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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-09-17 · 38 (17.9.1909) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
38 (17.9.1909)
Date
1909-09-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette«« Nr. 38 Dt. Blochs Wochenschrift. trotz seiner Mannigfaltigkeit eine Einheit. bleiben. Die heftigsten, religiösen Kämpfe vermochten nicht, die einheitliche Synagoge zu sprengen. Trotzdem sogar der gebildete Rabb. Hirsch Haies die Ausschließung der liberalen Juden energffch forderte, kam eine Teilung des Judentums nicht zustande. Während die Juden sich ernstlich bestrebten, Deutsche, Franzosen, und Engländer zu werden, wurden in Paris, London, Wien und Berlin Allianzgesellschaften gegründet, entstanden in Amerika und Europa die Bnei Berith-Logen, Vereinigungen des Solidaritätsgedankens in Israel. Auch die Zionisten wollen nicht mit den Affimilanten vollständig brechen. Die Territorialisten arbeiten vornehmlich mit den Affimilanten zusammen. So kann man von dem Willen der Juden, eine Einheit zu bleiben, mit Recht sprechen. Es gibt jedoch verschiedene Arten von Einheiten — eine mechanische, eine chemische und eine organische Einheit. Bei einer mechanischen Einheit sAd die Elemente nebeneinander, ohne ineinander aufzugehen und werden nur äußerlich zusammen gehalten,- bei einer chemischen Einheit verlieren die Elemente ihren ursprünglichen Charakter, gehen ineinander auf und werden eigentlich ein neues Ganzes. Bei der organischen Einheit beeinflußt das ganze die Teile, welche sich vereinigen, ohne jedoch ihre besondere Eigenart zu verlieren. In bezug auf die Einheit der Juden begnügen sich manche mit einer mechanischen Einheit, mit eilnem zusammenhanglosen Nebeneinanderbestehen der mannigfachsten Gruppen. Es gibt auch sozialkulturelle Chemiker, welche an die Möglichkeit der Verschmelzung verschiedenartiger Gruppen zu einer einzigen Judenform glauben. Eine wahrhafte, historische Einheit ist jedoch nur eine organische, welche allen Formationen des Judentums ihre Sondereristenz wahrt und sie dennoch auf der Grundlage des Gesamtjudaismus einigt. In einer Jabnehakademie ist das Symbol und der Motor einer solchen Einheit zu sehen. Warum eine neue Institution als Eini- Hgungspunkt? Wenn auch Israel eine Einheit bleiben will und eine Anion gründen soll, warum muß eine Institution ins Leben gerufen werden und kann nicht eine bereits bestehende die Einheitsmiffion vollbringen? Es gibt 3 Arten von Gesellschaften und Organisationen: 1. Gesellschaften, die sich auf ein bestimmtes Territorium erstrecken, z. B. „Der Verband der deutschen Juden", „Der Gemeindebund", welche bei all ihrer Bedeutung wegen der engen Grenzen ihrer Wirksamkeit nicht die Rolle der Vereinigung aller Juden haben können. 2. Gesellschaften, welche wohl die gesammte Judenheit im Auge haben, aber sich aus idealen und praktischen Gründen Beschränkung auferlegen, z. B. „Der Hilfsverein der deutschen Juden" und „Die Israelitische Allianz" zu Wien. Diesen Organisationen fehlt das universelle Moment, um den Rahmen für das Gesammtbild der Juden abgeben zu können. 3. Geselffchaften von allgemeinem Charakter: „Jca", „Alliance Jsraelite". „Bnei Brith", ,,Zionismus und „Territorialismus". Diese Geselffchaften müssen sich im Tempel ihrer Ideale einschließen und bestimmte Kategorien von Menschen und Werken aus ihrem Wirkungskreise ausschließen. Die „Jca", welche die Testamentsvollstreckerin der Philanthropie des Barons Hirsch ist, kann große Strömungen in die richtige Bahn leiten, muß jedoch im Kreise ihrer großen Mission bleiben, die' Frage der Ein- und Auswanderung durch Kolonisierung und Kultivierung der Juden zu ordnen. Die „Alliance", welche den erhabenen Zweck verfolgt, den unter politischem Joche, sozialer Not und geistiger Finsternis leidenden Juden zu heffen, die „Alliance", welche der Rettungsengel der Juden des Orients ist, hat ein so großes Tätigkeitsfeld, das sie sich nicht zu sehr einem kulturellen Punkte widmen kann. Der Orden „Bnei Brith", welcher sich zwar nicht auf die Elite der Philanthropen beschränkt, sondern eine Pflanzstätte von Philanthropien, Priestern des Herzens, ist, bedarf zur Erlangung seiner Ziele der Logenfo r m, bei welcher Profane ausgeschlossen sind. Der Zionismus, der sein eigenes Zukunftsprogramm besitzt, hat durch seine Nationaltheorie den Widerspruch eines großen Teiles unseres Volkes hervorgerufen. Der Territorialismus, welcher für die Juden ein neues Vaterland sucht, kann weder diejenigen, die in Palästina unser geliebtes Mutterland sehen, noch diejenigen, welche in unfern Wohnländern das zu liebende Vaterland erblicken, zu dem Bewußtsein geistiger Erlösung erheben^ Nur die Wissenschaft des Judentums und die Geschichte der Juden kann ein Zentrum, wenn auch Nicht für alle, so doch für die Meisten Juden werden. Trotzdem wir uns in bezug auf die Auffaffung der Gegenwart und Zukunft von einander unterscheiden, haben wir eine gemeinsame Vergangenheit und eine Institution, welche auf dem geweihten Boden der Geschichte errichtet wird, — im Dienste der Wissenschaft des Judentums kann eine Fahne für die Gesamtheit werden. Mag man auch mit. Marx ökonomische Faktoren der Geschichte als die primären betrachten, so kann man dennoch die Bedeutung der geistigen Potenzen nicht bestreiten. Besonders in der Geschichte der Juden spielte das Geistige — vielleicht aus sozialökonomischen Gründen — eine hervorragende Rolle. Eine Ge ist es macht soll die Jabnehakademie werden, die sich auf der Grundlage des Alljudentums erheben soll. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen» Juden in der Wiener Musik. In einem anregenden Aufsatz über Wiener Musik schreibt Dr. Richard Batka u. a.: Es gibt eine volkstümliche Wiener Musik, die nicht vom Volke selbst gesungen wird, die es aber gerne anhört, sich gern vorführen läßt, die nichts Jmprovisatorisches, nichts Elementares hat, die gedruckt zu haben auch für den Eiport bestimmt ist und bezeichnender Weise fast durchaus von Juden herrührt. Ja, von Juden, deren Wiege zumeist weit jenseits der Leopoldstadt, im fernen Norden und Osten der Monarchie liegt. Die Erscheinung ist merkwürdig genug, aber keineswegs vereinzelt. Das echte, alte Paris z. B. vertritt in der Musik Auber. Sein Zusammenhang mit den Romanzen und Chansons Nordfrankreichs ist noch ganz ohrenscheinlich. Dann kommt der deutsche Kantorsohn Jakob Offenbach aus Köln an die Seine und schafft als Jagues die Operette, schafft das, was wir heute in der Musik als „Pariserisch" verstehen. In Wien wird die Phase. Auber durch Lanner und Strauß Vater repräsentiert, als deren Nährquellen man den gemütlichen Ländler des Volkes nennt. Den spezifischen Wiener Ton aber hat ein Zeit- und Glaubensgenosse Offenbachs in seinen Couplets geschaffen, Alerander Krakauer, der jenem an Genie vielleicht nicht ebenbürtig, aber doch ein großes Talent war. Er verdichtete das Wiener Arom bis zur Penetranz. Er unterstrich das Rührselige und Sentimentale, das im österreichischen Volkscharakter liegt. Und er rückte das Wiener Empfinden vom Rustikalen weg ins Städterische hinüber. So ist er der Sänger der Stadt Wien geworden und seine Weise ist noch

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