Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 38 (17.9.1909)
- Date
- 1909-09-17
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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' Seile 652 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. -'8 treu bewahrte und gegen die Gefahren, die dem Schatze drohten, verteidigte, so daß er dem Eigentümer nach Jahren, trotz der unsicheren Zeiten, alles unvermindert zurückerstatten konnte. Als die Franzosen nach Frankfurt kamen, suchten sie die Silberkammer, sie war aber so gut versteckt, daß sie sie nicht finden konnten. Rothschild wagte dabei sein Leben. Was die großen Summen, hie er vom Landgrafen in Händen hatte, für einen unternehmenden und geschäftskundigen Mann bedeuteten, davon kann man sich in unseren heutigen geregelten Zeit- und Geldverhältnissen kaum ein Bild machen. Mayer Anselm wurde durch die geschickte Verwendung zum schwer reichen Manne. Der Gründer der Dynastie Rothschild und ihres Reichtums hatte zehn Kinder, darunter fünf Söhne: Anselm Mayer, der nach dem Tode des Vaters an die Spitze des Stammhauses trat, während die Brüder in die Welt hinauszogen und Zweigniederlassungen errichteten. Salomon Mayer das Wiener Haus 1816, Nathan Mayer das Londoner 1798, Karl Mayer das Neapeler; Jacob, später James genannt, errichtete 1812 das Haus Gebrüder von Rothschild in Paris, an dessen Spitze er bis zu seinem 1868 erfolgten Tode stand. Das Stammhaus in der Judengasse in seiner früheren Gestalt wurde nachdem Plan des Baurats von Hoven umgebaut und ist jetzt eine Heimstätte für Arme. Ein Verwalter, der in dem Hause wohnte, sah eines Tages zum Fenster heraus, als ein von einem Lohndiener begleiteter Engländer vorbeiging. Seine Frage, ob das der alte Rothschild sei, .wurde natürlich bejaht und zum Gaudium der Umstehenden wurde der tzrsame Verwalter als Stammvater der Rothschilds angesehen. Gudula, die Hekuba des Hauses Rothschild, hatte die schlichte Wohnung in der Judengasse bis an ihr Lebensende inne und ließ sich durch alle Vorstellungen des Sohnes nicht dazu bestimmen, in dessen stattliches Haus auf der Zeil überzusiedeln. Ihre fünf Söhne waren zu dieser Zeit schon zu geheimen Kommerzienräten, vom Kurfürsten von Hessen zu geheimen Finanzräten ernannt und vom Kaiser von Oesterreich mit dem Adelsprädikat und später mit dem Freiherrntitel bedacht worden. Ein Geschichtchen erzählt, daß der Schlacht bei Waterloo ein einfach gekleideter Mann beiwohnte, der dann bei stürmischem Wetter auf einer Barke nach London fuhr, dort angekommen, an der Börse seine Kenntnis von der Niederlage der Franzosen durch Operationen ausnützte, die ihm Millionen einbrachten. Strenge Solidität, Vorsicht und Gewissenhaftigkeit waren immer die Grundsätze des Hauses und der Familienmitglieder. Es ist ein bekanntes Scherzwort, daß nur die erste Million schwer zu erwerben sei, daß die andern gleichsam von selbst kommen. So ist es denn auch eine allgemeine Erfahrung, daß mit dem gewachsenen Besitz der Wagemut abnimmt, daß die reichen Leute das Hauptgewicht auf das Konservieren legen. Wenn im Laufe des vorigen Jahrhunderts mehrfach Versuche gemacht wurden, den Rothschilds ihre Weltmachlstellung streitig zu machen, so ereignete sich fast regelmäßig die gleiche Folge: Jene kühnen Versuche führten zu Krisen und in diesen kam die Macht und Größe der Rothschilds voll zur Geltung. In manchen schweren Zeiten, so 1825 und 1857 haben sie sich als die Helfer in der Not <erprobt. Doch ist es auch vorgekommen, daß einzelne .Träger des Namens von den alten bewährten Traditionen abwichen. So hat in der Zeit, ha Boutours Stern am höchsten stand, ein Pariser Rothschild durch Selbstmord geendet, wahrscheinlich infolge verunglückter Spekulationen. Ein anderer Pariser war Jahre hindurch der Nährvater der, Coulissiers, Broker und Remisiers, denn er handelte täglich in tollen Summen amerikanischer und südafrikanischer Aktien, bis die Familie einen Riegel vorschob. (Schluß folgt.) Literatur. Beiträge zum Studium des Tremors. Unter diesem Titel veröffentlicht der berühmte Newyorker Arzt kbil. 6t Nsä. Dr. M Neustädte? eine in Fachkreisen vielbeachtete Studie, in welcher er ein neues System zur Feststellung verschiedener Krankheiten des Nervensystems 'ausstellt. Dr. Neustädter ist Professor für Neurologie an der New- Iorker Universität und Primararzt am Har Hamoriah-Spital, welches vom Verbände der Galizianer und Bukowinaer in New- Iork errichtet wurde. Paul Lehmann. Akabjah. Otto Hendel, Verlag Halle a. S. 1ü09. Inhalt: Sehnsucht: Akabjahs Leiden. Akabjahs Trost. Ewigkeit: Der Sämann. Nehmen und Geben. Seele der Ewigkeit. Atem der Ewigkeit. Samenkorn der Ewigkeit. Ewigkeits-Menschen: Akabjahs Sorge. Trieb und Erwartung. Liebe. Liebe und Sittlichkeit. Mann. Weib. Garten der Ewigkeit. Pflanzung der Ewigkeit. Tempel der Ewigkeit. Aßjahs Sorge. Wahrheit und Rätsel. Aus berufener Feder wird über „Akabjah" geschrieben: .... Dieses Buch ist ein starkes, aufrechtes Buch. Soviel Bekennermut, soviel Wahrheit, glänzende Perlen auf goldener Schale gereicht, findet man nur einmal alle Menschenalter in den mancherlei literarischen Erzeugnissen, die uns, gebeten und ungebeten, auf den Tisch fallen. „Akabjah" wird Aufsehen erregen und allen ernsten Menschen eine Weglenckte werden. Stilistisch vollendet, einzig in seiner Art und Empfindung, steht es zwischen Nietzsche und den Weisheiten der Bibelbllcher. Hier rang eine schöne, reine Seele mit dem Leben, aus den Stürmen der Welt klingt uns seine Weise wie Offenbarungen entgegen, und wir bewundern die ewigen Weisheiten, die uns Welt und Leben in tausend Gesichten aufzeigen. Dies Buch wirkt Reife. Es zeigt den Menschen den Spiegel chres Edelsten, ihrer Seele und Ewigkeit. Wie wenig si 'd wir uns unseres Ewigkeitswertes bewußt! Dieses Buch ist eine Stätte,' ihn mit Bewußtsein wiederzugewinnen. In Jahren und Jahrzehnten begegnet uns solch ein Werk nicht wieder wie diese Dichtung voller Wahrheit. Es wird nicht bloß besprochen, es wird von vielen Tausenden gekauft und gelesen werden; denn es ist ein Buch, das uns bezwingt, weil ihm die eherne Kraft der Wahrheit, die strahlende Sonne der Weisheit und der brausende Sturm der Beredsamkeit innewohnt.... Goldschmidt Lazarus. Eine talmudische Realkonkordanz. Die von Dr. Jakob Fromer geplante Realkonkordanz der talmudisch-rabbinischen Literatur kritisch beleuchtet. Berlin. Verlag von M. Poppellauer 1909. Ladenpreis 1.50 Mk. Der durch seine Schrift „Vom Ghetto zur modernen Kultur" bekannte Dr. Jakob Fromer hat unlängst wieder ein Buch veröffentlicht mit dem Titel: Der Babylonische Talmud zur Herstellung einer Realkonkordanz vokalisiert, übersetzt und signiert von Dr. Jakob Fromer. Einleitung. Der Organismus des Judentums 1909. Im Selbstverlag des Verfassers. Merkwürdigerweise wurde nun dieses Buch nicht, wie das sonst üblich ist, zur Besprechung an die Fachblätter versandt, sondern nur an Tageszeitungen, besonders kleinere, deren Kritiker kaum eine Ahnung vom Inhalt des Buches haben, geschweige denn von der Qualität desselben. Dieser Umstand hat den bekannten Herausgeber und Uebersetzrr des babylonischen Talmuds. Lazarus Goldschmidt, veranlaßt, die vorliegende Broschüre zu veröffentlichen, um endlich die literarische Welt aufzuklären. Wie diese Aufklärung ausgefallen ist, braucht wohl kaum gesagt zu werden, es wird an der Hand von unwiderleglichen Beweisen gezeigt, daß das Fromer'sche Buch besteht aus Zitaten, teils wörtlich abgeschrieben mit Nennung der Quelle, teils umgemodelt ohne Nennung derselben, und daß der Verfasser desselben in keiner Weise qualifiziert ist, eine Realkonkordanz der talmudisch-rabbinischen Literatur zu schreiben. Es ist nicht angenehm aber sehr oft notwendig, eine derartige Aufklärungsarbeit zu verrichten, weil auch in unserem „aufgeklärten" Zeitalter nur allzuoft das gedruckte Wort als unumstößliche Wahrheit betrachtet wird. Daher muß man dem Verfasser Dank wissen daß er cs unternonlmen hat, die Kreise des Herrn Jakob Fromer zu störe» und sein Unternehmen als das zu kennzeichnen, was cs in Wirklichkeit ist. Hoffentlich wird das Buch seine Wirkung nicht verfehlen. Fuchs Karl. Oesterreichs Befreiungskrieg 1809. Mit 28 Illustrationen. Regensburg 1908. Verlagsanstalt vormals G. I. Mauz. M. >.20. Dieser 17. Band der Manz'schen „Gesch Jugend- und Volksbibliothek" ist jetzt gerade zu rechter Zeit erschienen, um die Jugend