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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-08-06 · 32 (6.8.1909) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
32 (6.8.1909)
Date
1909-08-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 32 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 549 meinden des Nordwestgebietes haben an die türkische Regierung ein Gesuch gerichtet, ihnen auf Teilzahlung Grund und Boden für 10.000 jüdische Familien unter folgenden Bedingungen zu überlassen: Jeder Ansiedler wird einen Betrag von 1000 Rubeln mitbringen, in den türkischen Staatsverband treten, eventuell der militärischen Pflicht im türkischen Heere genügen und auf dem erworbenen Grund und Boden Musterwirtschaften, nach Bedarf auch Fabriken und Industrieetablissements errichten. Berlin. Die „Deutsche Tageszeitung" meldet aus Konstantinopel: Der Ministerrat beschäftigt sich mit dem Gesuch zahlreicher jüdischer Gemeinden aus Rußland, die aus zehntausend Familien sich zusammensetzen, nach der Türkei einwandern zu dürfen. Trotzdem der Großwtsir das Gesuch befürwortete, konnte der Ministerrat noch zu keiner Entscheidung kommen, da man darauf -hinwies, daß durch die Gewährung der Bitte der russischen Juden zu den vielen ungelösten innerpolitischen Fragen noch eine Iudengefahr hinzukommen könnte. Der Ministerrat wird seine Entscheidung erst in der nächsten Sitzung fällen. Die türkische Parlamentsdeputation über Zangwills Memorandum. Anläßlich der Anwesenheit der türkischen Parlamentsdeputation in London hatte ein Mitarbeiter des „Iewish Erpreß" mit den jüdischen Mitgliedern der Deputation, S a s s o o n und Mazliach E f f e n d i, eine Unterredung, in welcher dieselben hinsichtlich der Einwanderung der Juden nach der Türkei den bekannten jungtürkischen Standpunkt vertraten. Ueber das Schicksal des Zangwillschen Memorandums über Mesopotamien an die türkische Regierung befragt, antwortete der Deputierte Mazliach, der bekanntlich auch Parlamentssekretär ist, folgendes: „Die zu diesem Zwecke eingesetzte Parlamentskommission beschäftigt sich sehr ernst mit den Vorschlägen Zangwills. Das Projekt wurde nicht verworfen, wie manche europäische Blätter berichteten. Es ist gar nicht unmöglich, daß es tatsächlich zur Ausführung kommen werde. In diesem Falle würde die Regierung die Mittel für die Bewässerungsanlagen selbst beistellen. Merkwürdige Streitigkeiten in einer jüdischen Kolonie. Das „Lodzer Tagblatt" veröffentlicht einen interessanten Bericht aus der jüdischen Kolonie Gederah in Palästina: Vor acht Monaten kamen mehrere jüdische Arbeiter in die Kolonie Gederah und vor kurzer Zeit waren sie gezwungen, die Kolonie wieder zu verlassen. Die Ursache hiervon ist folgende: Die Neuangekommenen Arbeiter waren Juden aus Deinen, auf welche in Palästina besondere Hoffnungen gesetzt werden, da sie das dortige Klima besser vertragen, als die europäischen Juden, wie sie überhaupt in vielen Dingen den Arabern ähnlich sind, welche jetzt, wie bekannt, in den jüdischen Kolonien arbeiten. Die Juden von Deinen anerkennen jedoch nicht den „Cherem des Rabbenu Gerson" bezüglich der Vielweiberei und so kam es wegen einer Frau zwischen zwei yemenitischen Familien in Rechoboth und Gederah zu großen Zwistigkeiten. Der Vorstand der beiden Kolonien sah sich veranlaßt, sich in die Sache einzumischen und in dem Streit ein Urteil zu fällen. Der Dementer aus Gederah weigerte sich jedoch, dieses Urteil anzuerkennen, und als man ihn dazu zwingen wollte, kam es zu argen Tätlichkeiten, bei welchen ein jüdischer Kolonist und zwei jüdische Arbeiter Verletzungen erlitten. Da die jüdische Kolonie die Blutrache der Araber befürchtete, übergab sie den jüdischen Kolonisten den Regierungsorganen. Gegen diese Maßnahme protestierten sowohl die yemenitischen, als auch 18 jüdische Arbeiter aus Europa, welche allesamt die Kolonie verließen. Und so ist die Kolonie Gederah ohne jüdische Arbeiter geblieben. Die amerikanischen Arbeiter gegen die Einwanderung. Der österreichisch-ungarische Generalkonsul in Newyorl hat dem ungarischen Minister des Innern einen interessanten Bericht über die Lage und über die Arbeitsaussichten der nach Amerika ausgewanderten Arbeiter eingesendet. Der Generalkonsul betont in dem Berichte, daß die Arbeitsverhältnisse in Amerika sich nicht gebessert haben. Jetzt, im Sommer, können zwar viele Arbeiter bei der Ernte und bei Eisenbahnbauten Beschäftigung finden, im Herbst werden jedoch die Aussichten auf Arbeit wieder schlimmer, da viele Betriebe die Zahl ihrer Arbeiter reduzieren dürften. Als interessantes Moment hebt der Generalkonsul die Tatsache hervor, daß die American Federation of Labor, eine der mächtigsten Arbeiterorganisationen Amerikas, die bisher gegenüber den eingewanderten Arbeitern einen sehr liberalen Standpunkt eingenommen hat. in ihrer jüngsten Versammlung von diesem Standpunkt abgewichen ist. Die Organisation weist in ihrem einhellig gefaßten Beschlüsse darauf hin, daß die einwandernden Arbeiter selbst über die minimalsten Subsistenzmittel nicht verfügen und daher gezwungen sind, für die geringsten Löhne zu arbeiten, um nur das Leben fristen zu können. Dadurch werden aber die durch die Lohnkämpfe erzielten höheren Löhne wieder herabgedrückt. Die Versammlung beschloß demnach, daß dort, wo sich amerikanische Arbeiter in genügender Anzahl zur Arbeit melden, in erster Reihe nur amerikanische Arbeiter beschäftigt werden dürfen. Der amerikanische Handelsminister gegen die Vorgänge auf Ellis Island. Aus Newyork wird uns berichtet: Gegen das neulich bereits gemeldete rigorose Vorgehen der amerikanischen Einwanderungsbehörde wendet sich jetzt auch der Handelssekretär Nagel in schärfster Weise. Nach genauer Untersuchung der unter dem neuen Regime vorgekommenen Massenrückverschiffungen von Zwischendeckpassagieren stellte er fest, daß die Prüfungen in zahlreichen Fällen oberflächlich und parteiisch vorgenommen worden seien. Nagel veranlaßte die sofortige Abstellung der Mißstände und die Bestrafung der betreffenden Beamten der Einwanderungsbehörde. In Zukunft soll jeder Zurückweisung die sorgfältigste Prüfung der Verhältnisse vorausgehen. Die Demission des Newyorker Polizeidirektors. Der Newyorker Polizeidirektor. General B i n g h a m. hat endlich seine Demission geben müssen. Bingham hat sich nicht nur dadurch unmöglich gemacht, daß er die Rohheiten seiner Mannschaft gegenüber Arbeitern und Hausierern duldete und guthieß, er hat sich, besonders den jüdischen Emigranten gegenüber, als parteiisch erwiesen. Man erinnert sich noch seines Aufsehens erregenden Artikels in der „North American Rewiew" vom vorigen September, in welchem der Chef der Newyorker Polizei die kühne und unbegründete Behauptung aufstellte, daß 50 Prozent aller Newyorker Kriminellen Juden seien. Und dieser Behauptung fügte er eine zweite Beleidigung hinzu, indem er behauptete, daß der jüdische Kriminelle bar jeden moralischen Gefühles und überdies feige sei. Diese Auslassungen von so hoher amtlicher Seite haben in allen Kreisen der Newyorker Bevölkerung einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen, es wurde eine wissenschaftliche Kommission zur Feststellung des wahren Sachverhaltes eingesetzt. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden veröffentlicht und aus diesen ging hervor, daß die Juden von Newyork viel weniger Kriminelle liefern, als es ihrem Prozentsätze zur allgemeinen Bevölkerung entsprechen würde. Polizeidirektor Bingham mußte damals revozieren. Von dieser Zeit an hatte Bingham das allgemeine Vertrauen verloren und der Mord an der

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