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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-09-03 · 36 (3.9.1909) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
36 (3.9.1909)
Date
1909-09-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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rttr. 38 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 613 Meinung mit neutralen, unparteiischen Erklärungen hervorzutreten und da es nicht ein Komitee ist, das gegen eine bestimmte Regierung zu kämpfen beabsichtigt, hofft es, daß Diplomaten und Regierungen seinen Enunziationen Gehör schenken werden. Parteipolitiker und Parlamentarier sind aus dem Komitee von Vornherein ausgeschlossen. Es werden ihm nur Literaten und Gelehrte aller Rationen angehören. Die Unzufriedenheit der russisch-antisemitischen Presse. Seit einiger Zeit richtet die gesamte Presse der „echten Russen" versteckte Angriffe gegen das russische Handelsministerium. Man wußte nicht recht, wodurch sich Handelsminister Timirasew bei den Schwarzen so mißliebig gemacht hat, bis endlich das offiziöse Blatt ..Rußkoje Znamja" mit dem Geheimnis herausgeplatzt ist. „Aus sicherer Quelle",- klagt das genannte Blatt, „haben wir erfahren, daß der Minister Timirasew die Lage der Moskauer jüdischen Kaufleute erster Gilde sich stark zu Herzen nimmt, die auf Grund des Gesetzes vom Jahre 1899 aus Moskau ausgewkesen werden sollten. Der Minister beabsichtigt, daß das Gesetz auf die Juden, die bisher ungesetzlich in Moskau gewohnt haben, keine Anwendung finde, zweitens will er sich dafür einsetzen, daß dieses Gesetz überhaupt abgeschafft werde und die jüdischen Kaufleute erster Gilde in ihren Rechten den russischen Kaufleuten gleichgestellt werden. Wir hoffen, — öroht das saubere Blatt — daß dieser freche (!) Plan des Handelsministers im Ministerrat nach Gebühr wird eingeschätzt werden und daß man dort begreifen wird', daß diese merkwürdige Art der Amnestie (?) unter den beleidigten Russen einen Schrei Hervorrufen wird, der bis gn die Stufen des Kaiserthrones dringen wird." tum. Das neue Luftschiff eines englischen Juden. An auffallender Stelle bringt die Londoner „Iewksh World" die folgende interessante Meldung: Ein bekannter jüdischer Gentleman in London hat ein neues Luftschiff erfunden, bezüglich dessen er sich mit dem jüngst von der Regierung ernannten Aeronautischen Komitee in Verbindung gesetzt hat. Der betreffende Herr, dessen Name im gegenwärtigen Stadium der Dinge noch nicht genannt werden kann, hatte die Freundlichkeit, uns einige Mitteilungen über seine Erfindung zu machen. Er studierte von jeher die moderne äronautische Wissenschaft mit großem Eifer und bildete sich eine bestimmte Theorie über die Luftströmungen. Ebenso verfolgte er natürlich auch die Entwicklung der Aviatik in den letzten Jahren mit großer Aufmerksamkeit. Sein Prinzip enthält viel neues und ist sowohl für lenkbare Ballons, als auch für Maschinen, die schwerer sind als die Luft, anwendbar. Er ist auch überzeugt, daß seine Maschine fähig sein wird, eine größere Distanz ohne Unterbrechungen zurückzulegen und hofft auch, sie in der Luft stationär halten zu können. Eine der wichtigsten Vorteile dieser Maschine ist ihre Portabilität. Die Maschine ist zerlegbar und daher leichter zu transportieren. Ein Motor wird wohl verwendet, aber die Maschine ist bis zu einem gewissen Grade vom Motor unabhängig. Sämtliche Pläne und Zeichnungen sind bereits fertiggestellt und die oben erwähnte staatliche Kommission wird sich in kürzester Zeit mit denselben befassen. Die Juden in Australien. In Sidney, Australien, hielt vor kurzem Mr. Coleman P. Hyman einen Vortrag über die Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Sidney. Dem Vortrage entnehmen wir hie folgenden interessanten historischen' Daten: Die erste jüdische Funktion in Sidney war ein Leichenbegängnis, das im Jahre 1816 daselbst stattfand. Damals haben 30 Juden, die euphemistisch .-Diener der Regierung" genannt wurden, eine Art Chewra Kadischa gegründet. Da ihnen kein schwarzes Bahrtuch zur Verfügung stand, haben sie mehrere schwarze Halstücher zusammengenäht und damit die Bahre bedeckt. Im Jahre 1830 wurde der erste ständige jüdische Friedhof in Sidney erworben. Auf diesem Platze steht heute das Rathaus der Stadt Sidney. Der erste Funktionär der jüdischen Gemeinde war Mr. P. I. Cohen, der sein Haus zu gottesdienstlichen Zwecken zur Verfügung stellte und selbst die kantoralen Funktionen versah. 1832 wurde die erste jüdische Gemeinde in Sidney gegründet, dessen erster Präsident Baron Joseph Montefiore war. Später wurden mehrere jüdische Wohltätigkeilsvereine ins Leben gerufen. Das erste jüdische Parlamentsmitglied in Australien war Mr. Maurice Asher, der heute noch. 91 Jahre alt, am Leben ist. Ihm folgten bald mehrere, Mr. S. A. Joseph, Sir Saul Samuel. u. m. a. Der erste Jude, der an der Universität von Sidney den Doktorgrad erhielt, war Mr. David Myers im Jahre 1866. Die große Pork Street Synagoge wurde 1844 eingeweiht. Die bei diesem Anlasse vorgetragenen Gesänge sind die Kompositionen des seinerzeit berühmten Musikers Isaak Nathan, der auch Byrons Hebräische Melodien in Musik setzte und ein Freund des Dichters war. Einen Rabbiner erhielt die Gemeinde erst im Jahre 1862. Die neue große Synwgoge wurde 1878 eingeweiht. Der Anteil der Juden an der Entwicklung Kaukasiens. t In Piatogorsk (Kaukasien) finden gegenwärtig Beratungen von Aerzten und Vertretern verschiedener politischer Gruppen statt, um die Mittel zur Hebung der kaukasischen Kur- und Badeorte zu erwägen. Trotzdem schon mehrere Sitzungen abgehalten wurden, wurde mit keinem Worte des Verbotes Erwähnung getan, das den Inden den Besuch der kaukasischen Bäder unmöglich macht oder zumindest erschwert. Dies veranlaßte den Piatogorsker Rabbiner, an den Vorsitzenden der Konferenzen ein Memorandum zu richten, in welchem er folgendes erklärt: „Wenn heute ein Jude einen kaukasischen Kurort aussuchen will, muß er von einem Arzt ein ausführliches Zeugnis über die Art seiner Krankheit besitzen, deren Beschaffung ihm viel Mühe und Geld kostet. Länger als zwei Monate darf er im Kurorte überhaupt nicht bleiben, obgleich seine Heilung längere Zeit beanspruchen würde. Die Beschränkungen sind jetzt so streng geworden, daß selbst in Kaukasien lebenden Juden der Kuraufenthalt in einem anderen Orte Kaukasiens verwehrt ist. Aus allen diesen Gründen sind die Juden gezwungen, ins Ausland zu gehen und russisches Geld in fremde Bäder zu tragen. Und das asses geschieht trotz der Tatsache, daß die kaukasischen Bäder zum großen Teile von Juden errichtet und durch Juden gefördert und entwickelt wurden. Unter den ersten russischen Truppen, welche den Kaukasus einnahmen. befanden sich zahlreiche Juden. Viele von ihnen sind auf dem Schlachtfelde gefallen, indem sie' die Ortsbewohner vor den wilden kaukasischen Stämmen schützten. Die ersten Gebäude in den kaukasischen Kurorten sind durch jüdische Soldaten erbaut worden. In ganz Kaukasien gibt es keinen Ort, wo sich nicht Spuren jüdischer Arbeit und jüdischen Kapitals finden würden. Und jetzt ist es den Kindern dieser jüdischen Pioniere verwehrt, in denjenigen Orten zu wohnen, welche von ihren Eltern geschaffen wurden." Der Rabbiner drückt schließlich die Hoffnung aus, daß die Konferenz, die sich mit der Lage der kaukasischen Bäder beschäftigt, auch der Juden gedenken werde. Das Memorandum des Rabbiners wird den Protokollakten der Konferenz beigeschlossen und dem Handelsminister unterbreitet werden.

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