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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-08-20 · 34 (20.8.1909) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
34 (20.8.1909)
Date
1909-08-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 34 Dr. Vlochs Wochenschrift. Seite 585 leitenden Trauergesängen hielt Oberrabbiner Doktor Armin Schnitzer die Trauerrede, welche eine mächtige Wirkung auf die zahlreiche Zuhörerschaft machte. Zum Schluffe wurde „El mole rachamim“ vom Oberkantor vorgetragen. B elitz. (Trauung.) Sonntag den 22. August l. I. um 1/212 Uhr vormittags findet im hiesigen Tempel die Trauung des Fräulem Erna H e i l p e r n, Tochter des Herrn Heinrich H e i l p e r n, mit Herrn Dr. Emil Singer aus Wien, statt. Berlin. (Stiftungen für den Hilfsverein der Deutschen Juden.) In der jüngsten Zeit find dem Hklfsverein der Deutschen Juden eine Reihe von Zuwendungen für seine humanitären Zwecke gemacht worden, darunter folgende größere: 1. Die Eheleute Wilhelm Lippmann in Nikolaiken übergaben dem Hilfsverein ein Kapital von 10.000 Mark. 2. Der verstorbene Rentier Richard Levy in Berlin hat testamentarisch dem Hilfsverein ebenfalls 10.000 Mark vermacht. Berlin. (Einweihung der Charlottenburger Synagoge.) Sonntag den 15. d. M. fand die Emweilmng der neuen Charlottenburger Lyllagoge, Bismarckstraße, statt. Ein zahlreiches Publikum ans den vornehmsten Kreisen der Berliner jüdischen Gesellschaft wobnte dem feierlichen Akte bei, zu dem die R'pläsentanz der Berliner Gemeinde ihre Aeltesten delegiert hatte. M't dieser Feier verbunden war auch die Einführung des nengewählten Rabbiners Dr. Levy und des dem Wiener Publikum noch in guter Erinnerung gebliebenen Oberkantors Jg. Oesterreicher, der trotz der Schwierigkeiten, denen ausländische Funktionäre hier unterliegen, mit Akklamation an diese im vornehmsten Viertel gelegene Synagoge berufen wurde und dessen klangvolle, melodische Stimme alle Zuhörer schon am ersten Tage seiner Tätigkeit — aus Anlaß der Einweihung — entzückte. Hamburg. (Zur Fra g e der F e u e r b e st a t t u n g.) Das Reichsgericht hat in einem Urteile vom 7. Juni 1909 in bemerkenswerter Weise sich zur Frage der Feuerbestattung ausgesprochen. Eine Angehörige der Portugiesisch-Jüdischen Gemeinde zu Hamburg hatte ein Erbbegräbnis auf dem Begräbnisplatz in Ohlsdorf erworben; ihre Leiche wurde durch Feuer bestattet und eö sollten die Aschenüberreste in dem Erbbegräbnisse beigesetzt werden. Die Gemeinde verweigerte, wie von uns seinerzeit berichtet, die Beisetzung und der Sohn der Verstorbenen klagte infolgedessen; die Gerichte stellten fest, daß der zwischen der Verstorbenen und der Gemeinde abgeschlossene Vertrag eine ausdrückliche Abmachung darüber nicht enthalte, ob die Aschenreste einer im Krematorium verbrannten Leiche auf dem jüdischen Friedhofe beigesetzt werden dürften und daß besondere jüdische Vorschriften nicht nachzuweisen seien, welche die Beisetzung verbieten. Die Entscheidung war deshalb lediglich nach Erwägungen allgemeiner Natur zu treffen; hierzu sprach das Reichsgericht aus, daß jedenfalls nach der Entwicklung, die in neuerer Zeit die Volkssitte in Deutschland genommen habe, anerkannt werden müsse, daß kein Grund vorliege, dem Inhaber einer Begräbnisstätte das Recht auf Beisetzung der Aschenreste einer der Feuerbestattung übergebenen Leiche auf dieser Stätte abzusprechen. Hierbei handle es sich um notorische Tatsachen. Demgemäß wurde die Gemeinde zur Duldung der Beisetzung endgültig rechtskräftig und kostenpflichtig verurteilt. Paris. (Ein jüdischer Staatsanwalt) Aus Paris wird gemeldet: Der bisherige Vize-Staatsanwalt beim Tribunal de la Seine M. Bloch-Larogue wurde zum zweiten Staatsanwalt am Pariser Gerichtshof ernannt. London. Der jüdische Bürgermeister Roms, Signor Ernesto Nathan, weilte kürzlich in London, um offiziell für die Teilnahme Englands anläßlich der Erdbebenkatastrophe zu danken. Der König empfing ihn; auch beteiligte er sich als Gast an dem den Dumamitgliedern von der Stadt London gegebenen Festessen. Der trotz päpstlicher Opposition gewählte jüdische Bürgermeister inmitten der ruffischen, ihren jüdischen Mitbürgern so feindlich gesinnten Volksvertretung spiegelt deutlich den Unterschied zwischen dem rauhen Barbarenlande und dem sonnigen Italien wieder. Feuilleton. Mirnlhal. Von Dr. M. Darvai. Der 12. August ist ein Gedenktag in der Geschichte der Luftschiffahrt und Flugtechnik. An diesem Tage (12. August 1896) ereignete sich eine beklagenswerte Katastrophe, welche den allzufrühen Tod eines der genialsten und kühnsten Erfinder und Bahnbrecher der Wissenschaft zur Folge hatte. Otto Lilienthal. der erste Flugforscher, dem es gelang, die Gleit- und Segelflugstudien auf eine entwicklungsfähige Basis zu stellen, auf dessen Arbeiten all die glänzenden Erfolge der Brüder Wright oder eines Bleriot fußen, welche jetzt das losende Iubelgeschrei der beifallslustigen Menge erregen, war leider auch ein Märtyrer der Wissenschaft und der fortschrittlichen Entwicklung des menschlichen Geistes. In der einsamen Hügellandschaft der Rhinower Berge zwischen Rathenow und Neustadt, wo er schon im Jahre 1893 mit einem einflächigen Apparate zahlreiche Gleitflüge unternommen hatte und wo ihm drei Jahre später bereits Flüge bis zu 250 Meter von den bis zu 80 Meter ansteigenden Kuppen gelangen, führte ein trauriger Unfall das Ende des wagemutigen Forschers herbei. Wie das eigentlich zuging, die Einzelheiten des bedauerlichen Ereignisses, wußte der einzige Augenzeuge nicht anzugeben. Der langjährige Gehilfe Lilienthals sah nur so viel, daß der Apparat plötzlich in der Luft umkippte und samt seinem Führer zu Boden stürzte. Den Verlust des Gleichgewichtes führte vielleicht ein plötzlicher Windstoß herbei, den der fliegende Mann nicht zu parieren vermochte, oder die Loslösung der oberen Tragfläche oder sonst ein Gebrechen am Apparat. Wie dem auch sei, das Los des eigentlichen Begründers des ballonfreien Fluges war dasselbe, wie das seiner mythen- und sagenhaften Vorgänger, die das Große wagten und mit dem Leben büßten. So erging es König Bladud, dem Vater des Königs Lear, der zur Zeit der Gründung Roms mit einem von ihm selbst hergestellten Apparat über seiner Hauptstadt Trinovante in der Luft segelte und auf einen Tempel herabstürzte: so Simon dem Magier, ter es Uutei nahm, vor Den Augen Reros sich in den Himmel zu erheben und von den Dämonen zwar emporgehoben wurde, aber auf St. Petrus' Bittgebet, das die Macht der bösen Geister lahmlegte, herabstürzte und auf dem Boden zerschellte: so auch einem sarazenischen Magier, der im XII. Jahrhundert das Hippodrom zu Konstantinopel überfliegen wollte und, von der Spitze des Turmes herabstürzend, ebenfalls zerschmettert niederfiel. Leichteren Kaufes kam der Benediktinermönch Olivier de Malmesbury davon, der im XI. Jahrhundert mit einem nach Ovids Beschreibung angefertigten Flügelapparat experimentierte, eine Strecke von 120 Schritten zu durchfliegen vermochte, aber endlich beide Schienbeine brach: ferner der Mathematiker Dante aus Perugia, der um das Jahr 1500 nach gelungenen Versuchen über dem Trasimenischen See mit seinem Apparat von der Spitze des höchsten Turmes der Stadt abflog und unter dem Beifall einer ungeheueren Zuschauermenge hoch über dem Hauptplatze der Stadt dahinsegelte, dann aber, weil das Eisen der Flugvorrichtung brach, auf das Dach der Kirche St. Maurus fiel und ein Bein brach, was ihm die Lust zu weiteren Experimenten verleidete. Bis zur zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts hören wir von keinem weiteren Versuche mit Segel- und Gleitfliegern. Kapitän L e B r i s, ein alter Seebär, erperimentierte von 1857 bis 1867 mit eickem großen

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