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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-07-30 · 31 (30.7.1909) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
31 (30.7.1909)
Date
1909-07-30
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 31 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 539 diesem Hause, vor deinem Gotte, gehüllt hast, in den Sarg hineinlegen und seine Schaufäden abreißen; erst daun brauchst du die Schaufäden nicht mehr. b,ttq D22V2 m^im Die Torheit wohnt im Herz n der Menschen, so lange sie leben. (Schluß folgt.) gttawtar. Eine Bemerkung zn Berliners „Randbemerkungen znm täglichen Gebetbuchs" (8iljc!ur). Bon Dr. B. Heis z—Sissek. „Alles ist im steten Werden, alles im steten Fluß", lehr! ein griechischer Denker. Alles bewegt sich nach bestimmten, ewigen Gesetzen und in der Gestaltung dieses Werdens liegt der Fortschritt oder der Rückschritt der Dinge. Auch das tägliche Gebetbuch (Liääur) in seiner heutigen Erscheinung ist das Ergebnis jahrhundertelangen Werdens. Mit einigen von den alten Tanaiten und Amoräern verfaßten Gebetformen trat es in die Erscheinung, nahm im Laufe der Zeit alle Gebetstücke der alten und der neuen Synagoge in sich auf und präsentiert sich uns heute gewissermaßen als ein Dual-System: — an» und mm an» Der Einfluß der Kabbala auf beide Systeme war so stark, daß er in die Poesie und Aesthetik der Liturgie vielfach „Wirrnis und Jrrnis" brachte und ein mystisch-kabbalistischer Zug machte sich breit in der Tefilla. Erst Wolf Heidenheim (1800), der Mendelssohn des Machsor, wie ihn Zunz treffend nennt, brachte mit seiner Edition des Liääur einige Ordnung in das westeuropäische Gebetbuch. Das osteuropäische Gebetbuch blieb nach wie vor vorwiegend kabbalistisch. Prof. Berliner ist gewiß wie kein anderer berufen, Bemerkungen zum täglichen Gebetbuche zu schreiben; allein der schädliche Einfluß der Kabbala auf die Tefilla, „Das Wirrnis und Jrrnis", von denen der hochgeschätzte Verfasser spricht, ist doch eine ungerechte Bemerkung gegen das alte Gebetbuch. Mau mag denken über die Kabbala als solche wie man will; ihre Lehre dürfte verwirrend wirken auf das jüdische Denken, allein, die meisten von ihr inspirierten Gebetstücke sind geradezu der höchste Ausdruck menschlichen Sehnens und Empfindens, eine höchste Gefühlt steigerung des menschlichen Herzens! Als Beleg will ich hier nur das von dem geehrten Verfasser äußer Acht gelassene ^2-Gebet vor 1212 am Freitag-Abend anfÜhren, das ganz kabbalistisch ist, das aber, wie ich aus persönlicher Erfahrung bezeugen kann, eine Stimmung im Menschen auszulösen imstande ist, die alle ethischen Forderungen des psv-Gebetes erfüllen könnte! Kabbalistisch ist auch der Usus am Freitag-Abend vor dem Mincha-Gebet den Psalm 107: mn zu rezitieren. Wer die Macht der Begeisterung und Entzückung eines Psalms noch nie empfunden, der besuche einmal eine Synagoge, in der dieser Psalm gebetet wird und überzeuge sich, welchen Enthusiasmus die Worte: ub'X' onTYipiaa» cnb 2L2 "1 ippan hervorzurufen imstande sind. — Es ist doch kein leerer Wahn, einmal auch kabbalistisch zum lieben Gott zu beten! Ja, aber das Verständnis! Nehmet nur alles in allem; wo ist das allgemeine Verständnis für das gepriesene H e i d e n h e i mpche Gebetbuch? Dem westeuropäischen Juden ist auch dieser Liääur e:ne Art „Kabbala", eine Geheimlehre. Wer den hochgeschätzten Verfasser nicht als gesetzestreuen Juden kennt, könnte aus vielen Stellen der „Randbemerkungen" versucht sein, anzunehmen, der Autor sei ein Mitglied der „liberalen Vereinigung deutscher Juden". Wie richtig bemerken doch unsere Weisen: 2'L2N a2'“n-o nntn M. Mieses. Die antiken Völker und Israel. Verlag des „Hamicpe", Krakau, 1909. Eine in hebräischer Sprache verfaßte, lehrreiche und lesenswerte Schrift mit einer Fülle interessanten historischen Materials aus dem jüdischen Schrifttum und aus der antiken Literatur. Aus die Geschichte des Antisemitismus wirft diese Schrift helle Schlaglichter. Kalischer A. Der Ewige mein Panier! Breslau, 1907, Koebner M. 3.—. Eine sehr beherzigenswerte, ans der Tiefe einer echt jüdisch empfindenden Persönlichkeit geschöpfte Anleitung zur Erneuerung des jüdischen Gedankens und zur Erfüllung der weltgeschichtlichen Sendung Israels. I,. Salfeld S. Zur Geschichte der Mainzer Synagogen. (S.—A.) Mainz 1908. Die Probe, die der verdiente Historiker hier von seiner Behandlung des reichen Mainzer Grabschriften-Materials bietet, berechtigt, von dem vollendeten Werke das Beste zu erwarten. R. L. Stähelin F., Israel in Egypten. Basel 1908, iu Kommission bei Helbing u. Lichten Hahn, M. 0.40. Ein Vortrag, der die neuen Papyrusfunde in Elephantine lichtvoll behandelt. Auf den Charakter des damals maßgebenden Judentums zu schließen, gestatten diese schon darum nicht, weil sie offenbar, wie der Verfasser selbst einräumt, aus einem Kreise stammen, der den Samaritanern sehr,nahe stand. x. Rawicz M. Der talm. Traktat Chulin» ins Deutsche übertragen und kommentiert, 1908, Selbstverlag des Verfassers fBezirksrabbiner Dr. Rawicz, Offenburg (Baden)j, Tl. I, M. 10. Die Uebersetzung gerade dieses Traktates, der von den Regeln des jüdischen Schächtens handelt, erhält durch die zähen Angriffe, denen diese jüdische Institution seit Jahren ausgesetzt ist, einen besonderen Wert. Ueber die Wichtigkeit und Zweckmäßigkeit der Schechita sich zu unterrichten, wird dieses Werk jedem Juden die willkommere Gelegenheit bieten. R. Franz Mart. Mayer. Geschichte Oesterreichs, 3. Anfl., 5. Lief., Wien u. Leipzig. Wilhelm Brauwüller, s. Nr. 26 d. Bl. Klein M. Die Anschauung der Heiligen Schrift vom Leben. Rawitsch 1905. (Jahresb. des kgl. Gymn.) 35 S. Diesem wichtigen Gegenstände hat K. eine sorgfältige Untersuchung gewidmet, deren Wert nur nach unserem Dafürhalten dadurch beinträchtigt wird, daß der Verfasser nach dem christlich dogmatischen Standpunkt das Alte Testament als den Unterbau für das Neue behandelt und jenes ganz christologisch auffaßt. R. L. Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde. Herausgegeben von Dr. M. Grunwald, 31. Heft (XII. Jahrgang, 3. Heft), Leipzig, M. W. Kaufmann. Mk. 4.- jährl. Dem so viel gesungenen und geplünderten W ö l w e l Ehrenkranz Zbarazer, dem Liebling des galizisch-jüdischen Humanismus, widmet Professor Dr. Weißberg, Stanislau. einen psychologischen Essay, mit dem er an der philosophischen Fakultät in Czernowitz den Doktorgrad erworben hat. Die Wolfsche Arbeit über „Fahrende Leute bei den Juden" beschließt ein Anhang von Doktor G r u n w a 1 d über die Wanderprediger. Eine Notiz von Dr. Lewinsky über „Pardon" und eine umfangreiche Bücherschau beschließen das inhaltsreiche Heft. I,. Nene israelitische Jugendbücherei „Sarou". Herausgegeben von I. Herzberg. Im Verlage von M. W. Kaufmann, Leipzig, find unter vorstehendem Sammeltitel zu billigstem Preis in schöner Ausstattung bisher erschienen: Sulamit, Jüdische Dichtungen ans alter und neuer Zeit, eine Blutenlese aus Klausner, Sachs, Geiger. Karpeles, Zlocisti usw. in zwei Bändchen, und vom Herausgeber: Moses Mendelssohn, ein Lebensbild für die israelitische Jugend mit den Bildern der beiden Mendelssohn-Denkmäler in Dessau und in Berlin. Wir können die schmucken Bändchen, insbesondere das letzte, wärmstens empfehlen, x. Dritter I. Abraham und seine Zeit. Münster i. W., 1909, Aschendorff, 45 S. M. 0.60 (bei Bezug der 2. Folge 45 Pfge.) Von den an dieser Stelle bereits wärmstens empfohlenen „Biblischen Zeitfragen" ist mit dem vorliegenden Hefte die 2. Folge eröffnet worden. Diese Arbeit des Wiener Professors ist ein Muster für eine besonnen kritische Behandlung biblischer Fragen, die den Phantasien gewisser Hypothesentünstler auf Grund der neuesten Ausgrabungen am Nrl, am Euphrat und Tigris, sowie in Palästina einen sicheren Damm entgegensetzt. Man beachte bei solcher Gediegenheit des Inhaltes den für unseren jüdischen Büchermarkt unglaublich bescheidenen Preis! A. Aug. Wünsche. Aus Israels Lehrhallen« III. Band. Leipzig, 1909, Ed. Pfeiffer, M. 6.20. Mit herzlicher Freude begrüßen wir das Erscheinen dieses neuen Bandes eines von uns in diesen Blättern bereits gebührend gewürdigten, höchst verdienstlichen Werkes. Trotz seiner Bedeutung hat es, wie das Vorwort besagt, eines namhaften Zuschusses aus jüdischen Mitteln bedurft, um die Drucklegung dieses Bandes zu ermöglichen und die Herausgabe e'nes 4. und 5. Bandes zu sichern. Der Band enthält den Midrasch Konen, eine Geschichte von R. Josua b. Levi. sowie andere Midraschim zur jüdischen Eschatologie und Apokalyptik, Gegenstände, die in der Einleitung meisterhaft behandelt werden, x. Carneri B. Der moderne Mensch. Taschenausgabe. Leipzig 1909. Alfr. Kröner. Für eine Mark ist das inhaltsreiche Werk des Weisen von Marburg in entsprechender Ausstattung nun käuflich zu erstehen. Aus .dem bekannten Inhalte sei nur an die Stelle über den Liberalismus (S. 37) erinnert, die mit feiner Jronifiernng der jetzt hierzulande maßgebenden Gewalten den Liberalen vorwirft, daß sie „nicht Mittel geschaffen haben, durch die jeder ohne Arbeit wohlhabend werden kann", und das Urteil über den Antisemitismus (S. 119), das zu den beachtenswertesten zählt, die dieser Sumpfpflanze moderner Kultur gewidmet worden find. 3. W.

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