Karl Lueger in der letzten Sitzung ausgesprochen : „Sie werden, meine Herren, aus den heutigen Abendblättern' entnommen haben, daß unser Kollege, Herr Gemeinderat Theodor Ritter v. Goldschmidt, gestorben ist. Er gehörte seit dem Jahre 1879 dem Gemeinderate an und war ein außerordentlich eifriges Mitglied, das sich an den Arbeiten des Gemeinderates sehr beteiligte. Wir Alle kennen chn als einen pflichteifrigen, braven Mann, der mit jedem von uns auf gutem Fuß gestanden ist, weil er entgegenkommend war und weil wir Alle seinen Charakter schätzen zu lernen Gelegenheit hatten." Die Versammlung, welche tief ergriffen war, hörte diesen Nachruf stehend au. Seine ganze Zeit, ja sein ganzes Leben widmete der Verewigte zahlreichen Wohltätigkeits-Institutionen, seine sorgfältigste Fürsorge den Geschäften der Kultusgemeinde. In der Präsidialkanzlei in der Seitenstettengaffe konnte man chn täglich am Vor- und Nachmittage antreffen, woer durch mehrere Stunden lang arbeitete. Hier hatte er auch immer Zeit, Bittsteller zu empfangen, für die er stets in seinen urbauen Formen ein liebevolles und freundliches Wort hatte und gerne bereit war, zu Helsen und so manche bittere Träne zu trocknen. Eines seiner. Liebliugswerke, welches er besonders in sein Herz geschlossen hatte, war das L. D. Königsberg'sche Mädchen-Erziehungs-Jnstitut. wo er durch viele Jahre hindurch das Ehrenamt eines Obmannes des Kuratoriums bekleidete. Alljährlich, so daselbst die Chanukafeier stattfand, hielt er eine sinnreiche und tief empfundene Ansprache an die Zöglinge, welche stets ihren Weg zum Herzen fand und. zu Tränen rührte. Und wenn Zöglinge nach sechsjähriger beruflicher Ausbildung das Institut verließen, so war er im Vereine mit den wackeren Damen und Herren des Vorstandes, insbesondere mit dem trefflichen hochherzigen ersten Vize-Präsidenten, Landesschulrat Herrn Dr. Gustav Kohn bemüht, denselben passende Stellen zu verschaffen. Schreiber dieses, welcher im Leben das Glück hatte, mit dem Heimgegangenen Jahre hindurch zu verkehren, könnte über das wohltätige, gemeinnützige Leben des für die Armen zu früh Verschiedenen ein ganzes Buch schreiben. Eines darf hier nicht übergangen werden. Als im Beginn der konstitutionellen Aera, bei Kreierung der Neuschule die Anstellung jüdischer Lehrer gestattet war, da strömten aus allen Kronländern der Monarchie jüdische Bewerber herbei, die sich mit viele Empfehlungen an Dr. L. Kompert und Ritter von Goldschmidt wandten. Die wackeren Männer, welche zu dieser Zeit im Gemeinderat saßen und hier großes Ansehen genossen, unternahmen alle Schritte, um den Bittstellern zur Anstellung oder zu ihrer gerechten Beförderung verhalfen. Wollte sich der Befriedigte dafür bedanken, so wurde der Dank mit den Worten zurückgewiesen: „Es war keine Protektion unsererseits, sondern unsere Pflicht, die wir hier zum Schutze unserer Glaubensgenossen geübt haben." Welch' allgemeiner Sympathien und Verehrung sich der Verewigte erfreute, bewiesen die großen und herzlichen Kundgebungen anläßlich seines vor zwei Jahren gefeierten 70. Geburtstages und das großartige Leichenbegängnis, über welches an anderer Stelle berichtet wird. Am Vorabende des Versöhnungstages bist Du, edler Verblichener, großer Wohltäter und Menschenfreund, zu Deinen Vätern eingegangen. Deine zahlreichen frommen Werke und gottgefälligen Handlungen und Taten — die Engel werden Dich vor den Richterftuhl des Allmächtigen und Weltenrichters begleiten und hier Deine warmen Fürsprecher sein und Gott wird Dich als reine Lichtgestalt in sein Reich aufnehmen und glänzen wirst Du stets als Stern erster Große am Himmel der Menschheit; denn wer den Besten seiner Zeit genug getan, der hat gelebt für alle Zeiten. Dein Andenken wird ein gesegnetes sein. „Secher zadik liw ruehu!“ Josef Friedl, Oberlehrer. Theodor Ritter v. Goldschmidt. Auf dem Döblinger Friedhofe ist am 26. d. M. vormittags die Leiche des Gemeinderates und zweiten Vizepräsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Theodor Ritter v. G o l dfchmidt unter großer Beteiligung weitester Kreise bestattet worden. Unter den Kränzen fiel ein mächtiges Gewinde mit rot-weißen Schleifen, die Widmung der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien, auf. Unter den Trauergästen befanden sich: Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit dem ersten Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn, die Vorstandsmitglieder Dr. Josef Breuer, Professor Doktor S. Ehrmann, Max Frank, Emanuel Hoffmann, Dr. Katzau, kais. Rat Kanders, Dr. König, Emanuel G r ü n w a l d, Dr. Leopold K o h n, kais. Rat Wilhelm Pollak, Hofrat Dr. Rappaport, kais. Rat Sachs, Dr. Samuely, Adolf S ch ram e k, Kommerzialrat Leopold Simon, Dr. Markus S p i tz e r, Samuel S t e i n e r und

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