Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 39 (24.9.1909)
- Date
- 1909-09-24
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 672 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 39 „Kaiser Franz Joseph-Jubiläums-Seehospiz". In der Vorwoche ist hier die zweite Serie der Kinder angekommen, welche der „Kaiser Franz Joseph-Jubiläums Seehospizverein" nach Grado entsendet hatte. Die Kinder wurden im Westbahnhof von ihren Eltern und von den Mitgliedern des Vorstandes empfangen. Ihr gutes Aussehen verriet, daß die Kur erfolgreich war. Bei allen wurden ansehnliche Gewichtszunahmen und eine wesentliche Besserung ihrer Leiden konstatiert. In Grado hatten sich die Kurkommission, der Bürgermeister sowie auch die Kurgäste der Kinder mit größten Wohlwollen angenommen. Badearzt Dr. Marinaz hat ihnen die sorgfältigste Pflege angedeihen lassen. Der Sechospizverein ist bkkanntlich eine der ersten Gründungen, die aus Anlaß des eojährigen Regierungsjubiläums des Kaisers und in Erfüllung des kaiserlichen Wunsches, daß sich die Wohltätigkeit vornehmlich auf die armen Kinder erstrecken soll, ins Leben gerufen wurden. Dr. Albert Wagner. Eine erlesene Gemeinde von Freunden und Verehrern geleitete am letzten Sonntag auf dem Wiener Z?> tralfriedhof (isr. Abteilung) den Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Mbert Wagner zur letzten Ruhestätte. Der Heimgegangene entstammte einer alten jüdischen Gelehrten- und Rabbinerfamilie, hat in der Jugend ein umfangreiches hebräisches Wissen und talmudische Kenntnisie sich angeeignet, und die Liebe zur jüdischen Wissenschaft beseelte ihn sein ganzes Leben hindurch. Jüdische Gelehrte zu fördern und zu unterstützen, war ihm stets ein Herzensbedürfnis. In den letzten Jahren ist er leider von einer schweren Krankheit und einem bösen Siechtum heimgesucht worden. Seine Gattin, eine Tochter aus der bekannten angesehenen Familie Bodek, pflegte ihn mit seltener Hinaebung und Unverdrosienhcit. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Doktor Taglicht widmete dem Verstorbenen einen würdigen Nachruf. Auch die „Oesterreichische Wochenschrift" verliert in Dr. Albert Wagner einen Freund, Gesinnungsgenosien und Mitarbeiter. Wir werden ihm ein treues Gedenken bewahren. Kaiser Franz Josefs Ferienheim. Knapp vor Schulbeginn sind in der Vorwoche die Schützlinge des „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" aus den Kolonien Petrau und Tischnowitz am Nordbahnhof eingetroffen. Deren blühendes Aussehen und die ansehnliche Gewichtszunahme gaben Zeugnis von der nmfaffenden Fürsorge, welcher dieser Verein den Kindern angedeihen läßt. Fast 600 Schützlinge waren in diesem Jahre in den Rekonvalcszentcn- und Erholungskolonien des Ferienheim untergebracht, woselbst nicht nur in hygienischer, sondern auch pädagogischer Beziehung mustergiltige Einrichtungen bestehen. In besonders feierlicher Weise ist das Geburtsfest Sr. Majestät in den Kolonien begangen worden und es wurden Huldigungstclegramme an das Allerhöchste Hoflager abgeschickt, welche huldvollst beantwortet worden sind. Während des nun 17jährigen Bestandes hat der Verein insgesamt bei 8000 Kinder mit einem Kostenaufwande von K 600.000 in seine Institutionen entsendet. Sitz des Vereines IX., Türkenstraße 17. Wien. «Bibelschule des XVIII. Bezirkes, Schopenhauer st r. 39.) Die Einschreibung daselbst findet statt: Sonntag, 26. September von 9—11 Uhr vorm., Mittwoch, 29. September von 2-4 Uhr nachmittag. Baden. Fräulein Marianne L e i t n e r, Tochter des Herrn Kultuspräsidenten Moriz Lettner in Baden, verlobte sich mit Herrn Robert Pollatschek in Wien. Austritte ans dem Judentum. Vom 12. bis 18. September 1909. Bamberger Eleonore, Private, geb. 6. Februar 1881, Pressburg, V., Sonnenhofgasse 6. Borger Isidor, geb. 10. September 1882, Wien, XVI., Ottakringerstrasse 53. Frank Stefanie, Korrespondentin, geb. 25. Juli 1888, Wien, VI., Linienaasse 5. Pekarek Helene, geb. 25. März 1873, Wien, XIX., Hofzeile '29. Pinkus IIka, Gesellschafterin, geb. 23. September 18b8, Wien, XX, Klosterneuburgerstrasse 8. Pinkus Valerie, Schauspielerin, geb. 13. Juli 1884, Wien, XX., Klosterneuburgerstrasse 8. Stöhr Jolanthe, geb. 13. September 1872, Budapest, XIX., Hofzeile 29. Grop Meserit sch. Am 6. d. M. war uns das seltene Glück beschieden, Se. Majestät, unfern oelieblen Kaiser Franz Joseph I., in der hiesigen Stadt begrüßen zu können. Zum Empfange Sr. Majestät, der zu den Kaisermanövern bieherkam, hatten sick auf dem Bahnhofe außer den zahlreichen Vertretern der hohen Behörden, der Geistlichkeit, der Gemeinden, Vereine 2c. auch unser langjähriger, verdienstvoller Kultusvorsteher Herr I. G. Müller und der ehrwürdioe Rabbiner Herr Dr. Johann Stößler eingefunden. Se. Majestät zeichnete diese beiden Vertreter der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde durch Ansprachen aus, indem Höchstderselbe um die Verhältnisse unserer Gemeinde, um deren Größe und Seelenzahl, sowie um die Zeitdauer der Amtswirksamkeit des Herrn Rabbiners huldvollst sich erkundigte. — Am 9. September d. I., als am Vorabende des Sterbetages weiland Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth hochseligen Andenkens, fand im hiesigen, festlich beleuchteten und mit Traueremblemen stimmungsvoll verzierten Tempel ein Trauergottesdienst unter bewährter Leitung unseres Oberkantors Steiner statt. Die Feier nahm einen überaus würdigen Verlauf. Bedauerlich ist nur, daß trotz zahlreich ergangener Einladungen wenige Vertreter der hohen Behörden dem Gottesdienste anwohnten. Dennoch war der Tempel sowohl von der hiesigen Bevölkerung, als auch von fremden Gästen rn allen feinen Räumen dicht gefüllt. Krirevac. Am 13. d. M. empfing Se. Exzellenz Vizebanus v. Curaj viele Deputationen in der Bischofsresidenz, unter denen sich auch die jüdische Deputation mit dem Rabbiner Dr. Engel an der Spitze befand. Als der Bischof den Herrn Rabbiner erblickte, nahm er ihn gleich unterm Arm, führte ihn allein in den Saal, wo der Vizebanus war und stellte ihn mit folgenden Worten vor: „Mein Freund, «Seine Ehrwürden Herr Dr. Engel!" Der Herr Rabbiner hat an den Vizebanus abermals eine Ansprache in der Landessprache gerichtet und dann die einzelnen. Mitglieder der Deputation vorgestellt. Se. Exzellenz betonte hierauf in seiner Erwiderung, daß ihm und der Regierung die Liebe der Israeliten zum Vaterland allzugut bekannt ist und daher können die Juden stets auf das Entgegenkommen der Negierung rechnen. Dem Herrn Rabbiner erwiderte er mit den Worten: „Ich danke Ihnen für die Ansprache und es freut mich sehr, daß Sie als Ausländer unsere Landessprache so gut beherrschen!" X. Bodenbach. Unser Kultusvorsteher Herr Adolf Pächter, Knopffabrikant in Bodenbach, der auch Mitglied der Gemeindevertretung hierorts ist, wurde gestern auch als Mitglied der Bezirksvertretung gewählt. Wir registrieren diese Tatsache darum, um zu konstatieren, daß selbst im antisemitischen Nordböhmen, sogar in unserem deutschradikalen Bezirk die Tüchtigkeit und hohe Intelligenz, der gerade Sinn und die aufrichtige Biederkeit beim Juden geschätzt wird und zur Geltung kommt. London. Vor ungefähr 14 Tagen starb in London die Witwe des ihr im Tode vorangegangenen Gatten, des Rabbiners Dr. Josef G u g e n h e i m e r, Frau Sara Gugenheimer, geb. Hirsch aus Frankfurt am Main. Die glänzenden Eigenschaften dieser Frau verdienen der Erwähnung an dieser Stelle. Frau Dr. Gugenheimer war die bedeutende Tochter ihres bedeutenden Vaters, jenes weit bekannten Raphael Samson Hirsch aus Frankfurt am Main. Unter dem Pseudonym Friedrich Rott war sie eine bekannte, speziell in Deutschland vielgelesene Schriftstellerin. Ihre schriftstellerische Tätigkeit widmete sie meist jüdischen Zeitschriften und schöpfte auch ihre Motive meist aus dem jüdischen Leben. Sie war die ideal jüdische Frau, wie wir ihr heute nur noch sehr selten begegnen, ihrem Gatten, die treueste, ergebenste Gattin, ihren Kindern ein leuchtendes Beispiel an Frömmigkeit, Geist und Bescheidenheit. Von Schicksalsschlägen nicht verschont, der Tod hat ihr in den letzten Jahren einige ihrer Lieben entrissen, hat sie diese schweren Schicksalsschläge mit einer bewundernswerten Energie und Würde ertragen, stets treu ihrer bibelfesten Ueberzeugung — es war so bestimmt — dagegen läßt sich nicht murren! Wer ihr im Leben näher gestanden, wird den Eindruck, den diese geistvolle bescheidene Frau gemacht, nicht vergessen! Der Tod kam ihr, trotz ihrer 76 Jahre, überrascht; bei einem Besuche, den sie ihren Kindern in London gemacht, ereilte er sie und wurde sie dort unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Ihr Sohn Dr. Raphael Gugenheimer, Rabbiner in Kolin, hielt ihr die Grabrede. Ehre ihrem Andenken! E. D. Die Rothschilds.*) (Schluß.) In Werken der Wohltätigkeit und hilfsbereiten Menschenliebe haben die Rothschilds zu allen Zeiten Großartiges geleistet, besonders diejenigen, die als Anhänger des orthodox-jüdischen Glaubens den zehnten Teil ihres Einkommens, Len Vorschriften ihrer Religion entsprechend, den Armen gaben. Anselm Mayer und -er jüngst verstorbene Willy haben diese Vorschrift streng erfüllt und darüber hinaus viel Gutes getan. * Anselm Mayer hat allwöchentlich jedem jüdischen Armen in Frankfurt eine Gabe reichen lassen. Damit die Gaben mit seinem Tode nicht enven sollten, machte er eine Stiftung von etwa 2V2 Millionen Mark, deren Ertrag dem gleichen Zwecke dient. Einmal kam sein Diener mit den Worten von seinem .Freitagsgange zu- - *) Die „Arena", Heft 1, Jahrg. II. Verl. Berlin 8. W. 68.