Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 32 (6.8.1909)
- Date
- 1909-08-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 33 Dr. Vlochs Wochenschrift. Seite 551 Wien. (Verlobung.) Fräulein Rosa K o h n, Tochter des Herrn Samuel Kohn, hat sich mit Herrn Emil Meißner, Beamter der „Arbeiter - Unfall - Versicherungs- Anstalt", verlobt. Wien. (Diamantene Hochzeit.) Samstag den 21. August d. I. begeht das Ehepaar Herr und Frau Salomon und Cäcilie Guldner, Floridsdorf, Ostmarkgasse 56, im Kreise der Kinder, Enkel und Urenkel in vollster Rüstigkeit und Lebensfrische das Fest der diamantenen Hochzeit. Der Jubilar steht im 86., die Frau im 80. Lebensjahre, seit 1849 verheiratet und hier wohnhaft. Das Ehepaar erfreut sich sowohl im XXI. Bezirke, als auch im Kreise seiner Bekannten und Freunde, ohne Unterschied der Konfession und Nationalität, allgemeiner Beliebtheit und Wertschätzung. Wien. (Todesfall.) In tiefe Trauer wurde eine hochgeschätzte Familie durch den plötzlichen Tod einer edlen, hochherzigen und hochbegabten Dame versetzt — die kaum, daß sie ihrem ersten Kinde, einem Knaben, das Leben gab. nach zweijähriger, harmonischer Ehe im Alter von 6l Jahren das Zeitliche segnete — es ist Frau Rahel Bernkopp, Gattin des Herrn Sigmund Bernkopp, dessen beiden Kindern aus erster Ehe die allzufrüh Verblichene eine treue, gute Mutter war, wie sie sich überhaupt im Kreise ihrer Verwandten und Bekannten großer Beliebtheit erfreute, was sich auch durch die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung der Verblichenen am vorigen Freitag manifestierte, wobei Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Armin A b e l e s in beredten, gefühlvollen Worten dem Schmerze der Leidtragenden Ausdruck gab. Kantor Roman versah die liturgische Funktion in wahrhaft ergreifender Weise. Möge dem trauernden Gatten die allgemeiue Teilnahme zum Tröste und zur Aufrichtung gereichen und das Andenken dieser frommen Frau gesegnet sein! —n. Wien. Sonntag den 1. August wurde auf dem Döblinger Friedhofe Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Julius Hecht unter großer Beteiligung eines vornehmen Publikums bestattet. Er ist im Alter von 57 Jahren plötzlich gestorben. Dr. Hecht war ein in besten Gesellschaftskreisen hochangefehener Mann, der durch seine eminente Bildung und das werktätige Interesse für alle Humanitären Unternehmungen überall hochgeschätzt wurde. Im Cottageviertel gehörte er zu den bekanntesten Persönlichkeiten. Dem jüdischen Frauenvereine des XVIII. Bezirkes gehörte er viele Jahre und bis zu seinem Tode nicht nur als Vorstandsmitglied an, sondern er leitete denselben und bekleidete bis vor kurzer Zeit die Stelle des Kassiers, wie er überhaupt die Seele des Vereines gewesen war. Als Vertreterin des Frauenvereines wohnte dessen Vizepräsidentin Frau Dr. Feuchtwaug dem Begräbnisse bei. Seinen Tod beklagen mit seiner ausgezeichneten Gattin und dem einzigen braven Sohne zahlreiche Freunde und Verehrer. An seinem Grabe sprachen außer dem Rabbiner Doktor D. Feuchtwang noch der Präsident der Advokatenkammer Dr. v. Feistmantel, der Präsident des Disziplinarrates und der Vorsitzende des Wählervereines. Dr. Hecht gehörte dem Ehrenrate und dem Präsidium der Advokatenkammer an. Austritte aus dem Judentum. Vom 25, bis 31. Juli 1909. Brunstein Ludwig Josef, Dr., Hof- und Gerichtsadvokat, geboren 8. März 1841, Bukowina (Czernowitz), I., Krugerstr. 13. Brunstein Sofie.geb. Fechner, Advokatensgattin, geb. 7. April 1845, Czernowitz, L, Krugerstrasse 18. Brunstein Helene Marie, 4*eb. 16. November 1880, Wien, I., Krugerstrasse 13. Duschnitz Wally, Private, geb. 1. Mai 1884, Wien, I., Bathausg. 3. Etzeldorfer Johanna geb. Edelhofer, Private, geb. 23. Jänner 1855, Hetzmannsdorf, IV., Schleifmühlgasse 13. Fritz Elisabeth, Schneiderin, geb. 26. Mai 1883, Wien, IX., Brünnlbadgasse 3. Glattau Leopold, geb. 27. November 1880, Wien, XVI., Wichtig. 41. Grünfeld Richard, Privatbeamter, geb. 10. März 1878, Wien, IX., Elisabethpromenade 21. Kohn Margarethe, Private, geb. 12. April 1877, Wien, VI., Dürergasse 9. Kohn Hans, geb. 27. April 1903, Wien, VI., Dürergasse 9. Reich Leopold, Kellner, geb. 1. August 1873 zu Szobotist, Korn. Neutra, (Ungarn), VI., Liniengasse 39. Simon Clementine, Private, geb.? 1869, Wien, XVHI., Pötzleinsdorferstrasse 90. Simon Georg, Privatier, geb. 5. März 1895, Wien, XVIII., Pötzleinsdorferstrasse 90. Stiasny Rachel Anna Maria, geb. 13. Oktober 1852, Wien, XVIII., Pötzleinsdorferstrasse 90. Winitzky Emma, geb. 27. Februar 1878, Wien, XVI., Neulerchentelderstrasse 45, Wie». (Liwias Chen, II., Stefanie st raße 2.) Samstag den 7. August: Vortrag des Herrn I. Rosner über „Pirke Owos« um 5 Uhr nachmittag. Baden bei Wien. Der Oberkantor Majer Seiffert wurde auf Grund eines Probegesanges von der Bukarester Kultusgemeinde als Oberkantor engagiert. Samstag den 31. Juli widmete ihm der Badener Rabbiner Reich in seiner Wochenpredigt Worte der Anerkennung, welche von den Freunden Seifferts mit großer Befriedigung ausgenommen wurden. In der Einleitung betonte er den Wert und die Wirkung der Musik bei den Juden, welche trotz der Verfolgungen von Außen in ihrem Heim und im Tempel sich mit fanatischer Anhänglichkeit dem Genuß jüdischer Musik hingeben. Oberkantor Seifferts Abschiedsvortrag übte auf die andächtigen Zuhörer, unter denen sich außer den Badenern eine große Anzahl von Kurgästen befand, einen nachhaltigen Eindruck. Eine große Stimme, ein echt jüdischer, modern durchgebildeter Vortrag sind die Vorzüge des jungen Oberkantors, welche ihn bei dem Badener Publikum überaus beliebt gemacht haben. Ein Kurgast. Preßburg. Der Ahavat-Zionverein veranstaltet am 8. August, wie alljährlich, ein groß angelegtes „Blauweißes" Sommerfest, wozu die Wiener Gesinnungsgenossen höflichst geladen find. Zusammenkunft der Wiener Gesinnungsgenossen halb 7 Uhr früh, Weißgärber. Neutra. Oberkantor Jenö Weiß aus Aszöd wurde nach einem mit großen Beifalle abgehaltenen Probevortrag einstimmig zum Oberkantor für die hiesige Kongreßgemeinde gewählt und hat seine Stelle bereits am 1. August angetreten. Eibenschitz. Unser verehrter Rabbiner, Herr Doktor Hermann H a n d l, feiert Sonntag den 8. August seinen 70. Geburtstag. Mühlhausen i. E. (Endlich!) Rittmeister Graf v. Gersdorff, bekannt aus dem Prozesse wegen des jüdischen Einjährigen Bloch, hat, wie die „Neue Mühlh. Ztg." meldet, sein Abschiedsgesuch zum 1. April eingereicht. Die Nachricht verschiedener Blätter, nach der er in russische Dienste zu treten beabsichtige, ist falsch. — Der wegen Meineids angeklagte Wachtmeister Köcke wurde freigesprochen aber wegen Mißbrauches der Dienstgewalt zu 16 Tagen Mittelarrest verurteilt. London. (EineMillionenspende.) Der hiesige Bankier Ernst Schiff, ein gebürtiger Oesterreicher und gegenwärtig der alleinige Chef der großen Börsenfirma Schiff und Co., spendete aus Anlaß des Todestages seines Bruders Alfred Schiff einem hiesigen Rekonvaleszentenheim 100.000 Pfund (2,400.000 Kronen). London. (Eine unbequeme Frage.) Auf dem kürzlich hier abgehaltenen Tierschutzkongreß kam es zu einer erregten Debatte über die rituelle Schächtmethode der Juden. Besonders tat sich ein Fräulein von Konow aus Finnland durch heftige Angriffe gegen das Schächten hervor. Als dieselbe ihrer Genugtuung darüber Ausdruck gab, daß der Zar das Verbot des Schächtens durch den finnischen Senat sanktioniert habe, unterbrach Mr. Michael Schiff, der an jenem Kongresse teilnahm, die triumphierende Rednerin mit der Frage: »Hat der Zar auch die in Rußland geübte christliche Methode, die Juden zu schlachten, verboten?" und erntete mit diesem Zwischenruf stürmischen Beifall. Im Uebrigen wurde von jüdischer Seite treffend nachgewiesen, daß das Schächten mit den Forderungen des aufrichtigen Tierschutzes nicht in Widerspruch steht. Eine gegen das Schächten gerichtete Resolution der Antisemiten fand keine Majorität. Der neue Mali von Adana. Konstantinopel. Den Blättern zufolge wurde der israelitische Deputierte von Saloniki C a r a s s o zum Mali von Adana ernannt. Warschau. Die Abneigung gegen die langen Röcke, wie solche die chaffidischen Juden tragen, ist jetzt hier eine große. Ein langer Rock gilt als Zeichen reaktionären Denkens, gegen das ein fortschrittlicher Mensch Front machen muß. Zahlreiche jüdische Geschäftsinhaber fordern von ihren Angestellten, den langen Rock abzulegen oder die Stelle niederzulegen. Auch in öffentlichen Lokalen weist man Leute mit langen Röcken zurück.