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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-09-10 · 37 (10.9.1909) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
37 (10.9.1909)
Date
1909-09-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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fwtt« Hy Dr. Blochs Wochenschrfft. Nr. 37 Philanthropische Anstalten in Frankreich. Der frühere Oberrabbiner von Ep mal, Herr Moische , Schuhl, hat auf der diesjährigen Generalversammlung der .ftanzöfischen Rabbiner einen interessanten Vortrag gehalten -über, die Schaffung von philanthropischen Anstalten in den Provinzstädten. Er hob die Tatsache hervor, daß es in ganz Frankreich außer in Paris keine einzige israelitische Gewerbeschule gebe, ein jüdisches Hospital gebe es außer Paris nur noch in Mzza, nicht anders verhält es sich mit den Altersheimen und Waisenhäusern, auch hier fehle es in der Provinz vollständig an derartigen Anstalten. Oft sei daher schon der -Fall vorgekouunen, daß man sich behufs Unterbringung von Waisenkindern und Handwerkslehrlingen an die elsässischen Anstalten habe wenden müssen, was für den französischen Patriotismus geradezu beschämend sei. Redner schlägt daher vor; uu die Gründung derartiger Anstalten heranzutreten. Der nächste Lord Mayor von Manchester. . Wie englische Blätter berichten, wurde königlicher .Rat Charles Behrens als nächster Lord Mayor von Manchester nominiert. Mr. Behrens ist ein Sohn des Verstorbenen Jakob Behrens, eines Bradforder Bürgers. Mr. Behrens, der neue künftige Lord Mayor von Manchester hat sich um die Kommune seiner Stadt bereits große Verdienste erworben. Auszeichnung Niffim Effendi Roussos. Niffim Effendi N o u s s o, der gegenwärtig dem türkischen Finanzrate Mr. Laurent behufs Studiums des französischen Finanzwesens in Paris attachiert ist, wurdevon der französischen Negierung zum Offizier de l'Academie ernannt. Niffim Rousso. der aus Salonique stammt und. ein noch junger Mannist, hat im ^türkischen Freit^itskampse eine hervorragende Rolle" gespielt. Er rüar der erste, — und dazu gehörte damals viel Mut — der in Salonique vor einer großen Versammlung in einem Kaffeehause die von Abdul Hamid erzwungene, in Salonique noch nicht offiziell bekanntgewesene Konstitution proklamierte und dann die freiheitlich gesinnten Offiziere veranlaßte, sich mit ihm an die Spitze eines Demonstrationszuges zu stellen. Auch in Paris, wohin er im Aufträge der nachmaligen türkischen Regierung entsendet wurde, entfaltete er für die türkische Freiheitsidee eine eifrige Propaganda. Seine Artikel im „Jttihad", dessen Redakteur Rousso Effendi ist, werden auch im Auslande sehr beachtet. Dänische Inden als Förderer der Kunst. Aus Kopenhagen wird berichtet: Dank der Munifizenz des jüngst verstorbenen Heinrich Hirschprung aus Kopenhagen, wird die Hauptstadt Dänemarks in kürzester Zeit in den Besitz einer der berühmten Gemäldegalerien gelangen. Die beiden Brüder Heinrich und Bernhard Hirschprung, die kürzlich innerhalb kurzer Frist mit dem Tode abgingen, übernahmen das Zigarrengeschäft ihres Vaters im Jahre 1858 und brachten dasselbe zu großer Blüte. Noch im Jahre 1860 begann Heinrich Hirschprung eine Galerie dänischer Maler anzulegen. die bald berühmt wurde. Die mit großem Enthusiasmus geführte Sammlung sollte nach seinem Tode in. den Besitz des Staates übergehen, jedoch unter der Bedingung, daß sie in einem eigenen vom Staate errichteten Gebäude untergebracht und erhallen werde. Der dänffche, Staat hat die Bedingung erfüllt und das „Hirschprung-Museum" soll demnächst feierlich eröffnet werden. Heinrich Hirschprung galt auch sonst als großer Förderer junger Talente, die seiner, munifizenten Unterstützung üjre Ausbildung verdanken. Ein spanischer Politiker über den Antisemitismus. Der in Paris lebende einstige spanische Minister Manuel Ruy Zorilla äußerte sich dieser Tage einem Redakteur gegenüber über den Antisemitismus wie folgt: „Die Vertreibung der Juden ist der größte Frevel in unserem Lande gewesen, ein unverzeihliches Verbrechen an der Zukunft unseres Volkes. Mit den Juden hat man vertrieben die Industrie, den Handel, alle Mittel der bürgerlichen Wohlfahrt. Dieser selbstmörderischen Wut danken wir das unsägliche Elend unseres Volkes. Nur wenig Juden sind damals geblieben und dieser schwache und geringe Rest ist ganz in den anderen Volksstämmen aufgegangen. So fehlte bei uns jede Begründung des Antisemitismus, den ich — aufrichtig geständen — niemals begriffen habe. Daß jemand heute noch aus religiösen Trieben hassen kann, ist mir ein Rätsel. Es scheint mir so sehr eine Verleugnung aller Kultur, aller Vernunft, alles Rechtes, überhaupt des modernen Geistes unserer Zeit, daß ich gar kein Wort der Entrüstung finde, das stark genug wäre. Es ist eine Schande ohne Beispiel, * das ein unverlöschliches Brandmal an unserem Geschlechte lassen wird. Daß es überhaupt noch möglich ist, daß man sich nicht schämt, antisemitisch zu empfinden, und daß man mit einem Strich die ganze .Arbeit der Vergangenheit und alle Errungenschaften des Geistes tilgt. — man müßte an der Menschheit verzweifeln! Ich finde es unsinnig, erst Gründe gegen den Antisemitismus zu suchen: Er richtet sich selbst. Wer überhaupt fähig ist, jener^wüsten ^Hetze zu folgen, muß krank, muß geistig entartet sein und hat jedes Recht verwirkt, in ernsten Fragen vernommen zu werden. Die angebliche jüdische Deputation bei Stolypin. Das russische „Jnformationsbureau" ist von kompetenter Stelle ermächtigt, die in mehreren, auch jüdischen Zeitungen erschienene Nachricht, daß der russische Ministerpräsident Stolypin eine jüdische Deputation empfangen habe, um ihre Wünsche wegen Verbesserung der Lage der russischen Juden entgegenzunehmen, als unwahr zu dementieren. Demzufolge entbehren auch alle an diese angebliche Audienz geknüpften Kombinationen jeder Grundlage. Ein jüdischer Dumakandidat für Petersburg. In den Petersburger Kadettenkreisen wird eine Kandidatur des bekannten jüdischen Rechtsanwaltes O. O. Grusenberg an Stelle des auf Verlangen des Justizministers von der Duma ausgeschlossenen Petersburger Abgeordneten Koljubakin ernstlich in Betracht gezogen. Ursprünglich war Kuttler als Kandidat für die Ersatzwahl in Aussicht genommen. Die radikalen Wähler wünschen aber die Aufstellung eines radikaleren Kandidaten und haben sich entschieden für Grusenbergs Kandidatur ausgesprochen. Seine Wahl in die Reichsduma würde für die russischen Juden von großer Bedeutung sein. Grusenberg ist ein hervorragender Jurist, glänzender Redner und mutiger Kämpfer für Recht und Fortschritt. Er erfreut sich allgemeiner Achtung und Popularität und ist besonders unter den Juden sehr beliebt und hochgeschätzt. Petersburg. Dieser Tage fand hier eine Sitzung des „Vereines zur Regulierung der jüdischen Emigration" statt, in der Herr Dawidowitsch einen Vortrag über die Einberufung eines Weltkongresses für Angelegenheiten der jüdischen Emigranten hielt. Nach eingehender Beratung faßte die Versammlung eine Resolution zugunsten eines solchen Kongresses und beschloß, dem vorbereitenden Komitee in Wien mitzuteilen, daß der genannte Verein bereitest, sich an dem Emigrationskongreß und an den Vorarbeiten zu beteiligen. Ein ähnlicher Beschluß wurde auch in einer Beratung der zionistisch-sozialistischen Partei gefaßt. In dieser Beratung wurde außerdem noch das Verhältnis dieser Partei zu den anderen radikalen national-jüdischen Parteien erörtert. ^DazuIsei'-^noch bemerkt, daß eine vorher in New-Iork

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