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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-10-01 · 40 (1.10.1909) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
40 (1.10.1909)
Date
1909-10-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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©eite 682 Dl. Blochs Worte, die Kommandant Peary selbst anläßlich des allzufrühen Todes Heilprms am 17. Iuli 1907 über ihn selbst schrieb: „Meine eigene Verpflichtung Heilprüir gegenüber ist besonders groß. Mehr als jemand Anderem ist Angelo Heilprm der rührige Anteil Amerikas an den arktischen und antarktischen Arbeiten während der letzten fünfzehn Jahre zu danken. Nur seinem Interesse und seinem Glauben an meinen ersten Plan, den ich im Jahre 1891 der Akademie der Naturwissenschaften vorlegte, habe ich es zu danken, daß die genannte Organisation meinen Plan sich zu eigen machte und daß das Interesse für Polarforschungen seit dieser Zeit immer mehr anwuchs". „Die Wahrheit der Geschichte sollte nicht minder heilig sein, wie die Wahrheit der Religion," sagt ein französsscher Schriftsteller und keine Geschichte der Entdeckung des Nordpols, sei es durch Cook oder durch Peary. wird der Wahrheit voll entsprechen, wenn in ihr nicht der Anerkennung der Arbeiten Angelo Heilprins entsprechend Raum gewährt wird. Juden als Förderer der Luftschiffahrt. Der Großindustrielle Leopold V. Lieben hat dem österreichisch-ungarischen Kriegsministerium die nötige Summe zum Ankäufe eines Wright-Fliegers zur Verfügung gestellt. Ein Offizier ist bereits abgegangen, um den Apparat zu übernehmen. Eine Verzögerung in der llebernahme ist dadurch eingetreten, daß der Aviatiker Lefebvre, der von der Fabrik mit dem Ausprobieren des Avparates betraut wurde, bekanntlich bei einem Probefluae tötlich verunglückte. Man hofft, daß bereits Anfang Oktober der Wrightapparat in Wien eintreffen wird. Herr Leopold V. Lieben ist Mitglied des Vorstandes der Wiener Kultusgemeinde. Der Schiffsarzt der „Novara-Erpedition." Vor Kurzem jährte es sich zum 50. Male, daß die österreichssche Fregatte „Novara" von ihrer Reise um die Erde in den Jahren 1857 bis 1859 zurückkehrte. Die unter dem Befehle des Commodore. späteren Kontreadmirals und Handelsministers Freiherrn von Wuellerstorf-llrbair gestandene Ervedition hat zahlreiche wertvolle Forschungen angestellt, großartige Sammlungen angelegt und die Resultate ihrer Studien in Publikationen von bleibendem Werte der Oeffentlichkeit übergeben. Insbesondere sind diese schätzenswerten Ergebnisse der Tätigkeit zweier großen Gelehrten zu verdanken, dem Leiter des wissenschaftlichen Stabes, dem Forschungsreisenden Dr. Karl v. Schwer und dem berühmten Geologen Ferdinand v. Hochstetter. Zu diesen verdienstvollen Mitarbeitern der Expedition, schreibt Baurat Wilhelm Stiaßny in einem Erinnerungsgabe, zählt aber auch Dr. Eduard Schwarz. Schiffsarzt auf der „Novara" und Verfasser der medizinischen Beschreibung dieser Resse. Im Jahre 1861 gab er durch die k. k. Hof- und Staatsdruckerei den medizinischen Teil der Reisebeschreibung (erster Band) heraus, ein umfangreiches, mit zahlreichen Tabellen und Plänen versehenes, auch typographisch vornehm ausgestattetes Werk von bleibendem wissenschaftlichen Werte. Dem Inhalt nach gliedert sich dieses Buch in drei Abteilungen, welche allgemeine Materien, sodann die Krankengeschichte und die Details einiger medizinischer und chirurgischer Fälle, endlich einzelne interessante Krankheitsprozesse behandelt. Auch in Bezug auf Anthropologie wurden viele Studien gemacht, große Sammlungen, insbesondere von Schädeln der 'menschlichen Rassen, angelegt und die Objekte von Dr. Schwarz sorgfältig gemessen und beschrieben. Dr. Schwarz war am 13. September 1831 zu Miskolcz in Ungarn geboren Wochenschrift. Nr. 40 und hat seine Studien an der Wiener Universität zurückgelegt, wo er ein Lieblingsschüler der großen Meister gewesen ist, die damals an der medizinischen Fakultät gelehrt und gewirkt haben. Aus seiner klinischen Tätigkeit wurde Schwarz durch Dr. Karl v. Scherzer heraus und zur „Novara" gerufen. Nach seiner Rückkehr wurde er in viele wissenschaftliche und schöngeistige Ziirkel, die sich um seine Anwesenheit bewarben, gezogen. Schwarz, einer der schönsten Männer, dlie ich je gesehen habe, war groß, schlank, mit schwarzem Haupt- und Barlhaar und gebräunter Gesichtsfarbe, eine elegante, ja mehr als das, eine vornehme Erscheinung. Er war ein ausgezeichneter Redner von umfassender Bildung, ein Mann, der die modernen Kultursprachen beherrschte und dabei das Lesen der römischen und griechischen Klassiker fortbetrieb. Die plastische und doch bescheidene Art der Beschreibung seiner Reiseerlebnisse, seine anziehende Darstellungsweise machten ihn zum Mittelpunkte einer jeden Gesellschaft. Er war der Lehrer meiner Jugend, mein treuer Freund und lebte durch Jahre im Hause meiner Eltern. Auch verkehrte er viel in der Familie des Kaufmanns Joachim, der ein Bruder des großen Geigenkünstlers gewesen ist. Aber bald erfaßte die tückische Wiener Krankheit den kräftigen Mann und raffte ihn schnell dahin,- er starb zu Wien am 22. September 1862. Seine Reisegefährten und Kameraden von der „Novara- Erpedition" haben ihm, dem Forscher, dem Freunde auf dem Währinger jüdischen Friedhofe ein Grabdenkmal errichtet Es ist im maurischen Stil erbaut und besteht aus einem zylinderförmigen Sarkophag, hinter welchem sich die aufrechtstehende Jnschrifttafel erhebt. Alles dies ist reich mit Ornamenten, Grabäpfeln und Davidschildern geziert. Jsak Jeschurirn Ragusano. - Sukkoth 1622. Von Dr. S- Ochser-Kuttenplan. Die Festlegung der Tatsache, daß die Blutbeschuldigung gegen das Judentum nicht immer zur Osterzeit, sondern zur guten Abwechslung auch einmal am.Laubbüttenfeste erhoben ward, veranlaßt mich, folgende Zeilen niederzuschreiben. D>e Geschichte klingt umso merkwürdiger, als weder obengenannter Jsak irgend eine hervorragende Persönlichkeit, noch Ragusa in Kroatien eine nennenswerte Rolle in der jüdischen Geschichte gespielt hat. Erhalten für die Geschichte wurde dieser Vorfall durch Aron ben Dawid, Rabbiner von Ragusa (geboren 1580, gestorben 1648 daselbst, vergl. Maase Nissim, Venedig 1798). Es war am Rüsttage des Laubhüttenfestes 5392, als vor dem Wirtshause, das außerhalb der Städtmauer von Ragusa stand, ein Wagen vorgefahren kam, dem ein vermummter Ritter entstieg und, ein Mädchen mit sich führend, in der Türe verschwand. Beim ersten Morgengrauen des nächsten Tages schleppte die Wirtin eine leblose Masse auf den Weg zum Stadttore, welche sie auch dort liegen ließ. Es war dies das vergewaltigte und ermordete Mädchen. Schon nach einer Stunde ward die Wirtin als einzige Urheberin des Mordrs verhaftet und kein Mensch zweifelte, mehr an ihrer Schuld. Umso größer war der Schrecken der entsetzten, armseligen Juden des Ghetto, als die Häscher noch vor Beginn der Morgenandacht in das Haus des armen Kleiderhändlers Jsak Jeschurun eindrangen und ihn als den eigentlichen Mörder verhafteten und gefesselt vor den Richter brachten. Auf die Frage des Richters, wo er denn den letzten Tag und die letzte Nacht verbracht, konnte Jsak ein einwandfreies Alibi erbringen, weshalb er aber nicht etwa wieder in'Freiheit gesetzt, sondern in eine dunkle, feuchte Zelle eingesperrt wurde. In einem zweiten Verhör widerrief die Wirtin ihre erste Aussage, Jsak hätte ihr das ermordete Mädchen gebracht, sondern sie gab an. sie hätte im Aufträge des Erlteren und mit ihm zusammen das Mädchen abgeschlachtet, Jsak aber habe das Blut gesammelt, um es als Opferspende für den ersten Sukkothtag bereit zu haben. Als Erhärtung ihrer Angabe erzählte sie. Jsak hätte ihr am letzten Tage einen Rock abgekauft, der noch in seiner Wohnung sein müßte, übrigens verlange sie eine Konfrontation mit dem Beschuldigten. Im ersten Schrecken leugnete Jsak, das Weib überhaupt zu kennen, was ihn aber vollends ins Uag ück stürzte. Einstimmig beschloß hierauf der Gerichtshof, an dem Unglücklichen eine dreifache Tortur vorzunehmen. 1. Das Hinaufziehen an einem Seile bei rückwärts verbundenen Handgelenken mit frei hinunterhängenden Füßen.

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