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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-09-17 · 38 (17.9.1909) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
38 (17.9.1909)
Date
1909-09-17
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 38 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette SSI Als weckender Alarmruf schon erklang. Vor nnserm Aug erhebt in dunklen Flammen Der Sinai sich, wo bei Posannenschall Ein neues Licht den Menschenkindern aufging. Vor nnserm Geist erhebt in lichtem Glanze Sich Zions Herrlichkeit! Und bebend hören Wir der Posaune langgezognen Ton Wie er im alten Israel zum Neumond, Und an den heil’gen Festen jubelnd hell Vom Gottes-Tempel einst erscholl. Und rings Vor nnsern Blicken heben sich die Nebel, Der Zukunft Schleier öffnet sich — und stumm Voll seliger Ahnung schauen wir den Tag, Den wunderbar geheimnisvollen, grossen, Von dem begeistert künden die Propheten: „An jenem Tag wird die Posaune dröhnen Und alle die Verlor’nen Israels Sie kommen heim und beugen huldigend sich Vor ihrem Herrn und Gott!“ — So schweben Vergangenheit und Zukunft auf uns nieder Bei der Posaunen feierlichen Klängen. Zu dreienmalen, da wir zu dir beten Wird jubelnd der Posaune Schall ertönen Als Klang der Huldigung, als tiefer Ruf Der mahnenden Erinnerung, als Klang, Von uns’res Volks Geschichte und Geschick Dreifache Töne sind’s, die ans dem Schofar An nns’re Ohren, unsre Herzen dringen: Erweckung rufen sie, Erschütterung, Aufrüttelung! Und mächtig tönt ihr Ruf: Wacht auf, wacht auf! Und rüttelt Euch empor Vom tiefen Traum des Lebens. Schüttelt von Euch Den Staub des Alltages und erhebet Euch Aus Eures Daseins Niedrigkeit und Enge Zur Gotteshöhe! Des Gerichtes Tag Er ist gekommen! Prüfet sorgsam Euch Und achtet Eures Wandels! Stumm in Demnt Gedenket Eures Schöpfers, Eures Richters — Und kehret um von Eurer Sünden Pfad Und findet wieder reuig Euch in Gott, Die Ihr verloren Euch in Sündigkeit! So hör denn Vater unser innig Flehn, Lass uns verstehn des Schofars mahnend Wort Gib Herr, dass segnend sich an uns erfülle Des frommen Sängers Wort, das Heil verkündet Dem Volke, das erkennt des Schofars Stimme. Geweckt von seinem Zuruf wandelt es, Herr, Im Lichte Deines Angesichtes! Amen. M- Rothschild».*) Es hat noch niemals, weder vorher noch nachher, ein Beispiel dafür gegeben, dass ein Geschäftshaus schon kurze Zeit nach seinem Entstehen und dann ein ganzes Jahrhundert hindurch bei den Hochstehenden und dem gemeinen Mann, bei allen Schichten der Bevölkernng in der ganzen Kulturwelt so sehr als die Versinnbildlichung des Reichtums und der Geldmacht betrachtet wurde und noch wird, wie dies bei den Trägern des Namens Rothschild der Fall. ist. Wie der des Krösus ist auch ihr Name für den Begriff des Reichtums vollgültig geworden. Wir haben ja in unseren .Tagen manche märchenhaften Reichtümer entstehen sehen, aber die Namen Vanderbilt, Mackay. Rockefeller sowie die der südafrikanischen Minenkönige haben doch nicht den besonderen Klang des Rothschildschen zu erlangen vermocht. Auch ist bei jenen der Besitz durch Glückszufälle und Spekulationen erworben worden, bei den Rothschilds wurde sorgsam Steinchen an Steinchen gefügt, bis der Reichtum da war und von selbst weiter wuchs. Auch in vergangenen Zeilen gab es berühmte Handelshäuser, so vor allem die Medici, die königlichen Kaufherren der Renaissance, und etwas später die deutschen Handelsfürsten, die Fugger und Welser. Diese aber nahmen am öffentlichen Leben teil, betätigten sich, nachdem sie im Handel Macht und Ansehen erworben hatten, als Staatsmänner und Heerführer, oder traten zum *) Die „Arena", Heft 1, Jahrg. II. Verl. Berlin 8. W. 68. geistlichen Stand über. Die Rothschilds waren immer Mitglieder des Handelsstandes und wollten nichts anderes sein. Wohl sind mit dem Reichtum auch bei ihnen die künstlerischen und wissenschaftlichen Interessen gewachsen, und unter den Mitgliedern der Familie sind manche Besitzer köstlicher Sammlungen gewesen. Vor allem ist hier der Antiquitatensammlung des Freiherrn Mayer Carl in Frankfurt zu gedenken, in der sich der berühmte, für 600.000 Mark erworbene Tafelaufsatz von Wenzel Iamnitzer befand. Dieser ist durch Erbschaft in den Besitz des Barons Henri in Paris, eines Enkels von Mayer Carl, übergegangen, während ein grosser Teil der Sammlung sich jetzt im Besitz des Lord Rothschild in London befindet. Baron Henri ist ein tüchtiger Kinderarzt und hat wertvolle Bücher über Kinderernährung geschrieben, auch verschiedene Dramen verfasst. Ein Baron Ferdinand, der vor ein paar Jahren in London starb, war schriftstellerisch tätig und eine von ihm verfasste Novelle „Vroni" hat einmal viel von sich reden gemacht. Die Schwester Mayer Carls, die Gattin Lionel Nathans, war die Verfasserin eines Buches „.From January to December", das. für den engeren Verwandten- und Freundeskreis bestimmt, tiefempfundene Gedichte und feine philosophische Betrachtungen enthält. In London lebt ein Baron Walter, der pls tüchtiger Naturforscher und hervorragender Jnsektenkenner gilt, und dessen Sammlungen bei den Fachgenossen sehr geschätzt werden. Er ist der Herausgeber eines periodisch erscheinenden wissenschaftlichen Werkes: Novitates zoologicae. Ob es richtig oder nur fable oouvevue ist, daß unter der Masse von Flöhen, die er hat, nur eine einzige Gattung fehlt, die ausschliesslich bei den Hunden von Klondyke zu finden ist, vermögen wir wegen mangelnder Sachkenntnis nicht zu sagen. Für die Beschaffung eines echten Eremplars dieser Seltenheit soll er einen Preis von 1000 Pfund Sterling ausgesetzt haben. Mathilde von Rothschild, Witwe des Freiherrn Willy und Tochter des Freiherrn Anselm Salomon in Wien, hat sich auf musikalischem Gebiete betätigt, und verschiedene Kompositionen von ihr. besonders das Lied: 8i vous n’avez rien ä me dire, spielen eine grosse Rolle in den Konzertsälen. Auch bei anderen Mitgliedern der Familie sind starke geistige Interessen vorhanden. Bei den meisten früheren, besonders den Häuptern der grossen Welthäuser, kamen die hervorragenden Geistesgaben aber vorwiegend in geschäftlichen Vorzügen, grosser Genialität, vereint mit Umsicht, Gewissenhaftigkeit und strenger Rechtlichkeit zum Ausdruck. Es ist bekannt, dass diese Eigenschaften den Grundstein zu der Machtstellung und dem Reichtum der Rothschilds legten. Der alte Mayer Anselm Rothschild war Geldagent des Landgrafen (späteren Kurfürsten) Wilhelm des IX. von Hessen-Kassel, besorgte Münzen für ihn und Zog ihm die Gelder ein, die jener für Soldatenverkäufe von England zu bekommen hatte. Rothschild chatte immer vom Landgrafen grosse Summen in Händen und hatte, abgesehen von der nicht unbedeutenden Provision, auch noch den Nutzen, fortwährend mit den Geldern des Landgrafen spekulieren zu können, was er auch in seiner unermüdlichen. scharfsinnigen und dabei doch durchaus rechtlichen Weise mit dem glücklichsten Erfolg tat. Unter Spekulieren darf man nun aber nicht das verstehen, was dem heutigen Börsensinn des Wortes entspricht. In solcher Wesse hat weder der alte Rothschild, noch haben jemals die Firmen Rothschild spekuliert. Es handelt sich vielmehr um die Zins- und Nutzbarmachung grosser Summen. Als der Landgraf 1806 vor der französischen Invasion die Flucht ergriff, übergab er dem bewährten Manne den grössten Teil seines Barvermögens und seine ganze Silberkammer, die dieser

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