Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 32 (6.8.1909)
- Date
- 1909-08-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 548 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 32 berg ihm ein Glückwunschschreiben gesendet, während die Universität ihm eine Adresse übermittelte, die folgenden Wortlaut hat: „Am 13. Juli d. I. feiern Sie Ihr goldenes Doktorjubiläum. Zu diesem Tage bringt Ihnen das 6orpns academicum der Albertina die aufrichtigsten Glückwünsche dar. Ein solcher Tag ist ein Festtag für die Albertus-Universität, ja mehr: ein Gedenktag für die gesamte naturforschende Welt. Vor fünfzig Jahren übergaben Sie der Oeffentlichkeit die ersten Resultate einer beginnenden Forschertätigkeit, deren Fortsetzung der Lehre vom Leben neue grundlegende Wahrheiten und weite Ausschau auf neue Probleme zeitigte. Ihnen verdankte die Naturwissenschaft die Erkenntnis, daß die tierische Elektrizität, die das Absterben und die Tätigkeit der Organe begleitet, ihren Ursprung in chemischem Geschehen hat; und Ihre Untersuchungen über diesen Chemismus in den Muskeln haben ungeahnte Einblicke in das Getriebe der lebendigen Organe eröffnet. Sie sind der Grundstein zu einem Gebäude geworden, an dem seit mehr als dreißig Jahren viele Naturforscher arbeiten, und das die Anschauungen vom Wesen der Lebensvorgänge von Grund aus geändert hat. Für Ihre Forschungen über die Natur der menschlichen Sprachlaute dankt Ihnen die Sprachwissenschaft und die Naturforschung gemeinsam. Daß Sie Ihre Ideen lange Jahre auf die Schüler unserer Albertina unmittelbar ausgesät haben, ist ein Glück für unsere Hochschule gewesen, die Ihren Namen mit Stolz denen der größten Naturforscher anreiht, die an ihr gewirkt haben. Wenn wir Ihnen heute unsere Glückwünsche darbringen, so geschieht dies mit dem besonderen Wunsche, daß Ihre Kraft als Lehrer und Forscher und Ihre Stimme im Rate unserer Albertina noch lange in alter Frische erhalten bleiben mögen." Liga des nationalen Friedens in Salonichi. 2n Salonichi hat sich aus Vertretern aller in Mazedonien vertretenen Nationalitäten eine Liga zur Erhaltung des Friedens und der Eintracht unter den verschiedenen Elementen der Bevölkerung gebildet. Ihre erste Propagandaversammlung verlief sehr würdevoll. Sämtliche Redner versicherten, daß sie den Frieden mit den übrigen Nationalitäten halten wollen. Zum Präsidenten der Liga wurde der jüdische Bürger Vitalis Effendi Stroumza gewählt. Die Saffoons und die Rothschilds. Der in Paris erfolgte Tod der Lady S a s s o o n, der kunstbegabten Gattin des englischen Politikers und Finanzmannes Sir Edward Saffoon, hat auch in der Londoner Gesellschaft allgemeine Teilnahme hervorgerufen. Der Tod der Lady, die durch ihre Heirat mit Sir Edward die beiden großen jüdischen Handels- und Finanzhäuser Rothschild und Saffoon auch familiär verband, lenkt den Blick auf eine der Familien der Welt, deren Oberhäupter sich mit Stolz königliche Kaufleute nennen können. Die Saffoons haben fast den gesamten Handel für Nord- und Zentralafrika an sich gerissen, soweit die Versorgung der Berbcrstämme in Betracht kommt. Sie stammen aus Mesopotamien, leiteten ihre Geschäfte lange Jahre von Bagdad aus und besitzen gegenwärtig ihr Hauptquartier in Bombay, von wo aus sie den Handel mit Zentralasien, Kleinasien, Arabien und Nordafrika beherrschen. Ihr Name gilt bei den räuberischen Kabylen und Berberstämmen im Hinterlande von Algier, Tunis und Tripolis wie ein Losungswort, und nur mit einem Geleitbrief der ihm verwandten Familie Saffoon versehen, konnte es Walter Rothschild, der älteste Sohn und Erbe des Lord Rothschild, des Chefs der englischen Familie Rothschild, im Mai d. I. wagen, eine Jagdexpedition quer durch Zentralafrika nach Egypten zu unternehmen. Sir Edward Saffoon, der Gatte der verstorbenen Tochter des Barons Gustav Rothschild in Paris, ist ein ebenso großer Jäger und Scharfschütze, wie seine Gattin eine feinsinnige Künstlerin war. Auf seinem prächtigen Landsitz in Hove in der Nähe von Brighton, wo er König Eduard oft als Gast bei sich sieht, hat er mehr wie einmal eine Probe seiner erstaunlichen Schießkunst abgelegt. Der Prinz von Wales, der sich selbst großer Treffsicherheit rühmt, ging vor einigen Jahren, als er in Hove zu Besuch weilte, mit Sir Edward Saffoon eine Wette ein, wer von ihnen beiden der bessere Schütze sei. Drei Tage lang feuerten sie Schuß um Schuß, und nach Ablauf dieser Frist stellte sich heraus, daß die Zahl der Treffer bei beiden genau übereinstimmte. Der Austrag der Wette mußte aufgegeben werden, da der Bestand an Vögeln, Hühnern und Fasanen im Park Sir Edwards Saffoons vollständig abgeschossen war. Abdul Hamid und Theodor Herzl. Der gegenwärtige Redakteur des „Journal de Salonique", der ehedem die spaniolische Zeitschrift „L'Epoca" redigierte, erzählt in einer der jüngsten Nummern des genannten Blattes die Geschichte seiner letzten Unterredung mit dem seligen Dr. Herzl in Wien. „Anläßlich meiner letzten Unterredung, die ich seinerzeit mit Dr. Herzl in Wien hatte, zeigte er mir die Busennadel, die er kurze Zeit vorher von .Abdul Hamid zum Andenken erhalten hatte, und meinte: „Euer Sultan ist mit uns eines Sinnes. Er verständigte mich, daß er Auftrag gegeben habe, die Theorie des Zionismus gründlich zu studieren, da er sich für diese Bewegung sehr interessiere. Zum Zeichen dessen, daß er der Sache sehr geneigt ist, schenkte er mir diese Nadel." Ich sann über dieses Geschenk, das wirklich ein königliches genannt werden könnte, nach, und sagte zu meinem Gegenüber: „Dieser Auftrag Abdul Hamids erschreckt mich eher. In keinem Falle vermag dieses Geschenk in mir Vertrauen zu jerwecken." „Ihr Orientalen", warf Herzl ein. „denkt über jede Geringfügigkeit mehr als notwendig ist, nach." Worauf ich antwortete: „Ihr Abendländer kennt nicht den Gedankengang Abdul Hamids. Wenn mein Padischah Ihnen diese Nadel spendete, um Sie damit zu schmücken, so tat er dies bloß, weil er sie Ihnen nicht in die Gurgel stoßen konnte." Dr. Herzl lachte nicht mehr. In Gedanken versunken, schwieg er. Als ich damals nach Salonichi zurückkehrte, schrieb ich in der Zeitschrift „L'Epoca" einen Artikel über meine Zusammenkunft mit Dr. Herzl und vermied es, mit Rücksicht aus die strengen Zensurvorschriften, den Zionismus oder etwas Aehnliches auch nur mit einem Worte zu erwähnen. Aber trotz meiner großen Vorsicht und trotzdem die Zensur. meinen Artikel durchgelassen hatte, ging an dem Tage, da die ^L'Epoca" in Konstantinopel ankam, folgende chiffrierte Depesche Abdul Hamids an den Generalgouverneur Hasan Fichmi P a s ch a ab: „Der Chefredakteur der Zeitschrift „L'Epoca" hat während seiner jüngsten Europareise den mir verhaßten (?) Führer des Zionismus Dr. Herzl in Wien aufgesucht, dessen Ideen geeignet sind, die Lebensinteressen des Reiches in großem Maße zu schädigen. Wegen dieser Unterredung hat das Erscheinen der Zeitschrift. .L'Epoca" auf unbestimmte Zeit eingestellt zu werden." Als Herzl hiervon erfuhr, erschrak er fürchterlich und bat mich in einem Briefe, ihm die Einzelheilten des Vorfalles mitzuteilen. In diesem Briefe wiederholte er auch den Inhalt unserer Unterredung. Dr. Herzl schloß diesen Brief mit den Worten: „Trotz alledem bin ich überzeugt, daß wir zum Wohle des Volkes arbeiten und wir werden unsere Arbeit mit derselben Energie und mit Berücksichtigung der Lehren, die uns die Erfahrung bietet, fortsetzen." - Ein Gesuch russischer Juden an die Türkei. Dem „P. Ll." wird aus Petersburg unterm 27. Iuli telegraphiert: Die Vertretung zahlreicher jüdischer Ge-