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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-08-13 · 33 (13.8.1909) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
33 (13.8.1909)
Date
1909-08-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 33 Seite 563 Dr. Blochs Wochenschrift. Die Juden von Toronto. In Toronto, Kanada, leben, wie die „Toronto News" in einem Artikel berichten, ungefähr 15.000 Juden. Sie besitzen mehrere Synagogen, Abendschulen und ein eigenes, ständiges, jüdisches Theater mit 1100 Sitzplätzen. Die Juden leben hier in geregeltem Wohlstand und nehmen in den öffentlichen Körperschaften einen entsprechenden achtunggebietenden Platz ein. Als Körperschaft sind die Juden fleißig und unternehmend. Leider macht sich in der Publizistik und Literatur eine heftige Stimmung gegen die Juden fühlbar, die durch nichts gerechtfertigt erscheint. Es muß jedoch betont werden, schreibt das genannte Blatt weiter, daß Kanada nicht den Besitz einer bestimmten Rasse oder Volksklasse bilden kann. Der Ansiedler aus Europa und den Vereinigten Staaten, die den Bürgereid leisten, haben genau solche Rechte und können die Anerkennung ihrer Talente in demselben Maße beanspruchen, wie die Eingeborenen. In Toronto werden ungefähr 30—40 verschiedene Sprachen gesprochen. Schon hieraus sollte für jeden vernünftigen Menschen die Lehre hervorgehen, daß, wenn wir die aus der Fremde eingewanderten Elemente zu loyalen Bürgern des Landes machen wollen, diese aufgemuntert werden müssen, an allen kommerziellen und kommunalen Arbeiten teilzunehmen, und sie fühlen lassen, daß die Freiheit in Kanada keine religiösen oder Raffengrenzen kennt. Die Jigdal-Melodie in der Kirchenmusik. In einer Zuschrift an den. „Jewish Chronicle" schreibt der Londoner Oberkantor G. Prince: Im Verlaufe eines Vortrages über „Synagogale Musik" konstatierte ich, daß die gewöhnliche Sabbathmelodie des Jigdal unzweiflhaft original ist. Diese zu Herzen gehende Weise kann jedoch nicht nur in den Synagogen gehört werden. Die Hymne Nr. 526 der englischen Kirchenhymnen, das bekannte „Lobet den Gott von Abraham" hat dieselbe Melodie wie unser Jidgal. Wie fand nun unser so populäres Jidgal seinen Weg in die Kirchenhymnen? Es gilt als nachgewresen, daß vor 130 Jahren ein gewisser Thomas Olivers, der Priester, und wie unser Rabbi Jochanän gleichzeitig Schuhmacher war, eines Freitag Abends, als er zu Besuch seines Freundes John Brakewell in London weilte, in die Bevis-Marks-Synagoge kam, und entzückt von der Schönheit und Einfachheit der Melodie und überwältigt von ihrem mächtigen und eindringlichen Appell an das Herz setzte er sich nach seiner Rückkehr aus der Synagoge hin und komponierte die Hymne „Lobet den Gott von Abraham" nach der Melodie von Leons Jigdal. Diese Kirchenhymne trägt auch heute noch den Namen Leons und wird kurzweg „Hebräische Melodie" genannt. Es verdient erwähnt zu werden, daß, so wie im Jigdal der Schlußvers leise, langsam feierlich gesungen wird, auch die Kirchenhymne gegen Schluß leise und weihevoll gesungen wird, obgleich mir es nur unzweifelhaft scheint, daß Thomas Olivers die Uebersetzung des Jigdal nicht gekannt hat. Würde er sie gekannt haben, so würde er sicherlich die Begründung für dieses Ralletando gegeben haben. Es wird auch viele interessieren, zu erfahren, daß Michael Costas Oratorium „Eli" einen ganz nach der Melodie des Jigdal komponierten Chor enthält. Die Jude» und die Kriminalität in Rußland. Das russische Justizministerium hat soeben eine Statistik der Verbrechen im Jahre 1905 herausgegeben. Dem intereffanten Werke entnehmen wir die folgenden Daten: Es wurden im ganzen verurteilt: Russen. Polen. .... 6.959 Juden. .... 2.209 Letten. .... 876 Litwiner . . . . .... 665 Esten. .... 807 Es waren also von den Verurteilten 67'5 Perzent Russen, 14*8 Perzent Polen und 4 7 Perzent Juden. Die Glocken in der Synagoge. Der Senior der englisch-jüdischen Rabbiner ist heute nach dem vor Kurzem erfolgten Ableben des Professors Marks, der 85jährige Rabbiner von Hüll Israel Aaron Levy. In der letzten Nummer des „Jewish World" werden nun einige interessante Reminiszenzen aus dem erfahrungsreichen Leben des jüdischen Seelsorgers aufgefrischt, von denen die folgende besonders charakteristisch ist. In einem Gespräche mit dem früheren Erzbischof von Jork frug der Erzbischof, weshalb die Juden nicht das Glockenläuten in der Synagoge einführen. „Haben Sie nicht bemerkt, daß ärmliche Wirtshäuser stets einen Fiedler anstellen, um die Gäste heranzulocken? frug Rabbi Levy zurück." „Ganz richtig!" meinte Se. Eminenz. „Und ist es Ihnen nicht ebenso ausgefallen, daß in einem erstklassigen Etablissement solche Reklamemufik stets fehlt? „Aha, ich sehe schon", sagte der Erzbischof, wo Sie hinaus wollen. Ein guter Wein braucht kein Aushängeschild. Eie mögen recht haben! . . . Korrespondenzen» Die Herren der österreichischen Hochschule. In Wiener und ausländischen antisemitischen und deutschnationalen Blättern erschien dieser Tage folgende Notiz: „ [2tn einer österreichischen Hochschule^ mit deutscher Unterrichtssprache kommen in den nächsten Semestern voraussichtlich mehrere Professuren zur Besetzung, und zwar: eine Professur für Metallhüttenwesen, eine solche für Mineralogie und Geologie, eine für Geodäsie und vielleicht auch noch eine für Maschinenbaukunde. Für tüchtige, deutsche, arische Bewerber von geeigneten Vorstudien und womöglich praktischer und literarischer Betätigung bietet sich hier die Gelegenheit, das Hochschullehramt zu ergreifen. Geeignete Fachmänner werden eingeladen, sich zum Zwecke weiterer Informationen mit dem Deutschen Volksrate für Böhmen in T r e b n i tz bei Lobositz an der Elbe in Verbindung zu setzen." Die Herren von Wien und Niederösterreich, die im Vorjahre ihren Feldzug gegen die moderne Hochschule eröffneten, scheinen ihre Arbeit nicht umsonst geleistet zu haben. Sie find, wie man sieht, die wirklichen Herren der österreichischen Hochschulen geworden und verteilen ganz öffentlich die vakanten Professuren, nicht etwa an die Wissenschaft bedeutendster Männer, sondern an deutsche arische Bewerber und diese selben Männer werden natürlich auch in Zukunft den traurigen Mut aufbringen zu behaupten, daß die Juden über die Professuren an der Universität frei verfügen. Die bildungsfeindlichen Antisemiten Oesterreichs begnügen sich, wie man sieht, nicht damit, daß das Ansehen unserer Hochschulen fast vollends vernichtet ist, sie geben keine Ruhe, bis sie ihm den Rest gegeben. Keinesfalls aber scheint das ein Mittel zu sein, die ausländischen Gelehrten von Ruf, die schon jetzt eine Berufung an österreichischen Hochschulen konsequent mit einer Ablehnung beantworten, für die Zukunft heranzulocken. Merkwürdig bleibt es immerhin, daß die Senate unserer Hochschulen, sowie unsere oberste Unterrichtsverwaltung stillschweigend das russische Muster der Professurenverleihung über sich ergehen lassen. In Moskau und Petersburg werden Professuren nur durch die Gnade der „echt russischen Leute" verliehen, in Oesterreich hat nun dieses Amt der deutsche Volksrat übernommen. Die polnische Volkspartei und die Inden. Wie aus London berichtet wird, hat der Ausschuß der polnischen Volkspartei vorige Woche eine Beratung abgehalten, welche ausschließlich den Verhältnissen der Polen zu den Juden Galiziens galt. Die Beratungen dürften demnächst fortgesetzt werden und find als Vorberatungen für die im September dieses Jahres abzuhaltende Enquete des galizischen Landesausschuffes über die Notlage der galizischen Juden anzusehen. Auch die anderen politischen Parteien in Galizien werden demnächst zur Enquete Stellung nehmen.

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