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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-09-17 · 38 (17.9.1909) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
38 (17.9.1909)
Date
1909-09-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 38 Dr. Blocks Wochenschrift. Sette 349 Nun war die. Bahn frei. Was jetzt geschah, hätte man selbst in Rußland für unmöglich gehalten. Nach Erhall dieser Antwort sandte der Lodzer Polizeimeister an das Petersburger Polizeikommissariat, in dessen Rayon das angegebene Haus sich befindet, eine Zuschrift, von der genannten Familie die 300 Rubel Strafe wegen „Verletzung der Militärpflicht einzutreiben".... Dieser krasse Fall ist jedenfalls ein lehrreicher Beitrag zu dem auch in der europäischen antisemitischen Presse oft behandelten Kapitel über „die russischen Juden als Miliflüchtlinge". Gouverneur und Rabbiner. Auf seiner Insprektionsreise durch das Csernigower Gouvernement machte der neuernannte Gouverneur Maklakow, ein Bruder des bekannten Kadettenführers, auch in der Stadt Nowosokow Halt. Zu seiner Begrüßung erschien auch eine Deputation der jüdischen Bevölkerung der Stadt, mit ihrem Rabbiner Chen an der Spitze. Der Gouverneur hielt an die Juden eine sehr gestrenge Rede, warf ihnen den revolutionären Geist der jüdischen Jugend vor. gegen die er mit aller Energie vorzugehen gedenke. „Die Sünde der Jugend ist wie eine Blutvergiftung, die nur durch Amputation geheilt werden kann." . r Hierauf antwortete der Rabb'iner: „Unter uns befindet sich kein einziger, der es auf sich nehmen wollte, die Schuldigen in Schutz zu nehmen. Die jüdische Bevölkerung in' ihrer Gesamtheit war und bleibt dem monarchischen Prinzive treu ergeben und ich erlaube mir. es ungerecht zu finden, die Sünden einzelner auf die jüdische Gesamtheit zu laden. Ueberdies habe ich unter der hiesigen jüdischen Jugend keine Spur von aufrührerischem Geiste beobachtet. Aber selbst wenn dies der Fall wäre, könnten wir für einzelne unserer Brüder zur Verantwortung gezogen werden?" Diese mutige Rede des Rabbiners hat ferne Wirkung nicht verfehlt, denn der Gouverneur erwiderte sofort: „Verzeiht, das war nicht meine Absicht. Worte, wie ich sie zu Euch gesprochen. gebrauchte ich auch den Bauern gegenüber hinsichtlich ihrer Jugend." Nach einer halben Stunde erschien beim Rabbiner ein Beamter des Gouverneurs und überbrachte ihm die Photographie desselben mit einer Widmung, in welcher der Gouverneur seine tiefe Sympathie für den „aufrechten, mutvollen Rabbiner" ausdrückt. Das Finnlimdifche Judengesetz. In der finnländischen Presse wird in den letzten Tagen wieder viel über die Notwendigkeit einer Reform der finnländischen Judengesetze debattiert. Den traurigen Anlaß hierzu bietet die Meldung einiger schwedischer Blätter, das; in nächster Zeit wieder nahezu 200 jüdische Familien aus Finnland ausgewiesen werden sollen. Bekanntlich wurde vor mehreren Monaten ein Gesetzentwurf ausgearbeitet, durch welchen den finnländischen Juden einige Erleichterungen gewährt werden sollten. Der Gesetzentwurf ist jedoch eben nur ein Entwurf geblieben, während inzwischen die judenfeindlichen Gesetze mit aller Strenge gehandhabt werden. Anläßlich der bevorstehenden neuerlicken Massenausweisungen verlangen nun die progressiven Blätter die sofortige Beratung des Gesetzentwurfes, während die konservative Presse einfach erklärt, das; es mit den Judengesetzen „noch lange Zeit habe." Zur Schächtfrage in Finnland. Wie erinnerlich begab sich der Petersburger Rabbiner Katzenellenbogen laut Beschluß der Wilnaer Rabbinerkonferenz vor einigen Monaten nach Finnland um wegen Abschaffung des Schächtverbotes zu intervenieren. Trotzdem ihm damals von allen kompetenten Behörden die Zusage gemacht wurde, des Schächtverbot aufzuheben. ist dies bis heute nicht geschehen. Auf eine dringliche Beschwerde des Rabbiners Katzenellenbogen antwortete nun Gouverneur von Beckmann, daß er seinen Antrag wegen Revision des Schächtverbotes dem finnländischen Senat bereits zugehen ließ und daß er sich in dieser Zuschrift für die bedingungslose Aufhebung des Verbotes ausgeivrochen habe.. Die Angelegenheit soll iedock erst im Monate November im Senat zur Verhandlung kommen. R-pre^selien gegen ö'ter? -«mgarische Einwanderer ans Cllis Island. Die Schreckensherrschaft des Einwanderungskommissärs Williams auf der „Teufelsinsel" Ellis Island wird immer unerträglicher. Sie richtet sich jetzt auch gegen jene Gesellschaften, die dem Schutze der Einwanwanderer dienen und von jeher das Vriv'legium besaßen, in Ellis Island einen ständigen Vertreter zu haben, der im Notfälle sofort eingreifen konnte Nun will sich W i lliams der unbequemen Kontrolle dieser ihm verhaßten Gesellschaften entledigen und er tut es in der bei ihm gewohnten kurzen brüsken Art. So erhielt, wie ein Newyorker Telegramm meldet, die österreichisch-ungarische Emigranten-Gesellschaft vor einigen Tagen einen Brief von Williams, in welchem der Gesellschaft kurzerhand die Mitteilung gemackt wird, daß ihr das Privileg. einen Vertreter auf Ellis Island zu haben, entzogen wird Gründe fiit diese Maßregel wurden nicht angegeben. Die Gesellschaft, die auch ein Emigrantenheim in Newyork unterhält, protestierte in einem energisch gehaltenen Schreiben gegen dieses Vorgehen, für welckes keine plausiblen Gründe Vorlagen, sowie gegen die Art. wie Williams die Gesellschaften geradezu von der Insel verjagt. Das österreichische Emigrantenheim batte schon vor 4 Jahren, als Williams zum ersten Male Einwanderunaskommissär in Ellis Island' war. einen schweren Konflikt zu bestehen, der mit dazu beitrug. daß Williams seinen Posten verlassen mußte. Das österreichische Emiarantenheim gibt den österreichischen und ungarischen Einwanderern, die sich dahin wenden. Kost und Wohnung unentgeltlich und bemübt sich ibnen Arbeit zu verschaffen. Besonders wichtig war di? Recktssckutztätigkeit dieser Gesellschaft, deren Intervention schon sehr viele Einwanderer vor sicherer DevorM4on bewahrt hat. Die Maßregel gegen die Ge-ellschaft richtK sich also eigentlich gegen die österreichischen und' ungarischen Einwanderer, gegen welche Williams von jeher eme besondere Aversion bekundet hat. Die österreichische Emigrantenaesellschaft hat gegen die Verordnung Williams den Rekurs an den Handelsminister ergriffen. Vermischtes. KranzablöfnugSfpeuden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens des sel. kais. Rat Ignaz Fluß: Von Eduard Doktor K 20.—, Viktor Hansen 10.—, Sigmund Mandl 25.— , Rudolf und Mathilde von Straßer 20.—, Emil Popper, Preßburg K 50.—. Zusammen K 125 —. Anläßlich, des Ablebens des sel. Rudolf U r i ch: Von Ignaz Glück K 10.-. Anläßlich des Ablebens der sel. Bertha Patek: (Nachtrag) Von Rosa Pollak K 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Ludwig Hirsch: Von Wilhelm Hirsch K 30.—, Emilie Mendl 20.—, Dr. Karl Mendl 20.—. Gustav Eckstein 10.—, Familie Lori Beck K 20.—. Zusammen K 100.—.

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