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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-08-27 · 35 (27.8.1909) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
35 (27.8.1909)
Date
1909-08-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 35 Ql« Bloch’s Ishrgang XIYI Zcntcalorgan kür die gesamten Ilnteressen des Judentums. -azzzzzo- Wien, 27. August 1909 Br scheint jeden ffreltag. Brief-Adreffe: Wien, IX/if Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. O CF- — - "p Vrxugspreis für Öeftrrrridj: Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplars 50 Heller. Für's Äuoland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig IO Kronen. Anzeigen: Dis 4malgespal- O lene Petitzeile 24 Heller. C o O- _ -Q Q 0(P-- A. ft. popfparftajfrnantt C Sleartng-Verkebr Mr. 810.976. Redattion und Administration: r Virn IX/i, Hahngaffe Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. f oO ..Oe Inhalt: Leitartikel: „Demonstrationen".— David Wolffsohn über den heutigen Zionismus. — Generalversammlung der Jewish Colonisation Association. — Vom Jahrmarkt oes Lebens: Juden in Oxford. Die Sonnenuhr am Jerusalemer Tempel. Ein für die Juden verhängnisvoller Druckfehler. Der japanische Staatsmann Graf Okuma. Eine interessante Operation in einem jüdischen Spital. Ein Bericht über Messina aus dem Jahre 1478. Die Poesie des jüdischen Lebens. Ein kleiner Zug von Liliencron. Die Reichsbank auf dem jüdischen Friedhofe. Die technische Erschließung des jüdischen Ansiedlungsgebietes. — Ko r respondenzen: Blutsteuer und Gleichberechtigung. Wien. Antisemitische Rohheit. Ist ein Sy mgogensitz pfändbar? Offizieller Antisemitismus in Ungarn. Ein Weltkongreß in Angelegenheiten der jüdischen Emigration. Ein „Judengollasch". Ein jüdisches Krankenhaus mit einer christlichen Patientenmajorität. Das Leichenbegängnis des Rektors Bloch und die ungarische Regierung. Der Scheik-ül-Jslam über den Zionismus. Auszeichnung eines jüdischen Medailleurs. Das neue russische Auswanderungsgesetz. Eine Deputation jüdischer Soldaten am Zarenhofe. Die Verfolgung des Zionismus in Rußland. Das türkische Wehrgesetz sanktioniert. Keine Erleichterung auf Ellis Island. Offizielle russische Daten über die Auswanderung. Vom General de Gallifet. Ein Traum der deutschen Juden. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Häuser in Jerusalem. — Briefkasten. — Neue Bücher. — Inserate. Demonstratio«»«. Sämtliche Deutschnationale Wiens, sechstausend ungefähr, sind heiser. Ihre Stimmbänder verweigern es ganz einfach, bei der Wahrung des deutschen Charakters von Schwechat, Melk und Unter-Themenau weiter mitzutun. Auch wenn man eine Kehle noch so oft ausgiebig befeuchtet, wie es an den genannten Orten bei der Erwartung der tschechischen Invasion geschehen ist, vermag selbst Thors gewitterdonnerndes Stimmorgan die „Wacht am Rhein" nicht mehr als fünfzigmal nacheinander zu singen. Dann kommt sicher ein Katarrh der Luftwege, wenn nicht eine Gehirn» krankheit und man muß sich mit dem Werfen von Steinen begnügen. Das Lächerlichste und das Abgejchmackteste, dieses nationale „Tümeln" mit leeren Demonstrationen. Was schreckt es denn die Tschechen, wenn am Donauufer einige hundert junge Leute stehen, welche im Namen des Deutschtums die Nacht durchgekneipt haben und nun einem höhnisch vorüberfahrenden Touristendampfer mit Stöcken drohen? Oder wenn jenseits eines dichten Gendarmeriekordons Pereatrpfe ausgebracht werden? Man kann es den Tschechen nicht verwehren, in der Reichshauptstadt und überhaupt in allen Städten des Reiches zu wohnen, in dem sie vollberechtigte Staatsbürger^sind wie die Italiener, Polen und andere Nationalitäten. Wenn die Italiener in Wien irgend eine nationale Feier begehen wollten, so würde kein Hahn danach krähen. Die Amerikaner begehen die Feier ihrer Unabhängigkeitserklärung ganz nach ihrem Gesclmack und wo sie wollen und man heißt sie sogar willkommen, obwohl sie Ausländer sind. Natürlich liegt die nationale Gefahr in diesen Fällen nicht so nahe wie bei den Tschechen, welche sich als meisterhafte Erwerber und Kolonisatoren bisher anderssprachiger Gebiete erwiesen haben. Aber so lange sie sich dazu friedlicher Mittel bedienen, wird man sie mit gewaltsamen nicht verscheuchen können. Jeder vernünftige Deutsche muß das einsehen. Wäre es von Demonstrationen 'zu wirklichen Kämpfen gekommen, so wäre der Teufel los gewesen. Denn hinter jeden Tschechen, der doch das Recht der Freizügigkeit hat, stehen Hunderte von Abgeordnete der Slawischen Union, hinter den Abgeordneten die Regierung, hinter der Regierung das Gesetz und dann die Soldaten. Man muß zugeben, daß jedes Volk seinen nationalen Besitzstand energisch zu verteidigen hat. Aber Demonstrationen sind sinnlos. Der deutsche Volksrat, der jeden Sonntag ein paar hundert junge Leute mobilisiert, auf deren Pfiffe die Tschechen pfeifen, hätte wohl ein anderes Mittel in der Hand, um die Gefahr, wenn es schon eine ist, zu bannen. Die Tschechen selbst haben es ihnen ja gezeigt mit ihrem svuj k svemu, mit ihrem nationalen wirtschaftlichen Zusammenschluß. Dadurch, daß in Tabor das Deutschsprechen auf der Straße eine Lebensgefahr ist, hat sich noch kein Deutscher in den tschechischen Wahlkataster hineinzwingen lassen. Aber dadurch ja, daß er in jeder Beziehung boykottiert wurde. Wie konnte es bei dieser Feindseligkeit überhaupt dazu kommen, daß man Tschechen in deutsche Städte aufnahm und sich sie schließlich über den Kopf wachsen ließ? Da kommen wir zu dem Kapitel der antisemitischen Lügen gegen die Juden. Den Juden wirft man vor, daß sie keine andere Rücksicht kennen als die materielle, daß bei ihnen um Geld einfach alles zu haben ist. Beweisen wird man ihuen das unmöglich können, wohl aber ihren Vorbildern, die sich selbst als solche bezeichnen, den Deutschen. Die Geschichte aller Slawisierungen ehemals deutscher Gegenden ist ein fortlaufender Nachweis, daß der Nationalismus der Deutschen bei der Tasche aufhört. Sechshundert Millionen Mark hat das Deutsche Reich aufgewendet, um die Provinz Posen zu germanisieren. das deutsche Element im Osten zu starken. Was war der Effekt? Die mit Steuergeldern sanierten ostelbischen Germanenjunker haben ihre Güter ohneweiters an die mit Demonstrationen bekämpften Polen verkauft, wenn sie nur gute Preise dafür bekamen. Dieselben Erscheinungen sieht man im deutschen Oesterreich. Die Tschechen kommen ja nicht wie in den Hnssittenzeiten und erobern die deutschen Städte, sondern sie kaufen sich langsam an, vermehren sich und verlangen dann natürliche Lebensrechte. Dann wundert man sich und demonstriert. Lächerlicher Eifer. Man brauchte ihnen ja keine Häuser und Parzellen zu verkaufen, keine Lokale zu vermieten. Aber das ist ja eben der deutsche Nationalismus auf der Rednertribüne und im stillen Kämmerlein. Zuhause findet sich alles, was man auf der Gasse nicht grüßen wollte. Da tut der deutsche Antisemit alles das, was er den Juden

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