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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-08-20 · 34 (20.8.1909) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
34 (20.8.1909)
Date
1909-08-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 676 Nr. 84 Dr. Blochs Wochenschrift. „Woher soll die moralische Kraft kommen, auf welche Sie angespielt haben?" „Ich suche sie in der zionistischen Bewegung, obgleich ich außerordentlich die Tatsache bedauere, daß diese Seite des Zionismus sehr stark vernachlässigt wurde. Die Führer der Bewegung haben zuviel Zeit mit wirtschaftlichen Theorien und politischen Aspirationen vergeudet. Die materielle Seite des Zionismus wurde auf Kosten der moralischen Seite zu sehr in den Vordergrund geschoben, aber ich hege noch die Hoffnung, daß dies noch gut gemacht und ein neuer Geist in die Herzen der russischen Juden einziehen wird." Generalversammlung der Jewish Colonisation Association. Unter dem Vorsitz des Herrn Narciffe Leven hat am 12. Juli die Generalversammlung der Jewish Kolonisation Association stattgefunden, über welche wir von Paris einen ausführlichen Bericht erhalten. Der Präsident widmete den Mitgliedern des Verwaltungsrates Baron Horace von Günzburg in Petersburg und Dr. E. Lach mann in Berlin warme Nachrufe. Dann folgte eine Uebersicht der Tätigkeit der I. E. A., welche ausführt: 1. Argentinien. Die Kolonisation ist nach wie vor unser Hauptwerk. In Argentinien wächst sie von Iahr zu Iahr. Die Gesamtbevölkerung unserer Kolonien betrug am 31. Dezember 2875 Familien mit 15.771 Seelen, 500 Familien und 2500 Seelen mehr, als im Jahre 1907. Diese Juden widmen sich ganz dem Ackerbau. Sie haben im Jahre 1908 insgesamt 8450 Hektar bepflanzt. Die befriedigenden Ereignisse ihrer Arbeit ermöglichten es ihnen, nicht nur zu leben, sondern auch uns die Gesamtsumme von 879,204 Francs zur Amortisierung ihrer Schuld für die erste Ansiedlung, die kosten der ihnen überlassenen Terrains und der Installation zurückzuzahlen. Es ist nicht uninteressant, hinzuzufügen, daß die Kolonisten ohne Schwierigkeit imstande sind, auch andere Ausgaben zu leisten: Steuern, Beiträge zu den Schulen usw. Sie tragen alle kosten des Gesundheitswesens. Die Gesellschaft organisiert, leitet und bestreitet den Elementarunterricht: sie hat 37 Schulen mit 109 Lehrern und 2529 Schülern. Alle anderen Aufgaben werden von den Kolonisten selbst verwaltet. Sie haben dieselben geschickt organisiert: das Genossenschaftssystem erstreckt sich auf den Einkauf der Erfordernisse des Lebensunterhaltes, auf die Bewirtschaftung und auf den Verkauf ihrer Erzeugnisse. Sie machen von der Freiheit, die ihnen früher unbekannt war, in Argentinien den besten Gebrauch. Ihre Existenz in Argentinien erregt den Neid der Iuden in Rußland. Die Zahl derer, die nach Argentinien auswandern, nimmt alljährlich zu: sie ist im Iahre 1908 auf 5362 gestiegen. Sie verbreiten sich über das Land, um Arbeit zu suchen, die sie ohne Mühe erhalten. Viele finden dieselbe in unseren Kolonien und kommen, um sich dort seßhaft zu machen. So hart die Arbeit ist, sind sie glücklich, sie anzunehmen, in Erwartung des Tages, wo sie, nachdem sie Proben ihrer Tüchtigkeit als Landarbeiter gegeben und die erforderlichen Kenntnisse erworben haben, ihrerseits Kolonisten werden. Mehr als 400 Familien sind im letzten Iahre in unsere Kolonien neu Mfgenommen worden: unsere Tagelöhner-Bevölkerung zählt gegenwärtig 279 Seelen. Dank diesem Modus der Ergänzung gedeihen unsere Kolonien und tragen zum Wohlstände des Landes bei. Außerhalb unserer Kolonien hat sich eine Anzahl von Familien auf Ländereien gesetzt, die sie gepachtet haben und geschickt ausbeuten. Da sie den Wunsch hegen, Eigentümer zu werden, sprachen sie uns die Bitte aus, auf dem Gute Lelvir installiert zu werden, was wir gewährt haben. Sie bringen ihr Vieh, ihre Ackergeräte, alles zur Landwirtschaft Erforderliche, zumal ihre Erfahrung mit. Wir brauchen ihnen keine Vorschüsse zu gewähren. 2. Brasilien. Sie kennen, meine Herren, den Kolonisationsversuch, den wir in Brasilien gemacht haben: er war von Erfolg. Die Kolonisten in „Philippson" erhalten keine Unterstützung mehr: sie leben von ihrer Lände Arbeit, wie die in Argentinien. Die Zahl der Bewohner wächst ständig. Die Kolonie zählt 47 Ackerbaubetriebe, 67 Haushaltungen, eine Gejamtoevölkerung von 327 Seelen. Die Kolonisten haben im Iahre 1908 mehr als 400 Hektar in Betrieb gesetzt. Am Ende des Iahres besaßen sie nicht weniger als 1044 Stück Vieh. Wir tragen, wie in Argentinien, Sorge für den Unterricht der Kinder. Die in „Philippson" eröffnete Schule hat 69 Schüler, Knaben und Mädchen. Der Zeitpunkt für eine Erweiterung der Kolonisation in diesem Gebiete erscheint gekommen. Das Klima ist gut, der Boden ist fruchtbar, die Regierung bereitet den Einwanderern die beste Aufnahme. Fast alle Parzellen unseres Gutes sind besetzt: wir verhandeln wegen des Ankaufs ausgedehnter Landflächen, auf denen zahlreiche Kolonisten angesiedelt werden können. 3. Nordamerika. Nicht minder interessant ist die Entwicklung der jüdischen Kolonisation in den Vereinigten Staaten und in Kanada. In den Vereinigten Staaten ist sie alten Datums: sie bestand bereits vor der Begründung unserer Gesellschaft: sie dankt ihr Entstehen jenen Emigranten, welche ihrer jammervollen Lage überdrüssig oder vertrieben durch die Verfolgung in Rumänien und Rußland in einem freien Lande ihren Lebensunterhalt suchten. Spontan haben sie sich in verschiedenen Gegenden der Bodenbearbeitung zugewandt, die sie kaum kannten. Die Probezeit war hart: der Erfolg lange unsicher: die Mißerfolge haben sie nicht entmutigt. Noch größer war die Zahl derer, die Ackerbauer nicht werden wollten oder konnten. Sie Haben je nach ihren Fähigkeiten von ihrer Intelligenz verschiedenen Gebrauch gemacht; sie ergriffen die verschiedenartigsten Handwerke oder Gewerbe. Auch auf geistigem Gebiete haben sie ihren Platz eingenommen. Die amtliche Statistik gab nach der Zählung von 1900 eine jüdische Bevölkerung von 1,043.800 Seelen an. Iedes Iahr hat seitdem eine Anzahl jüdischer Einwanderer gebracht, annähernd wie im Iahre 1907, wo sie 109,603 bei insgesamt 1,170,195 betrug. Im Iahre 1908, in welchem eine wirtschaftliche Krisis in den Vereinigten Staaten herrschte, belief sie sich auf 62,326 unter 393,753. Die jüdische Kolonisation in den Vereinigten Staaten hat verschiedene Formen. Es gibt vereinzelte Landwirte und Gruppen, ungefähr zweitausend Familien, die nahezu zwölftausend Seelen repräsentieren. Diese Landwirte haben Vorschüsse von uns erhalten, die wir ihnen durch jene amerikanische Gesellschaft zugehen ließen, welche die Aufgabe übernommen hat, die Einwanderer seßhaft zu machen, und sich derselben mit einer Hingebung widmet, die über jedes Lob erhaben ist. Unsere Freunde in den Vereinigten Staaten haben festgestellt, daß es in fast allen Staaten der Republiken jüdische Landwirtschaftsbetriebe, sogenannte Individual Farmers, gibt, .deren Zahl sich nicht bestimmen läßt. Wir machen gegenwärtig Anstrengungen, die landwirtschaftliche Immigration in ausgewählten Gebieten zu konzentrieren, wo sie. aus den Vorteilen, welche die gegenseitige Verständigung und Zu-

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