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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-08-20 · 34 (20.8.1909) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
34 (20.8.1909)
Date
1909-08-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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bette 582 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 34 Es kamen aus Rußland.4789 Oesterreich.982 England. 302 Ungarn ..215 Rumänien.151 Asiatische Türkei.107 Deutschland . . -. 56 Frankreich ...... 31 Afrika .. 29 Südamerika . 24 Bulgarien.11 Europäische Türkei. 87 Aus anderen Ländern .... 16 Ei« Prozeß wegen Judenausweisungen. Aus Petersburg wird uns geschrieben: In juristischen Kreisen ist man jetzt auf den Ausgang eines Prozesses gespannt, den mehrere jüdische Artisten und Musikanten gegen mehrere kaukasische Lokalbehörden angestrengt haben. Bekanntlich wurde den jüdischen Musikanten und Artisten das Auftreten in den kaukasischen Bade- und Kurorten behördlich verboten. Die Betroffenen haben nun gegen die betreffenden Lokalbehörden eine Schadenersatzklage eingebracht, indem sie angeben, daß die Behörden in der Lage gewesen wären, das Verbot vor oder wenigstens zu Beginn der Saison zu erlaffen, so daß die Musikanten und Artisten anderswo hätten Engagements erhalten können und gar nicht in die kaukasischen Bäder gefahren wären. So aber haben die Lokalbehörden dadurch, daß sie das Verbot mitten in der Saison erließen, den Betroffenen nicht nur einen empfindlichen Verdienstentgang, sondern auch überflüssige, große Kosten verursacht. Hierfür verlangen nun die Geschädigten entsprechenden Schadenersatz. Den Musikanten und Artisten haben sich auch mehrere Unternehmer angeschloffen. Jüdische Vornamen. Das ruffische Ministerium des Innern versendet soeben an alle Gouverneure ein «Sammelbuch jüdischer Vornamen". Das Sammelbuch enthält sämtliche üblichen jüdischen Vornamen und ihre Schreibweise in jüdischer, hebräischer und russischer Sprache. In dem Begleitschreiben werden die Gouverneure aufgefordert, die städtischen Behörden, Rabbiner und Militärevidenzbureaux anzuweisen, die Register der jüdischen Namen und die Matrikel nach dem Sammelbuche zu führen. Ei«e Kongreßdebatte über die Vorgänge ans Ellis Island. Die Herrschaft des neuen Einwanderungskommiffärs William Williams auf der Einwanderungsinsel Ellis Island war in einer der letzten Sitzungen des amerikanischen Kongresses in Washington Gegenstand lebhafter aufgeregter Debatten. Die Regierung verlangte nämlich die Bewilligung größerer Ausgaben zur Durchführung von Verbesserungen auf der Landungsinsel. Diesen Anlaß nahm Kongreßman Bartholdi, einer der angesehensten Politiker der Vereinigten Staaten wahr, um die Vorgänge auf Ellis Island einer scharfen Kritik zu unterziehen. „Wie kommt Williams dazu, von jedem Einwanderer ausnahmslos die Vorweisung von 25 Dollars Bargeld zu verlangen?" frug Kongreßman Bartholdi. „Steht das etwa im Einklänge mit den Gesetzen? Ich muß gegen dieses selbstständige Vorgehen eines Beamten hier öffentlich protestieren. Dieser Vorgang mit den 25 Dollars ist bloß ein Schwindel, eine Praktik ins Gesetz hineinzuschmuggeln, welche die Feinde der Einwanderung schon seit Langem durchzuführen bestrebt sind, aber vom Kongreß immer abgelehnt wurde. Dieser Vorgang ist ebenso schädlich wie schändlich. Hätte eine solche Praxis vor Jahren bestanden, so hätten wir heute zahlreiche unserer besten Bürger, die selbst Einwanderer oder Kinder von Einwanderern sind, zum Schaden des Landes entbehren müssen. Wir würden die Gründer unserer Nation und die Känipfer für unsere Freiheit heute nicht im Lande haben." Kongreßman Kistermann schloß sich diesem Proteste an und sagte mit gehobener Stimme: „Wäre die Tyrannei Williams vor mehreren Jahren auf Ellis Island in Praxis gewesen, so wäre ich selber heute nicht in Amerika, denn ich kam hierher mit viel weniger als 25 Dollars in der Tasche ..." Die Regierung versprach schließlich, die Angelegenheit gründlich zu untersuchen und dem Kongreß zu berichten. 'Inzwischen ist auf Veranlassung des Präsidenten Taft die 25 Dollartaxe abgeschafft worden. Ein zukünftiger türkischer Soldat. General Niazi Bey, der Held von Rezne, hat wohl, seitdem die Türkei ihre Konstitution wieder erlangt hat, zahlreiche Glückwunschschreiben erhalten, aber keines hat, wie er selbst sagt, ihn so amüsiert und gleichzeitig gerührt, wie das Schreiben eines zehnjährigen jüdischen Knaben aus Konsiantinopel, das er anfangs Juli dieses Jahres erhalten hat. Der intereffante Brief ist in französischer Sprache abgefaßt und hat folgenden Wortlaut: Konstantinopel, Couscoundjouk, Freitag den 2. Juli 1909. Lieber General Niazi Bey! Sie haben das Vaterland gerettet, Sie haben uns die Freiheit gegeben, Sie haben uns zweifach gerettet. Sie haben Denjenigen entthront, der daran ging, uns zu vernichten, Sie haben für uns gelitten. Wie viele Menschen sind leider gelötet worden, um uns zu retten. Sie waren das Haupt unseres Wohltäters. Ihre Güte ist sehr groß. Möge Ihr Leben ein langes werden, mögen Sie stets Sieger sein und niemals besiegt werden, denn Sie haben auch unsere braven Freunde aufgemuntert, zur Befreiung des Vaterlandes zu eilen. Was kann ich tun, um mich Ihnen dankbar zu zeigen? Wenn ich groß sein werde, will ich ein tapferer Soldat werden, ohne Furcht vor dem Tode! Und nun gehen Sie wieder daran, sich abermals im Kriege zu opfern, um unsere gestohlenen Städte und die geraubten Dörfer diesen Räubern zu entreißen. Sie arbeiten ununterbrochen daran, unser Vaterland schön zu machen, eine schöne Türkei, die von Natur beschaffen ist, wohlhabend zu sein. Sie machen keinen Unterschied zwischen Raffen und Religionen, Sie retten meine Glaubensbrüder aus der Dekadenz, Sie nehmen alle für einen und einen für alle. Möge es Ihnen Gott vergelten, mögen Sie ein glückliches Leben haben, Sie sind der Retter eines ganzen Volkes. Empfangen Sie die Grüße und den Dank Ihres künftigen Soldaten Arthur Bassous, zehnjähriger Schüler der Schule der „Alliance Jsraelite Universelle" in Couscoundjouk, Konstantin opel. Glauben Sie mir, teurer Retter, daß diese Gefühle aus meinem Herzen kommen und nicht aus demjenigen eines Fremden, ebenso die Ortographie und die Schrift! Die Sabbathruhe in England. Vorige Woche legte der englische Minister des Innern Mr. Gladstone dem Parlamente einen Gesetzentwurf über die Arbeitszeit in Geschäften vor, welcher auch für die Juden Englands wichtige Bestimmungen enthält. Das Gesetz verfügt auch über die Sonntagsruhe und bestimmt, daß diejenigen Juden, welche nachweislich ihre Geschäfte am Sabbath geschlossen halten, und von der Arbeit ruhen, das Recht haben, am Sonntag das. Geschäft bis zwei Uhr nachmittags offen zu halten und zu arbeiten. Interessant ist nun, daß diese Spezialbestimmung nur in den notorischen Stadtvierteln, die in dem Gesetze angeführt werden sollen, ihre Giltigkeit haben soll, während in anderen Gegenden und Stadtteilen die allgemeinen Bestimmungen über die Sonntagsruhe ausnahmslos auch für die Juden gelten. Dieser Gesetzentwurf soll erst in der nächsten Session zur parlamentarischen Behandlung gelangen. In jüdischen Kreisen Englands wird dieser Gesetzentwurf mit geteilter Stimmung ausgenommen. Obwohl man den libe-

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