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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-08-27 · 35 (27.8.1909) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
35 (27.8.1909)
Date
1909-08-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 35 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 591 welche die Zionistische Organisation ihre Ziele realisieren will, erhielt der Redakteur eine ausführliche Auskunft. Und dann stellte er „noch eine kleine und letzte Frage". Haben Sie, so fragte er, in der vergangenen Woche die Aeußerungen über den Zionismus gelesen, die in einer Unterhaltung zwischen Dr. Riza Tewfik Bey und Herrn Leven bei dem Empfange der türkischen Abordnung durch die „Alliance JsraEe" fielen? Wie denken Sie darüber? Ich habe keine Zeit, erwiderte Präsident Wolsfsohn, um sie an eine ftuchtlose Polemik zu verschwenden. Aber, irre ich michnicht, so hat derselbe Dr. Riza Tewfik früher sich mehrmals begeistertfür den Zionismus ausgesprochen. Hier liegt jedenfalls ein Mißverständnis vor. das ich nicht aufklären kann. ES ist da von einem Zionismus die Rede, der chimärische Ziele verfolgt,^ die wir, wie Sie sich überzeugen konnten, ganz und gar nicht haben. Damit war die Unterredung beendet, und der „Courrier d'Orient" fügt hinzu, daß die Frage unparteiisch und kühlen Blutes betrachtet werden müsse. Grneralversaninürmg der Jewish Colon isation Association, (Schluß.) 5. Palästina und Türkei. Ich habe bisher einen Mittelpunkt der Kolonisation noch nicht besprochen, welche gleich alt ist, wie die älteste in Amerika ist: Palästina. Die Zahl der Kolonien beträgt dort zwanzig, ihre Bevölkerung mehr als 6600. Wenn sie nicht allesamt ihre Existenz, so verdanken doch fast alle ihren Fortbestand der großartigen Hochherzigkeit des Herrn Barons Edmund von Rothschild. Die Gewohnheit, die sie angenommen halten, auf ihren Wohltäter zu rechnen, bewirkte oft, daß die Kolonisten es an den eigenen. Anstrengungen, die für den Vodenbearbeiter erforderlich sind, fehlen ließen. Es war notwendig, diese Anschauung zu ändern und ein Verwaltungssystem >3U beseitigen, das sie aufrecht erhielt. Es war ferner notwendig, die Verteilung des Bodens zu ändern und jedem Kolonisten so viel Land zu geben, daß er leben konnte. DaS bedeutete eine vollständige Umgestaltung der Kolonien, die jetzt glücklich beendet ist. Herr von Rothschild hat dieselbe geleitet. Das Hervorstechendste bei dieser Umgestaltung ist die Ueberlassung der Fabrikation und des Verkaufs der in den Kellern von Rischon le- Zion und Sichron Jakob hergestellten Weine an die zu einer Kooperativ-Genossenschaft vereinigten Kolonisten. Sie kommen dabei besser weg, als die Administration, die damit belastet war. Hier bewährte es sich wieder einmal, daß die beste Verwaltung das „Seif governement" ist. Die Kolonisten sind damit ebenso zufrieden, wie wiri fortan nur auf sich selbst rechnend, arbeiten sie beharrlich, und die Kolonien gelangen fast alle zum Gedeihen. Äußerhalb Palästinas, in Anatolien, wären die kleinen Kolonien Karaya und Sazilar, welche von rumänischen Emigranten schlecht angelegt wurden, ohne unsere Hilfe zugrunde gegangen. Sie heben sich und scheinen imstande, sich zu behaupten. indessen größere Hoffnungen setzen wir auf die Türkei. Wir Erziehen in unserer Ackerbauschule Or Iehüdä Arbeiter, die bisher auswandern mußten, um von ihrem Gewerbe zu leben. Wir denken, daß sie unter dem neuen Regime in der Türkei im Lande bleiben und ihm mit ihrem Wissen und ihrem Fleiße Vorteile wepddn bringen können. Diese Ansicht hatten wir schon früher; vor Mehr als zwei Jahren haben wir eine Äbordnung nach Zizilien und Mesopotamien gesandt, deren Bedichte die Möglichkeit des Erfolges landwirtschaftlicher Unternehmungen in diesen Gebieten feststellten. Wir sind geneigt, einen Versuch zu machen. Nach wie vor ist unsere Aufmerksamkeit den Ländern, aus denen die Auswanderung erfolgt, wie denjenigen, nach welchen sie sich richtet, zugewendet. Sie Wissen, in welchem Maße die Gesetzgebung Rumäniens und Rußlands unsere Tätigkeit in diesen Ländern erschwert. _ .;•-:#[ 6. Rumänien. Was kann in Rumänien geschehen? Der Geist der Gesetzgeber erschöpft sich darin, den Iuden in der Arbeit zu behindern. Die industrielle Betätigung ist beengt, die landwirtschaftliche unmöglich. Sie haben nicht einmal die Freiheit, ihre Kinder zu unterrichten. Wo können sie Unterricht erhallen? Die öffentlichen Schulen sind ihnen fast gänzlich verschlossen. Wir tun, was wir können, um den Gemeinden zur Errichtung von Schulhäusern und zur Erteilung von Elementarunterricht behilflich zu sein. Im letzten Jahre haben wir 32 Schulen (darunter eine Handwerkerschule für Mädchen) unterstützt, die 7121 Schüler zählen. 7. Rußland. Was kann in Rußland geschehen? Wir unterstützen dort 51 Elementarschulen, welche im Jahre 1908 mehr als 8000 Schüler hatten. Die 21 Knaben-Handwerkerschulen, die wir unterstützen, zählen 1333, die 17 Mädchen- Handwerkerschulen 972 Zöglinge. Unserer Ermutigung zur Landwirtschaft sind' enge Grenzen gezogen, weil den Iuden das Wohnen auf dem flachen Lande außerhalb des Ansiedlungsrayons, wie fast in dem ganzen Territorium, aus dem sie ausgeschlossen sind, verboten ist. Unsere Tätigkeit beschränkt sich auf die von Älerander und Nikolaus I. errichteten Kolonien. Trotz des Anwachsens ihrer Bevölkerung ist eine Erweiterung dieser Kolonien in Vessarabien, Podolien, im Gouvernement Cherson, im Nordwest-Gebiete über die Grenzen, innerhalb derer sie errichtet wurden, hinaus nicht gestattet worden. Wir tun das Mögliche: wir haben ein System landwirtschaftlicher Verbesserungen geschaffen, welche es den Kolonisten erleichtert, sich mit den modernen Ackergeräten und Methoden vertraut zu machen und ihrem überaus knapp bemessenen Boden alle erdenklichen Einnahmen abzugewinnen: wir sind den Gärtnern im Umkreise der Städte behilflich, ihre Gärten und Weinpflanzungen zu erweitern. Fünf Schulen sorgen für die landwirtschaftliche Unterweisung der Kinder. Das Institut der landwirtschaftlichen, industriellen und kaufmännischen Darlehnskassen vervollständigt unsere Unternehmungen in Rußland. Ihre Nützlichkeit offenbart sich in der Bevölkerungszahl, die davon Gebrauch macht. Es ist eine Bevölkerung von 1,046,516 Seelen. Sie setzt sich aus Handwerkern, Kolonisten und Kleinkaufleuten zusammen. Die Darlehen haben im Jahre 1906 die Summe von 10 Millionen überschritten. Davon sind mehr als 9 Millionen zurückgezahlt worden. 8. Galizien. In Galizien haben wir die ersten Kassen eingerichtet, um einer durch das Elend tief herabgedrückten Bevölkerung zu Hilfe zu kommen. Sie leisten viel Gutes. Gegenwärtig 20 an Zahl, umfassen sie 14.453 Mitglieder. Die Gesamtsumme ihrer Darlehen ist im vorigen Jahre auf 2,536.188 Kronen gestiegen. Ihr Erfolg hat uns veranlaßt, sie entsprechend der Bevölkerungsmenge, fiir welche sie bestimmt sind, in weitem Umfange einzurichten. Was nicht alles würden die Juden in Rumänien und Rußland für das Gedeihen ihres Landes leisten, wenn sie von den elenden Gesetzen befreit wären, welche sie beschränken! Die Regierungen dieser Länder wissen

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