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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-08-27 · 35 (27.8.1909) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
35 (27.8.1909)
Date
1909-08-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 590 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 35 audichtet. Da verkauft er sein Haus, seine Besitzrechte und sein Lokal an die Tschechen, da zieht er den billigeren tschechischen Arbeiter in die Stadt. Das beweist der Effekt. Noch etwas anderes sehr Hübsches sieht man au der moralischen Rückseite der Tschtchendemonstrationen: Die Haltung der Christlich-Sozialen. Das sind die Herren von Wien und sie haben es stets znrückgewiesen, daß sie nicht deutschuational wären bis auf die Knochen. Dieses Schillern in Schwarz-Rot-Gold ist für das Parlament notwendig. Wie könnten sonst die Deutschfreiheitlichen zu einem Bündnis mit einer Partei gebracht werden, die weder deutsch ist noch freiheitlich? Aber im Wiener Rathaus liest man das politische Bekenntnis anders. Hier hat man wieder darauf zu achten, wie viele heimliche und offene Tschechen die Gefolgschaft der Christlich-Sozialen bilden und man bringt deswegen zum allgemeinen Entrüstungschor der Deutschen auch nicht das zarteste Stimmchen auf. Im Rathaus nimmt man allen Arten von Würdenträgern den Eid daraus ab, den deutschen Charakter der Stadt Wien zu wahren, aber bei Demonstrationen hört mau kein Wörtchen der Ermahnung an der kompetenten Stelle. Es ist ja zufällig ganz recht so, vom Standpunkt des Rechtes aus betrachtet. Von der christlichsozialen Partei aber ist wieder einer jener Dekoratiousmäntel heruntergefallen, welcher das kritiklose Volk aus deutscheu Gegenden anlocken sollte, und die Gesinnungslosigkeit einer Gruppe schaut hervor, an der alles unecht ist bis auf die Begeisterung für die Versorgung der Führer. Man sieht, wie hohl das meiste an der großen Aufstandsbkweguug der Wiener gegen die Tschechen ist und wie wenig Ursache zur Einmischung für die Juden vorliegt, die ewigen Schwärmer für Recht und Idealismus. Es gibt noch immer Fossilien unter uns, die den Deutschen trotz gemeinstem und rohestem Undank bis Prachatitz und Themenau und Schwechat nachlaufeu. Das heißt nichts anderes, als den Rücken noch nach einer zweiten Seite zum Empfange von Prügeln Hinhalten. Die Dummheit wächst aber noch, wenn man den deutsche ' Charakter der Stadt Wien wahren hilft. Es heißt, sich selbst den Boden untergraben, wenn man das Privileg eines Volkeftammes in einer Stadt unterstützt, welche nicht die Hauptstadt von Niederösterreich allein, ist, sondern die Zentrale eines riesigen Reiches mit slawischer Majorität. Hier haben die Tschechen eiu genau so großes Recht, nach ihrer Fasson national selig zu werden, wie alle anderen Steuerzahler. Die deutsche Mehrheit der Stadt braucht zu den tschechisch-nationalen Bestrebungen materiell nichts beizutragen, kann in ihrem Wirkungskreis die deutsche Amtssprache für ewig festlegen. Aber es existiert kein Recht, das irgend einen Volksstamm hindern könnte, in seinen vier Pfählen allgemein erlaubte Sachen zu tun, und die Juden haben alles eher als prinzipielle Gründe, die Erfinder eines solchen Rechtes zu unterstützen und die Gewalttätigkeiten der Wiener deutschen Studenten auf die Straße und ins Bürgerliche zu übertragen. David Wolffsohn «der de« hrutigr« Zionismus. Die egyptische Zeitschrift „1,68 k^ramläes" veröffentlichte jüngst einen Aufsehen erregenden Konstantinopeler Brief, in welchem gegen das jetzige türkische Regime gehetzt wird. Der Korrespondent schreibt unter Anderem: „Oesterreich hat Bosnien gekauft; Bulgarien hat R u m e l i e n gekauft, die Griechen wollen Kreta erwerben, der Papst verlangt das Heilige Grab, die Juden strecken ihre Hand nach Palästina ans und vielleicht wird Rußland bald Konstantinopel haben wollen." Nach Erscheinen dieses Artikels sandte der Pariser „Oariier — D’Orient" seinen Konstantinopeler Redakteur zu dem gerade in der türkischen Hauptstadt weilenden Präsidenten der zionistischen Organisation, Herrn David Wolffsohn, um ihn um eine Gegenäußerung zu den oben zitierten Artikel , zu bitten. „In gewissen Ländern" — so begann Präsident Wolffsohn dem Interviewer die unmittelbare. Notwendigkeit' der zionistischen Arbeit zu demonstrieren — „sind die Juden das Objekt ständiger Verfolgungen und Schikanen aller Art,, die von Zeit zu Zeit zu den bekannten Massakres führen, deren Greuel ja die ganze Welt erzittern ließen. Fast überall sind sie Beschränkungen der bürgerlichen Freiheit unterkvorfen/ die ihre ganze Entwicklung hemmen. Diese anormalen Bedingungen haben das in der Geschichte einzig dastehende Phänomen eines Volkes geschaffen, das die ganze Welt auf der Suche nach einem Vaterlande durchirrt. Wir Zionisten halten es für eine Sisyphusarbeit, was die meisten jüdischen Organisationen tun, die Folgen dieser Massakres zu mildern, die sich ja doch mit. einer tragischen Notwendigkeit immer wiederholen und mittelst einer plan- und ziellosen Auswanderung das materielle und moralische Elend der Judenfrage von einem Lande ins andere zu verschleppen, ohne an eine radikale Lösung des Problems heranzugehen. Wir wollen demgemäß die Kräfte und die Mittel des jüdischen Volkes, statt sie wie bisher zu zerstreuen, auf die Schaffung eines jüdischen Bauernstandes und einer zusammenhängenden Kolonisation konzentrieren in einem Lande, das alle Bedingungen für ein Gelingen dieses Versuches bietet. Und wir find der Ansicht, daß dieses Land nur die Türkei sein kann, zu deren Provinzen Palästina gehört, das Land, das die Wiege des Judentums ist und an das unser Volk mit allen seinen religiösen und geschichtlichen Überlieferungen unauflöslich geknüpft ist. Dort wird der Jude, der ja seit Jahrhunderten dem Ackerbau entfremdet ist, imstande sein, alle die unzähligen Schwierigkeiten der Umwandlung eines Städters in einen Ackerbauer zu bezwingen. Dort wird unser Volk alle seine wahren Fähigkeiten zum eigenen Wähle und zum Besten der Türkei entfalten können. . .. ... Aber Ihre Gegner, wandte der Redakteur ein, schreiben Ihnen die Absicht zu, in Palästina das Königreich Israel wieder aufzurichten. Was sagen Sie dazu? Das ist eine monströse Unterstellung, die ich auf das allerenergischeste zurückweise, rief Herr Wolffsohn mit berechtigter Entrüstung aus. Und diejenigen, die das sagen, glauben selbst nicht daran! Nichts in unseren Handlungen rechtfertigt die'Annahme dieser verrückten Idee. Der Zionismus kann sein Ziel nur erreichen, wenn er sich auf eine stärke und blühende Türkei stützt, deren untrennbaren Bestandteil Palästina bildet und immer bilden wird. Vergessen Sie nicht, daß wir keine Stütze an einer fremden Macht haben und daß wir infolgedessen niemals das Mittel für irgendwelche fremde politische Zwecke darstellcn können. Wir haben es zum Prinzip gemacht, daß jeder jüdische Einwanderer die türkische Staatsangehörigkeit erwerben soll, und es muß schwer fallen, an dem guten Glauben derer nicht zu zweifeln, die uns separatistische oder überhaupt antitürkische Absichten zuschreiben. Wie erklären Sie aber dann, fragte der Interviewer weiter, die Worte „öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte" in Ihrem Programm? Darauf gab Präsident Wolffsohn die Erklärung ab, daß der Zionismus unter dem alten Regime naturgemäß für Leben und Eigentum seiner Kolonisten eine „öffentlich-rechtliche" Sicherung hätte erstreben müssen, daß aber ebenso selbstverständlich unter dem neuen Regime alle Privilegien überflüssig seien, da sie ja durch die allgemeinen Garantien der Konstitution ersetzt seien und da die Zionisten durchaus nur die allen osmanischen Bürgern gemeinsamen Rechte erstrebten. Auf weitere Fragen erklärte Wolffsohn dann noch, daß die Zionisten natürlich auch in die anderen Provinzen der Türkei gern jüdische Menschen und jüdische Kapitalien bringen wollten, sei doch die Türkei das einzige Land, das sich zu allen schlimmsten Zeiten der jüdischen Geschichte stets gastfreundlich gegen unsere verfolgten Brüder gezeigt habe. Auch über die Mittel; durch

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