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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-09-24 · 39 (24.9.1909) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
39 (24.9.1909)
Date
1909-09-24
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Str. 39 ©etlc 678 Dr. Blochs Wochenschrfft. rück: „Dem X brauchen Sie nichts mehr zu geben, Herr Baron, den fand ich bei einem protzen Datscher (Brot mit Mohnsamen) und einem Fisch." „So", sagte gut gelaunt Herr Anselm, „dann hat ja der Mann große Ausgaben und braucht mehr. Also bring ihm gleich noch einen Brabanter. Wenn Anselm mit seinem Jäger früh ausfuhr, warf er den Armen, die seinem Wagen folgten, ohne Unterschied des Glaubens Gelder zu, und kam der Wagen am Kontor an, so war er von einer Schar dankbarer Bettler umgeben. Zahlreich und verschiedenartig sind die Stiftungen, die er und die anderen Rothschilds in Frankfurt und anderwärts gemacht haben: viele darunter für die Glaubensgenossen, Krankenkassen, Hospitalwesen, viele auch für die Allgemeinheit, so für Verteilung von Holz und Koblen uiw. Sein Neffe Willy war sprichwörtlich in seiner großartigen Wühltätigkeit. Bei seinen großen Gaben für Vereine und .öffentliche Zwecke erschien er gewöhnlich unter dem Zeichen N. N. Nach seinem Tode wurde sein fürstliches Wohnhaus auf der Zeil, seinem Willen gemäß, zu einem Damenaltersheim eingerichtet. So stiftete seine Hand, wie Hie des Ribbeck, noch aus dem Grabe Segen. Willys Älterer Bruder Mayer Karl pflegte, wenn man sich' wegen eines Beitrages für einen milden Zweck an ihn -wandte, die Leute an seinen Bruder zu verweisen: „Der sei reicher als er." Mayer Karl war ein großzügiger Mann, ein wahrer Renaissancemensch. Von feinster umfassender Bildung wurde er in seinen vorgerückten Jahren durch seine Schwerhörigkeit und die Niederlage bei seiner Kandidatur für den ersten deutschen Reichstag verbittert. Er hatte Frankfurt im Norddeutschen Bund vertreten und wurde später lebenslängliches Mitglied des preußischen Herrenhauses. Bei dem Wahlkampf wurde manches harte Wort gegen ihn geschrieben, was er nie verwinden und dem siegreichen Gegner Sonnemann nie vergessen hat. Er verstand gut und dauernd zu hassen. In geschäftlichen Dingen war er ein Mann der Initiative und der großen Ideen, und so lange er an der Spitze des Hauses stand, lag der Schwerpunkt der großen Finanzgeschäfte noch in Frankfurt, während sein Bruder sich später von der Diskontogesellschaft ins Schlepptau nehmen ließ und jedem Wagnis ängstlich aus dem Wege ging. Dennoch hatte er das Mißgeschick, daß unter seiner Leitung die Firma ihren Namen für die Emission eines schlechten Wertpapiers hergab, der Georgia Company Bonds. Mayer Karl pflegte an die Geschäftsbriefe seines Bankhauses mit seiner großen charakteristischen Handschrift Bemerkungen von launigem Inhalt und origineller Form anzufügen. So schrieb er einmal an die größte Bank in München: „Warum arbeiten Sie nicht mehr mit uns? Ein Institut, wie die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank, sollte immer vierspännig ausfahren." In dieser Art von Nachschriften ist ihm, wie die Korrespondenten des Bankhauses S. Vleichröder wissen, der Chef dieser Firma, der Geheime Kommerzienrat Julius Schawach gefolgt. Vor der Presse hatte Mayer Carl großen Pespekt und er wußte ihren Einfluß zu würdigen. Friedrich Hornfeck, der bekannte Dichter des Schenkenbuches, war in seiner Eigenschaft als Korrespondent der Allgemeinen Zeitung (die damals noch in Augsburg erschien) allwöchentlich bei ihm, um sich von ichm Rat und seine Wochenrundschau zu holen, was sich dann später dahin umgestaltete, daß Rothschild ihm diese Berichte diktierte. Später hat er dem „Frankfurter Beobachter" zeitweise Artikel über die Lage des Geldmarktes geschrieben, wobei er, von seinem Standpunkt als Großkapitalist, ausgehend, häufig Wendungen brachte wie: „Die ungünstigen Verhältnisse des Geldmarktes haben sich weiter verschärft und man kann jetzt Wechsel kaum mehr höher als l7/s kaufen." Für die überwiegende Mehrzahl der Menschheit, die Geld nötig hat, ist eine Lage des Diskontomarktes, bei der die großen Geldgeber nicht mehr als l7/8 erzielen können, natürlich günstig. Der eigenartige Stil und die Anschauungsweise, die in jenen Artikeln hervortrat, machte die Urteilsfähigen darauf aufmerksam, daß Rothschild für den „Beobachter" schrieb. Da war es denn für einige Freunde ähres Berichterstatters eine Art Sport, solche Finanzartikel in seinem Stile anzufertigen, die dann von der großen Mehrheit der klugen und findigen Bankiers gläubig und andächtig gelesen wurden. Dem Dr. Otto Braun, Redakteur der „Allgemeinen Zeitung", sagte er einmal: „Warum beteiligen Sie sich nicht zuweilen an unseren Geschäften?" Und als dieser antwortete, dazu habe er kein Geld, sagte ihm Rothschild: „Sie dürfen ruhig das ^tun, was wir tun. Wenn ich zum Fenster hinausspringe, so dürfen Sie mir nachspringen und Sie können sicher darauf rechnen, daß unten ein Heuwagen vorbeifährt." Und doch hatte er einmal geringschätzig über die kleineren Börsenleute gesagt: „Nachhandeln können sie mir schon, ob aber auch nachzählen?" Seine stolze Bemerkung über die Probehaltigkeit der Werte, die sein Haus brachte, ist durch die Tatsachen gerechtfertigt: mit Ausnahme des oben erwähnten Beispieles der Georgia Company Bonds und etwa noch der österreichischen Südbahnaktien, ist das Publikum gut gefahren, das sich seiner Führung anvertraute. Mayer Carl war von maßlosem Familienstolz erfüllt. „Wer kein Rothschild ist, ist nicht mit uns verwandt", pflegte er zu sagen. Und doch hat er die alte Familientradition durchbrochen, wonach die Rothschilds nur unter sich zu heiraten pflegten, ein System der Inzucht, das von der Wissenschaft schon seit Jahren verworfen wird. Er selbst heiratete eine Tochter des Bankiers Herz, deren Mutter, Klara Saaling, eine Schwester der Mutter Paul Heyses war. Von seinen Töchtern hat er zwei mit Mitgliedern der hohen französischen Aristokratie verheiratet. Der vielbeneidete Mann wurde nur 66 Jahre alt und hatte keinen schönen Lebensabend. Verbittert und verdrossen, war er von grimmiger Menschenverachtung erfüllt. Mit seinem Bruder und Teilhaber Willy sprach er viele Jahre hindurch kein Wort. Man erzählt darüber folgendes Geschichtchen: Mayer Carl gab eine Gesellschaft, zu der auch sein Bruder und dessen Frau eingeladen waren. Diese wurden an dem Abend lange erwartet, kamen aber nicht und hatten auch nichts sagen lassen. Am andern Morgen interpellierte Mayer Carl den Bruder über den Grund seines Fernbleibens. „Ich werde doch am Todestag meiner Mutter nicht auf eine Gesellschaft gehen." Seine Mutter war aber auch die Mutter des Bruders und wenn dieser auch s eine religiösen Anschauungen nicht teilte, somit nicht durch die religiösen Vorschriften an den Todestag erinnert wurde, so war er doch tief erschrocken, daß er unwissentlich einen Akt schwerer Pietätlosigkeit begangen hatte. Vorwurfsvoll sagte er dem Bruder: „Warum hast du mich nicht darauf aufmerksam gemacht?" Und auf dessen Antwort: „Du hast mich ja nicht gefragt", drehte er ihm den Rücken uns hat bis an sein Lebensende nie mehr mit ihm gesprochen. Doch wird von Leuten, die Willy näher kannten, diese Darstellung ins Fabelreich verwiesen, da eine solche Handlungsweise mit seiner Herzensgüte und Frömmigkeit nicht in Einklang zu bringen sei. Willy, der Geld mit vollen Händen gab, wurde zu Tränen gerührt, wenn ihm die Schilderung eines großen Elends gemacht wurde. Da aber der Zwist zwischen den Brüdern doch einen Grund haben mußte, so klingt die Sache doch nicht ganz unwahrscheinlich. Er war ein weltfremder Mensch, auch durch seine Orthodoxie von der modernen Lebens- und Anschauungsweise abgehalten. Die vielen demütigen Huldigungen, die ihm dargebracht

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