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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-10-01 · 40 (1.10.1909) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
40 (1.10.1909)
Date
1909-10-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 40 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette «SS 2. Dieselbe Tortur mit ausgespreizten, an einen breiten Balken festgebundenen Füßen. 3. Dieselbe Tortur mit ausgespreizten, an die Füße eines lebenden Widders festgebundenen Widders. Diese drei verschiedenen Folterarten wurden je dreimal in Intervallen, von sieben Tagen an dem Unglücklichen vollzogen. Da aber der ersehnte Erfolg, ein Geständnis von Seiten des Gemarterten nicht eingetroffen, er vielmehr immerwährend seine Unschuld beteuerte, beschloß das aus 18 Wojwoden bestehende Richterkollegium, sich an den päpstlichen Stuhl in dieser Angelegenheit zu wenden, was auch Dezember 1623 geschah. Aber ohne früher eine Antwort abzuwarten, verurteilte man Jsak zu zwanzigjähriger Einzelhaft, und das Urteil ward gleich vollzogen. Er wurde nämlich in eine drei Quadratmeter umfassende, zwei Meter hohe Nische eingemauert, und eine so kleine Oeffnung zurückgelassen, daß nur ein Löffel durchgehen konnte. Drei Monate nach Vollstreckung dieses strengen Urteiles traf die Antwort des Papstes Urban VHI. (1623—44), März 1623 ein, welche besagte, daß der Delinquent auf keinem Fall zum Tode verurteilt werden dürfe, nur möge er solange in einfacher Haft behalten werden, bis sich Beweise für oder gegen seine Schuld gefunden haben. Als zufolge dieser Antwort der Gerichtshof auch die Wirtin foltern ließ, ohne aber ein Geständnis zu erwirken, wurde sie freigelassen. Jsak blieb nach wie vor eingemauert, Speisen und Getränke mußte ihm eingelöffelt werden, da seine Arme dreifach gebrochen waren. Den Juden von Ragusa wurde das Verlassen des Ghettos und der mündliche oder schriftliche Verkehr mit Christen außerhalb desselben bei Todesstrafe verboten. Als Ende 1623 der Rabbiner der Gemeinde Dawid ha Koheu den Versuch wagte, mit einem der. Wojwoden sich in Verhandlungen zur Aufhebung des strengen Erlasses einzulassen, wurde er und sein Sohn Aaron in Haft genommen, jedoch nach kurzer Zeit wieder entlassen. Das Schicksal wollte es nun, daß im Jahre 1634 fünf Wojwoden, welche dem Gerichtshöfe angehörten, nach einander starben, worin die anderen einen Fingerzeig. Gottes sahen. Schnell ward wieder ein Gerichtshof zusammengesetzt, welcher einstimmig das Urteil fällte: Jsak sei aus Mängel an Beweisen sofort aus seiner Hast zu befreien, auch werde ihm gestattet, frank und frei die Stadt zu . . . verlassen. Drei Jahre später gestand die Wirtin die Ermordung des Mädchens am Rüsttage des Laubhüttenfestes auf ihrem Totenbette zu! Leschonoh-Tauwoh Herr Bischof! Einem Kaschauer ungarischen Blatte entnehmen wir die folgende Geschichte: Vom Kaschauer Bischof August Fischer-Colbrie weiß es jedes Kind, daß er Juden nicht liebt, mit ihnen keinen Verkehr unterhält, mit Ausnahme eines einzigen Juden. Aus alter Zeit hatte der Bischof die Institution des Hausjuden, einer Art Faktors übernommen, der den Verkauf der Produkte der bischöflichen Güter vermittelt. Einen solchen Hausjuden besitzt auch Bischof Fischer-Colbrie, ohne sich deshalb in seiner Pol^ tik den Juden gegenüber beeinflussen zu lassen. Am Vorabend des Rosch-Haschonoh nahm nun der Hausjude die Liste seiner Verwandten und Geschäftsfreunde zur Hand, denen Rosch-Hafchonoh-Karten geschickt werden müßten, kaufte einige Dutzend solcher Karlen und übergab sie einem seiner Schreiber behufs Adressierung und Erpedition. Mechanisch setzte der Angestellte die Adressen auf die Karten und da der Bischof Fischer-Colbrie unter den „Geschäftsfreunden" des Faktors obenan steht, wurde auch an Seine Eminenz eine Karte adressiert. Der Zufall wollte es, daß der Bischof eine Karte erhielt, auf welcher die Szene reproduziert ist, wie in der Synagoge die Thora emporgehoben, der Gemeinde gezeigt wird. Unter dem Bilde befindet sich der hebräische Tert: „Und das ist die Lehre, die Moses gegeben auf Befehl des Ewigen . . ." Seine Eminenz soll über die Aufmerksamkeit seines Hausjuden gelächelt haben. Ueber den aufdringlichen echten und falsch en Luxus und die schrankenlose Vergnügungssucht auf Borkum stellt die „Voss. Ztg." nachdenkliche Betrachtungen an, in denen es u. a. heißt: „Wo. bleibt nun da die Abneigung gegen Luxus und rauschende Vergnügungen, auf Grund deren man angeblich die argen Semiten ausgeschlossen hat? Und was die angestrebte „Vornehmheit" anlangt, — wer nach einer Reihe von Jahren jetzt wieder einmal nach Borkum kommt, der wird erstaunen über den Tiefstand des geistigen Niveaus, über den Niedergang von Ton und Gebühren eines sehr großen Teiles des hiesigen Badepublikums. Mit wie geringer Mühe und in welcher Fülle könnte hier Dr. Montanus Stoff für ein Gegenstück zu seinem berühmten Buche von der Alpenfahrt der „Familie Ekel" finden l Noch immer wird das Borkumlied öffentlich gesungen, und als sich im vorigen Jahre ein Kapellmeister weigerte, es spielen zu lasten, hat ihn das Publikum (wohlgemerkt: im feinsten Restaurant) mit Bierdeckeln beworfen und gelärmt und getobt, bis er hinausging und die Kapelle den „vornehmen" Herrschaften den Willen tat. Natürlich kann da die liebe Jugend nicht zurückbleiben. Zu den inzwischen auf drei oder vier herangewachsenen Knabenkompagnien, deren dem Primanerstande angehörige „Offiziere" mit großer Strenge den Gruß ihrer armen kleinen Soldaten erzwingen, um ihn mit den Allüren einenur noch im „Simplizissimus" zu findenden dümmsten Leutnants zu erwidern, ist auch noch eine Mädchenkompagnie getreten, deren Kommandeusen Arm in Arm mit den Herren Kameraden sich eifrig im Flirt und nächtlichen Wirtshausbesuch üben. Summa: wenn man sich dieses Treiben ansieht, dann versteht man, wie der biedere Insulaner zu dem Sprichwort gekommen ist: „Dumm wie'n Badegast". Die gleichen Wahrnehmungen kann man übrigens auch in anderen von mehr oder minder rassenreinen Ariern besuchten Nord- und Ostseebädern machen. Die „Germania" erhielt unterm 7. d. M. eine Zuschrift aus Borkum, in der die letzte Strophe des berüchtigten Borkum-Radauliedes wiedergegeben und die Mahnung hieran geknüpft wurde: „Zweck dieser Zeilen ist nun, die Katholiken aufzufordern, diesen gegen die Juden gerichteten Vers des Liedes nicht mitzusingen. Wer wollte leugnen, daß dieser Vers mit wahrer christlicher Nächstenliebe nicht zu vereinbaren ist und daß auch vom Standpunkte eines für Wahrung der Gerechtigkeit eintretenden Staatsbürgers die letzten vier Zeilen zu verurteilen sind? In dieser Auffastung können wir katholische Staatsbürger auch nicht dadurch wankend gemacht werden, daß wir darftn denken, wie fast täglich die den Interessen des Judentums dienenden talmudistisch-nihilistischen Tagesblätter, die man nicht erst zu nennen braucht, katholisch-kirchliche Einrichtungen lügnerisch und gehässig behandeln und über katholische Priester herabwürdigende Berichte bringen. Wir sind doch Christen. Treten erst die Katholiken gegen diese die Juden verletzenden Verse auf, so würden sich ihnen bald andere Christen anschließen." Uo« der jüdischen Kunst anläßlich der Lilien-Ausstellung. Bei Heller auf dem Bauernmarkt ist eine merkwürdige Ausstellung zu sehen, deren künstlerischer Wert an dieser Stelle zwar schon gewürdigt wurde — die jedoch weit über das Gesagte hinaus Wert und Bedeutung hat. Wert und Bedeutung für das Judentum. In den einfachen Strichen der Zeichnungen Liliens regt sich jene Kraft des neuerwachten Judentumes, die an Altes, Uraltes, Halbvergeffenes, fast ganz Verschüttetes anknüpft und mit ganz modernen Mitteln eine Kunst schafft, die ich, ein Wort Theodor Herzls nachbildend, Alt— Neukunst nennen möchte. Lilien hat auch an Alt-Neuland mitgebaut, er saß acht Monate als Kunstlehrer im Bezalel zu Jerusalem, wo er gar viel sehen und mit dem Griffel festhalten konnte, was sich in seinen Blättern zu dem großen Bibelwerk verewigt findet. Und er wird immer wieder dorthin zurückkehren, wo die Wurzel unserer Kraft ruht, wo die alte Herrlichkeit aus Trümmern und Steinen zu uns spricht, wo dem tief forschenden Blick die Großen unseres Volkes erstehen und ewige Geister im hellen Tageslichte wandeln. Lilien hat fie auf Tafeln gebannt. Dort bei Heller auf dem Bauernmarkt in Wien find fie noch einige Tage hindurch zu sehen. Lebendig stiegen fie ihm herauf, die Helden des heiligen Landes und er gab fie dem ewigen Buche zurück, das diesem Boden entsproffen ist. Wenige Striche mit der Feder und etwas Tusche — nur eine Wirkung in Schwarz Weiß, und doch ergreift es den Beschauer voll Gram und Schmerz, wenn er Moses sieht, der in seiner Berbittemng die steinernen Tafeln des Dekaloges zerschmettert. Und wer könnte sich der Einsamkeitsstimmung, der Bezweiflung entziehen, wenn er das kleine Blatt anfieht, das die Sintflut darstellt? Lilien ist kein Illustrator im landläufigen Sinne, er erlebt sein Werk im Zusammenhalt mit dem Buche und schafft dieses zu einem Gesamtkunstwerk um.

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