Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 34 (20.8.1909)
- Date
- 1909-08-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 34 Dr. Vlochs Wochenschrift. Seite 533 ralen Zug, der sich im Gesetzentwurf geltend zu machen sucht, ohneweiters zugibt, verhehlt man sich andererseits nicht, daß es gerechter wäre, denjenigen Juden, die den Sabbath halten, den Sonntag ganz freizugeben. Hingegen erblickt man in der Beschränkung der Begünstigung für sabbathhaltende Juden bloß auf das Ghetto das Bestreben, die gesetzestreuen Juden in ein künstliches Ghetto zu zwingen. Wie verlautet, wird Lord Swaythling gegen diese Einschränkung eine ausgedehnte Aktion in Angriff nehmen. Die Erfindung eines russisch-jüdischen Ingenieurs. Wie „Rjetsch" meldet, wird im russischen Kriegsministerium jetzt die Erfindung des jüdischen Ingenieurs M. Eisenstein ausgeprobt, die geeignet ist, große Sensation hervorzurufen. Ingenieur Eisenstein hat ein neues System der drahtlosen Telegraphie erfunden, durch welches ein Telegraphieren auf sehr weite Strecken ohne Drahtverbindung möglich ist. Eine Probe mit einem Telegramm von Petersburg nach Konstantinopel ist tadellos gelungen. Das Kriegsministerium beschloß, Telegraphenstationen nach Eisenstein'schem System in Petersburg, Moskau. Bobonisk und auf einer der Uralsp tzrn zu errichten. Ingenieur Eisenstein wurde von der Regierung mit den Arbeiten betraut und mit einem Stabe vertrauenswürdiger Techniker versehen. Die Augenkrankheit iw Ghetto. Das Petersburger Zentralkomitee der „Jca" hat dieser Tage einen eigenen, genauen Bericht über die Tätigkeit der Jnformationsbureaus für Auswanderer herausgegeben. Der mehr als hundert Seiten starke Spezialbericht enthält sehr viel interessantes Material über das Leben der Juden im russischen Ghetto. In den letzten Jahren hat die Petersburger Zentrale ihre Aufmerksamkeit besonders der Frage gewidmet, auf welche Weise die Emigranten von der egyptischen Augenkrankheit behütet, beziehungsweise befreit werden könnten. Leider ist das Trachoma im russischen Ghetto sehr stark verbreitet, andererseits wird in den Einwanderungsländern in jüngster Zeit sehr strenge darüber gewacht, daß augenkranke Menschen nicht zur Landung zugelassen werden. Diese Tatsachen sind oft die Ursachen großer Familientragödien. Es fährt zum Beispiel ein Mann mit feiner Familie nach Amerika; der Mann hat gesunde Augen und kann landen, die Frau oder ein Kind wird jedoch augenkrank befunden und wird deportiert. Auf diese Weise wird eine Familie zerriffen. Das Petersburger „Jca"-Komitee wandte sich nun an die bekanntesten Augenärzte mit dem Ersuchen, die Frage zu erforschen und sie in dem russischjüdischen Fachblatte „Jewreiskij-medicinskij golos" zu besprechen. Der Einladung haben zahlreiche Fachmänner Folge geleistet, unter ihnen auch der berühmte Augenarzt Professor Mandelstamm in Kiew. Das Resultat dieser öffentlichen populärwissenschaftlichen Behandlung der Frage war zunächst eine Konferenz der jüdischen Aerzte des Minsker Gouvernements, in welchem mehrere freizugängliche Vorträge über Trachoma in der jüdischen Familie gehalten wurden. Die weitere Folge war, daß in Homel eine eigene Anstalt zur Heilung der egyptischen Augenkrankheit errichtet wurde, in welcher die besten Resultate erzielt werden. Vermischtes. Das Geburtstagsfest Sr. Majestät des Kaisers wurde in sämtlichen Gotteshäusern der österreichischen Kultusgemeinden mit großer Feierlichkeit begangen. Auch in sämtlichen Synagogen der Wiener Kultusgemeinde, sowie der Bethausvereine fanden spezielle gottesdienstliche Veranstaltungen statt. Im Stadttempel fand am 18. August um 9 Uhr ein feierlicher Gottesdienst statt. Vor geöffneter Bundeslade sprach Oberrabbiner Dr. Güdemann ein Gebet für den Kaiser. Die kantoralen Funktionen wurden vom Oberkantor kais. Rat Josef Singer versehen, während der Tempelchor die herrlichen Gesänge Salomon Sulzers wirkungsvoll vortrug. Der Feier wohnten bei: Der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, der Vizepräsident Dr. Gustav K o h n mit den Mitgliedern des Kultus- und Bethausvorstandes, erster Sekretär kais. Rat Doktor Lieben mit dem Beamtenkörper und der Lehrerschaft der Gemeinde, sowie zahlreiche angesehene Mitglieder der Gemeinde. Im Leopoldstädter Tempel fand mit demselben Programm der Festgottesdienst um 3/410 Uhr statt. Die Festrede hielt der greise Rabbiner Dr. Adolf S ch m i e d l. Die kantorale Funktion versah Oberkantor Don Fuchs in Vertretung des beurlaubten Oberkantors Guttmann mit dem Chore in überaus eindrucksvoller Weise. Im israelitischen Tempel in Fünfhaus hielt Rabbiner Dr. G r u n w a l d die Festpredigi, die kantoralen Funktionen versah Erster Kantor Schleifer. Im israelitischen Tempel zu Währing hielt Herr Religionsprofessor Dr. Heinrich P o l l a k in Vertretung des sich auf Urlaub befindlichen Rabbiners Dr. Feuchtwang die Festrede und Elster Kantor Serebrenik versah die kcmtoralen Funktionen. Im Gemeindetempel Ottakring hielt Rabbiner Doktor Bach die Festrede und die kantoralen Funktionen versah I. Kantor Smotritzky. Im Gemeindetempel des XXI. Bezirkes, Floridsdorf, sprach Rabbiner Dr. Rosenmann und versah Kantor Rosenberg die kantoralen Funktionen. Im israelitischen Tempel des IX. Bezirkes hielt Rabbiner Dr. G e l b h a u s die Festpredigt, die kantoralen Funktionen versah Oberkantor Kläger. Im israelitischen Tempel des Bethausvereines für die westlichen Wiener Bezirke sprach Rabbiner Dr. T a g l i ch t, die kantoralen Funktionen versah Oberkantor D ü n m a n n. Im israelitischen Tempel des XX. Bezirkes, Brigittenau, hielt Rabbiner Dr. A b e l e s die Festpredigt. Die kantoralen Funktionen versah Oberkantor B a s s e r. Im israelitischen Tempel der Josefstadt versah Oberkantor K w a r t i n die Funktionen. In der Synagoge des Vereines »Beth Israel" sprach Rabbiner Mayersohn und die kantoralen Funktionen versah Oberkantor S ch o r r. Spende für das israelitische Knabenwaisenhans. Seitens des Herrn Karl Münz, Beneschau bei Prag, ist der Kultusgemeinde ein Betrag von 200 Kronen »als letztwillige Widmung seiner verstorbenen Gattin Frau Marie Münz zum Zwecke der Erbauung des im Entstehen begriffenen Knabenwaisenhauses zugegangen." Unter dem Pseudonym F. Ernst, Wien, I., Herrengaffe Nr. 7, werden der Kultusgemeinde wiederholt Spenden für arme Kranke übersendet. Da die bezüglichen Dankschreiben stets als unbestellbar zurückkommen, wird dem wohltätigen Spender auf diesem Wege der Dank des Kultusvorstandes zum Ausdruck gebracht. Wien. (Auszeichnungen.) Se. Majestät der Kaiser hat dem Redakteur und Schriftsteller Dr. Anton Lindner in Hamburg das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens verliehen. — Der regierende Herzog von Sachsen-Koburg-Gotha hat den Rechtskonsulenten der bulgarischen Gesandtschaft, Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Alexander M i n tz, zum sächsischen Justizrat ernannt. Wien. Frau Sophie Großmann wurde vom Erzherzog Rainer und Erzherzogin Marie für ein Glückwunschgedicht zur Genesung des erzherzoglichen Paares durch ein Ehrengeschenk, ein mit den Initialen des Erzherzogs versehenes Armband, ausgezeichnet. Frau Großmann ist die Gattin des Mathematikers Profeffors Dr. Ludwig Großmann. Sie hat von dem erzherzoglichen Paare mehrmals schon Anerkennungszeichen und Dankschreiben erhalten, außerdem für Widmung von Gelegenheits-