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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-09-24 · 39 (24.9.1909) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
39 (24.9.1909)
Date
1909-09-24
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 674 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 39 wurden, mochten in ihm das Gefühl der eigenen Grütze und Bedeutung gesteigert haben. Eine lustige Geschichte von der Kleinigkeit, die der sonst gar nicht engherzige Mann in manchen Dingen zeigte, erzählt man aus seinem Kontor. Er hatte die kleinen Ausgaben (Handlungsunkosten) geprüft und dabei einen regelmätzig wiederkehrenden grotzen Posten für Milch gefunden. Als er sich erkundigte, woher dieser Posten rühre, wurde ihm mitgeteilt, es seien viele Mäuse im Kontor und daher seien vier Katzen angeschafft worden. Darauf strich er den Posten für Milch mit dem salomonischen Urteil: Wenn die Katzen Mäuse fressen, brauchen sie keine Milch, wenn sie keine Mäuse fressen, brauche ich keine Katzen." Die Rothschilds haben seil ihrem Aufblühen in der Literatur in den zahlreichen bedeutenden Memoiren- Werken eine grotze Rolle gespielt. Man erinnert sich der scherzhaften Bemerkung in Boernes „Häringssalat": „Ich aber, als im Jahre 1818 die jüdische Familie Rothschild so übermächtig wurde, beschlotz, zum Christentum überzugehen, denn es war immer meine Neigung, es mit der schwächeren und unterdrückten Partei zu halten" und der verzückten Schilderung des Hühneraugen-Operateurs Hirsch Hyacinth in Heines „Bäder von Lucca", wie er den Futz des „grotzen Nathan" in der Hand hielt und dabei dachte: „Du hast jetzt in Händen den Futz des Mannes, der selbst jetzt die ganze Welt in Händen hat, du bist jetzt ebenfalls ein wichtiger Mensch. Schneidest du ihn unten zu scharf, so wird er verdrietzlich und schneidet oben die grötzten Könige noch ärger. — Es war der glücklichste Moment meines Lebens." Ehrenberg hat die Geschichte des Hauses Rothschild Wissenschaftlich behandelt: Rothschild-Anekdoten sind in zwei Bänden gesammelt. Die Häuser Rothschild bildeten eine Gemeinschaft und die Inhaber der einzelnen Firmen waren in den anderen beteiligt. Datz die jetzige Generation nicht so viel Traditionsgefühl hatte, das ehrwürdige Stammhaus in Frankfurt a. M. zu erhalten, hat vielfach Bedauern hervorgerufen. Man hat dafür geltend gemacht, datz die modernen jungen Rothschilds sich nicht dem letzten Willen chres frommen Oheims fügen wollten, nach dem das Haus Samstags und an jüdischen Feiertagen geschlossen bleiben sollte. Darüber wäre man aber vielleicht auch hinausgekommen, und es wäre nur erforderlich gewesen, datz einer der jungen Herren seinen Wohnsitz für ein paar Monate in Frankfurt a. M. genommen hätte. Datz das alte Stammhaus, obgleich sein letzter Inhaber keine Geschäfte suchte, doch noch die Grundlagen für sehr bedeutende Transaktionen enthielt, kann man jeden Tag von der Diskontogesellschaft bestätigt bekommen, die die Nachfolge übernommen hat. Kunst und Kteratur. E. M. LMen-Ausstellung. Der Zeichner E. M. Lilien stellt jetzt bei Heller auf dem Bauernmarkt Nr. 3 seine Blätter aus. Er hat bekanntlich die eigenartig schönen Bilder für das imposante Westermannsche Bibelwerk in einer sehr neuen energischen Art entworfen. Nun sind die Originale zu sehen und sie werden gewitz unsere Wiener Kunstfreunde in hohem Matze fesseln und zum Studium, hoffentlich auch zur Erwerbung anregen. Ein autzerordentlicher Schwarz-weitz-Meister ist dieser Lilien. Es ist ihm gegeben, mit ein paar klugen Strichen den Eindruck der lleberlebensgrötze, des Monumentalen auch im kleinen Format hervorzurufen. In Lilien ist eine tiefe Sehnsucht wirksam, ein sehnsüchtiges Heimweh nach den heiligen Stätten am Jordan. Dort scheint er sich am freiesten zu fühlen. Die Blätter, die er aus Palästina heimgebracht hat, zeigen das klar. Besonders schön ist die Klagemauer. Da hat es nun seltsam befremdlichen Reiz, das vorzeitlich Urälteste mit den neuesten Kunstmitteln dargestellt zu finden, mit einer Schwarz^weitz- Technik, die ihre Kontraste feinfühlig gegeNeinandersetzt. Die Raumeinteilung ist bei Lilien immer sehr witzig. Durch aparte Verschiebungen und Anordnungen erzielt er die merkwürdigsten Effekte von Weite und Ferne, ia von Unendlichkeit. . . In dem, was er weise verschweigt, zeigt sich auch der Meister — dieses Stils! Was er auslätzt, nicht bringt, bloß spurenhaft andeutet, ist oft sein bestes! Es zieht die Phantasie des Betrachters zu energischer Mitarbeiterschaft heran, sie mutz ausbauen Helsen, mutz seine Anspielungen fertig sehen. Als Ornamentist bewährte Lilien eine seltene Erfindungskraft. Aus orientalischen Buchstabenformen holt er sich oft die fruchtbarsten Motive heraus, die er dann zu seinen Umrahmungen, Zierleisten, Vignetten, Initialen nützt. Auch da kein bloßer Spieltrieb mit leeren Formen und Formeln, sondern überall markige Kraft, die etwas ausdrückt — vor allem sich selbst! Auch als gewandten Radierer lernen wir den Künstler jetzt kennen, der, mit allen Finessen der Technik vertraut, seiner Platte auch die feinsten Halbdunkeleffekte abschmeichelt, die zartesten Verschleierungen der heimlichsten Halbschatten. Israeliten und andere Antisemiten. Ein zweites Buch von Beda. Beda hat eine zweite Sammlung seiner nun schon berühmten jüdisch-satyrischen Gedichte erscheinen lassen. Sein erstes Buch dieser Gattung „Getaufte und Baldgetaufte" hat ein hoher, geistlicher Funktionär in Wien, dem vom Taufen reicher Juden angeblich bereits die Arme schmerzen, einigen Bankdirektoren vorgelesen. Der Würdenträger lachte dabei laut und herzlich, die Direktoren aber wie Leute, die lächeln müssen, während ihnen das Kitzeln sehr weh tut. Das sagt alles. Diesmal hat sich Beda andere Typen zum Kitzeln herausgesucht, Typen, deren generellen Charakter Karl Josef auf der Umschlagszeichnung sehr gut getroffen hat. Man sieht da einen der bekannten, gutgekleideten, jüdischen Politiker, der gerade bei einem christlichen Spießer deutschliberale Ueberredungsarbeit leistet. Beide, der deutsche Jude und der antisemitische Christ, werden in dem Buche nach allen ihren vielen humoristischen Seiten gedreht und schonungslos dem Gelächter des Publikums überlassen. Unter einem Funkenregen von Geist, der selbst den spleenigsten Engländer ausheitern müßte. Um wahllos aus der Menge der armen Opfer Bedas eines aus dem Buche herauszugreifen: Da ist ein junger Jude, der das große Kunststück vollbracht hat, es allen Leuten recht zu machen. Er hat bei Demonstrationen gegen die Tschechen als Deutschnationaler mitgetan und einen anständigen Hieb über den Kopf bekommen. Jetzt freuen sich einstimmig alle politischen Parteien über ihn, die Deutschen, die Tschechen und die Juden ... So zerzaust Beda Dutzende von Typen, die Vertreter tausender von Leuten sind. Man müßte eigentlich Proben seiner Gedichte geben, damit man seine Sprache kennen lernt, die so wie sein Witz stürmisch dahinsprudelt und wie ein Wildbach dabei auch prächtig ist in der Form. Wir wollen jedoch dem Leser nichts von dem reichen Genuß vorwegnehmen, den er von „Israeliten und andere Antisemiten" zu erwarten hat und aus jeder Buchhandlung holen kann. Der kleine Preis von einer Krone entspricht Bedas, dieses ganz neuartigen jüdischen Dichters, rasch wachsender Popularität. Zwei Reden, gehalten von Rechtsanwalt Dr. David Farbstein, Zürich, Verlag der Freien Vereinigung von Mitgliedern der Israel. Kultusgemeinde Zürich. Die erste der Reden ist durch die Art, wie in Zürich die Bnei- Brith Loge gegründet wurde, veranlaßt worden. Sie wendet sich be-

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