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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-08-27 · 35 (27.8.1909) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
35 (27.8.1909)
Date
1909-08-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Rr. 85 Dr. Blochs Wochenschrift. «eite m öffentliche Konkurrenz ausgeschrieben. Als Gewinner des Preises erschien ein junger jüdischer Künstler, namens Viktor D. Brenan. Der Ausgezeichnete war in seiner Jugend Chämelot und hausierte mit Zeitungen. Von seinem kärglichen Verdienst ersparte er sich so viel, um die Gewerbeschule zu besuchen und dann eine höhere Kunstschule frequentieren zu können. Später ging er ins Ausland, wo er seine künstlerische Ausbildung genotz. Heute zählt Brenan zu den bedeutendsten Medailleuren Amerikas. Das neue russische Auswanderungsgesetz. Aus Petersburg wird uns berichtet: Dem Ministerrat liegt das gesamte Material für die Beratungen über die Schaffung eines neuen Auswanderungsgesetzes vor. Auf Vorschlag des Handelsministers sollen den Beratungen die folgenden Punkte zu gründe gelegt werden: 1. Begrenzung der freien Auswanderung. 2. Erleichterungen bei Ausfolgung von Auslandspässen an Emigranten sowohl hinsichtlich der zu entrichtenden Gebühren, wie auch der an die Ausfolgung geknüpften Formalitäten. 3. Regelung der Konzessionserteilung an Auswanderungskontors und die Ueberwachung derselben. 4. Regelung des Konzessionswesens, betreffend die Schiffahrtsgesellschaften, welche den Emigrantentransport betreiben. 5. Wahrung der Interessen der Auswanderer während ihrer Fahrt auf hoher See. ihre medizinische Fürsorge, Verpflegung usw.. 6. Das Ver- . halten zu den Angestellten, welche sich mit der Auswanderung befassen, ihre Rechte und Pflichten und 7. Feststellung der Strafen wegen llebertretung dieses Gesetzes. Eine Deputation jüdischer Soldaten am Zarenhofe. Wie bereits berichtet, hat sich in Kiew ein Verein jüdischer Soldaten gebildet, die den russisch-japanischen Krieg mitgemacht haben. In der jüngsten Sitzung des Vereines wurde beschlossen, ein prachtvolles Sefer-Thora anzuschaffen und es durch eine Deputation dem Kronprinzen an dessen Geburtstage überreichen zu lassen. Der Deputation gehören fünf jüdische Krieger an, die wegen ihres Heldenmutes mit dem Georgsorden für tapfere Soldaten ausgezeichnet wurden. Die Verfolgung des Zionismus in Nutzland. Wie Petersburger Blätter berichten, wurden in Kischenew auf Verordnung des Gouverneurs von Bessarabien sämtliche Nationalfondsbüchsen durch die Polizei konfisziert. In manchen Wohnungen wurden, angeblich aus Versehen, auch die Sammelbüchsen anderer jüdischer Wohltätigkeilsanstalten konfisziert. Die konfiszierten Sammelbüchsen wurden samt ihrem Inhalt an die gouvernementale Gendarmerie-Verwaltung abgeschickt. Das türkische Wehrgesetz sanktioniert. Das provisorische türkische Wehrgesetz, betreffend die Zulassung von Nichtmohammedanern zum Militärdienst hat, wie Konstantinopeler Blätter melden, bereits die Sanktion des Sultans erhalten. Der Minister des Innern hat hierauf bei den zuständigen Aemtern der Provinzen auf telegraphischem Wege die Einsendung der Subskriptionslisten an die Assentbureaur urgiert. Wie verlautet, ist die Zahl der Iuden, die sich auf Grund des neuen Gesetzes zum Militärdienst gemeldet haben, sehr, grotz. Keine Erleichterung auf Ellis Island. Das Petersburger Auswanderungs-Informationsbureau der „Ica" versendet folgendes Kommunique. Mehrere Zeitungen brachten die Nachricht, datz in den Vereinigten Staaten von Amerika die Verordnung des Einwanderungskommissärs Williams, wonach jeder Einwanderer (mit Ausnahme von Frauen, die ihren Männern folgen, Kindern, die zu ihren Eltertt und Eltern, die zu ihren Kindern fahren) den Besitz von 25 Dollars Nachweisen müsse, bereits aufgehoben worden sei. Im Interesse der Auswanderer bitten wir, festzustellen, datz diese Mitteilung unrichtig ist. Offizielle russische Daten über die Auswanderung. Die russische Regierung bereitet ein neues Gesetz über die Regelung der Auswanderung aus Rutzland oj)r: Als Behelf zu diesem Gesetz hat das Handelsministerium eine Statistik der Auswanderung aus Rutzland seit dem Iahre 1903 veröffentlicht. Es ergibt sich hieraus, datz die Auswanderung im Jahre 1903 136,093 Personen betrug, im Iahre 1904 145,141 Personen, hn Iahre 1905 184,897 Personen, im Iahre 1906 215,655 Personen, im Jahre 1907 253,943 Personen und.im Iahre 1908 156,711 Personen. Am meisten emigrieren Iuden, Polen und Littauer. Die Zahl der auswandernden Russen beträgt nur 3—4 Prozent. Im Iahre 1907 sind über 16,000 Russen ausgewandert. Dom General de Gallifet. Den geschworenen Rafseantisemiten muß es, wie die „Franks. Ztg." bei Erwähnung" der vielfachen, über den Verstorbenen kursierenden Anekdoten schreibt, geradezu als eine Schändung erscheinen, daß von diesem Vertreter deS echt französischen Wesens in Tapferkeit und Geist mit seiner eigene» lächelnden Zustimmung e^Shlt wurde, er stamme von portugiesischen Juden ab. Im Jahre 1581 sei ein Jude, NamenS Porcerer Coulet, da eine schwere Anklage gegen ihn erhoben worden war, aus Carpentras zuerst nach Aix und dann nach Avignon gekommen. Dort habe er dem Verweser eines Klosterbedeutende Dienste erwiesen, sei zum Katholizismus Äergetreten und habe bei der Taufe den Namen „Gallus Factus* (Galliffet) — Franzose gewordener — erhalten. Ein Freund der deutschen Juden. Aus Kissingeu wird der „N. I. K." von einem gelegentlichen Mitarbeiter geschrieben: Herr Purischkewitsch, der bekannte Held des Verbandes der echtrussischen Leute, weilt gegenwärtig hier, um seine durch die Vorarbeiten für die nächstjährigen Judenpogrome etwas geschwächte Gesundheit neu zu kräftigen. Er mutz wohl meinen, er sehe schon wieder ganz stattlich aus. denn dieser Tage überkam ihn plötzlich das Bedürfnis, sich photographieren zu lassen. Um nun auch allen seinen zahlreichen Freunden im russischen Volksverband ein Konterfei zukommen lassen zu können, bestellte Herr Purischkewitsch eine so grotze Anzahl von Bildern, datz es dem Photographen auffällig erschien. Der Mann — ein Jude, der aber natürlich keine Ahnung hatte, wen seine neueste Platte darstellte — zeigte einen Probeabzug im Vertrauen einem anderen russischen Kunden und war nicht wenig erstaunt, als dieser ihn auf die grotze Rosette hinwies, die der Porträtierte auf der Brust trug, und auf der grotz und deutlich die Worte zu lesen waren „Bjejshydow!" („Schlagt die Juden tot!") Der Photograph wandte sich an die Behörde, um zu erfahren, ob er zur Ausführung der Bestellung verpflichtet sei, was natürlich verneint wurde. Als der Photograph Herrn Purischkewitsch mitteilte, datz er die Bilder nicht liefern werde und ihn fragte, warum er gerade zu einem jüdischen Photographen gegangen sei, erwiderte der grotze Mann seelenruhig, seine „Devise" beziehe sich nur auf die russischen Juden, gegen die deutschen Juden habe er nichts! Die deutschen Iuden werden sich für diesen neuen Freund bestens bedanken, was sagen aber unsere Antisemiten dazu?

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