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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-10-01 · 40 (1.10.1909) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
40 (1.10.1909)
Date
1909-10-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 684 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 40 Buchdeckel, Vorsteckblatt, Randleiste, Bild, Ornament und Material, alles ordnet sich einem Kunstgedanken ein. Und wie weiß L lien Ornamente zu schaffen. Es ist, als ob die uralte orientalische Lust am Ornament lebendig geworden wäre in ihm. Er ist der Schöpfer einer neuen jüdischen Ornamentik. Die segnende Priesterhand, der Mögen — Dovid, der fiebenarmige Leuchter, die Bunbeslade, die hebräischen Lettern, alles wird ihm Zierlinie, ohne daß den Figuren, dem Menschlichen Abbruch geschähe. Seine Darstellungen der Menschen find von einfacher Größe. Man sieht in diesem einen Raume bei Heller fast alles, was Lilien geschaffen und vieles in Originalen, die verkäuflich find. Und sie werden gekauft. Fast möchte man „leider" sagen. Denn hier wird ein Schatz verzettelt, wie er sich wohl nicht bald wieder beisammen finden wird. Eine jüdische Gemeinde- Bibliothek, ein Museum hätte sie erwerben müssen diese Bilder und Vorlagen zur Bibel, sie hätten an solcher Stelle an Wert und Bedeutung gewonnen, dabei des Besitzers Wert und Bedeutung erhöht. Vielleicht rettet man noch, was zu retten ist. Die Blätter notieren nicht hoch, sowenig wie die prächtigen Radierungen dieses starken Künstlers teuer find. Ein reicher Börsenmagnat zahlt wohl für eine flott gemalte Hetäre, von berühmt gemachten Modemalern, mehr als die ganze Sammlung kostet. Es soll aber hier kein Vorwurf erhoben werden, es ist sehr.wahrscheinlich, daß Lilien sich nicht angeboten hat — er macht es wie so viele jüdische Künstler. Er schöpft aus tief jüdischem Empfinden, schafft Werte für das Judentum, aber er hütet sich, den Gegenwert vom Juden erwarten zu wollen. Man kann am Judentum sterben, aber man kann nicht davon leben. Das hat Lilien bald genug begriffen. Er hat einen christlichen Verleger gefunden, das Welthans Westermann in Braunschweig, das Hunderttausende in das Bibelwerk steckte. Er hat sich Freunde und Förderer außerhalb des Judentums geschaffen — und das sichert ihm wohl auch seine Geltung innerhalb des Judentums, ^das er durch feine Kunst verklärt. -.'äüÖB Wien, am 28. September 1909 (15. Tischri 5670) H. Aork-Steiner. Eine „Moderne Iabnehakademie".! Von Rabbiner Dr. Niemirower, Jassy. (Fortsetzung.) IV. Wesen der Akademie. Was kann und soll die Iabnehakademie sein? Dem eigenartigen Wesen Israels entsprechend, mutzte die Akademie religiöse, nationale, kulturelle, wissenschaftliche, literarische und künstlerische Zwecke verfolgen. Vor allem gilt es jedoch festzustellen, was die Akademie nicht sein darf. So manche Institution mutzte zu Grunde gehen, weil sie nicht von Anfang an ihren Wirkungskreis genau umschrieben und daher in Versuchung kam, die Grenzlinien ihres Seins zu überschreiten. Die Feststellung des Negativen, welches man bei der Gründung einer Iabnehakademie zu beachten hätte, wird zugleich die Bedenken zerstreuen, welche Moritz Lazarus in bezug auf eine solche Akademie geäußert. Eine Iabnehakademie keine religiöse Synode. Die geplante Akademie darf sich nicht in eine religio^ Synode verwandeln. Im Reiche der Religion spielen ÄAwrität, Majorität und Tradition eine grotze Rolle, coer aUdfr die Gewissensfreiheit, das Recht der Minorität, die^Uyabhängigkeit der Kritik sind unverletzbare ErrungenMaften. In religiöser Beziehung kann eine aus verschWeMrtigen Elementen zusammengesetzte Gesellschaft nicht diktieren. Religiöse Fragen, die Meinungsverschiedenheiten aufweisen, sind aus der Jabnehakademie von vornherein verbannt,' denn dieses Institut darf weder im Dienste der Orthodoxie, noch in dem des religiösen Liberalismus stehen. Allerdings gibt es auch religiöse Punkte, besonders im Gebiete des Religiös-Ethischen, die keine Meinungsverschiedenheit zulassen. Ueber solche Punkte könnten sich die Repräsentanten des Judentums manifestieren. Die Iabnehakademie könnte also eine R e l i g i o n s k o m m i s s i o n, aus den Vertretern der verschiedensten religiösen Nuancen zusammengesetzt, eine Art Synhedrium wählen, zu dem einzigen Zwecke, allen Juden gemeinsame Heilswahrheiten zum öffentlichen feierlichen Ausdrucke zu bringen. Die Iabnehakademie kein jüdisches Parlament. Die Iabnehakademie darf keinen politischen Charakter annehmen, da in politischer Beziehung die Ansichten der Juden auseinander gehen und die allgemein-jüdische Akademie weder von den Assimilanten, noch von den Nationalisten ausgebeutet werden darf. Dieselbe kann kein jüdisches Parlament, aber eine Repräsentanz des jüdischen Stammes werden. Für ein politisches Parlament fehlen den Juden die nötigen Voraussetzungen. Nur in einem politischen Territorium, dessen Majorität Juden sind, ist ein jüdisches Parlament möglich. Was denkbar wäre, ist ein p an jüdisch er Kongretz, eine periodische Synagoga magna. Der Iabnehakademie könnte als friedliche, interterritoriale Institution die Aufgabe zufallen, einen allgemeinen jüdischen Kongretz einzuberufen und dessen kulturelle Beschlüsse durchzuführen. Die Iabnehakademie keine ausschließliche Palästina-Institution. Die vorgeschlagene Akademie sollte nach der Forderung der Geschichte in Jerusalem ihren Hauptsitz haben. Der Konkurrenzkampf zwischen der grötzten Gemeinde der Welt, Newyork, der Residenz der „Jca" und „Alliance", Paris, der Hauptstadt des modernen Judentums, Berlin, usw. schwindet, so von dem den Religiösen heiligen, den Nationalen teueren und auch den Nichtnationalen kulturell-wichtigen Jerusalem die Rede ist. Dessen ungeachtet, mutz die rein palästinensische Arbeit eine besondere Institution haben, da die Zentralakademie ihren Blick vom Allgemeinisraelitischen nicht ablenken darf. Praktische Gründe können auch dafür sprechen, datz diverse Sektionen der Akademie in verschiedenen Orten wie Jerusalem, Konstantinopel, Newyork, London, Paris, Berlin, Wien, Warschau, Odessa, Budapest und Amsterdam ihr Heim aufschlagen. Die Iabnehakademie keine rein hebräische Akademie. Die Pflege der hebräischen Sprache gehört zu den Kardinalaufgaben der fraglichen Akademie, da das Hebräische das bedeutsamste Einigungsmittel der Juden bildet, ein Wolapük, ein Esperanto für Allisrael darstellt. Die Zentralakademie darf jedoch nie die Tatsache autzer acht lassen, datz die jüdische Kultur, der sie zu dienen hat, auch in anderen Sprachen zum Ausdruck gelangt. Wir glauben mit Achad-Haam, datz ein hebräisches Palästina ein mächtiges Zentrum für Gesamtisrael werden kann und soll,' wir halten uns jedoch von jedem hebräischen Exklusivismus fern und glauben an allgemein jüdische Erfolge einer univ e r s e l l j ü d i s ch e n Kultur-Institution.

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