Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 39 (24.9.1909)
- Date
- 1909-09-24
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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irr. 39 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 671 Der offizielle Bericht über Mesopotamien an die türkische Regierung. Sir William Wilcocks, der, wie erinnerlich, von der türkischen Regierung den Auftrag erhielt, in Mesopotamien Studien über die Möglichkeit neuer Bewässerungsanlagen und ihre wahrscheinliche Rentabilität zu machen, hat, wie aus Konstantiopel berichtet wird, seinen Bericht an die Regierung fertiggestellt. Sir William legt in seinem Berichte dar, daß die vorzunehmenden Arbeiten dringend notwendig geworden find, nicht nur um dem Reiche neue unschätzbare Einnahmen zu sichern, sondern auch, um ein Land, das alle Bedingungen besitzt, ein Paradies auf Erden zu werden, vor der drohenden vollkommenen Verwüstung zu retten. Willcocks legt einen detaillierten Plan über die durchzuführenden allerwichtigsten Arbeiten vor, die sich zunächst hauptsächlich auf Dammregulierungen erstrecken und den Ausgangspunkt für die weitere Ausführung größerer Jrrigationsanlagen bilden sollen. Nach genauer Berechnung würden sich diese nach drei Richtungen vorzunehmenden Arbeiten auf rund 312.000 türkische Pfund belaufen. Diese Summe ist deshalb von Wichtigkeit, weil die ersten Berechnungen Willcocks aus dem Jahre 1908 mit einer Bedarfssumme von 600.000 türkische Pfund schlosten. Diese Reduktion schreibt Willcocks einer genauen eingehenden Untersuchung des Euphrat-Dammes zu, welche ergab, daß der Euphrat an der Stelle des gegenwärtigen Dammes sich noch in vorzüglichem Zustande befinde, so daß auch die Kosten der Herstellung eines neuen Dammes sich geringer stellen können. "Den Gewinn, der aus der Herstellung der von ihm vorgeschlagenen Wasserwerke zu erzielen wäre, schlägt Willcocks mit 50.000 türkische Pfund jährlich an. Die türkische Regierung hat, wie gemeldet wird, den Bericht Willcocks bereits in Be- Handlung gezogen. Die Juden von Turkestan. Aus einem Berichte des Generalgouverneurs von Turkestan an die russische Regierung ist zu entnehmen, daß in Turkestan 8700 Juden wohnen. Die meisten von ihnen find Kaufleute oder gehen einem freien Berufe nach. Die Auswanderungsbewegung via Galveston. Die vom Emigrationsdepartement der „Jto" ins Werk gesetzte Ablenkung der jüdischen Emigration von den östlichen Staaten Amerikas nach dem Süden und Westen des Landes via. Galveston, Texas, hat im Vorjahre infolge der amerikanischen wirtschaftlichen Krise, wenn auch keine völlige Unterbrechung, so doch eine empfindliche Störung erfahren müssen. Wie nun aus New-Iork berichtet wird, haben sich die Verhältnisse bereits derart gebessert, daß die Galveston-Jmmigration wieder in erhöhtem Maße ausgenommen werden kann. Bisher haben bloß einige Personen sich mit dieser Arbeit beschäftigt, die gewiffermaßen ein Interesse daran hatten, Juden als Ansiedler für die westlichen Gebiete zu gewinnen. Nun wurde im Einvernehmen mit der Londoner Zentrale der „Jto" ein offizielles Arbeitskomitee gewählt, dem die gesamte Galveston-Tätigkeit für Amerika zugewiesen wurde. Diesem Komitee gehören u. a. an die Herren Cyrus L. Sulzberger, Jakob H. Schiff, Rabbi Henry Cohen- Galveston, David M. Breßler vom Renoval-Office in New-Aork und Morris D. Waldmann, Leiter der „United Hebrew Charities von New-Iork, der ehedem auch an der direkten Leitung der Galveston-Arbeit beteiligt war. Zum geschäftsführenden Leiter des Komitees wurde der junge Journalist und Autor mehrerer Werke über das amerikanische Judentum Henry Bermann aus Philadelphia gewählt, dessen Aufgabe es sein wird, die Interessen der Einwanderer in Texas selbst zu vertreten. Auch die junge Frau Bermann's, geborene Rita Schermann, war als Mädchen im Removal-Office tätig. Bermann wird seinen ständigen Sitz in Galveston haben. Vermischtes. Wien. (Vermählung.) Fräulein Lilli Hauser, Tochter des Herrn Leopold Hauser, hat sich mit Herrn Dr. Dory Schwarzmann, einem Sohne der Frau D. Schwarzmann, vermählt. Wien. Am 1. Oktober d. I. werden es zehn Jahre, seit Frau I d a D i a m a n t an die Spitze des Ehrendamenkomitees der israelitischen Versorgungsanstalt in der Seegaffe getreten ist, während welcher Zeit Frau Präsidentin Diamant unermüdlich zum Besten dieser Anstalt gewirkt hat. Es ist daher auch zum großen Teile das Verdienst der genannten Dame, wenn die Wiener israelitische Versorgungs an st alt heute zu den hervorragendsten Instituten auf dem Gebiete der Humanität zählt. In ihrem selbstlosen Wirken wird Frau Präsidentin Diamant durch Herrn Verwalter S. B r ö s l e r, sowie durch die Wäscheverwahrerin und Wirtschafterin Fräulein Louise Pollak, welche beide gleichfalls am 1. Oktober d. I. auf eine zehnjährige Dienstleistung in der Versorgungsanstalt zurückblicken, in aufopferungsvollster Weise unterstützt. Jüdischer Schulverein für den IX. Bezirk. IX/x, Grüne Torgaffe 19. (IX. Vereinsjahr). Die Einschreibungen finden Sonntag von 10—12 Uhr vormittags, Montag, Mittwoch und Donnerstag von 5—7 Uhr abends (für Unbemittelte nur bis 30. September) statt. Der Unterricht beginnt am 26. September. Verein der Sabbathfreunde, II., Kleine Schiffgaffe 10. Die Sommerferien lähmen in Wien alle Vereinstätigkeit. Der Verein der Sabbathfreunde hat sich während des ersten Halbjahres seiner Existenz darauf beschränkt, die Stellenvermittlung zu pflegen und Vorarbeiten für den Herbst zu machen. Von 132 Stellensuchenden wurden 40 plaziert zur vollen Zufriedenheit derselben und der Arbeitgeber. Wir bitten dringend alle Herren Chefs, die Samstag ihre Betriebe geschloffen halten oder aus religiösem Gefühle einzelnen Angestellten den Samstag freigebeu wollen, uns ihre freien Stellen aufzugeben. Nachdem der Vortrag des Herrn M. A. Löb, Obmann des Reichsdeutschen Verbandes, einen durchschlagenden Erfolg hatte und die daran geknüpfte Diskussion aufklärend und anregend wirkte, bereitet der Verein einen Cyklus ähnlicher Veranstaltungen vor, der nach den Feiertagen beginnt. Es ist lebhaft zu bedauern, daß aus den konservativen, ja selbst aus den strengreligiösen Kreisen noch Viele, auch der Besten, dem Vereine fernestehen. Möge sich doch die Ansicht endlich durchringen, daß es nicht genügt, selbst konservativ oder religiös zu sein, sondern daß die Erhaltung und Förderung religiösen Lebens der wichtigste Faktor zum Bestände des Judentums ist. An die jüdischen Väter und Mütter! „Eine herrliche Gabe habe ich in meiner Schatzkammer, Sabbath heißt sie. Sie gebe ich Dir, Volk Israel!" Der Sabbath! Dieses Herr, liche Kleinod, zur körperlichen Erholung und geistigen Erhebung bestimmt, diesen Prüfstein für die moralische Kraft der Juden im Kampfe gegen religiösen Niedergang, 'unseren Kindern unversehrt zu erhalten, ist die erste Pflicht. Mögen uns auch zahlreiche Beispiele lehren, daß unsere Jugend leider oft nicht stark genug ist, im harten Ringen ums Dasein an dem Sabbath festzuhalten, an uns darf es nicht fehlen, ihr nach Möglichkeit Hindernisse aus dem Wege zu räumen und dieses Erziehungswerk kann nicht zu früh begonnen werden. Der Schulbeginn ist uns Anlaß, die jüdischen Eltern aufmerksam zu machen, daß die viel verbreitete Ansicht, daß unsere Kinder in den öffentlichen Schulen zur Sabbathentweihung gezwungen werden können, eine irrige i st. Ueber Einschreiten der kompetenten Faktoren hat das hohe Kultusministerium verfügt, daß auf Verlangen jüdischer Eltern deren Kinder an Sabbathen von jeder manuellen Arbeit zu befreien find. Erfahrung und Statistik erweisen, daß Schüler, die von dieser Befteiung Gebrauch machen wollen, in allen Lehranstalten zu den besten Schülern zählen können. Verein der Sabbathfreunde: M. Nasch, Schriftführer. M. Felsenbrrrg Obmann,