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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-08-27 · 35 (27.8.1909) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
35 (27.8.1909)
Date
1909-08-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Helle KSö Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 35 20.000 Kronen von der fanatischen Judenschaft zusammen. Die Grenzpolizei geht gegen diese Leute nicht streng genug ^vor." Auf diesen antisemitischen Bericht hin hat der Verwaltungsausschuß beschlossen, an den Minister des Innern die Bitte zu richten, er möge die Grenzpolizei zu strengem Vorgehen verhallen. Ci« Weltkongreß für Angelegenheiten der jüdischen Emigration. Aus New-Aork wird der „N. I. K." von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Die jüdische Emigration durchlebt jetzt eine schwere Krifis. Die Eiuwanderungsbeschränkungen in Nordamerika, dem bisher wichtigsten und fast ausschließlichen Ziel der jüdischen Emigranten, nehmen immer schärfere Formen an. In den großen jüdischen Zentren dieses Landes, in New-Iork, Philadelphia rc., verschlechtern sich immer mehr die wirtschaftlichen Aussichten für die Nenaukommenden; in diesen Ghettos herrscht eine erschreckende Ueberfüllung und erstickende Enge. Aber die Zustände in den russischen, rumänischen und galizischen Ghettos sind noch schlimmere, und das namenlose Judenelend daselbst treibt jährlich hunderttausende Juden aus ihrer Heimat. Wohin sollen sich diese Unglücklichen wenden, wenn — was durchaus im Bereiche der Möglichkeit liegt — Nordamerika seine Tore vor ihnen gänzlich schließt? Eine solche Katastrophe darf uns nicht unvorbereitet treffen. Die gesamte Judenheit muß ihr rechtzeitig vorzubeugen suchen. In erster Reihe müßten andere Jmmigrationsgebiete in Aussicht genommen, auf ihre sozialen und ökonomischen Möglichkeiten geprüft und die entsprechenden Vorbereitungen zu diesem Zwecke gemacht werden. Vor allem erscheint die Türkei dazu berufen, eine bedeutende Rolle für die jüdische Emigration schon in der nächsten Zukunft zu erlangen. Von großer Wichtigkeit wäre auch die Schaffung von finanziellen Institutionen zur Regulierung der jüdischen Emigration nach Muster der Emigrationsbanken bei den Italienern, Tschechen, Slowaken rc. Eine solche großzügige Arbeit kann aber nicht von einzelnen Parteien und Verbänden geleistet werden; dazu bedarf es des Zusammenschlusses aller Kräfte, der Schaffung einer alle Parteien und Richtungen der Gesamtjudenheit umfassenden Organisation. Zwecks Begründung einer solchen Organisation wird von hiesigen maßgebenden Kreisen die Einberufung eines Weltkongreffes für jüdische Emigration geplant und propagiert. Dieser Plan, welcher auf der im März d. I. hier stattgehabten jüdischen Jmmigrationskonferenz entstanden ist, findet immer mehr Anhänger auch in anderen Ländern und dürfte auch verwirklicht werden. Der Emigrationskougreß soll aus Vertretern sämtlicher jüdischen Organisationen in der Alten und Neuen Welt, wie auch aus Wortführern der jüdischen Auswanderermassen selbst zusammengesetzt sein. Es sollen auf ihm die verwickelten und komplizierten Fragen der jüdischen Emigrationspolitik von Sachverständigen eingehend erörtert werden. Nach Feststellung der Arbeitsmethoden und Richtlinien für eine planmäßige Regulierung der jüdischen Emigration soll der Kongreß die gekennzeichnete Organisation begründen. Es ist ein Unternehmen von weittragender Bedeutung für die gesamte Judenheit. Denn die Geschicke der jüdischen Emigration berühren nicht allein die von ihr direkt Betroffenen, sondern alle Teile der Judenhett. Es ist daher zu hoffen, daß sich wirklich alle jüdischen Kreise zu einer einheitlichen Tätigkeit auf diesem Gebiete zusammenschließen und sich in ihrer Stellungnahme zu dieser brennendsten jüdischen Frage von keinen engherzigeu Sonderbestrebuugen beeinflussen lassen werden. Ei» „Judengollasch". Das „Gollasch", die Nationalspeise der Magyaren dürfte in der ganzen Welt bekannt sein. Es ist eine stark paprizierte Fleischspeise, wobei das wichttgste Moment ist, daß das Fleisch aus einzelnen kleinen Stücken besteht. In Großwardein, einer von vielen Juden bewohnten Stadt, kamen dieser Tage einige magyarische Zechbrüder in ein Nachtlokal, wo fie sich bis 4 Uhr morgens bei Wein und Champagner unterhielten. Zu dieser Zeit verlangten drei Saufbolde von der Kellnerin ein / „Judengollasch". Auf die Frage des Mädchens, was dies sei, erwiderten fie brüllend: „Zerhacken fie einen Juden und kochen fie uns aus seinem Fleisch ein Gollasch"! Das Mädchen lachte laut auf, aber nicht so ein jüdischer Fleischhauergeselle, der sich gleichfalls im Lokale befand. Als dieser die antisemitische Roheit vernahm, trat er auf die saubere Gesellschaft zu und versetzte jedem der drei judenfresserischen Magyaren je eine Ohrfeige, die so wuchtig ausfielen, daß ihre Gesichter bald die Farbe von Gollasch- ‘ Fleisch bekamen. Die Angelegenheit dürfte ein gerichtliches Nachspiel haben. Ein jüdisches Krankenhaus mit einer christlichen Patientenmajorität. In Budapest besteht ein jüdisches Krankenhaus, das vor zwölf Jahren von der Familie des jüdischen Journalisten Dr. Brody zum Andenken seiner Frau errichtet wurde. Die antisemitischen Blätter haben seinerzeit sich bemüht, die musterhaft geleitete, moderne Anstalt zu diskreditieren, obgleich die Gründer bestimmten, daß auch Nichtjuden im Spitale Behandlung finden sollen. Es scheint jedoch, daß die christliche Bevölkerung von Budapest und der Provinz sich von diesen Lügen nicht beeinflussen ließe, denn wie aus dem jüngsten Jahresausweis des Spitales hervorgeht, haben im abgelaufenen Verwaltungsjahre bloß 44.179 jüdische, hingegen nicht weniger als 100.210 christliche Patienten beiderlei Geschlechtes Pflege und Heilung erfahren. Und trotzdem heißt das Spital ausdrücklich „jüdisches Spital". Das Leichenbegängnis des Rektors Bloch und die ungarische Regierung. Viel besprochen wird jetzt in Budapest die auffallende Tatsache, daß die ungarische Regierung beim Leichenbegängnis des verstorbenen Seminardirektors Moses Bloch durch keinen Beamten vertreten war. Man findet das umso auffälliger, als das Budapest» Rabbinerseminar eine staatlich anerkannte Lehranstalt mit dem Range einer Hochschule ist und der Verstorbene eine Stelle einnahm, die ungefähr der Rektdrstelle einer Universität gleichkommt. Unter den früheren Unterrichtsministern wäre eine solche Mißachtung einer jüdischen Anstalt unmöglich gewesen. Der Scheik-ül-Jslam über den Zionismus. Ein Vertreter des „American Hebrew", der bekannte Publizist Hermann Bernstein, hatte eine Unterredung mit dem Oberhaupt der mohammedanischen Kirche, in welcher auch der Zionismus zur Sprache kam. „Was ist Ihre Meinung vom Zionismus?" Der Scheik-ül-Jslam sah mich an, als ob er £>te Frage nicht verstehen würde. Ich modifizierte daher die Frage: „Wie stellen Sie sich zur Auswanderung der Juden aus den Ländern, in denen sie verfolgt werden, wie Rußland und Rumänien, nach Palästina?" „Wir betrachten jeden Menschen als unseresgleichen"; antwortete der Scheik. „Wir machen keine Ausnahme den Juden und Christen gegenüber. Die Juden konnten in der Türkei immer in Frieden leben und die.Moslims sind ihnen gutgesinnt. Insoferne wir mit einer leidenden Rasse sympathisieren; behandeln wir Moslems alle Menschen gleich und wenn eine große Einwanderung von Juden oder Christen nach Palästina beginnen würde, so wäre dies ein Problem, das das Parlament zu lösen hätte. Das ist sicherlich keine religiöse Frage." Auszeichnung eines jüdischen Medailleurs. Das Münzamt von Philadelphia ließ kürzlich eine neue Type von Centstücken prägen, welche das Bild des berühmten Präsidenten der Vereinigten Staaten Abraham Lincoln, dessen Gedenkfeier erst jüngst inj ganz Amerika gefeiert wurde, trägt. Für die letzte Zeichnung, die sich für den genannten Zweck eignet, wurde eine

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