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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-08-13 · 33 (13.8.1909) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
33 (13.8.1909)
Date
1909-08-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 33 Dr. Blochs Wochenschrift- Sette 567 aufnehmen. Die Mutter O'Connors war Jüdin, hatte jedoch einen katholischen Irländer geheiratet, der im Jahre 1837 im kanadisch-französischen Rebellionskrieg ums Leben kam, acht Tage bevor sein Sohn zur Welt kam. Da die nächste jüdische Gemeinde von seinem Geburtsplatze Montreal 60 Meilen weit lag, war es der Mutter unmöglich, den Sohn auch formell ins Judentum aufzunehmen. O'Connor lebte aber trotzdem während seines langen wechselvollen Lebens stets als guter Jude und da er unverheiratet und wohlhabend ist, entschloß er sich, ein armes, - jüdisches Kind zu adoptieren. Ehe er aber dies tat, erachtete er es als seine Pflicht, auch selbst den Anforderungen des mosaischen Gesetzes zu entsprechen. Jüdische Studenten an den russischenUniversitäten. Der russische Bildungsminister Schwarz hat die Absicht, im nächsten Schuljahr gegen die jüdischen Studenten besonders strenge zu verfahren. Seit einigen Tagen prangt im Wartezimmer des Herrn Ministers folgende Kundmachung: „Es wird mitgeteilt, daß der Minister für Volksbildung, Schwarz, diejenigen Juden, welche ihn wegen Aufnahme jüdischer Studenten in höhere Bildungsanstalten über die festgesetzte Norm aufsuchen - wollen, überhaupt nicht empfangen werde." Außerdem wurde an alle Universitäten eine Zirkularverordnung gerichtet, in welcher die Universitätssenate beauftragt werden, keine Gesuche wegen Aufnahme jüdischer Studenten ans Ministerium zu schicken, da alle Gesuche ausnahmslos unberücksichtigt bleiben würden. Mehrere Juden, die vor einigen Tagen mit Gesuchen im Volksbildungsministerium erschienen waren, erhielten die Mitteilung, daß der Minister sie nicht empfange und ihre Gesuche nicht angenommen werden dürfen. Uebertritte zum Judentum in Rußland. Die antisemitischen Blätter Rußlands veröffentlichen ununterbrochen Berichte über die angeblich steigende Zahl der Uebertritte zum Judentum. Sie bemühen sich zu beweisen, daß das Gesetz über die Gewissensfreiheit, welche schließlich zur Emanzipation der Juden führen müsse, viele Russen zur Fahnenflucht geführt habe. Infolge des Alarms von dieser Seite hat die Regierung die Rabbiner und jüdischen Matrikelführer zur Einlieferung aller auf die Uebertritte bezughabenden Daten aufgefordert. So weit das Material heute vorliegt, kann jetzt schon festgestellt werden, daß die antisemitische Presse die ganze Angelegenheit arg übertrieben hat. Alles, was das Gesetz über die Gewissensfreiheit in dieser Richtung gezeitigt hat, ist, daß eine Anzahl derjenigen seinerzeit aufgetauchten Juden, die im Geheimen ihr Judentum bewahrten, die Gelegenheit wahrnehmen, öffentlich zum Judentume zurückzukehren, sowie daß einige Mitglieder der „Sabbath "-Sekte zum Judentume übertraten. Auszeichnung eines jüdischen Künstlers. Der bekannte Amsterdamer Maler Eduard Frankfort hat für seine in der Internationalen Kunstausstellung in Arnhem aufgestellten Bilder die goldene Medaille erhalten. Das ist nicht die erste Auszeichnung, die der Künstler erhalten. Vor vier Jahren wurde ihm von der Amsterdamer Ausstellung die von der Königin-Mutter gestiftete goldene Medaille zugeurteilt. Mord aus Antisemitismus. Ein schrecklicher Fall hat sich, wie die „New-Aork Times" berichten, in einer Sommerfrische nächst New-Iork ereignet. Ein jüdischer Zigarrenmacher, namens Louis Rosenberg wurde, kaum 24 Jahre alt, das Opfer des auch in Amerika immer unheimlicher auftretenden Rassenhasses. Rosenberg, der ein äußerst intelligenter junger Mensch war, benützte seinen Urlaub, um sich in einer Sommerfrische unweit von New-Aork zu erholen. Im Hotel, in welchem er abgestiegen war, machte er die Bekanntschaft von zwei jungen Leuten, Frank Elbra und Sam Prisby, denen er sich anschloß. Eines Tages kamen die beiden letztgenannten von einem Spaziergange, an welchem sich auch Rosenberg' beteiligt hatte, allein ins Hotel zurück. Noch am selben Tage wurde in einem Wäldchen nebst der Sommerfrische die entkleidete, arg zugerichtete Leiche Rosenbergs aufgefunden. Der Verdacht lenkte sich gegen die beiden Freunde. Als Elbra einem Verhöre unterzogen wurde, benützte er einen unbewachten Moment, um ein bereit gehaltenes Giftfläschchen zu Leeren. Der hierauf verhörte Prisby erklärte ganz offen, daß sein Freund aus keinem anderen Grunde, als aus Raffenhaß den Mord begangen habe. Elbra war Antisemit und sagte oft, daß er nicht eher sterben wolle, als bis er wenigstens einen verhaßten Juden mit ins Jenseits hinübergenommen habe. Die Untersuchung wird fortgesetzt. Die türkische Kriegsflotte und die Juden. Infolge eines Aufrufes eines Konstantinopler türkischen Blattes an die türkische Nation, zwei große Kriegsschiffe aus allgemeinen Spenden zu bauen, haben sich mehrere reiche Juden bereit erklärt, für diesen Zweck während einer bestimmten Zeit namhafte Monatsbeiträge zu leisten. Diesem Appell haben sich auch die jüdischen Blätter von Konstantinopel, Salonique, Smyrna, Adrianopel' und Jerusalem angeschloffen und die türkischen Blätter konstatieren mit Befriedigung, daß die Juden sich an dem patriotischen Werke in hervorragender Weise beteiligen. Jüdische Kolonisation in Mazedonien. Der Herausgeber des „Journal de Salonique" M. Sam. Levy veröffentlicht ein Interview, das er mit Dr. Nazims Bey, deffen Intervention die Gewinnung der asiatischen Soldaten für die Konstitution zu danken ist, gehabt hat. Hier sei der speziell jüdische Teil der Unterredung wiedergegeben: M. Lewy: Sie hatten schon seinerzeit in Paris meinen Plan, Juden in Mazedonien zu kolonisieren, gebilligt. Dr. Nazim: Gewiß, und ich möchte, daß Sie die Sache wieder in die Hand nähmen. Ich hatte eine längere Unterredung mit Salomon Reinach in dieser Sache. Anfangs war er von der Idee nicht sehr eingenommen, aber heute würde er mit Ihnen gehen. Es wäre sehr erwünscht, daß auch die Führer der jüdischen Gemeinde von Salonique Ihren Plan aufnehmen; sie würden damit einerseits Ihren verfolgten Glaubensbrüdern in Rußland und Rumänien, andererseits der Türkei selbst einen großen Dienst erweisen. M. Levy: Aber Dr. Nordau und andere führende Zionisten befürchten, daß die jüdischen Kolonisten in Mazedonien von den Christen schlecht behandelt würden. Dr. Nazim: Eine solche Angst ist unbegründet. Ueberdies hatten es die Juden gar nicht notwendig, ins Innere Mazedoniens einzudringen. Die ganze Ebene von Barbar liegt hier sozusagen an den Toren von Salonique und wartet auf Arbeiter. Sie wiffen es selbst, wie fruchtbar dieses Land ist. Es würde, einmal entwickelt, Tausende von Arbeitern erhalten können. Mr. Levy: Als ich vor ungefähr zwölf Jahren Salomon Reinach bat, die „Jca" zu bewegen, in Mazedonien etwas zu unternehmen, antwortete er mir, daß die „Jca" in Europa nichts tun könne. Dr. Nazim: Und Sie blieben ruhig dazu? M. Lewy: Nein. Ich antwortete, Mazedonien liege an der Grenze der zivilisierten Welt. Reinach lachte, aber er hat nichts unternommen. Vermischtes. KranzablösungSspeude» zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubeusgenoffen. Anläßlich des Ablebens der sel. Regine Lindner: Von Borsenrat S. Beer L 15.—, kais. Rat N. Schefftel K 20.—. Zusammen K 35.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Friedrich Hernfeld: Von F. St. K 20.—, Eugen B. K 10.—. Zusammen K 30.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Friedrich Gach: Von Familie Jonas Weil K 50.—, Karl Gach 30.—, Familie Julius Gach 20.—, B. Goldschmidt K 10.—. Zusammen K 100.—.

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