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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-09-17 · 38 (17.9.1909) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
38 (17.9.1909)
Date
1909-09-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 648 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 38 Bezüglich der Wahlkommission wurde festgesetzt, daß nicht gesonderte nationale Kommissionen, sondern eine aus zehn Mitgliedern bestehende Wahlkommission zu fungieren habe, zu welcher die Gemeinde 5 und der Wahlkvmmiffär mit Berücksichtigung der einzelnen nationalen Wcchlkörper weitere 5 Mitglieder zu ernennen habe. Die Entwürfe werden nunmehr mit einem Motivenberichte und einem Auszuge des Beratungsprotokolles der Regierung vorgelegt. Antffemitismus im österreichisch-ungarischen Heere. Immer häufiger werden die Klagen über den offen zu Tage tretenden Antisemitismus im österreichisch-ungarischen Heere. Einer der empörendsten Falle wird jetzt aus Stryj gemeldet. Beim polnischen Infanterieregiment in Stryj dient der Hauptmann Ostrowski als Kommandant der 6. Kompagnie. Dieser Hauptmann scheint es sich zur Lebensaufgabe gemacht zu haben, das Leben den jüdffchen Soldaten zu verbittern und die christlichen Kameraden gegen sie aufzuhetzen. Die niedrigsten Schimpfworte sind ihm, auf Juden angewendet, die liebsten. Damit hätten sich die jüdischen Soldaten schließlich abgefunden. Das Unglaublichste jedoch leistete sich Hauptmann Ostrowski am 29. August, als er am Schluffe der Waffenübung in Moszeisk an die abrüstenden Reservisten folgende Ansprache hielt: „Ihr christlichen Soldaten müßt alle Mittel anwenden, die Juden zu unterdrücken. Ihr sollt bei den behäbigen Juden nichts kaufen. Macht euch allein Geschäfte, nur um die Juden nicht zu unterstützen. Die Juden saugen euch das Blut aus. Wegen der Juden sind die christlichen Bauern verarmt." Das ist nur eine Blütenlese aus der Hetzrede eines k.u.k. Hauptmannes, der, anstatt die Mannschaft zum Patriotismus und zur Kameradschaft aufzumuntern, sie in durchaus strafbarer Weise gegeneinander verhetzt. Budapest. Zur feierlichen Grundsteinlegung des Steinbrucher Tempels war ein vornehmes Publikum erschienen. Nebst jüdischen Honoratioren und Rabbinen wohnten der Feier auch Seelsorger anderer Konfessionen bei. Die Hauptstadt war durch den Bürgermeister Dr. Bürczy und den Magistratsnotär Doktor Deri vertreten. Ferner waren anwesend der Abgeordnete des X. Bezirkes Dr. Aladar Ballagi, Bezirksvorsteher Toperczer, Polizeirat Rhödey, Pfarrer Johann Hock, der reformierte Geistliche I. A. Horvath, mehrere Stadtreprasentanten, ferner der Präsident der Kultusgemeinde Hofrat Dr. Weinmann, Vorsteher Dr. Grauer, Generalsekretär Dr. Weißburg, Seminardirektor Dr. Bacher, der Präsident des Pester Heiligen Vereines Julius Winterberg und Generalsekretär Dr. Mezey, eine Deputation der Altofener israelitischen Gemeinde, vertreten durch den Vizepräsidenten Leopold Deutsch und Simon Weiß, u. A. Der reichen Fahnenschmuck tragende Tempelbau war schon lange vor der Feier von einer dichten Menschenmenge belagert. Die Festgäste versammetten sich in einem zu diesem Zwecke auf dem Festplatze errichteten Zelt, wo auf einem Tischchen die in hebräischer und ungarischer Sprache verfaßte, auf Pergament geschriebene, prachtvoll ausgestattete Urkunde lag, die in einer blechernen Kaffette in den Grundstein eingeschloffeu werden sollte. Die Feier begann mit einer vom Präsidenten Fischer gehaltenen Begrüßungsrede, in der er zum Schluffe der Hauptstadt den Dank aussprach, die durch die Schenkung des Grundstückes und einer Spende von 30 000 Kronen es ermöglicht hatte, daß der langersehnte Wunsch dieser Gemeinde endlich in Erfüllung gehe. Oberkantor Ehrenthal trug sodann, begleitet vom Gesangschor, ein Psalmlied vor, worauf Rabbiner Doktor Simon Hevefi in schwungvoller Rede die Bedeutung der Feier würdigte. „Möge dieser Tempel" — schloß Redner — „eine für die religiöse Duldsamkett der Nächsten-, Menschen- und Vaterlandsliebe geweihte Stätte werden!" Sodann flehte der Redner den Segen Gottes auf das im Bau befindliche Gotteshaus herab. Nach dieser Festrede wurde die Bauurkunde vom Rabbiner Dr. Hevefi, dem Bürgermeister Bärczy, den übrigen Honoratioren und den Seelsorgern, anderer Kynseffionen, sowie vom Präsidium der Steinbrucher israelitischen Gemeinde unterfertigt und in einer Kaffette verwahrt in den Grundstein eingeschloffen. Mit den Worten: „Mögen diese Hammerschläge der späteren Generatton verkünden, daß mit der Aufführung dieses Tempels ein weiteres Kulturwerk inmitten des Sturmes der Zeiten aufgenchtet wurde", ließ Präsident Fischer dreimal einen silbernen Hammer auf den Grundstein niederfallen. Dem Präsidenten Fischer folgten sodann: Direktor W. Bacher, Rabbiner Dr. Hevefi, Dr. Moriz Weiß und die Alten der Gemeinde. Mit dem Abfingen des „Szozat" durch den Gesangschor endete die würdige Feier. Der Tempelbau wird nach den Plänen des Architekten Richard Schönthal ausgeführt. Den Bau leitet Baumeister Anton Sorg. Der Flächenraum des Tempels Beträgt 510 Quadratklafter. Em krasser Fall russischer Justiz gegen Juden. Unter der Ueberschrift „Keine Anekdote, sondern wahre Begebenheit" berichtet die Petersburger „Rjetsch" über folgenden krassen Fall russischer Justiz.gegen Juden. Auf Grund des Artikels 395 des Gesetzes über die Militärpflicht, hat das Lodzer städtische Konskriptionsamt folgendes Strafmandat erlassen: „Bestrafung der Familie des Juden M. M. G., der im Jahre 1908 von der Affentierung in Lodz ferngeblieben ist: der Vater, die Mutter, der leibliche Bruder, jeder besonders und solidarisch mit 300 Rubel." Am 15. Januar d. I. erhält der Lodzer Polizeimeister die Aufforderung, die Strafe bei der ,-.schuldigen Familie" einzutreiben. Und nun beginnt eine förmliche Jagd auf die jüdische Familie. Zwei Tage später meldet ein dortiger Polizeiinspektor dem Bürgermeister: M. M. E. dient gegenwärtig in der 10. Artilleriebrigade und befindet sich in der Kaserne derselben: seine Eltern, wohnen, laut eingeholten Informationen in Petersburg. Der junge Mann M. M. G., der angeblich „von der Affentierung in Lodz ferngeblieben ist", dient also in der 10. Artilleriebrigade, die in Lodz selbst liegt. . . . Das Lodzer Konskriptionsamt gibt aber das Suchen der Familie nicht auf und richtet an das Petersburger Bürgermeisteramt die amtliche Aufforderung, „in der dortigen Stadt den alten G. und seinen Sohn L. ausfindig zu machen und von ihnen die 300 Rubel einzutreiben". Da jedoch der Petersburger Magistrat in seinem Reskripte erklärt, daß „laut Mitteilung des Meldeamtes die gesuchten Personen in Petersburg nicht existieren", ist es für das Lodzer Konskriptionsamt sonnenklar, daß nicht npr der „Jude M. M. G., der gegenwärtig bei der 10. Artilleriebrigade dient, sich der Assentierung entzogen hat", sondern, daß auch seine Familie sich der Pflicht, die 300 Rubel zu zahlen, zu entschlagen sucht, und ihre Ausforschung wird um so energischer betrieben. Es vergehen zwei Wochen, die ganze Lodzer Polizei, die öffentliche und geheime, ist auf den Beinen, man sucht und forscht und — man findet nichts. Aus allen Polizeikommissariaten kommt ein und derselbe Bericht, die gesuchte Familie ist nicht aufzufinden. Die Polizei suchte weiter, und wer weiß, wie lange dieses Suchen noch gedauert hätte, wenn nicht ein Polizeibeamter plötzlich den „Plan" ersonnen hätte, sich an den Kommandanten der 10. Artilleriebrigade mit dem Ersuchen zu wenden, von dem dort dienenden G. die Adresse seiner Ellern und seines Bruders L. zu erfahren. Diese glänzende Idee hatte auch einen glänzenden Erfolg, wie aus der Antwort des Kommandanten ersichtlich : „Die Eltern des Freiwilligen B. wohnen, nach dessen Angabe in Petersburg, Newski-Prospekt Nr. . . Sein Bruder L. studiert im Auslande und hält sich während der Ferien bei seinen Eltern auf."

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