Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 32 (6.8.1909)
- Date
- 1909-08-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 552 Dr. Bkochs Wocheiffchrift. >Jh:. 32 New Hork. Dr. Mordecai M. Kaplan wurde zum Direktor des im Oktober zu eröffnenden jüdischen Lehrerseminars gewählt. Das Seminar verdankt Jacob H. Schiff seine Verwirklichung, der dafür 50.000 Dollars spendete und die gleiche Summe für die Errichtung eines jüdischen Lehrerseminars in Cincinnati gab. Ersteres wird mit dem „Aewish Theological Seminarh of America", letzteres mit dem „Hebrew Union College" verbunden sein. Ein hebräisches Tageblatt in Newyork. Am 18. Iuli erschien in Newyork die erste Nummer eines hebräischen Tagblattes unter dem Titel „Hajom" (Der Tag), Chefredakteur ist Herr M. Gold mann, der bisher das hebräische Wochenblatt „Hal'um" (Die Nation) herausgegeben hat. In ihrem Programmartikel oersichert die Redaktion, sich keiner Partei in den Dienst zu stellen, sondern unparteiisch die allgemeinen Interessen des jüdischen Volkes zu vertreten. Ein jüdisches Lehrerseminar in Newyork. Vor einiger Zeit spendete der bekannte jüdische Philanthrop Jacob H. Schis 100.000 Dollar zur Gründung zweier jüdischer Lehrersemmarien in Amerika, u. zw. eines in Newyork und eines in Cincinnati. Die erste dieser zwei wichtigen Institutionen wird zu Beginn des nächsten Schuljahres eröffnet werden. Sie ist in der llptowner Talmud-Thorah untergebracht und steht unter der Oberaufsicht des Rektors des Newyorker Rabbinerseminars, Professors Dr. Salomon S ch e ch t e r. In das Lehrerseminar werden nur solche Schüler ausgenommen werden, die ein Gymnasium mit Erfolg absolviert haben. Zum Direktor des Instituts wurde Rabbi M. Kaplan gewählt. Direktor Kaplan stammt aus Rußland, hat jedoch seine Ausbildung in Amerika genossen. Er steht heute im 30. Lebensjahre. Verfolgung der zionistischen Vereine in Rußland. Wie russische Blätter berichten, hat die russische Regierung an alle Gouverneure den Befehl erlassen, keine zionistischen Vereine zu dulden, weil, laut den Informationen des Ministeriums des Innern, die Bundisten jetzt ihre revolutionäre Tätigkeit unter zionistischem Deckmantel betreiben. Nach Ansicht des „Njetsch" wurde die neuerliche strenge Verfolgung des Zionismus infolge einer Denunziation des „Vereines des russischen Volkes", daß die Zionisten angeblich mit den Revolutionären gemeinsame Sache machen, angeordnet. Ein jüdischer Attachee in der amerikanischen Botschaft zu Konstantinopel. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika hat den Philadelphiaer Insassen Samuel Edelmann zum Attachee der amerikanischen Botschaft in Konstantinopel ernannt. Samuel Edelmann steht heute erst im Alter von 24 Iahren und hat, nach Absolvierung der Hochschule, erst kürzlich die Prüfung in den Fächern des diplomatischen Dienstes mit Auszeichnung bestanden. Edelmann beherrscht außer der englischen auch die französische, deutsche und hebräische Sprache. Die Juden in Südafrika. Wie wir kürzlich berichteten, hat die Redaktion des „South African Jewish Chronicle" beim Sekretär der Kapkolonie dagegen Protest erhoben, daß die Blankette, welche von Passagieren bei der Landung in Cape Town ausgefüllt werden müssen, in der Rubrik Nationalität die Bemerkung: „Europäer,- Juden oder Asiaten?" enthalten. Der Redakteur des genannten Blattes verwahrte sich gegen eine solche Zurücksetzung der Juden, die umso weniger begründet sei, als die Kapregierung das Piddish als europäische Sprache deklariert habe. Nun hat die Redaktion des erwähnten Blattes vom Sekretär der Kolonie die Antwort erhalten, daß in Anerkennung der angeführten Gründe die Eliminierung der inkriminierten Stelle aus den Blanketten veranlaßt wurde. Feuilleton. Das Schicksal einer Predigt. Von Dr. Emanuel Schwartz-Prag. (Schluß.) Meine andächtigen Zuhörer! Wir haben die Bedeutung und die Wichtigkeit des Gebotes der Gchaufaden fürs Leben eiugesehen; es ist das Rettungsseil der Religion, welches sie dem von der Sünde umgarnten Israeliten zuwirft. Warum er nicht darnach greift? Warum das Gebot der Schaufäden von Wenigen nur beobachtet wird? Von deü Gesetzestreuen, die seiner nicht so sehr bedürfen, da sie eher gefeit und gefestet gegen die Sünde sind? Die üble Nachrede will gerade die Gesetzestreuen dafür verantwortlich machen, wie sie im talmudischen Altertum die Frommen dafür verantwortlich machte, daß das Gebot von den Gebetriemen, genannt sich nur sch ver und langsam unter den breiten Massen des Volkes eiubürgerte. Einer vertraute seinem Nächsten einen Gegenstand an. Als er ihn zueückverlangte, leugnete ihn der Nächste ab. Empört rief der Betrogene aus: nbn n,ia,n “f? ub Nicht dir habe ich vertrant» sondern den Gebetriemen um deinen Kopf, und nun hast du mich schmählich betrogen» Und von dem Gebote der Schaufäden bet den Gesetzestreuen in unserer Zeit heißt es» daß sie nicht so sehr auf das: inn Drroni Ihr sollet sie sehen! achten, daß sie vielmehr nur darauf bedacht sind, daß Andere die Schaufäden bei ihnen sehen, daß sie aber in dem Augenblicke, wo sie sich unbeobachtet wähnen, sich so geben, als ob sie keine Schaufäden hätten. Wir haben diesen Einwand von vorneweg eine üble Nachrede genannt, weil wir nicht befugt sind, die religiöse Gesinnung unserer Nebenmenschen zu verdächtigen» in die geheimsten Falten ihres Innern mit den Strahlen» sagen ro:t eines Untersuchungsrichters hineinzüleuchten, wie gefchrietuu steht: 1^22^1 tib nWn mrrS mncan Das Verborgene ist für den Ewigen unfern Gott, das Offene für uns und unsere Kinder. bis in Ewigkeit. Nein, die Gesetzestreuen trifft keine Schuld. Das Geb^t der Schaufäden teilt das Schicksal aller Gebote der Religion; es gilt als ein Ueberbleibsel aus jenen Zeiten, welche für ben Halbgebildeten vorüber sind und nach welchen wir Modernen uns nicht zurücksehnen; denn wir sagen uns: Wir werden schon noch ohne Religionsgebote fertig werden! Welch' schwerer und herber Täuschung wir uns mit solch wohlfeiler Weisheit hingeben, das hat vor uns nicht nur der Prophet schon erkannt, wenn er ausruft: *6 a'ö'nfn’jinf? non D'eart* ij?t Weise sind sie zum Bösen; besser machen, verstehen auch fi< es nicht. Das erkennen auch wir Tag für Tag, wenn wir in den verschiedenen Schreckensnachrichten von den verschiedenen Verunglückten lesen, die ihrem jugendlichen Leben ein freiwilliges Ende setzten, weil sie nicht erlangen konnten, wovor in unserem Gebote von den Schaufäden eindringlichst gewarnt wird: DD'rj? »"roti 2222b nm* nnn Ihr sollet nicht nachgehen dem Begehr eures Herzens und dem Verlangen eurer Augen — weil sie nicht erlangen konnten, was ihr Herz begehrte und wonach ihre Augen verlangten. Die Liste der Verunglückten kennt keinen Unterschied der Geschlechter. Darum sollten wir das Gebot der Schyusäden erweitern und seinen Geist auch den Töchtern in Israel einp rügen. Als im Mittelalter ein geistlicher Fürst fein unglückseliges Hirngespinst verteidigen wollte, wonach die Juden