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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-07-30 · 31 (30.7.1909) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
31 (30.7.1909)
Date
1909-07-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 636 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 31 Bofrat Professor Dr. Leopold Oser. Am 27. d. M. hat Hofral Professor Dr. Oser seinen siebzigsten Geburtstag begangen. In der Bescheidenheit. die dem berühmten Gelehrten eigen, hat sich Professor Oser der Flut von Ovationen und Glückwünschen. die seiner, anläßlich des Iubeltages harrten, durch die Abreise aus Wien entzogen, und so müssen seine unzähligen Freunde und Verehrer den Beginn des Wintersemesters abwarten, um ihm ihre Gratulationen darzubringen. Man wird Hofrat O s e r als hochverdienten Forscher und Organisator, als trefflichen Lehrer, aber auch als herzensguten Menschen und als Zierde seines Standes feiern. Ein arbeitsreiches, von Erfolgen gekröntes Leben liegt hinter dem nun jetzt Siebzigjährigen. Oser studierte unter Skoda, Oppolzer und Rokitansky und wurde im Jahre 1862 an der Wiener Universität zum Doktor der Medizin und der Chirurgie promoviert; er war fünf Jahre lang Sekundararzt im Allgemeinen Krankenhause, habilitierte sich für innere Medizin, wurde im Jahre 1872 über Vorschlag eines Professorenkomitees, dessen Referent Skoda war. Primarius des Rothschildspitals der isr. Kultusgemeinde und Abteilungsvorstand an der Allgemeinen Poliklinik, zu deren Gründern er zählt, 1874 Mitglied des niederösterreichischen Landessanitätsrates, 1885 außerordentlicher Professor: er erhielt im Jahre 1902 Titel und Charakter eines Ordinarius, ein Jahr später den Hofratstitel und wurde im Jahre 1905 zum Vorsitzenden des Landessanitätsrates ernannt. Hofrat Oser befaßte sich wissenschaftlich mit den Erkrankungen des Magens und Darmes, auf welchem Gebiet er sich eine unbestrittene Autorität erwarb. Die reiche, klinische Erfahrung, die er zuerst als Primarius des Rothschildspitals — heute ist er dessen.Direktor — und dann als Abteilungsvorstand an der Poliklinik — Hofrat Oser gehört zu den Gründern dieses Instituts — zu sammeln in der Lage war, trug viel dazu bei, aus Hofrat Oser einen unserer ersten Diagnostiker zu machen. Er führte in der Therapie den nach ihm benannten Magenschlauch ein: geradezu grundlegend waren seine Studien über Magenneurose. Er gab eine erfolgreiche Behandlung der Magenerweiterung aus. Von großer Wichtigkeit für die Physiologie und Pathologie der Verdauung ist sein Werk über die Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, das erst jüngst ins Englische übersetzt worden ist. Hofrat Oser ist ein unermüdlicher, liebevoller, aufopfernder Arzt, der durch seinen geistreichen Humor die Schrecken der Krankheit zu verscheuchen weiß und /dem seine Patienten immer das dankbarste Angedenken bewahrt haben. Er zeigt nie eine Spur von Ungeduld oder Nervosität, bei ihm ist ein oft sarkastischer Witz mit wahrer Güte des Herzens gepaart. So sind bei ihm alle Eigenschaften vereint, die den Arzt nicht nur zum Heilen der Krankheiten, sondern auch zum Tröster der Kranken bestimmen. Oser hat die wertvollen Ergebnisse seiner reichen Forscherarbeit in zahlreichen von der internationalen Fachwelt anerkannten Werken niedergelegt. Und so folgen ihm die herzlichsten Glückwünsche seiner zahllosen Freunde zu seinem siebzigsten Geburtstag in sein Heim, dem eine kongeniale Lebensgefährtin, die er gefunden, eine feingebildete Dame von Herz und Gemüt, vorsteht. Wien. (Liwias Chen, II., Stefanie st raße Nr. .2.) Samstag den 31. d. M. Vortrag des Herrn I. R o sner über Pirke Owos um 5 Uhr nachmittags. Friedrich Herrnfeld. Der immer so heitere und stets gutherzige Friedrich Herrnfeld, Redakteur der „Oesterr. Volkszeitung", mit dem seine Bekannten noch vor wenigen Tagen recht angenehme Stunden verbrachten, ist cm 23. d. M. nach dreitägiger Krankheit jählings aus dem Leben geschieden. Seine Bedeutung als Journalist und seine unermüdliche Wirksamkeit im Dienste der Allgemeinheit — er war der Gründer der segensreich wirkenden „Wiener Wärmestube" und stand dem Begründer der „Freiwilligen Rettungsgesellschaft", deren Ehrenmitglied er war, Baron Mundi, stets in der selbstlosesten Weise treu zur Seite — hat die Tagespresse vollauf gewürdigt. Allein Friedrich Herrnfeld, der so viel für leidende Mitmenschen, die auf die Wohlfahrtseinrichtungen des Staates und der Gesellschaft angewiesen sind, tat, wirkte und schuf, sah ein, daß man für die armen, kranken Juden separate, rein jüdische Institutionen gründen und erhalten muß. Bei seinen vielfachen Beziehungen zu der gegenwärtig im Wiener Rathaus herrschenden Partei wußte er es ganz genau, daß der arme, kranke Jude in Wien doppelt leide. Deshalb trat er allen jüdischen Vereinen, noch bevor man ihn rief, gerne bei und hat seine auf dem Gebiete der Wohltätigkeit seit Jahren gesammelten Erfahrungen gerne zur Verfügung gestellt. Durch sein freundliches Benehmen und seinen sprichwörtlichen Mutterwitz war er der Liebling der Wiener Gesellschaft und der höchsten Würdenträger des Staates. Selbst die Führer der christlichsozialen Partei, denen gegenüber er aus seinem Judentums nie einen Hehl machte, haben mit ihm gerne verkehrt und ihm wurde sogar in einer öffentlichen Gemeinderatssttzung durch den Mund des Bürgermeisters die Anerkennung der Gemeinde Wien für sein humanitäres Wirken ausgesprochen. Vom Kaiser wurde er durch Verleihung des Franz Joseph-Ordens ausgezeichnet. Friedrich Herrnfeld war in den Traditionen des Wiener Judeniums ausgewachsen, für die Erhaltung des gegenwärtigen Geistes in der jüdischen Gemeinde trat er wiederholt öffentlich ein, und deshalb hat er auch, unbekümmert, ob es ihm in seinem Berufe nickt schaden konnte, gelegentlich der letzten Kultuswahlen auf das schändliche Treiben gewisser Elemente, die sich im Dienste des Parteitreibens sogar mit dem „Deutschen Volksblatt" verbanden, öffentlich hingewiesen. Er war ein ehrlicher und fester Charakter, der in seinem Altruismus so weit ging, daß er auf sich und seine Familie ganz vergaß. Die große Zahl, die sich Sonntag den 25. d. M. am Zentralfriedhofe versammelte, um ihm das letzte Geleite zu geben, zeigte, wie beliebt Friedrich Herrnfeld in Wien überall war. Oberrabbiner Dr. Güdemann hob die Verdienste des Verstorbenen rühmend hervor. Redakteur Balduin B r i ch t a nahm im Namen der Redaktionskollegen mit rührenden Worten von dem treuen und guten Kollegen Abschied, ebenso das Vorstandsmitglied der „Konkordia" Jul. S t e r n. Nachdem Oberkantor Don Fuchs mit seiner herrlichen Stimme mit Chorbegleitung die Trauergesänge verrichtet hat, wurde die Leiche Friedrich Herrnfelds zur ewigen Ruhe gebettet. I. G r o b t u ch. Austritte aus dem Judentum. Vom 18. bis 24. Juli 1909. Bass Wilhelm, Kellner, geb. 21. Oktober 1889, Wien, VJI., Urban Loritzplatz 5. Frankel Feige, geb. 10. Jänner 1885, Przywalicha (Galizien), XX., Vorgartenstrasse 67. Hirsch Erwin, Abiturient, geb. 22. Juni 1891, Wien, XIII., Trauttmansdorffgasse 5. Hofmann Wilma, Sprachlehrerin, geb 22. März 1887, Wien, IV., Scbleifmühlgasse 2. Huth Gustav, Privatbeamter, geb. 25. Mai 1885, Prossnitz, II., Pazmanitengasse 25. Kende Irma, Private, geb. 28. August 1876, Wien, VI., Gumpendorferstrasse 28. Kerner Fritz, Ingenieur, geb. 1. März 1882, Wien I., Rudolfspl. 1. Konrad Adele, Kunstblumeuarbeiterin, geb. 20. Februar 1891, Wien, XVI.. Kirchstetterngasse 13. Langer Richard, Pfründner, geb. 10. Dez. 1889, Wien, XX., Klosterneuburgerstrasse 85. Lippa Koloman, Kaufmann, geb. 17. August, 1879, Budapest, VII., Kaiserstrasse 63. Löwenstein Julius, Buchhalter, geb. 5. April 1878, Wien, VII., Andreasgasse 1. Mandl Josef Otto, geb. 9. Jänner 1891, Krakau, III., Daponteg. 2. Floss Fritz, Kaufmann, geb. 29. Oktober 1875, Wien, IX., Liechtensteinstrasse 17. Schrenzei Gabriele, Private, geb. 17. Juli 1895, Wien, V., Kompertgasse 6. ♦ * * Fuchs Antonie, Gouvernante, geb. 28. Dezember 1878, Budweis. Steiner Adolf, Hausbesitzer, geb. 1846, Budweis. Steiner Anna, geb. Pollak, Hausbesitzersgattin, geb. 1853, Budweis. Holleschau, 22. Juli. (Seelengedächtnisfeier.) Anläßlich des Jahrestages des in: Vorjahre verstorbenen Wohltäters Herrn Simon Skrainka. der wie seinerzeit berichtet wurde, der hiesigen Kultusgemeinde den Betrag von 50.000 Kronen vermachte, fand heute in Gegenwart der Witwe und vieler Familienangehörigen eine solenne Gedächtnisfeier unter Beteiligung des Vorstandes der Kultus- und israelitischen Stadtgemeinde, der Chewra-Kadischa, der Talmud-Thora und eines zahlreichen Auditoriums statt. Die Feier wurde mit der Absingung des adonoj mo odom durch Herrn Kantor Braunfeld eingeleitet. Hierauf bestieg Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. I. Freimann die Kanzel und würdigte in einer gediegenen Rede die Verdienste und bte tugendhaften Eigenschaften

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