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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-08-27 · 35 (27.8.1909) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
35 (27.8.1909)
Date
1909-08-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 595 Nr. 35 Erlebnis: „Ich durfte ihn", erzählt Dr. Goldschmidt (in den „Leipz. Neuesten Nachrichten") „manchmal auf seinen Querfahrten durch Berlin begleiten. Er hatte eine prinzipielle Abneigung gegen das „Plebejerfuhrwerk", wie er die Elektrische nannte; aber, aus pekuniären Gründen mußte er sie doch hie und da benützen. Dann nahm er keinerlei Rücksicht auf die Mitfahrenden, sondern führte laut, energisch und temperamentvoll seine Gespräche über alles mögliche. Ich weiß noch, wie er einmal in einem vollbesetzten Wagen mit Stentorstimme die Rassenfrage behandelte: „Was heißt das: Christ, Jude, Christ, Jude? Menschen will ich! Menschen! Menschen!" Der verstorbene liebenswürdige Poet schildert in seinen biographischen Roman „Leben und Lüge" u. a. auch das mutige Verhalten eines jüdischen Soldaten: „Mitten in der Stadt schloß sich der Gefreite Lewin von der zwölften Kompagnie unserm Halbbataillon an. Er hatte eine Patrouille geführt und war seiner Kompagnie abhanden gekommen. Eine Stunde später lag er, mitten durchs Herz getroffen, im Gras. ... Der kleine Jude war auch in meinem Zuge. Er gab Lang und mir einen guten Schnaps. Er zeigte sich als tapferer, umsichtiger Soldat." Zu den näheren Freunden des Dichters gehört auch der Hamburger Jakob Löwenberg, der u. a. das Gedichtwerk: „Aus jüdischer Seele" geschrieben hat und bei der Trauerfeier in Altrahlstedt namens der Hamburger „Literarischen Gesellschaft" dem Freunde den letzten Gruß entbot. Die Reichsbank auf dem jüdischen Friedhofe. Die russische Regierung beschloß, in Hömel eine Filiale der Reichsdank zu srrichten. Obgleich in der Stadt viele Plätze vorhanden sind, die sich als Bauplatz eignen würden, wählte der dortige Bürgermeister D u m- ..b^w s.k.idennoch^ den jüdischen Friedhof als Platz aus, auf welchem die Reichsbank errichtet werden soll. Trotzdem der Gouverneur einer jüdischen Deputation die Zusicherung gab, eine solche Pietätlosigkeit nicht zuzulassen, ließ Dumbowski in der letzten Sitzung >er städtischen Duma einen Majoritätsbeschluß fassen, wonach die Reichsbank auf dem jüdischen Friedhofe erbaut werden soll. Der Homeler Friedhof gehört zu den ältesten jüdischen Friedhöfen Rußlands: in demselben liegen auch zahlreiche Märtyrer des Zarismus begraben. Die technische Grschließnng des Irdischen Anftedlnttgsgebietes. (Bodenentwässerung. — Bewässerung. — Wegebau. — Parzellierung des Bodens.) Von Kultur-Ingenieur I. Treidel, Haifa. 1. Bodenentwässerung. In der subtropischen Zone, wo ich seit zirka elf Jahren im jüdischen Ansiedlungsgebiete tätig bin. hat die Bodenentwässerung eine weit größere Bedeutung für den Staatshaushalt, als in der gemäßigten Zone, obwohl auch dort ihre Wichtigkeit nicht zu unterschätzen ist. In der gemäßigten Zone bezweckt die Trockenlegung feuchter und sumpfiger Niederungen die Verbesserung minderwertiger Böden und die Gewinnung neuer Kulturflächen. Dieselben Vorteile machen sich auch für die Kolonisationsgebiete der subtropischen Zone geltend, dazu kommt aber noch — und das ist zweifellos .das Wichtigste — die Verbesserung der sanitären Bedingungen der von der Drainage betroffenen Gegenden und ihrer Nachbargebiete. Eine alte Erfahrung lehrt, daß Sümpfe und feuchte Niederungen in den Subtropen Fieberherde sind. Die moderne Forschung schreibt die Uebertragung und Verbreitung des Malariabazillus der Anophelesfliege zu, die ihre Brutstätten in den sumpfigen und feuchten Niederungen und stehenden Gewässern hat. Nimmt man durch Drainage dem Insekt die Lebensbedingung, so verschwindet erfahrungsgemäß die Malaria. Das stets wirksame Mittel zur Austrocknung der Sümpfe und feuchten Böden ist die Drainage vermittels offener Gräben oder Drainröhren. Die Trockenlegung der Sümpfe vermittels Anpflanzung von Eukalyptusbäumen hat trotz des hohen Kostenaufwandes dieses Verfahrens nicht immer den gewünschten Erfolg gezeigt. Kleinere Sumpfgebiete findet man an der syrischen Küste überall, wo das Meeresufer eine entwickelte Dünenbildung aufweist und wo die Dünenkette den Abfluß der im Winter sich reichlich bildenden Regenmengen verhindert. Diese Linie kleinerer oder größerer Sumpfgebiete läßt sich von Gaza südlich bis jum Promontorium-Album nördlich verfolgen. Weitere Sumpfbildungen und nasse Böden, die zum Teil im Sommer austrocknen, findet man in den Mulden der großen Ebenen, z. B. in der Battoi-Ebene, der Ebene Iesreel, im nordöstlichen Winkel der Saron-Ebene, in der Einsenkung zwischen Libanon und Antilibanon, der sogenannten Bekäa und vor allem im oberen Iordantale, der sogenannten Hule-Niederung. Das Sumpfgebiet der Hule umfaßt einen zusammenhängenden Komplex von zirka 18.000 Hektar, der für die Winterkultur wegen der Bodennässe fast unbrauchbar ist und nur zum Teil mit Sommergetreide an gebaut werden kann. Mit verhältnismäßig geringen Kosten könnten die sämtlichen Sümpfe und feuchten Niederungen trocken gelegt und die Malaria aus Palästina und Syrien verbannt werden. Die durch die Trockenlegung gewonnenen Ackerflächen könnten die Kosten der technischen Arbeiten reichlich bezahlt machen. 2. Bewässerung. Die Irrigation oder Bodenbewässerung vermag die Erträge bis aufs Zehnfache zu vermehren. Man hat in dem benachbarten Egypten mit Hilfe der Bewässerung Baumwolle anbauen können. Diese Kultur wurde so lohnend, daß die Fellachen einen Reingewinn von über 500 Mark pro Hektar erzielen konnten. Die Bodenpreise stiegen daher in wenigen Jahren dank der Bodenbewässerung von 150—200 Mark pro Hektar auf 4000—10.000 Mark pro Hektar. Durch die Möglichkeit der künstlichen Wasserzufuhr wird der Ackerbau viel unabhängiger von der Unregelmäßigkeit des Regenfalles. Der Landwirt hat es dann in der Hand, die Bodenfeuchtigkeit so zu regulieren, daß die Pflanzen weder dursten noch an überreicher Wasserzufuhr zu leiden haben. Unter künstlicher Bewässerung kann man Orangen. Zitronen, Granatäpfel und andere Baumarlen kultivieren. Aber auch Weizen und Gerste geben auf bewässertem Boden viel sicherere und reichere Erträge als auf trockenem Boden, vor allem aber ist es der Mais, die Luzerne und die Baumwolle, drei äußerst lukrative Kulturen, die bei künstlicher Bodenbewässerung angebaut werden können. Die in den letzten Jahren von dem Bankhause Soursok in Beyrout angestellten Versuche zum Anbau von Baumwolle haben nachgewiesen, daß diese Kultur in Palästina und im südlichen Syrien eine große Zukunft hat. Im nördlichen Syrien und Karomanien hat die Deutsch-Leoantinische Baumwollgesellschaft die dortige Bevölkerung zum Anbau von Baumwolle mit Erfolg ermutigt. Die Wasserbefchaffung ist in vielen Teilen Palästinas, wie im Iordantale, der Kison-Ebene und im

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