Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 37 (10.9.1909)
- Date
- 1909-09-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 628 Dr. Blochs Wochenschrift. Erklärung des Ministers und nunmehrigen Landtagsabgeordneten der von Juden dicht bewohnten Stadt Stryj nicht zufrieden waren und richteten an den Redner einige Anfragen. So interpellierte Dr. Schiff, wie es komme, daß in keiner Landesanstalt jüdische Beamte nngestE werden, obgleich die Juden in eminenter Weise zur Entwicklung des Landes beitragen und trotzdem es allerorten anerkannt wird, daß die jüdischen Beamten ihre Pflichten mustergiltig erfüllen. Ferner fragte Dr. Schiff, woher es komme, daß der Minister die Schänkefrag-e, durch welche die Existenz tausender jüdischer Familien berührt werde, auch mit keinem Worte erwähnt habe. Auf die erste Frage antwortete der Minister, daß er seinen ganzen Einfluß anwenden wolle, damit die Gleichberechtigung auch in der Praxis durchgeführt werde und daß man bei Anstellung von Beamten sich von der Religion des Bewerbers nicht beeinflussen lasse. Hinsichtlich der Schänkefrage, meinte Minister Dulemba, die Angelegenheit sei gar nicht so schlimm, wie allgemein angenommen wird, und versicherte, daß niemandem ein Unrecht widerfahren werde. Aus Böhmen. Löbliche Redaktion! In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes versucht es ein Herr Dr. Rosenthal, IX., Hebragafse 7, Stellung zu nehmen gegen den Erlaß der böhmischen Statthalterei, in dem sie die Kultusgemeindcn auffordert, Fürsorge zu treffen für die Altersversorgung ihrer Rabbiner und Religionslehrer. Dieser Herr urteilt über Dinge, die er gar nicht kennt, über die er gar nicht oder vollkommen falsch unterrichtet ist, weil er deduziert, daß die Statthalterei dem Pensionsverein deutscher Sparkassen empfohlen hätte, w a s t y t a l u n r i ch t i g i st. Als Mitglied jener Enquete, die im vorigen Oktober von Seite des Lehrervereiues unter Vorsitz des Herrn Statthaltereirates stattgefunden, kann ich diesen Herrn verraten, daß alle vom Lehrervereine angeregten Desideria in der besten Weise in dem betreffenden Erlasse berücksichtigt wurden, daß unter dem Worte Pensionsverein nur der in Böhmen bestehende Penfionsverein „Kaiser Franz Joseph-Jubiläumsverein zur Gründung von Penfionen für dienstunfähige israelitische Lehrer Böhmens, deren Witwen und Waisen", der von der böhmischen Landesjudenschaft begründet wurde, gemeint ist, wie folgender wortgetreue Paffus mit dem Erlasse dartut. Er lautet: Des Weiteren erscheint auch die Regelung, sowie die Jnvaliditäts-, Alters- und Reliktenversorgung der Rabbiner und israelitischen Religionslehrer dringend notwendig. Denn wie erhoben wurde, bezieht die überwiegende Mehrzahl der Rabbiner in Böhmen an Gehalt und sonstigen ständigen Emolumenten (Wohnungsbeitrag, Entlohnung für den Religionsunterricht rc.), von Matrikentaxen und Einnahmen für die den Rabbinern vorbehaltenen Funktionen abgesehen, im Durchschnitte kaum 1500 Kronen jährlich, während der Gehalt der israelitischen Religionslehrer als solcher samt weiteren Emolumenten durchschnittlich bloß 1000 Kronen beträgt. Ferner hat für die Jnvaliditäts-, Alters- und Reliktenversorcung dieser Bediensteten durch eigene Pensionsinstitute, respektive Stiftungen oder bei dem „Kaiser Franz Joseph-Jubiläumsverein zur Gründung von Pensionen für dienstunfähige, israelitische Lehrer Böhmens, deren Witwen und Waisen" bis jetzt kaum die Hälfte der böhmischen, israelitischen Kultusgemeinden Vorsorge getroffen, wogegen für die Funktionäre der übrigen Kultusgemeinden, insoferne dieselben dermal bei Zutreffen der vorgeschriebenen Bedingungen nicht in die Zwangsversicherung nach dem Gesetze vom 16. Dezember 1906, R.-G.-Bl. Nr. i ex 1907 einbezogen erscheinen, für den Fall ihrer Dienstunfähigkeit überhaupt nicht vorgesorgt ist. Da diese unerfreulichen Verhältnisse wohl auch eine entsprechende Remedur erheischen, damit den Kultusgemeinde-Bediensteten und ihren An- Nr. 37 gehörigen ein standesgemäßes Auskommen ermöglicht werde, wird die k. k. Bezirkshauptmannschaft den israelitischen Kultusgemeinden, insoferne seitens derselben, bis jetzt entsprechende Maßnahmen nicht getroffen wurden, weiters auch eine angemessene Aufbesserung und sukzessive Erhöhung der Gehalte ihrer Funktionäre und ihrer Familien für den Fall der Dienstunfähigkeit angelegentlich zu empfehlen haben. In letzterer Beziehung hätten die betreffenden Kultusgrmeinden für den Fall, wenn auf ihre Funktionäre nicht das bezogene Privatversicherungsgesetz Anwendung finden sollte, in erster Reihe den Beitritt zu dem Pensionsinstitute des. oberwähnten Kaiser Franz Joseph-Jubiläums Vereines in Prag in Erwägung zu ziehen. Aus diesen wortgetreu zitierten Punkten jenes herrlichen Erlasses, für den die .gesamte Lehrerschaft Böhmens der höchsten Landesbehörde zu großem Danke verpflichtet ist, geht klar und deutlich hervor, daß Herr Dr. Rosenthal ganz ohne Grund etwas kritisiert hat, das nur Lob verdient. Der Obmannstellvertreter des Israelitischen Landeslehrervereines in Böhmen: Rabbiner Abeles in 2 i 2 kow - Prag. Das Marmorek-Serum auf dem medizinischen Kongreß in Budapest. In der 7. Sektion (Chirurgie) erstattete Dozent Dr. Emanuel Wein Bericht über seine Erfahrungen mit dem Antituberkulose-Serum Marmoreks. Der Vortragende konnte feststellen, daß das Antituberkulose- Serum Marmoreks auf jegliche Tuberkulose einen günstigen Einfluß ausübt. Dieser Einfluß wird seiner Ansicht nach dadurch hervorgebracht, daß die mit dem Serum eingebrachten Antitoxine die Toxine der Tuberkulosebazillen binden, hierauf die tuberkulöse Torämie schwindet, endlich die Schutzeinrichtungen des Organismus frei werden und sich unbeeinflußt betätigen können. Auf diesem Wege kommt es örtlich in der tuberkulösen Läsion zu reaktionären Vorgängen, die der Vortragende automatische Reaktion nannte, weil sie nur mittelbar auftritt und einen automatisch eintretenden Folgezustand der Entgiftung bedeutet. Dieser Auffassung entsprechend ergibt die Behandlung mit dem Serum Marmoreks auffallend günstige Resultate, wenn die Behandlung, den Erscheinungen entsprechend, sorgfältigst individualisiert wird. Der Vortragende teilt sodann die Statistik der Resultate mit dem Marmorek-Serum mit. Die Serumbehandlung erzielte in 49 Prozent der Fälle Heilungen, in 34 Prozent der Fälle eine Besserung des Zustandes. Ein jüdisches Rekonvaleszentenheim. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die weltberühmten Wiener Krankenhäuser von armen und sehr armen kranken Personen aus ollen Provinzen aufgesucht werden, um hier Heilung von ihren schweren Leiden zu suchen. Der reiche und wohlhabende Patient kann sich nach schwerer Krankheit, nach einer Operation jedwede Erholungskur und die nötige Ruhe gönnen, um sich vollkommen zu rekonvaleszieren, bevor er sich wieder seinem Berufe zuwendet. Nicht so ist es beim armen Menschen. Aus allen Gegenden strömen die armen Patienten den Kliniken zu. in welchen aber stets ein solch außerordentlicher Andrang herrscht, daß die nach Operationen oder schweren Krankheiten kaum hergestellten Personen schon nach dem ersten Stadium der Besserung die Spitäler verlassen müssen, um den neu angekommenen Patienten Platz zu machen. Solche arme Rekonvaleszenten nun sind im höchsten Grade zu bedauern, da ihnen weder Mittel, noch Gelegenheit geboten sind, sich die nach der Spitalsbehandlung so dringend nötige Erholung zu verschaffen und sich für den weiteren Kampf ums Dasein zu kräftigen. Die Aermsten sind meist bemüssigt, schon im ersten Stadium ihrer Genesung sich wieder ihrem Berufe zvuwenden, ihrer Arbeit nachzugehen und nicht selten bildet eine Rezidive die Folge hievon und die Grundlage zu. chronischen Krankheiten, die das ganze Leben .dieser Unglücklichen zu einem fortwährenden Leiden, zu einem Siechtum gestalten.