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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-09-24 · 39 (24.9.1909) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
39 (24.9.1909)
Date
1909-09-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite €66 Dr. Bkochs Wochenschrift. Nr. 39 über allen Völkern erglänze und das Reich Gottes hieniÄen verwirklicht werde. Auch der König hatte gebundene Marschroute, wie aus den im Deuteronomium (17, 14 bis 20) an die Adresse des Staatsoberhauptes gerichteten Vorschriften erhellt. Hoch bedeutsam ist der letzte Satz, in welchem dem König an die Seele gebunden wird, alle Glieder seines Volkes nicht als Untertanen, sondern als Brüder zu betrachten, sich nur als xrimus inter pares anzusehen. Wie Israel im Gegensätze zu allen Völkern des Altertums von dem Kastengeiste nicht angekränkelt war, so kannte es auch keinen klaffenden Gegensatz zwischen Freien und Sklaven. Die Bibel hat im Grunde keinen Ausdruck für Sklaven, fie hat nur die Bezeichnung ewed, das heißt Diener, Arbeiter. Weit entfernt davon, eine schimpfliche Bedeutung zu haben, war diese Bezeichnung sogar der Ehrentitel eines Moses, David, auch Abrahams, sowie der Boten und Gesandten Gottes überhaupt. Dazu kommt, daß der Sklave auch den Ehrennamen „Sohn des Hauses" führt. Ebenso bedeutet die Benennung für , Magd", sehifschah, Aufgenommene, zur Familie Gehörige und ammah, Hausgenossin. Moses haßte die Sklaverei über alle Maßen, schier ingrimmig. Freilich konnte er diese Unmenschlichkeit nicht ganz vernichten, sie wurzelte noch zu sehr im Leben jener Urzeit, und er mußte sich darauf beschränken, das Schicksal der Sklaven gesetzlich zu mildern, den Loskauf zu erleichtern und die Dienst» zeit zu beschränken. Wollte aber ein Sklave, den das Gesetz endlich. befreite, durchaus nicht das Haus des Herrn verlassen, so befahl Moses, daß der unverbesserliche, servile Lump mit dem Ohr an den Türpfosten des herrschaftlichen Hauses angeuagelt werde, und nach dieser schimpflichen Prozedur war er verdammt, auf Lebenszeiten zu dienen. Auch dem heidnischen Sklaven gegenüber war jede Willkür und Gewalt strengstens verboten. Wie nach den für die Fremdengesetzgebung sehr charakteristischen Aussprüchen der Bibel nicht anders zu erwarten ist, wurde dem heidnischen Sklaven das Recht einer Persönlichkeit zuerkannt, so daß dessen Ermordung gleich der eines Freien mit dem Tode bestraft wurde. Ebenso unterlagen Verwundungen und Beschimpfungen desselben von Seite eines Dritten der Strafe. Ward er von seinem Herrn derart mißhandelt, daß er einen augenfälligen Schaden davontrug, so erhielt er die Freiheit. Auch der entflohene Sklave sollte nicht mehr ausgeliefert werden. Am Sabbath mußte ihm Ruhe gegönnt werden. Der Talmud berichtet von vielen Schriftgelehrten, daß sie ihren Sklaven von den Speisen, die fie für sich zubereiten ließen, verabreichten, und zwar noch bevor fie zur Tafel gingen, daß fie die alten Sklaven mit Vater und Mutter anredeten und nach ihrem Tode Trost entgegennahmen. Welch grellen Kontrast dazu bilden die Aussprüche eines Aristoteles! Er läßt sich in der Nikomachischen Ethik vernehmen: „Der Sklave kann ungestraft beleidigt werden" (V, 8), „Gerechtigkeit existiert nicht inbezug auf den Sklaven (V 10) und „es kann ihm gegenüber ebenso wenig von einem VerhäÜniffe der Liebe und der Freundschaft die Rede sein, wie gegenüber einem Affen oder einem Pferde." (VIII, 13.) Die Religion Israels ist von dem Hauche der Unendlichkeit durchweht, denn fie ist eine klastische Offenbarurg der Einheit und Gleichheit. Sie hat aus dem Dunkel der Menschennatur einen herrlichen Schatz hervorgeholt, der dem Dasein erst Sinn, Bedeutung und höheren Wert verleiht, die Humanität und den Idealismus. Darin ist es begründet, daß die Eristenz Israels eine Ausnahme von der allgemeinen Regel bildet, wonach alle historischen Erscheinungen ftüher oder später verschwinden. Es schreitet mitten durch die ganze Geschichte der Menschheit, spiegelt sich in den größten Teil ihrer Entwicklung wieder und taucht aus allen Prüfungen und Umwälzungen der Zeit immer wieder gestählt und gefestigt empor. Ob der Methusalem unter den Völkern auch des Lebens bittern Kelch bis auf die Neige leeren mußte, ob auch sein Dasein eine kaum zu überbietende Tragödie war, so steht er doch noch heute aufrecht, ungebrochen uUd jugendfrisch als ein scharf ausgeprägtes, selbständiges, geistiges Individuum da. Alles scheint sich gegen Israel verschworen zu haben, Himmel und Erde, aber es hört trotzdem nicht auf, sich mächtiger zu fühlen als sein Schicksal und stärker als alle irdischen Gewalten. Ja, es erreicht seinen Höhepunkt gerade zur Zeit seines Falles. Die Niederlage ist sein Triumph. Dem ungeberdigen, zügellosen Tröste derbewußten und unbewußten Lügner und Fälscher zum Trotze flattert sein Banner weithin sichtbar und es wird ewig flattern zum Heile des Fortschrittes und der Zivilisation. Girre „Moderne Iadrrehakaderrrre". Von Rabbiner Dr. Niemirover, Jassy. (Fortsetzung folgt.) II. Der geistige Panjudaismus. Die Vokabel Alljudentum hat keinen politischen Inhalt, deutet in keiner Weise auf eine Absicht geistiger Unterdrückung anderer Nationen hin. Während man unter Panslavismus und Alldeutschtum die Tendenz versteht, dem Slaventum oder dem Germanentum durch Vereinigung aller Volrsteile oder Rassengruppen die Hegemonie zu verschaffen, denkt in bezug auf das Judentum niemand an solche Illusionen, sondern es handelt sich um ein kulturelles Alljudentum im Dienste Allisraels und der ganzen Menschheit. Die Juden bilden eine ethnische Einheit, durch den Geistesschatz, den sie besitzen, werden sie zu einer ethischen Einheit. Ethnisch sind diejenigen Juden, in deren Adern jüdisches Blut fließt. Kulturelle Juden sind alle diejenigen, deren Bewußt seinmehr oder weniger ein jüdisches ist und deren Unbewußtes von jüdischem Gei st e beherrscht wird. Wenn sich nicht alle, die jüdischer Abstavdnung sind, zur jüdischen Konfession zählen können, als politische Nation betrachten wollen, fast alle können als kulturelle Einheit genommen werden, als ein Stamm, der seine eigene und eigenartige, wenn auch vielfach variierende Kultur besitzt, die als besonderer Zweig am Eeistesbaum der Gesamtmenschheit gelten kann. Der jabnehistische Panjudaismus. Einen dem von mir vertretenen Alljudentum ähnlichen Standpunkt fand ich bei Dubnow, welcher den Gedanken vertritt, daß die Juden eine geistige Nation bilden. Die theoretisch begründete Unterscheidung zwischen geistiger und politischer Nationalität läßt sich in der Praxis schwer durchführen, was sich bei der Fraktionsbildung in Rußland gezeigt hat. Ferner muß nach meiner Ansicht berücksichtigt werden, daß die Geschichte der Juden im neunzehnten Jahrhundert einen unverwischbaren Unterschied zwischen Juden und Juden gemacht hat. Es gibt Gruppen von Juden, die in ihrem Judentums nur eine Religion erblicken können: es gibt Kreise von Juden, in welchen eine geistige Nationalität gedeihen kann: es gibt auch Juden, die die Möglichkeit und den Willen zur Bildung einer politischen Nation in Palästina oder in einem neuen Territorium oder in denjenigen Diasporaländern, in welchen einige Nationen neben einander wohnen. Ich wähle daher den Ausdruck Iabnehismus, welcher auf eine Auffassung hinweist, die das Hauptgewicht auf das Kulturelle legt, aber das Religiöse nicht vernachlässigt und' das Politische nicht ausschließt. Iabnehismus deutet auf die Fähigkeit des Judentums hin, sich nach den Anforderungen der Geschichte zu ändern und verschiedenartige Formen anzunehmen. An Stelle des Tempels kam das Lehrhaus, die Akademie: an Stelle Jerusalems

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