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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-09-10 · 37 (10.9.1909) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
37 (10.9.1909)
Date
1909-09-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 87 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 837 Nach einiger Zeit fand' er bei einem Graveur Arbeit, doch mutzte er sich mit einem geringen Lohn begnügen, da er der englischen Sprache nicht mächtig war. Allmählich stieg sein Verdienst, und er ging dann nach Paris, wo er sich in der Kunst vervollkommnete, die ihn jetzt so berühmt gemacht hat. Brenner stammt aus einer Graveurfamilie. Sein Vater war in der alten Heimat Graveur bei einem Grabsteinhändler. Sowohl sein Vater als auch seine Brüder sind jetzt in Newyork bekannte Medailleure. Einige amerikanische Mäzene erkannten das Talent des V. D. Brenner und verhalfen ihm dazu, sich ein Atelier zu errichten, das heute in großem Ansehen steht und von welchem zahlreiche historische Medaillen und Denkmünzen stammen. Präsident Adolf Kraus über seine Europareise. Der Ordenspräsident der „Bnai B'rith", Herr Adolf Kraus aus Chicago, der, wie bekannt, im vergangenen Frühjahre eine Reise durch Europa unternommen hatte und längere Zeit in Wien weilte, hat nach seiner Rückkehr in Chicago dem Redakteur der dortigen „Tribüne" wichtige Mitteilungen über seine Reise gemacht. Als schätzenswertes Ergebnis seiner Beobachtungen stellt Präsident Kraus die möglichst baldige Schaffung einer jüdischen internationalen „Charity-Organisation" hm, die, ohne jede politische Färbung, ausschließlich berufen wäre, dem jüdischen Auswandererelend und dem Mädchens Handel durch gemeinsame Aktion zu steuern. Dieser wichtigen Aufgabe will Präsident Kraus seine nächste Tätigkeit widmen. Seine Erfahrungen, sowie die an dieselben geknüpften Vorschläge will Herr Kraus demnächst schriftlich niederlegen. Ohne Zweifel wird die neueste, von itoistischer Seite ausgegangene Bewegung zur inter- , nationalen Regelung des jüdischen Emigrationswesens große Förderung erfahren, wenn es Herrn Kraus gelingt. die mächtige amerikanische „B. B." in den Dienst derselben zu stellen. Zur Frage der Gesamtorganisation bringt die „A. Z. d. I." einen interessanten Beitrag: Im Jahre 1850 hatte der Vorstand der Berliner, jüdischen Gemeinde, der also schon damals in der Schaffung einer Zentralbehörde ein geeignetes Mittel erblickte, sich zum Obervormunde der preußischen Judenheit aufzuschwingen, die Idee angeregt, durch die preußischen Gemeinden führende Männer als ..Vertreter und Wahrer ihrer religiösen Bedürfnisse, als Ordner ihrer Institute, als Organe ihrer Interessen vorkommenden Falles den Behörden gegenüber", wählen zu lasten. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Bielefeld wandte sich nun an Geiger und an Zunz, mit der Bitte, sich zu dem Entwürfe zu äußern. Die Antwort des letzteren lautete: An den geehrten Vorstand der jüdischen Gemeinde in Bielefeld. Auf die Anfrage, mit der Sie mich in Ihrer Zuschrift vom 1. d. M. beehrt haben, bin ich so frei, zu erwidern, daß wir meiner Meinung nach bereits Behörden genug haben, so daß jede neue ein neues Nebel ist. Für die Juden wäre jene schnell zu einer päpstlichen Zwangsmacht anschwellende Zentralbehörde ein wahres Unglück, und die freien selbständigen Gemeinden, die sich diese Kette angelegt, dürsten viele Anstrengungen machen müssen, um sie zu brechen. Hier haben Sie meine ehrliche Ansicht. Sie haben aber nicht nötig, sie zur Richtschnur zu nehmen. Berlin, 8. April 1850. Hochachtungsvoll Zunz. Die Naturalisation von jüdischen Einwanderern in Palästina. Aus Jerusalem wird geschrieben: Die hiesigen Behörden find von der Hohen Pforte offiziell angewiesen worden, die einwandernden ausländischen Juden auf ihren Wunsch in den türkischen Untertanenverband aufzunehmen, wodurch die Betreffenden das vollkommene türkische Staatsbürgerrecht erlangen. Jeder Immigrant, der einen „roten Schein" erhalten hat, kann diesen ohne jede Schwierigkeit gegen ein Landeszugehörigkeitsdokument eintauschen. Diese Maßnahme ist zweifellos auf die Jnüiative des neuen Ministers des Innern, Talaat Bey, zurückzuführen und wird von den Beteiligten mit umso größerer Genugtuung begrüßt werden, als gerade in letzter Zeit von intereffierter Seite Tartarennachrichten über das Einsetzen einer antijüdischen Tendenz in der Neuen Türkei verbreitet wurden. Alles, was bei näherem Zusehen als wahrer Kern dieser Berichte übrig blieb, war auf die. Machenschaften des Exministers, Ferid Pascha zurückzuführen. Die einwandernden Juden werden natürlich mtt Freuden die Gelegenheit ergreifen, als loyale Staatsbürger in den türkischen Untertanenverband einzutreten. Korrespondenzen» Eingesendet. Heute war ich beim k. k. Bezirksgerichte Fünfhaus Zeuge, wie gleichgültig sich viele Juden selbst der Rechtswohltat b egeben, an den hohen jüdischen Feiertagen vor Gericht nicht in Streitsachen erscheinen zu müssen. Der christliche Bezirksrichter schlug für die Erstreckungs-Tagfahrt den 17. d. M. vor, bemerkte aber sofort, wenn es den Kläger, der Jude ist, geniert, so kann die Tagfahrt am 20. d. M. sein, ebenso bemerkte der Bezirksrichter zum jüdischen Advokaten gewendet, indeßbeide Herren erklärten, es geniert sie nicht! Nun mußte aber ein Zeuge geladen werden, der auch Jude ist, und trotzdem von dem Beklagten eingewendet wurde, dieser Zeuge werde sich auch nichts draus machen, an einem jüdischen Feiertage vor Gericht zu erscheinen, b e s ch l o ß der feinfühlende Bezirksrichter die Tagfahrt nicht für den 17., sondern für den 20. anzuordnen, da es, seiner Ansicht nach, nicht recht sei, einen Juden an seinem Feiertage als Zeugen vor Gericht zu laden. Die zwei beteiligten Juden hörten diesen Beschluß des christlichen Bezirksrichters und sie erröteten nicht! J. P. Besuch des Erzherzogs Franz Ferdinand auf dem alten Prager Judenfriedhof. In der Sitzung der Prager israelitischen Kultusgemeinderepräsentanz teilte der Vorsitzende Dr. Rosenbacher mit, daß gelegentlich des jüngsten Besuches des Erzherzogs Franz Ferdinand auf dem alten jüdischen Friedhof in Prag der Erzherzog gerade dazu kam, als der Maler Professor Singer mit der Herstellung einer Skizze einer Partie des Friedhofes beschäftigt war. Die Repräsentanz wendete sich an das Obersthofmeisteramt des Erzherzogs mit der Bitte, die Widmung des nunmehr fertiggestellten Bildes anzunehmen. Darauf ist vom Kammervorsteher Baron Rumerskirch die Antwort eingelaufen, daß der Erzherzog die beabsichtigte Widmung mit großer Befriedigung zur Kenntnis genommen und das Geschenk gern annehmen werde. Der Erzherzog spreche dafür sowohl der Gemeinde als auch Profeffor Singer den freundlichsten Dank aus. Minister Dulemba in Stryj. An Stelle des verstorbenen Landtagsabgeordneten Fruchtmann wurde der galizische Landsmannminister Dr. Dulemba mit überwiegender Majorität gewählt. In seiner Kandidatenrede vor der Wahl, streifte der Minister auch die Iudenfrage. Die einzige Lösung der Iudenfrage. sagte der Minister, ist, wenn sie überhaupt erislierl. die gänzliche Gleichberechtigung der Juden mit der übrigen Bevölkerung. Als Beweis dafür, daß das Land sich für die Lage der Juden interessiere, sei eben die Enqueteüber die Notlage der galizischen Juden, deren Einberufung der Landtag beschlossen hat. Im Auditorium fanden sich Juden, die mit dieser mageren

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