Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 31 (30.7.1909)
- Date
- 1909-07-30
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 31 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 537 des edlen Philanthropen. Nach der Predigt rezitierte Herr Kantor Braunfetd das El mole rachmim, worauf Herr Dr. Frei' mann ein hebräisches Gebet für das Seelenheil des Verstorbenen und das Lsäctiseh ärabonou verrichtete. Die erhebende Feier hatte auf alle Zuhörer den besten Eindruck gemacht. Nach dem Gottesdienste wurde vom Herrn Knltusvorsteher-Stellvertreter Leopold L u st i g jun. ein namhafter Betrag unter die israelittschen Ortsarmen zur Verteilung gebracht. Schließlich sei noch erwähnt, daß die Witwe des Herrn Simon Skrainka s. 21., Frau Amalia Skrainka. zum ehrenden Audenken ihres Gatten eine Beheizungsanlage in dem hiesigen neuen Tempel auf ihre Kosten einführen wird und der Chewra Kadischa bereits im Vorjahre 1000 Kronen und jetzt weitere 200 Kronen für wohltätige Zwecke gewidmet hat. . . . ä. Teplitz Schönau. (Errichtung einer Votivtafel für weilandH errn Geheimen Sanitätsrat D r. Ignatz Hirsch.) Am 3. August d. I., mittags 12 Uhr, findet die Enthüllung einer Votivtafel für weiland Herrn Geheimen Sanitätsrat Dr. Ignatz Hirsch, gewesenen Stadtrat und Ehrenbürger von Teplitz-Schönau, an der Stätte seines nahezu 40jährigen selbstlosen und humanen Wirkens als Primarius des israelitischen Hospitales in Teplitz-Schönau, Lindenstraße 25 statt, die, von den dankbaren Patienten dem ehrenden Angedenken ihres edlen, hochherzigen Wohltäters gewidmet, eine Ehrung bedeutet, die der verblichene Menschenfreund in reichstem Maße verdient hat. Jüdischer Wohltäligkeitssirr,,. Vorige Woche starb in Budopest der bekannte Budapester Arzt Dr. Jakob Vandor. Dieser Tage wurde nun sein Testament publiziert. In demselben finden sich mehrere bedeutende Legate vor. So hinterläßt der Erblasser den Betrag von 30.000 Kronen als Stiftungsplatz für einen Jüngling israelitischer Konfestion der Lndovica-Honvedakademie. Uber die Eignung und Würdigkeit des Jünglings hat in erster Reihe der Vorstand der Bester israelitischen Religionsgemeinde, in zweiter Reihe das Honvedministerium zu entscheiden. Ferner vermachte er dem Adele Brody-Kinderspitale ein Legat von 4000 Kronen, dem israelitischen Knabenwaisenhau'e weitere 2000 Kronen, dem israelitischen Mädchenwaisenhause 60 0 Kronen, dem israelitischen Spitale 4500 Kronen, dem Heiligen Verein 5000 Kronen, dem Elisabeth-Sanatorium »nd dem Klub der Budapester 2lerzte je 2000 Kronen, der israelitischen Gemeinde in Apatin 1000 Kronen. Berlin. Herr Oberkantor O c st e r r e i ch e r, den auch Wien seit seinem Wirken am Brigittenauer Tempel in angenehmer Erinnerung hält, wurde vom Tempel Berlin, Kleine Auguststraße, an dem er, den Berliner polizeilichen Vorschriften halber, nur interimistisch tätig sein konnte, an den neuerbaulen Charlottenburger Tempel in der Bismarckstraße berufen und nach einem mit großem Erfolg abgehaltenen Probevortrag als Oberkantor engagiert. Herrn Oesterreichers Vortrag und Stimme fanden derartigen Beifall, daß die Charlottenburger Gemeinde es sich zur Aufgabe gestellt hat, seine definitive Anstellung bei der Behörde durchzusetzen. Der Tempel Auguststraße fieht dem Scheiden des allgemein beliebten Oberkantors mit großem Bedauern entgegen. Lodz. Hier weilen seit einigen Monaten zwei Mitglieder der englischen Gesellschaft zur Verbreitung des Christentums unter den Juden, Samuel Joffe und L. G i n s b u r g. Sie verbreiten die Bibel in hebräischer Sprache und im jüdischen Jargon, find sehr tätig und agitieren vorwiegend in den jüdischen Stadtvierteln. Selbstverständlich werden sie da schief angesehen und haben schon mehrmals anonyme Drohbriefe bekommen. Sie ließen sich dadurch nicht einschüchtern. Als jedoch neulich Ginsburg wieder auf der Nowomiejskastraße erschien, wurde er von etwa zehn Männern überfallen, die ihn in einen Hausflur hineinzogen Und furchtbar durchprügelter. London. Wie wir schon in voriger Nummer berichtet haben, wurden vergangene Woche vier Probe'Predigten für den Oberrabbiner-Posten bei der Federation Gemeinde abgehalten. Am 14. und 19. sprach Rabbiner Dr. I. Seliger aus Krakau, am 20. und 21. sprach Oberrabbiner M. D u s ch i n s ky aus Rükospalota. Wie es scheint, fanden beide Redner Beifall. Nun, wie es schon in jüdischen Gemeinden geht, wo doch bei der Aufnahme eines Rabbiners kritisiert werden muß, wurde Dr. Seliger der Vorwurf gemacht, daß er zu lange — nahezu 2V3 Stunden — gesprochen, und Rabbiner Duschinsly, daß er zu kurz — nur 50 Minuten — gepredigt habe. Ecsterer als Pole scheint durch sein Jiddisch mehr der großen Menge der hier lebenden russischen Juden, letzterer durch seinen modern gehaltenen Vortrag den gebildeten Kreisen gefallen zu haben. Immerhin werden, wie es gegenwärtig scheint, kaum mehr Berufungen erfolgen und dürfte die Entscheidung in einigen Wochen getroffen werden. Konstantinopel. Der Sultan hat dem Großrabbiner ChajimNahum Effendi den Großkordon des Medschidje- Ordcns verliehen. — Emanuel Carasso, der jüdische Abgeordnete für Salonichi, wurde im Parlament mit 151 Stimmen zum Mitgliede der Untersuchungskommiffion über die letzten Unruhen in Adana gewählt. Dort waren bekanntlich Armenier und Juden seitens der griechischen Bevölkerung. blutigen Verfolgungen und Plünderungen ausgesttz^. Aus diesem Grunde ist auch von Adana aus an die Hohe Pforte das Verlangen gerichtet, daß eine Kommiffion von Israeliten an den erwähnten Untersuchungen teilnehmen solle. Petersburg. Baron David Ginzburg will die von ihm gegründeten jüdisch-wissenschaftlichen Kurse zu einer Hochschule der jüdischen Wiffenschaften herausbilden. Ec hat daher in Begleitung des Herrn D. Feinberg von der ..Jca" die jüdischen Zentren Rußlands bereist und dort Komitees zur Unterstützung dieser Hochschule gegründet. Feuilleton. Da« Schicksal einer Predigt. Von Dr. Emanuel Schwartz-Prag. Es war an einem Freitag Nachmittag im Prager Sommer. Auf der Uhr des jüdischen Rathauses stand der Stundenzeiger des hebräischen Zifferblattes auf i, das ist sechs. In den alten Ghettomauern rüstete man zum würdigen Empfang des herannahenden Sabbathes. Auch im Hause des Rabbi waren alle Vorbereitungen für den heiligen Tag getroffen. Der kleine Quälgeist, die 7 Jahre alte Rachel, hatte ihren Federkasten fortgelegt, damit er auf Papas Schreibtisch der Sabbathruhe pflege. Die fromme Mutter musterte mit prüfendem Blicke die festlich bereitete Tafel und stellte die im Empirestil gehaltenen Silberleuchter auf das blendend weiße Linnen. Nur in der Studierstube herrschte noch der Werktag. Geschäftig surrt die Feder über das Papier, das in der Werkstätte des Predigers zu einer Predigt für morgen werden soll. Der junge Prediger nimmt es sehr ernst und gewissenhaft mit seinen Pflichten gegen die an führende Kanzelredner gewöhnte und von ihnen verwöhnte Gemeinde. Doch steckt ihm auch „die Furcht vor der Gemeinde" tief im Blute, er macht sich trotzdem in der Regel spät an das Aufschreiben der Predigt und kann nicht schnell genug damit fertig werden. Er baute auf die Gewohnheit, das Thema die ganze Woche durch das Hirn zu wälzen, und auf die bewährte Kraft feines Gedächtnisses, die ihm immer noch treu geblieben ist. Er sagte sich in seinem frohen Optimismus: es wird auch diesmal schon noch werden. Und es ist geworden. Nicht auf losen Lappen, in geheimnisvollen Hieroglyphen, wie sonst; auf einem tadellosen Blatt, in zierlich gerundeten, wenn auch eng einander gereihten Buchstaben, repräsentiert sich heute fein säuberlich die glücklich vollendete Arbeit. Allein das ist der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich; die Predigt sitzt warm auf dem Papiere, aber nicht fest im Kopfe: es ist die höchste Zeit fürs Memorieren. Das Manuskript wird in die „Oesterreichische Wochenschrift" gelegt, die gerade, wie jeden Freitag, als ein lieber Gast aus Wien eingetroffen ist. An